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1^3. Donnerstag, den 24. August 1882.

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e- Das piemontesische Rom eine soeiale Gefahr.

I.

Wir haben bereits folgende Punkte erör­tert: Rom als italienische Hauptstadt ist der financielle Ruin und eine diplomatische Schwächung Italiens; das piemontesische Rom ist eine Drohung gegen alle Monar­chien, eine Gefahr für alle Staaten Europas; nunmehr wollen wir betrachten, wie das piemontesische Rom auch eine sociale Gefahr, vor allem eine Gefahr für das Eigenthums- recht ist.

Reben dem Königthum bekämpft der rothe Socialismus das Privateigentum und un- läugbar hat er diese Partie seines Programms am gründlichsten studirt, am lockendsten mund­gerecht gemacht und am muthigsten selbst gegen gelehrte Gegner vertheidigt. Auch Italien ist seit den letzten zwei Jahrzehnten schauerlich von socialistischen Ideen und Bünden durchsetzt, der Ruf nach Verallge­meinerung des Privateigentums erschallt in jenem Lande laut und öffentlich.

Den hauptsächlichsten Anstoß aber zu dem lodernden Socialismus hat das Königreich „Italien" selbst gegeben. Durch Einbruch in den Besitz fremder Staaten, durch unge­rechten Krieg und noch schlechtere Mittel hat Piemont sechs Fürsten depossedirt, eben- soviele selbstständige Staaten sich ohne Weiteres angeeignet und diese Ungerechtig­keiten als patriotische Großthaten in die Welt posaunt. Wenn nun fremder Staats­besitz angesichts der Nationalitäts-Grille hinfällig ist, dann ist frenider Privatbesitz angesichts der hungernden und ausgesoge­

nen Maffen um kein Haar heiliger, wenn sechs Staaten zu Piemonts Gunsten in die die JJnitä Italiana verallgemeinert werden durften, so muß dieß zu Gunsten der Ent­erbten, welchen es um Sein und Nicht- Sein geht, auch in Betreff der sänimtlichen Arbeitsmittel gelten.

Und endlich gar der Raub des Kirchen­staates und der heiligen Stadt am Tiber! Diese That trägt das Brandmal des Sacri- legiums an sich. Jeder Socialist kann der Regierung sagen: Wenn die Socialdemo­kratie den Capitalisten auch die letzte Lira und dem Grundbesitzer die letzte Wein­traube zu Gunsten des Volksstaates einzieht, und wenn ihr Heuchler uns des Diebstahls anklagt, so ist unsere That hundertmal weniger schuldvoll, als die eurige; denn was wir verallgemeinern, ist weltliches Gut; ihr aber habt das heilige Gut der Kirche und der Armen weggenommen, nicht zur Sättigung der Hungrigen, sondern zur Fül­lung eurer unersättlichen Taschen und zur Vermehrung des allgemeinen Elends.

Noch nicht genug! Piemont hat nach der Besitznahme Roms auch die dortigen Klöster, .ja sogar die internationalen Anstalten, wie z. B. das Germanicum und die Propaganda, entweder ganz eingezogen oder im Vermögen wesentlich geschädigt, und so dein Oberhaupte der Kirche die Mittel zu seiner Regierung geraubt.

Aber auch am Privateigenthume oat das schuldbeladene Königthum der Re­volution schon genug radikalen Socialismus getrieben. Viele der ausgetriebenen Ordens­leute verlangten bei dem Klosterraube we­

nigstens ihr in'.tgebrachtes Patrimonium zu­rück, da sie es dem Gotteshause, nicht den Raubvögeln aus Nordwest-Jtalien übermacht hatten. Die herrliche Sternwarte des rö­mischen Collegiums war von dem bedeutenden Privatvermögen eines noch lebenden Jesuiten mit Erlaubniß der Oberen ausgestattet wor­den; der Pater verlangte von, Raubstaate sein Eigenthum zurück; — vergeblich. Das Gleiche geschah von Seiten vieler gottge­weihten Jungfrauen in Betreff ihrer von Haus erhaltenen Mitgift; — sie hätten ja die religiöse Armuth gelobt, antwortete der Regierungs-Pharisäismus. Ist das nicht rother Socialismus? Und da soll man sich noch wundern, wenn das früher so loyale Rom jetzt eine Brutstätte des gesellschaft­lichen Umsturzes geworden ist?

Eine weitere socialistische Vergewaltigung liegt in der Uebersteuerung der Bürger. Außer den Zöllen und dem Tabacksmonopol hat Italien noch 22 Steuer-Kategorien bis zum Eisenbahn-Billet und Sodawaffer. Zu dieser Uebersteuerung hat „Roin als Haupt­stadt" ganz gewaltig beigetragen. ■ Man darf die Kosten des piemontesischen Raubzugs nach Rom, der Übertragung der Hauptstadt unl) der ersten notdürftigsten Einrichtung ohne Uebertreibung auf eine Milliarde Lire an- schlagen; und jedes Jahr erfordert neue Summen für den Staat und die Gemeinde, da eben die Räume nirgends genügen und die fortschrittliche Verbesserungssucht immer neue kostspielige Pläne ausheckt. Also Steuern und wieder Steuern! Anlehen über über Anlehen und neue Auflagen zu deren Verzinsung. Jede Besteuerung ist nun, wie

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Der Weg zum Verderben.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers.

(Fortsetzung.)

„Einzig und allein die Mittel fehlen Euch, Eure Bestrebungen in's Werk zu setzen. Der Krieg verschlingt beträchtliche Summen, Ihr unterhaltet die Ausgehungerten, und bald werden Euch die Mittel ausgehen. Was jetzt noththut, ist nicht Muth. Jedermann ist jetzt Bürger und Soldat zugleich, es ist auch nicht Begeisterung, Jedermann ist jetzt bereit zu sterben für die heilige Sache, welche wir vertheidigen. Was Euch noththut, ist Geld. Ich stehe iin Begriff, die Mittel hierzu zu verschaffen. In Paris gibt es unermeß­lich unnütze Reichthümer, Millionen, vielleicht eine Milliarde, daran Ihr noch nie gedacht habt. Ihr beschließt einfach die Abschaffung aller Culte, Ihr öffnet die Klosterpforten, Ihr nehmt die Kirchen, um sie in National- Denkmale umzuwandeln, und Ihr vergeßt, daß einige Schritte von Euch entfernt, diese abergläubischen Tyrannen, begierig ihre Ver­brechen mit Geld zu sühnen, die lange ge­nug Euch bedrückt haben. Ihr vergeßt, daß Dölf Jahre lang der Aberglaube die Gaben verdoppelt und verdreifacht hat, die morgen, ^nn Ihr nur wollt, in die Hände Eurer

Chefs übergehen werden, damit sie als Unter­stützung an Frauen, Kinder und Greise ver- theilt werden. Wenn Ihr wollt, dann wer­den wir Geld bekommen, um Pulver kaufen und Kanonen bezahlen zu können, und die­ses Geld wird Niemand etwas kosten, denn Derjenige, welchem wir diese unnützen Reich­thümer wegnehmen, hat keine Stimme um sie zurückzufordern. Gold und Edelsteine werdet Ihr in Hülle und Fülle finden. Die Monstranzen, Kelche und Reliquienbehälter möget Ihr einschmelzen, die kostbaren Steine der Kronen an Juden oder an ausländische Höfe verkaufen, — dann habt Ihr Miß­bräuche abgeschafft und Euch den Dank des Vaterlandes verdient. Der Schatz von Notre-Dame! Habt Ihr auch je schon daran gedacht? Und wißt Ihr auch, welche Schütze und Reichthümer dort angehäuft sind? Ihr werdet wie geblendet sein, wenn Ihr dort all' die goldenen und silbernen Gefäße, Becken und Kelche seht, die dort zu finden sind. Das Metall in die Schmelztiegel hin­ein — macht Brod daraus für die Armen und Decken für die Soldaten."

Der Striker ruhte einen Augenblick aus von der Anstrengung zugleich blickte er verstohlen auf die Menge. Seine Worte waren ihr offenbar aus dem Herzen ge­sprochen. Das Wort „Notre-Dame" hatte

die Masse gleichsam elektrisirt. Einige woll­ten schon gleich stehenden Fußes dieses herr­liche Gotteshaus stürmen und die Schätze plündern, die sie in ihrer aufgeregten Phan­tasie für weit zahlreicher hielten, als sie in Wirklichkeit waren. Wenigstens glaubte die Menge - auf das Wort des Strikers hin — in Notre-Dame seien Millionen an Werth­sachen verborgen.

Die Aufregung im Saale war in Folge der Worte des Strikers unbeschreiblich. Die Menge schrie und lärmte, tobte und heulte wild durcheinander — wer unver­sehens hinzugekommen wäre, hätte glauben können, sich in einem wahren Höllenkessel zu befinden. Dazu regten unglaubliche Massen von Branntivein die Menge bis zur Raserei auf, fo daß der Präsident nur mit Mühe einigermaßen die Ordnung halten konnte.

„Bravo! Biavo!" riefen Einige dem Striker zu. „Auf nach Notre-Dame!" heulten Anvere. „Niedermit den Schwarzen!"

„Mit den Kelchen und dem abergläubi­schen Kram in den Schmelztiegel! Brod und Fleisch wollen wir haben! Der Arbeiter soll kein Sclave mehr sein!" brüllten noch Andere.

Nachdem die Ruhe einigermaßen wieder­hergestellt war, nahm der Striker wieder das Wort. Man kam überein, daß am