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M 192.

Mittwoch, den 23, August 1882.

Fuldaer ® Jeitung.

Die .Fuldaer Zeitung erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda

in der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda 1 Mark und 60 Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Bfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfg.. ins Haus gebracht 1 M. 90 Pfg. Mit den ,Jllustrirten Sonntagsblättern' kostet dieFuld. Ztg vierteljährlich in Fulda M. 1.90; auswärts am Postschalter M. 1.75; in's Haus gebracht M. 2.15.

'Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

% Der V erein Concordia

veröffentlicht seit dem 1. Jan. 1880 vier­teljährlich Zusammenstellungen über Arbeits­löhne und die Preise der nothwendigen Lebensmittel in den verschiedenen Gegenden Deutschlands. Das Material zu den Tabel­len wird auf Grund der vom Vereine alle Quartale ausgesandten Fragebogen von den Ortsbehörden, und wo sich diese zu den er­betenen Mittheilungen nicht bereit finden ließen, durch sachverständige Vereinsmitglie­der geliefert.

Der Verein ist zu diesem Unternehmen bewogen worden int Hinblick darauf, daß eine möglichst gesicherte und detaillirte Kennt- niß der wirthschaftlichen Lage der Arbeiter­bevölkerung für jede gedeihliche Socialre­form staatlicher wie privater Natur die un­entbehrliche Unterlage zu bilden hat. Zu den wesentlichsten Elementen dieser Kenntniß gehört die Statistik des jeweiligen Standes und der Bewegung der Arbeitslöhne, sowie des Verhältnisses, in welchem dieselben zu den Kosten der Lebenshaltung der Arbeiter stehen. An einer solchen, nicht blos spora­disch, für einzelne Districte hin und wieder aufgestellten, sonder:: über das ganze Reich sich erstreckenden und in regelmäßigen Perio­den wiederkehrenden Statistik hat es bisher in Deutschland gefehlt; und diesem Mangel will der Verein, soweit seine Kräfte und Mittel reichen, durch die in Rede stehenden Tabellen abhelfen.

Die Anzahl der Orte, aus welchen für diese Tabellen Daten eingesendet werden, ist fortwährend gewachsen; es waren:

43~

Der Weg znrn Verderben.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers.

(Fortsetzung.)

XXI.

Die Revolution war entfesselt. Die rothe Commune übte ihre grausigen „Rechte" aus.

Mitten im Centrum von Paris lag ein äußerst geräumiger, Saal mit vortrefflicher Akustik. Es konnte nicht fehlen, daß jeden Abend alldort eine beschäftigungslose Volks­menge sich hindrängte, begierig die Leute von der Tagesarbeit erzählen zu hören und zu neuer Arbeit für den folgenden Tag zu ent­flammen.''

Man mußte ein Mittel ausfindig machen, um die stumpf und viehisch gewordenen Waffen auf den schrecklichen Weg zu führen, der Paris bis tief in den Abgrund des Ver­derbens stürzen sollte -- jene Massen, die berauscht vom Wein, nunmehr sich im Blute berauschen sollten.

Jeden Abend also drängte sich in jenen Saal eine dichte Volksmenge. Auf der Bühne hatte man eine Art Bureau mit einem Präsidenten und einem Secretär ein­gerichtet. War die Sitzung eröffnet, so hatte Derjenige das Wort der es sich zuerst nahm.

in der Tabelle vom 1. Jan. 1880 . 52

„ „ „ „ 1. April 1880 . 130

„ „ „ „ 1. Juli 1880 ., 156

„ „ „ „1. Octbr. 1880 . 156

„ „ „ „1. Jan. 1881 . 232

„ „ „ „ 1. April 1881 . 286

„ „ „ „ 1. Juli 1881 . 286

„ „ „ „ 1. Octbr. 1881 . 316

„ „ „ „1. Jan. 1882 . 344

„ „ „ „1. April 1882 . 344

Orte aufgeführt.

Es konnte nicht fehlen, daß namentlich anfangs mehrfach irrthümliche und mißver­ständliche Angaben unterliefen. Die Ver­waltung des Vereins ließ es sich jedoch an­gelegen sein, durch wiederholte Ausschreiben und erneute Jnstruirungen die Fehler nach Möglichkeit zu beseitigen, und wenn auch die späteren Tabellen noch immer nicht frei von Irrungen sind, so finden sich solche, wie eine genauere Prüfung bestätigen wird, doch nur noch in erheblich geringerer An­zahl darin vor, als in der zuerst veröffent­lichten.

Daß überhaupt die Tabellen im Ganzen brauchbare und der Wirklichkeit entsprechende Angaben bringen, dürfte vor allem aus der erstaunlich großen Gleichmäßigkeit zu schlie­ßen sein, welche, trotz des vielfachen Wech­sels der Orte, aus welchen vergleichbare Daten vorliegen, sowie der steten Zunahme ihrer Gesammtziffer, die Durchschnittsergeb- niffe aufzeigen.

Die Berechnung findet sich in den Auf­sätzen, welche in der Zeitschrift .Concordia' nach jeder Tabelle gebracht und worin ihre Resultate, versteht sich mit der gebühren­

den Vorsicht, einer Beleuchtung unterzogen werden.

In der Art der Zusammenstellung der Tabellen ist vom 1. April d. I. an inso­fern eine Aenderung eingetreten, als die einzelnen Orte nicht mehr zusammen und alphapetisch, sondern nach Staaten und Provinzen geordnet werden, um dadurch die Gewinnung von Schlüffen auf die Ver­hältnisse in den einzelnen Landschaften und Bezirken zu erleichtern.

Für die Tabelle pro 1. Juli 1882 sind bis jetzt schon aus 495 Orten — 324 seither schon in der Tabelle aufgeführten und 171 neuen Orten — Notizen einge­laufen, so daß diese neueste, demnächst zur Veröffentlichung gelangende Zusammenstel­lung noch weit brauchbarere Zahlen liefern wird, als die vorhergegangenen. Es dürfte im Interesse der Sache zu wünschen sein, daß auch aus den bis jetzt nicht vertretenen Städten und Orten dem Verein die ent­sprechenden Mittheilungen für die Folge regelmäßig geliefert werden.

Dcutfchc» Reich,_______ _

* Berlin, 21. Aug. Gestern, Vor­mittags 10 Uhr, wohnte der Kaiser dem Fest­gottesdienste in der Garnisonkirche zu Pots­dam, welcher aus Anlaß des 150jährigen Bestehens derselben abgehalten wurde, mit glänzendem Gefolge bei. Die Kaiserin war ihres Befinden wegen verhindert.

— Der Kaiser kam heute Vormittag nach Berlin, nahm Vorträge entgegen, besichtigte die Pergamonfunde im Museum und con- ferirte im Palais mit Hatzfeld. Nachmit-

Fanatischer Beifall begrüßte die schamlosesten Resolutionen.

An jenem Tage hätte man glauben sollen, die Masse sei außergewöhnlich erhitzt und aufgeregt gewesen. Man hatte den Namen eines Allen bekannten Mannes unter denen genannt, die das Wort ergreifen würden, — es war der „Striker."

Dieser Wüstling und Faulenzer, den inan bis zum Entstehen der Commune nur in Lumpen hatte herumlungern sehen, war plötzlich ganz neu costümirt.

Sein Anzug bestand aus feinem Tuch, das an allen Nähten der Uniform mit gol­denen Galons besetzt war — es war die Uniform der Commandanten „Rächer Fou- rens". Erschien zur Sicherheit seiner höchst eigenen Person sich mit einem ganzen Arse­nal von Kriegswaffen ausgerüstet zu haben, und wenn er einhermarschirte, so schleppte er mit großer Ostentation den Säbel über das Pflaster.

Wie bei derartigen Revolutionen fast stets die elendesten und die größten Schurken sich vorzudrängen pflegen, so war -auch der Striker jetzt zu seiner Würde gelangt; für ihn, der früher nichts als Elend und Darben gekannt hatte, konnte keine Gelegenheit er­wünschter kommen, sich in den Strudel der Vergnügungen und Ausschweifungen nach

Herzenslust zu stürzen. Er, deffen sittliches und religiöses Gefühl längst gänzlich er­storben, der durch das Wort, welches er La Tronche gegeben hatte, gebunden war, und wohl oder übel dem gebieterischen Einfluffe des Populus folgen mußte, er lärmte und schrie jetzt lauter als alle Uebrigen und suchte seine Genossen auf der Laufbahn des Schlechten an Schamlosigkeit und Verbrechen noch zu übertreffen.

Faraude, die Frau des Strikers, fühlte, seitdem der Banquier sie in ihrer Wohnung ausgesucht hatte, allerdings etwas wie Ge­wissensbisse, aber die guten Entschlüffe waren nur ganz vorübergehend und der Strom des Lasters riß sie mit noch um so größerer Gewalt fort, als sie jetzt gar nicht mehr sich ihrer Schlechtigkeit schämte.

Ihr armseliges Gelaß hatte sie natürlich seit jener Zeit mit der Wohnung eines reichen Hausbesitzers vertauscht, der aus Schrecken vor der Commune - aus Paris geflohen war. Jetzt bewohnte sie herrliche Apparte­ments, mit den kostbarsten Tapeten und den elegantesten Möbeln ausstaffirt, und in schweren seidenen und gestickten Decken pflegte sie der Ruhe.

Im Namen dec Gleichheit l eß sie die reichhalsigen Schränke und Truhen natürlich sprengen und anstatt der Lumpen spazierte