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Sonntag, den 27. August 1882.

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-u. Rückblick auf den bisherigen Verlauf des Kulturkampfes.

Wenn wir von einigen Emzelvorgängen, wie z. B. der Aufhebung der katholischen Abtheilung im Cultusmimsterium im Jahre 1871, absehen, so hat der böse Culturkampf mit dein Schulaufsichtsgesetz vom Jahre 1872 seinen Anfang genommen und dann schon gleich im Jahre 1873 die für die Kirche selbst schlimmsten Maigesetze gebracht. Zehn Jahre also dauert der Kampf bereits, und so Schweres er uns auch gebracht hat, so haben wir doch auch Grund genug, Gott für seine im Culturkampf uns erwiesenen Gnaden zu danken. Vor Allem ist es ein Erweis dieser Gnade, daß die ganz große Mehrheit der Katholiken in Preußen während dieser Jahre harten Kampfes sich so treu bewährt hat. Wie stets die innigste lieber» einstimmung geherrscht hat zwischen Papst und Bischöfen und zwischen den Bischöfen unter einander, so sind auch fast ausnahms­los alle unsere Geistlichen trotz so vieler Versuchungen ihren Bischöfen treu gehorsam gewesen, und die Laien haben ebenfalls fast aller Orten ihre Schuldigkeit voll und ganz gethan. Und ebenso hat eine musterhafte Einigkeit und volles Vertrauen geherrscht

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Der Weg zum Verderben.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

„Sie sind ein Fanatiker! Aber Sie zeigen wenigstens eine Art Tapferkeit, und das mteressirt mich! Wollen Sie nicht Ihren schwarzen Rock mit einer Soldaten-Uniform vertauschen und mitten unter den Föderirten sür die heilige Sache des Volkes kämpfen?" . „Niemals!" erwiderte Conrad, aber da sch tapfer bin, so erbiete ich mich, mitten lnS Feuer zu gehen und Eure Verwundeten

besorgen." — „Das genügt nicht; und 'Lw, Bürger Hautmonstier?" — „Ich habe Ohren Delegirten genug gesagt."

Der Striker sagte leise einige Worte.

„Sie haben die Schlüssel zum Schatze von Notre-Dame?"

„Ich habe sie nie gehabt, aber wenn es wahr wäre, so würde ich sie lieber in die 'deine geworfen als sie Euch gegeben haben."

„Alter Narr! weißt Du nicht, daß Notre- ^ame und sein Schatz auf ein einziges Wort von mir ein gewaltiger Feuerherd sein wird, wacht0anä wie den Tag

»Ich weiß", erwiderte der Abbe, „daß Sie kein Bedeuken tragen werden, ein sol-

zwischen unseren parlamentarischen Vor­kämpfern im Centrum und seinen Wählern, die katholische Presse hat sich vortrefflich ge­halten und die einzelnen Preßorgane haben unter einander sich einträchtig gezeigt und sich gegenseitig unterstützt.

Wir dürfen direct sagen, daß nicht viele schwere Geisteskämpfe im Laufe der Jahr­hunderte von großen Massen in so voller Eintracht ausgefochten worden sind. Leider zeigt sich oft ja auch bei den Kämpfern für die beste Sache hier und da Uneinigkeit. Noch in unseren Tagen würden die Katho­liken in manchen Ländern besser stehen, wenn sie immer einig wären. Wir wollen für diese unsere bisherige Einigkeit Gott von Herzen danken, wollen ihn bitten und auch selbst das Unsrige redlich thun, daß wir die Einigkeit bewahren und wollen vor Allem das Hauptfundament dieser Einigkeit, die katholischen Grundsätze, nicht um das kleinste Titelchen verlassen. Wie sicher und klar haben diese Grundsätze in allen den Schwierigkeiten, -die. man. uns be­reitete, in allen den Lasten und Opfern, die man, auf uns lud, unsere Schritte geleitet? Auch der einfachste Katholik hat seinen Weg in den kritischsten Zeiten zu finden gewußt, und noch jüngst berichtete ein protestantischer Schriftsteller mit Staunen, daß er selbst katholische Knechte und Dienst­mägde über die maigesetzliche Anzeigepflicht ganz gründlich unterrichtet gefunden habe, so daß sie volle Anskunft über diese Frage hätten geben können.

Wir haben uns an den Grundsatz ge­halten: „Gebet dem Kaiser, was des Kaisers I ches Verbrechen zu begehen, aber ich weiß auch, daß die Waffe, die Sie tragen, sich eines Tages gegen Sie selbst kehren wird! Die Volkshydra, deren sieben Köpfe jetzt wild schreien und beißen, wird Sie zwischen ihren unerbittlichen Kinnbacken zermalmen! Wenn Sie uns in den Martyrertod schicken, dann erwartet Sie der Selbstmord oder das Schaffot."

Raoul Rigault sagte nichts als die Worte : „Gut als Geiseln!"

Der Abbe de Hautmonstier drückte Con­rad die Hand. Auf ein Zeichen seines Chefs, dem er sich nicht offen zu widersetzen wagte, stieß der Striker seine beiden Opfer vor­wärts und eine Stunde später befanden sie sich in einem der Säle der Polizeipräfectur eingesperrt. Sie gaben sich keinen Hoff­nungen mehr hin. -- Es war Samstag. Sie wußten, daß die Befreiungsarmee vor den Thoren der Hauptstadt stand, aber ohne Zweifel würde sie zu spät kommen, um un­schuldiges Blutvergießen zu verhindern. In solchen äußersten Stunden wächst der Muth oft um so mehr, je verwirrter die Lage sich gestaltet. Mancher, der sonst furchtsam ist, wird in solchen Augenblicken zum Helden.

Der Canonicus hatte - - als Benedictiner — so zu sagen von der Welt abgeschloffen gelebt und für die Dinge dieser Welt wenig ।

ist, und Gott, was Gottes ist." Wir wissen, Gott hat zwei Obrigkeiten in die Welt ge­setzt, die geistliche und die weltliche. Immer gehorchen wir in geistlichen, kirchlichen Dingen, der ersteren, letzterer in weltlichen, staatlichen Dingen. Und als der Liberalismuskam und uns befahl, in den und den kirchlichen Dingen der Kirche nicht zu gehorchen, sondern dem Staate, der doch hierin nichts zu sagen hat, ja als man sogar Dinge von uns verlangte, die direct gegen unseren hl. Glauben gingen, da haben wir mit den Aposteln gesagt: Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen, Gott hat uns befohlen, die Kirche zu hören in den Dingen, die kirchlich sind - - und wir haben da dem Befehle nicht gehorcht, haben die Strafen, die über uns ergingen, ge­duldig hingenommen, haben aber dabei nicht auf­gehört, in staatlichen Dingen die treuesten Unterthanen zu sein, obgleich man uns nicht selten schlimm behandelte. So sind wir so­wohl der Kirche, wie dem Staate treu be­funden worden, Niemand kann uns etwas vorwerfen, mit gutem Gewissen können wir auf die Jahre des Culturkarnpfs zurück­blicken, und wenn einst die Sonne des Frie­dens wieder über die Kirche in Preußen leuchtet, dann werden wir in reiner Freude uns dem Glücke hingeben können, das mir in gewissenhafter Beharrlichkeit haben er­kämpfen helfen.

Unter den 9000 Geistlichen, die wir beim Anfänge des Kulturkampfes hatten, haben glücklicher Weise nur zwei Dutzend sich bereit finden lassen, die traurige Rolle eines Staatspfarrers zu übernehmen. Es sind die bedauernswertheften Erscheinungen im gan- Zeit gefunden. Sein einziger Kummer war, daß es ihm nicht einmal vergönnt sein sollte, sein LieblingSwerk zu vollenden. Conrad dagegen litt trotz seiner Resignation dennoch sehr viel.

Herr Belleforge, sein Vater, hatte sich bis jetzt durch die Briefe seines Sohnes nicht erweichen lassen. Der Gedanke, sterben zu müffen, ohne den väterlichen Segen empfangen zu haben, peinigte den jungen Priester grau­sam. Dieser letzte Tropfen des Kelches bäuchte ihm so bitter, daß er den Himmel bat. ihn an ihm vorübergehen zu lassen. Zwar war er bereit, zu sterben, aber unter Thränen bat er den Himmel, vor seinem Tode noch das Wort der Verzeihung von den Lippen seines Vaters hören zu dürfen.

„Man wird uns nicht kennen", meinte der Canonicus, eine große Gnade, wofür wir dem Herrn nicht genug danken können.

Als man den beiden Gefangenen Speise brachte, fragte Conrad, ob es ihm gestattet fei, einen Brief zu schreiben?

Ein Communist antwortete ihm roh: „Sie haben ein Testament zu machen?" „Ja," antwortete Conrad.

Der Communist zuckte die Achseln und begann zu pfeifen, aber einer der Wächter gab dem Priester ein geheimes Zeichen, das ein Versprechen zu bedeuten schien.