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ZvL Sonnabend, den 2. September 1882.

Fuldaer 1® Zeitung.

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-o- Das französische Schulgesetz. II.

Die Regierung versichert bei jeder Gelegen­heit, die Volksschule werde in religiöser Hin­sicht vollständig neutral bleiben. Wie sie dies Versprechen versteht, beweist die That- sache, daß die Schulbehörden das berüchtigte Handbuch der Bürgermoral von Paul Bert den Kindern in die Hand geben. Dasselbe ist von Anfang bis zu Ende eine gehässige Bekämpfung des Christenthums und des Gottesglaubens überhaupt. Am 10. Juli stellte Herr Buffet im Senate den Unter­richtsminister zu Rede, da in Beaumont Kinder gemaßregelt wurden, weil ihre El­tern ihnen den Gebrauch dieses gottlosen Buches verboten hatten. Buffet erwähnte, daß das Buch nicht neutral sei, indem es die Wunder läugne; in einem „der Ursprung der Religionen" betitelten Abschnitt werde ausgeführt, die Priester seien an Stelle der Hexenmeister getreten, in einem anderen Ab­schnitte werde das Vorhandensein des Teu­fels als Unvernunft und Aberglauben be­zeichnet. Diese Abschnitte müßten die Kin­der abschreiben. Der Pfarrer bedeutete den Eltern, daß er ihre Kinder nicht zum hl. Abendmahle vorbereiten und zulassen könnte, wenn sie solche Lehren in der Schule em­pfingen. Die Eltern verboten darauf den Kindern das Lesen und Abschreiben aus dem Buche, worauf dieselben von der Schule ausgeschlossen wurden. Sie sollten erst wieder ausgenommen werden, wenn sie sich verpflich­teten, in Allem durchaus dem Lehrer zu ge­horchen. Der seitdem gegangene Unterrichts-

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Der Weg zum Verderben.

Nach bem Französischen von I. Rüttgers.

(Fortsetzung.)

Plötzlich erhob sich der Banquier, warf einen unsichern Blick um sich und begann in ein helles Lachen auszubrechen — es war das Lachen eines Irrsinnigen.

„Die Engel singen, die Engel wiegen Dich, Conrad!"

Einige Stunden später brachten einige Soldaten den Abba de Hautmonstier, den Banquier, der fortwährend von seinem Sohne sprach, und den Körper des jungen Märty­rers in das Hotel Belleforge's.

XXV.

Es war ein schwarzes feuchtes Loch, an deffen Mauern die Räffe herunterträufelte. Weil das Kellerloch, das auf die Straße aus­ging, zur Kriegszeit geschlossen worden war aus Furcht vor den Bomben und später aus Schrecken vor dem Petroleum der Commune, so drang auch nicht ein einziges Lüftchen hinein. Die Thüre, welche aus schlecht ver­bundenen Brettern bestand, knarrte in halb verrosteten Angeln. Zur Erde bildete der Kohlenstaub eine dichte Lage und sog so die Feuchtigkeit des Bodens in etwa auf. Eine enge Wendeltreppe führte in diese Höhle

Minister F e r r y antwortete auf die Beschwerde, der Lehrer in Beaumont sei ein trefflicher junger Mann, der es ernst mit seinen Rech­ten und Pflichten nehme, dabei in religiösen Fragen sich sehr zurückhaltend zeige; der Pfarrer dagegen sei ein Kampfhahn, er habe durch sein Vorgehen eine wahre Miffe- that begangen. „Wir aber werden nicht dulden, daß man sich der Verweigerung der Sacramente bediene, um gegen unsere Schul­bücher vorzugehen:" so drohte der Minister. Buffet wies nun nach, daß der „treffliche junge Lehrer" sich schon in vier Gemeinden unmöglich gemacht. Wie aus einem Urtheil des Zuchtpolizei-Gerichtes in Chartres erhellt, hat er in einer dieser Gemeinden das Crnci- fix mit dem Besen von der Wand herabge- riffen, hingeworfen und dann verbrannt. — Dies ist nun aber erst der Anfang. Welche Mittel und Kniffe wird man aber noch an­wenden, um die Gottlosigkeit und den Haß des Christenthums mittelst der Schule überall einzuimpfen!

Gerade dem amtlichen Gewäsch über die Neutralität der Staatsschule gegenüber ist das offene Geständniß der ,Republique frangaise1 um so werthvoller: „Die Familie hat ihre unveräußerlichen Rechte, dies braucht uns Memand zu lehren; die Gemeinde hat auch ihre Rechte und ihre sittlichen Auf­gaben ; aber wer soll der Führer der Ration jein. Wer wird dem ganzen Volke das Ziel des Fortschrittes vorzeichnen, wer er­läßt die Gesetze und Vorschriften für die höhere, geistige Ausbildung? Wenn es nicht der Staat, das Vaterland, die französische Revolution sein werden, so wird es sicher

hinab, in der man keine Menschen hätte ver- muthen sollen — man hörte auch selten, wie Jemand dieselbe hinabstieg.

Indes seit etwa acht Tagen herrschte eine ungewöhnliche Bewegung in diesem elenden engen Loche. Man hörte bisweilen, wie halbleise Worte gewechselt wurden, und öfters ließ sich das Weinen von Kindern vernehmen. Bei Nacht kroch furchtsam ein Mann aus dieser Spelunke, stieg die Treppe hinauf, huschte rasch in die Straße, und furchtsam um sich blickend schlich er eiligst an den Mauern dahin. Im nächsten Bäcker­laden warf er einige Sous auf den Laden­tisch und nahm ein Brod mit, das er, ge­rade als ob er es gestohlen hätte, unter sei­ner Blouse verbarg -- dann stieg er wieder rasch in den Keller hinab. Eine halb ver­glimmende, an der Wand befestigte Laterne kämpften vergebens gegen die Finsterniß. Sie beleuchtete höchstens mit traurigem Scheine die Gesichte der Bewohner dieses Kellers.

Niemand würde in dem schmutzigen Mann mit kahl geschorenen Haaren wie ein Ga­leerensträfling, mit schmutziger Wäsche und zerlumpten Kleidern den ehemaligen Föde- rirten mit dem goldgalonirteu Costüme den frühem Adjuneten der Mairie den „Striker", erkannt haben.

Die erdfahle Blässe seines Gesichtes ließ

die Kirche sein. Es ist kein Drittes möglich. Eine der beiden Mächte wird dem franzö­sischen Volke zur Richtschnur werden. Diesem Entweder- Oder wird man sich in absehbarer Zeit nicht entziehen können."

Bestimmter ist kaum jemals der unver­söhnlichen Widersprach zwischen der Kirche und der französischen Republik ausgedrückt worden. Um den Gegensatz gegen letztere auszutilgen, muß das katholische Gewiffen, das christliche Bewußtsein vernichtet werden. Hiezu bedarf der Staat die Schule, und dazu nimmt er dieselbe ganz für sich in Beschlag. „Eine Milliarde," sagte Jules Ferry bei einer Preisvertheilung, „und zehn Jahre Arbeit unter dem Dreigestirn der Unentgeltlichkeit, des Zwanges und der Weltlichkeit, und wir werden neue, des demo- cratischen und republicanischen Frankreichs würdige Geschlechter entstehen sehen, welche an Geist und Körper gleich gesund, durch die Zucht der Wissenschaft und der Ver­nunft ausgebildet sein werden." Wie man sieht, die reichen Hilfsquellen des französischen Staatshaushalts ermöglichen den Republi- eanern die Ausführung ihrer auf Austilgung der Kirche mittelst der Staatsschule gerich­teten Pläne. Wie sollen die freien christ­lichen Schulen gegen diese mit allen Zwangs­mitteln des gewaltthätigen Polizeistaates ausgerüstete Geldmacht den Kampf auf­nehmen? Als bei einer Sammlung für die Pariser freien Schulen eine Million aufkam, höhnten die republicanischen Blät­ter: „Sammelt nur, so viel ihr wollt, wir vermögen, Dank der Stadt- und Staatscaffe, gegen jede Eurer Millionen zwanzig und um so mehr zwei fieberhaft rollende Augen hervorstechen, seine Hände zitterten convul- sivisch. Faraude hatte sich nicht weniger verändert. Auf die Raserei der letzten Tage der Commune war eine vollständige Nieder­geschlagenheit gefolgt. Stumpf faß sie da auf einem Stück Holz, das früher dazu ge­dient hatte, Fässer im Gleichgewichte zu hal­ten. Man hätte sagen können, sie vernehme in ihrem eigenen Innern die Stimme, welche sie verfluchte. Oesters fuhr sie zusammen und führte die beiden Hände zu den Ohren, um nichts mehr zu hören, oder bedeckte sich das Gesicht damit, um nichts mehr zu sehen. Aber sie mochte thnn, was sie wollte, das Jammern der Frauen und Mütter verfolgte sie, und der lodernde Brand der Flammen, welche sie angezündet hatte, brannte ihr noch fortwährend unter den Augenlidern.

Bisweilen richteten der Striker und Fa­raude einige Worte zueinander — die un­heimliche Stille erschreckte sie — aber ihre Worte erschreckten sie noch mehr als ihr Stillschweigen.

Was mochten diese verworfenen, von ein­ander verdorbenen und verführten Wesen einander zu sagen haben? Der Eine warf dem Andern vor ihn ins Verderben gestürzt zu haben - und Flüche und Verwünschungen gaben sie sich in reichem Maße zurück.