Donnerstag, den 31. August 1882.
Jfnlhdrr Jeitung.
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O Der St. Raphels-Verein.
(Schluß.)
Alle diese Vertrauensmänner leisten den katholischen Auswanderern alle Dienste und Gefälligkeiten durchaus unentgeltlich und sind auch bereit den Auswanderern vor ihrer Abreise auf briefliche Anfrage schnellste Auskunft zu geben (nur sind für die Rückantwort die nöthigen Briefmarken beizulegen). Ihre Dienstleistungen erstrecken sich auf alle Angelegenheiten der Reise: Angabe der besten und billigsten Reiseroute nach den Hafenplätzen, Empfang bei Ankunft in den Hafenplätzen, wenn die Zeit der Ankunft vorher angezeigt wird, entsprechendes Loge- > K-SFV Geldwechsel und Einkäufe bei soliden , Auskunft über katholischen Gottesdienst, Vertheilung guter Schriften für die Seereise, Empfehlungskarte an katholische Vertrauensmänner in Nordamerika, Geleit an Bord des Schiffes. Die Vertrauensmänner können aber vollkommen Schutz und Fürsorge nur dann garantiren, wenn alle Angelegenheiten der Reise von Haus aus und von Anfang an mit ihnen brieflich berathen werden. Denn wie leicht kann es sonst Vorkommen, daß die armen Auswanderer schon vor ihrer Abreise beim Ankauf yvn ReisebilletS durch Agenten gepflückt und
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Der Weg zum Verderben.
Nach bem Französischen von I. Rüttgers. (Fottsetzung.)
Beide stiegen die Treppe hinunter, aber im selben Augenblick, wo sie auf den letzten Stufen waren, treimte sie ein Haufen Fö- derirter, trunken von Branntwein und schwarz von Pulver. Belleforge suchte sich durch diese Truppe einen Weg zu bahnen, aber seine Ungeduld machte ihn verdächtig, und zwanzig Arme streckten sich gegen ihn aus.
„Hast Du eine Karte? Bist Du ein Freund der Commune?" fragen die Communisten.
„Ich habe keine Karte", antwortete der Banquier, ich bin in Begleitung des Bürger- Secretärs, den ihr soeben gesehen, er kennt mich und steht für mich ein. Seht doch, da ist er ja!"
„Bürger, kenne.» Sie diesen Privatmann, srugen sie den Secretär."
„Ganz und gar nicht", antwortete dieser mit, „wenn ihr ihm nicht traut, so haltet chn während der Nacht als Gefangenen zurück."
Der Banquier durchwühlte in höchster Angst die Taschen seiner Kleider.
„Er hat mir ein Papier übergeben", sagte
gerupft werden, oder Ueberfahrtsbillets auf Seeschiffe nehmen, wo in jeder, besonders aber in sittlicher Beziehung schlecht gesorgt ist, und bei ihrer Ankunft im Seehafen sofort in schlechte Logis gelockt oder geführt werden? Also wende man sich brieflich noch vor dem Antritt der Reise an die Vertrauensmänner des St.-Raphaels-Vereins. Empfehlungskarten des Comite (Adresse: Comite zum Schutze katholischer Auswanderer in Birst ein, Provinz Hessen) können Pfarrer für ihre Angehörigen besorgen.
Ueberaus segensreich ist das bisherige Wirken des St.-Raphaels-Vereins gewesen, aber ungleich mehr hätte geschehen können, wenn nicht die Unkenntniß betreffs des Vereins so groß und die Theilnahme an demselben so gering wäre. Trotzdem der Verein von Bischöfen warm empfohlen, vom Heiligen Vater mit Ablässen versehen, und der jährliche Mitgliederbeitrag, je eine Mark, auch den weniger Bemittelten nicht schwer fallen kann, trotzdem der Vereinszweck erhaben und apostolisch, seine Wirksamkeit den Auswanderern wegen der unzähligen ihnen drohenden Gefahren geradezu nothmendig genannt werden muß, sind aus ganz Deutschland-Oesterreich nicht einmal 2000 Mk. regelmäßige Beiträge aus Einigungen des St.-Raphaels-Vereins eingekommen. Rur 23 Orte werden namentlich aufgeführt, aus denen solche Einnahmen flössen, darunter Köln mit 20 Mk., Frankfurt 32 Mk., München 55 M. Weil der Verein auch der Verbreitung des katholischen Glaubens so förderlich ist, sind wir gern bereit, etivaige Gaben für denselben entgegenzunehmen.
er, „ein Papier, das die Befreiung meines Sohnes enthält. Da ist es — es ist ja seine Unterschrift, nicht wahr? Und ich habe meinen Sohn theuer erkauft. Laßt mich durchpassiren! Ich bin nicht arretirt! Es liegt kein Haftbefehl gegen mich vor. Mein Sohn befindet sich zivei Schritte von mir entfernt. Er wartet auf mich er ruft nach mir.
Dann suchte Belleforge, in seiner Verzweiflung seine Kräfte auf's Aeußerste zusammennehmend, sich mit Gewalt einen Weg zu bahnen.
Ein Stoß mit dem Gewehrkolben war die Antwort auf sein Bemühen — blutend und ohnmächtig sank er zu Boden.
Der Morgen dämmerte, als Belleforge die Augen aufschlug. Man hatte ihn für todt gehalten und ihn mit Fußtritten in eine Ecke des Hofes hingestoßen, ohne sich weiter um ihn zu kümmern.
Seine Wunden verursachten ihm große Schmerzen, aber er hatte seine Geistesgegenwart vollständig behalten. Er wagte nicht sich zu rühren aus Furcht, die Aufmerksamkeit, der Garden auf sich zu ziehen, die im Hofe auf und ab gingen, und wartete nur auf eine gmutige Gelegenheit, unbemerkt zu entwischen, als plötzlich gegen 10 Uhr eine große Truppenbewegung entstand; die Föde-
Rach dem Gesagten haben wir nicht nöthig, den St.-Raphaels-Verein unseren Lesern warm zu empfehlen. Derselbe ist nicht nur segensreich für die zeitlichen und ewigen Interessen der Auswanderer, für den Glauben und die Kirche, welcher durch ihn viele Kinder erhalten bleiben, er wird sich endlich segensreich den Mitgliedern selbst erproben. Auch für sie alle ivird der Tag der großen Auswanderung in die Ewigkeit kommen, und wie sehr werden sie dann wünschen, hierfür Rath, Hilfe, Trost, Erleichterung zu bekommen. Nun wohlan! man gewähre solches durch Beitritt zum Raphaels-Verein den katholischen Auswanderern, damit man die gleiche Barmherzigkeit für sich selbst erlange."
Deutsches Reich.
* Berlin, 29. Aug. Das Bestreben Hänels, der den rechten, die Minderheit umfassenden Flügel der Fortschrittspartei führt, mit den übrigen liberalen Parteien, Se cessio nisten und Nationalliberalen, bei den Wahlen Hand in Hand zu gehen und die Bildung einer großen liberalen Gesammtpartei herbeizuführen, hat bereits innerhalb der Fortschrittspartei selbst einen bedenklichen Riß hervorgerufen, indem der Führer des linken Flügels derselben, der Abg. Richter-Hagen, sowie namentlich die Berliner Fortschrittler, von einem Zusammengehen mit der nationalliberalen Partei nichts wissen will. Daraus sollte Hänel den Schluß ziehen, daß zur Einigung politischer Parteien etwas mehr gehört, rirten eilten in Unordnung herbei, man sprach lebhaft mit einander — an Ueber- wachung dachte Niemand mehr. Belleforge schlich sich katzenartig an der Mauer dahin, hob ein liegen gebliebenes Gewehr auf und es gelang ihm endlich, aus der Polizei-Präfektur zu entwischen.
Als er sich auf der Brücke befand, die zum Sonore hinführt, rief ihm ein ganz junges Mädchen, das mit einem rotheu Gürtel geschmückt war, zu:
„Komm' doch, Bürger, man wird jetzt zwei Priester füsiliren und wir sind nicht dabei!"
„Conrad!" murmelte Belleforge.
Er mußte sich an das Geländer anlehnen.
Seine blutunterlaufenen Augen konnten nichts mehr unterscheiden, seine Beine zitterten, sein Herz drohte ihm zu zerspringen, er glaubte auf das Pflaster hinsinken zu muffen, um nicht wieder aufzusteheu.
Aber eine unbestimmte Hoffnung, Conrad noch retten zu können, belebte seine Kräfte wieder in etwa, und langsam dahrnsinkend, folgte er der rotheu Schärpe des jungen Mädchens, das in die Richtung der Rue St. Florentin einbog.
XXIV.
Belleforge hatte sich nicht getäuscht, es