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M 197.

Dienstag, den 29» August 1882.

Fuldaer

W Zeitung.

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-o- Die Herz-Jesu-Kirche aus dem Montmartre bei Paris.

Der Pariser Gemeinderath, welcher zuerst dem Crucifix den Krieg erklärte, hat auch mehrfach Beschlüsse gegen den Ausbau der Herz-Jesu-Kirche auf dem Montmartre ge­faßt, wobei jedesmal die heftigsten Angriffe auf die Kirche und die kirchliche Einrich­tungen erfolgten. Delattre, zuvor Mit­glied des Pariser Gemeinderathes, alsdann zu einem der Abgeordneten der Stadt Paris in der Kamnier erwählt, stellte in letz­terer den Antrag, das Gesetz von 1872, welches den Erzbischof von Paris zu dem Bau und zur Expropriation des Baugrun­des ermächtigte, wieder aufzuheben und die (unvollendete) Kirche wieder niederzureißen. Am 29. Juni beschloß die Kammer, den Antrag in eine Commission zu verweisen. Ganz wie im Pariser Gemeinderath wurde hier dieser Kirchenbau als eine dem repu­blikanischen Volke von dem religiösen Fana­tismus hingeschleuderte Herausforderung, als eine Beleidigung des modernen Fortschrittes und ein Aufruf zum Bürgerkrieg hingestellt. Die Genehmigung des Gesetzes von 1873 wurde als eine der finstersten Thaten der „Unheil-Versammlung" d. h. der National­

versammlung gebrandmarkt. Dem Treiben der fanatischen Secte müsse Einhalt geschehen. Der damalige Minister des Innern, Gob- let, machte vergebens geltend, die Regierung könne doch die Kirche nicht enteignen, um sie zu zerstören; dieß sei gegen das Expro­priationsgesetz ; außerdem müßten bedeutende Entschädigungen, wohl 20 Millionen, ge­leistet werden, eine wahrhaft überflüssige Ausgabe. C l e m e n c e a u, ein anderer Pari­ser Abgeordnete, erwiderte, eine Entschädig­ung sei nicht statthaft, denn der erzbischöf­liche Stuhl als solcher habe kein Besitzrecht, die Kirche sei also herrenloses Gut. Die Linke klatschte Beifall. Trotzdem stimmten über 100 Mitglieder der Regierungs- und gemäßigten Partei gegen den Antrag, für welchen sich 268 Stimmen gegen 199 ver­einigten.

Von ihrem Standpunkte haben die Com- munards und Revolutionäre auch ganz Recht, wenn sie so entschieden gegen die Herz-Jesu- Kirche eintreten. In diesem Unternehmen spitzen sich, die Gegensätze zu, welche Frank­reich bewegen. Obwohl schon Ludwig XVI. im Gefängniß den Bau einer dem Heizen Jesu geweihten Kirche gelobt hatte, — was seine Nachfolger von 1815— 1830 auszu­führen vergaßen — ist der Gedanke, den jetzigen Bau zu unternehmen, erst durch das Unglück hervorgerufen worden, welches 1870 und 1871 Frankreich betroffen. Als die ganz unerhörten Niederlagen die strafende Hand Gottes so deutlich gewahren ließen, als die Gräuel der Commune den furcht­baren Abgrund von Verworfenheit und Gott­vergessenheit so zu sagen mit Händen greifen

ließen, sahen alle Gläubiggesinnten, daß eine Umkehr eintreten müsse, wenn Frankreich sich wieder erheben soll. Das Gelöbniß dieser Umkehr sollte in der Herz-Jesu-Kirche auf dem Montmartre ein Unterpfand erhalten, weshalb der Bau auch ausdrücklich als Sühne- und Gelöbnißkirche bezeichnet wurde. Die Umkehr zu Gott, der Wiederaufbau der Gesellschaft auf christlicher Grundlage, dies sollte die Kirche auf Montmatre bedeuten. Deshalb kann sie aber nur ein Gräuel in den Augen aller derjenigen sein, welche an den Grundsätzen der Revolution festhalten, und deshalb kann man auch wohl sagen, daß die Zukunft Frankreichs an diesem Kir­chenbaue hänge.

Man darf sich mit Recht fragen, wie die Nationalversammlung, welche in politischer Hinsicht sich so unfähig erwiesen, indem sie schließlich, trotz ihrer conservativen d. h. mo­narchischen Mehrheit, einer republicanischen Mißgeburt das Leben schenkte, sich zu einem solchen Gedanken erheben konnte. Die Mehr­heit niochte vielleicht nicht gerade tiefgläu­bige Ueberzeugungen besitzen, aber sie stand unter dem Eindruck gewaltiger Ereignisse, welche damals selbst manchen Republicanern die Nothwendigkeit einer Umkehr nahe ge­legt hatten. Gar manche schämen sich heute der guten Regung, welcher sie damals nach­gegeben. Aus elender Menschenfurcht ge­traut sich heute mancher sonst ganz ehren­hafte Mann nicht gegen die Werke der Com­mune einzutreten, weil er sonst in den Ver­dacht käme, kein richtiger Republicaner zu sein. Nichts ist daher auch erbärmlicher, als das Schauspiel, welches die „gemäßigten",

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Der Weg zum Verderben.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers.

(Fortsetzung.)

Dienstag Morgens heulte einer aus den Soldaten auf den Gängen:

„Das Blut unserer Brüder fließt in den Straßen von Paris, man muß für sie die Geiseln bluten lassen!"

Gegen Einbruch der Nacht kam der Wäch­ter, welcher Conrad seine Hilfe zugesagt hatte, athemlos gelaufen und sagte:

„Eure Briefe! meine Frau ist hier unten. Die Aermste wäre auf ihrem Wege fast ge- tödtet worden."

„Gott segne Dich!" sagte Conrad, „ich kann Dir leider nichts anbieten, aber der­jenige, an welchen dieser Brief adressirt ist, ist reich, sehr reich, er wird sich dankbar zeigen."

„Sieh da den Müßiggänger!" rief ein Communist. „Wirst Du bald hinunter kommen? Der Delegirte fragt nach Dir, er hat es eilig." • - „Ich komme schon!" sagte der Wächter zitternd.

Der Unglückliche stieg eiligst hinunter, empfing einen Befehl von Raoul Rigault und grüßte, unfähig ein Wort zu sprechen. Tann, sich zu seiner Frau wendend, nahm

er das Kind, welches sie in ihren Armen hielt, während er ihr den Brief zeigte.

„Nun marsch, Rosa! rief er, daß es der Beamte hören mußte. Die Männer haben heute Abend wichtige Dinge zu besorgen. Der Bürger erlaubt gewiß, wirst Du mir heute Abend Tabak, Branntwein und einen rothen Gürtel bringen." Die junge Frau verließ eiligst die Polizei-Präfectur und las neugierig die Aufschrift des Briefes, welchen ihr Mann ihr übergeben hatte.

„Herrn Belleforge, Banquier. Hm! mir bekannt, ich erinnere mich jetzt. Als ich bei einer Näherin arbeitete, habe ich Fräulein Celia oft Roben hingebracht, der verhaftete junge Priester ist sicherlich ihr Bruder."

Rosa begann zu laufen. Aber es war nicht leicht durch die Straßen hindurchzu­kommen die von Barrikaden versperrt waren.

Dazwischen knatterte fortwährend Gewehr­feuer, die Geschütze donnerten und die Mi- trailleusen ließen ihr eigenthümliches unheim­liches Geräusch vernehmen. Dazu wurde jeder Vorbeipassirende angehalten und nach Neuigkeiten befragt. Wollte man sich patri­otisch zeigen — und man mußte es bei Ge­fahr seines Lebens —, so sah man sich ge­zwungen, wenigstens einige Steine zum Bar­rikadenbau herbeizuschleppen. Auch mußte man selbstredend, um den größten Gefahren

aus dem Wege zu gehen, oft lange Um­wege machen. Jndeß die Frau des Wäch­ters überwand glücklich alle diese Hindernisse und müde und abgespannt stand sie endlich vor dem Hause des Banquiers.

XXIII.

Obwohl der Banquier allerdings in seiner Abneigung gegen seinen Sohn beharrte, so wollte doch schon seit Jahresfrist eine uner­klärliche, peinigende Angst gerade seinetwegen nicht von ihm weichen.

Die Zeitungen hatten ihm die Nachrichten über den Heldenmuth Conrad's auf den Schlachtfeldern gebracht, und er konnte sich nicht erwehren, auf den Muth seines Kindes stolz zu sein.

Seit dem Beginn der Schreckensherrschaft der Commune und ihre Raserei gegen die Priester zitterte er fortwährend für das Leben seines Sohnes. Er verzieh ihm zwar nicht, und er konnte sich nicht dazu ent­schließen, ihm zu schreiben; und doch, wenn ihm der Name Conrad in seinen Gedanken war, so mußte er sich sagen, daß es nicht ganz leicht sei die väterliche Liebe ganz zu unterdrücken.

Der Name des Strikers, der natürlich in den Zeitungen in den Reihen der lhätigsten Revolutionäre, meist in erster Linie genannt war, hatte ihm gezeigt, welchen verderblichen