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Freitag, den 25, August 1882.

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e- Das piemontesische Rom eine sociale Gefahr.

II.

Das piemontesische Rom ist nicht nur, wie gezeigt wurde, eine Gefahr für das Eigentumsrecht; es ist auch eine Gefahr für die Religion und Sittlichkeit der Völker.

Die Atheisirung der Massen ist einer der Hauptpunkte des socialdemokratischen Pro­gramms. Nichts hat aber in Italien zur amtlichen Ausbreitung der brutalsten Religionslosigkeit mehr beigetragen, als die Wegnahme Roms. Zwar hat die Ver- schwörersecte von Anfang an ihrem geheim- bündlerischen Gotteshaffe ziemlich' freies Spiel gelassen; aber erst durch die Unthat vom 20. Septbr. 1870 ist zwischen der triumphirenden Secte und der christlichen Mehrheit des italienischen Volkes jede Brücke abgebrochen; die piemontesische Regierungin Rom kann sich einzig auf die Atheisten stützen, benützt die Mittel des modernen Staates, welcher alle Kraft der Nation in seiner Hand vereinigt, gegen die Religion und zieht auf diese Weise ein Geschleckt groß, das unwiderruflich dem rothen Socialismus verfällt, also eine augenscheinliche Gefahr für die ganze europäische Gesellschaft bereitet, denn Völker ohne Religion werden Tiger- heerden.

Sie führt feit Jahren einen offenen Krieg gegen den Katholicismus, indem sie das taufendfarbige Muckerthum der ver­schiedenen „christlichen' Setten in der kirch­lichen Metropole frei gewähren läßt, ja nicht undeutlich begünstigt. Es wimmelt jetzt daselbst von allen möglichen Predigern

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Der Weg zum Verderben.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers.

(Fortsetzung.)

Der Greis begann an allen Gliedern zu zittern. „Gnade", stammelte er. „Thun Sie mir nichts zu Leide. Ich schwöre, daß ich nicht weiß, wo die Domherren verborgen lind, fast alle wenigstens. Ich bin ein armer Mann, was würde es Ihnen nutzen, mich aus die Folter zu spannen. Sie sind abge­reist, nur ein Einziger ist zurückgeblieben." — „Und wo hält er sich verborgen?" schrie der Striker. — „Er verbirgt sich nicht, er wohnt ruhig in seinem Hause." - - „Und wo denn?"

„Hier nebenan, Nummero 10." — „Und sein Name?"

Der Sacristan zögerte nochmals; er be­griff wohl, daß die Nennung des Namens einem Todesurtheile gleich war, aber ein Stoß mit dem Bajonette versetzte ihn wie­der in Todesangst und unter Schluchzen sagte er endlich: „Abbe de Hautmonstier."

Jetzt stürzte die ganze halbtrunkene Bande wit wildem Geheul aus der Kirche hinaus auf das bezeichnete Haus zu, das früher wohl ein Kloster gewesen sein mochte.

Unterdessen sank der Sacristan auf den

des Jrrthums, von pietistischen Stundenhal­tern und Tractätchen-Krämern; wie Pilze schießen die Bethäuser, „Tempel" und Schulen der Jrrlehrer aus dem Boden des apostolischen Rom. Das Treiben der See­len ist, gleich dem atheistischen Weltbünde der Freimaurerei, ein wirkliches sociales Unglück in der schönen Halbinsel, denn der Italiener ist entweder Katholik oder Gottes- läugner. Ist er der einzig wahren Kirche entfremdet, so wird er nicht Lutheraner, Quäker, Methodist oder Herrnhuter, sondern in Sachen des Glaubens Nihilist. Bei seiner kindlichen Liebe zum Gelde hört der gemeine Mann wohl die gut bezahlten Sprüch­lein der Mucker an, geht um schnöden Lohn in die „Tempel", schickt auch bei feiner sprichwörtlichen Knauserei feine Kinder in die Schulen der Sectirer, wo sie nicht bloß unterrichtet, sondern auch gefüttert werden, aber im Herzen lacht er über das Treiben und betrachtet den Artikel „Religion" als mühelose Erwerbsquelle, mehrt also schließ­lich jene Volksschicht, die nach dem gesell­schaftlichen Umstürze verlangt und sich bei jeder Revolution durch Unthaten auszeichnet.

Sodann ist der Liberalismus immer und überall „anticlerical," aber kaum irgendwo mehr als in Italien, wo die neue Ordnung der Dinge nur durch den Haß gegen Papst und Kirche kann aufrecht erhalten werden. Was bedeutet nun das Parteischlagwort „anticlerical" Anderes, als Feindschaft gegen die katholische und jede andere positive Religion, d. h. jenen schalen Unglauben, der Bei den Einen zur Kälte, bei den An- deren zum Hasse gegen jeden religiösen Boden der Kirche nieder und murmelte: „Judas, Du hast das Blut des Unschul­digen ausgeliefert!"

Der Abbe arbeitete wie gewöhnlich ruhig auf seiner Stube, als ein Stoß mit dem Gewehrkolben die Thür erdröhnen machte.

Der Abb« wußte, was dies zu bedeuten hatte. Rasch warf er einen Blick auf das Crucifix — erhob sich ruhig und heiteren Blickes schritt er auf die Thür zu, die er den Communisten öffnete. — Der Striker trat zuerst vor. — „Du bist der Bürger de Hauptmonstier."

„Ich heiße", sagte der Priester langsam, „Baron Enguenand de Hautmonstier."

„Dein Geschäft ist dem Volke Lügen vor­zupredigen und Ablässe zu verkaufen."

„Ich lehre das Volk, die Religion in Ehren zu halten, die ihr beschimpft."

„Phrasen, nichts als Phrasen," sagte der Striker, verächtlich die Achsel zuckend. „Man kennt das schon! Du weißt, wo der Schatz von Notre-Dame aufgehoben ist — es ist Deine Pflicht, ihn der Regierung auszu- liesern." —

„Ich kann es bezeugen, daß mir Niemand anvertraut hat, wo der Schatz aufgehoben ist — und wenn ich es wüßte, ich würde mich hüten, es zu offenbaren."

„Dann folge uns", sagte der Striker.

Glauben führt? Seitdem daher die Revo­lution sich am Tiber eingenistet hat, ist die Regierungsthätigkeit gegen die katholische Kirche bis zum Paroxismus ausgeartet. Soweit die Staatsschulen bestehen, arbeiten sie auf Entchristlichung der Jugend hin, werden nur die erklärten Ungläubigen als Lehrer angestellt, ist das officielle'Schul­wesen bis zu den Universttäten eine Pflanz­stätte des Nihilismus in Sachen der Religion und Tugend geworden, lauter Erscheinungen, welche schließlich nur dem rothen Socialis­mus Wasser auf die Mühle liefern. In der Thal hat der gesellschaftliche Umsturz bei der akademischen Jugend Jtaliei s, wohl den bubenhaftesten der Welt, unglaublich viel Anhänger, um so mehr, weil derartige Gesinnung nach oben beliebt macht.

Nachgerade werden selbst Radicale bange über ihr eigenes Werk, das ihnen Hundert­tausende von Hungrigen ohne Glauben und Gewiffen auf den Nacken hetzt. So muß der blutrothe Revolutionär und Kirchenfeind Raphael Marino nach einer Fluth von Verwünschungen doch am Ende bekennen: „Wir besitzen innerhalb unserer gegenwär­tigen Grenzen ein Italien, das wiederge­boren werden muß. Es ist das Volksitalien, das unter der Last materiellen und sitt­lichen Elends verkommen ist. Dieß ist die wahre Italia irredenta, nicht aber jene, die von unbändigen und verkehrten Köpfen im Auslande, in Oesterreich und Frankreich, in der Schweiz und gar im britischen Reiche gesucht wird." Dieses inländische Italien zu erlösen, aus seiner Unwissenheit und Sittenlosigkeit zu erheben, ihm die Gefühle

„Ich bin bereit — im Voraus, allen Ge° fahren in's Gesicht zu schauen, jede Be* schimpfung zu erdulden."

Der Abbs stieg ruhig die Treppe hinab und von den Soldaten umringt, trat er in die Kirche. Ein gewaltiges Hurrah der Communisten begrüßte ihn. Schon glaubten sie, im Besitz des Schatzes zu sein und riefen: „Den Schlüssel zum Schatze, heraus mit ihm!" — „Ich habe es Euch schon ge­sagt, ich habe ihn nicht," antwortete der Priester. — „Man binde den Elenden!" heulten die Banditen.

In einem Augenblicke warf man den Greis zu Boden, band ihm die Arme zu­sammen, und schon richtete einer der Wüthend- ften seinen Revolver auf ihn, als ein kräf­tiger Arm ihn bei Seite schob und mit lauter Stimme ihm zurief: „Dreifacher Feigling!"

Es war Conrad Belleforge. Er war ge­rade in fein Zimmer zurückgekehrt, welches er im Hause des Canonicus bewohnte, als der Portier händeringend ihm das Vorge­fallene erzählte.

„Um Gotteswillen, Herr Abbe," bat er inständig, „verlassen Sie dieses Haus, diese Scheusale könnten zurückkommen. Es ist schon Unglück genug, daß unser guter Abb«