M 190.
Sonntag, den 20» August 1882.
Filldner
I Zeitung.
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* Berlin, 18. Ang. Wie verlautet, wird ein Reichsschanksteuergesetz in Aussicht genommen, dessen Erträgnisse auf 20 Mill. Mark veranschlagt werden.
— Die ,Kreuz.-Ztg/ schreibt: Vielfach wird bereits in der Presse die Frage der Entschädigung für die Verluste, welche Privatpersonen durch das Bombardement Alexandriens erlitten haben, erörtert. Von allen Seiten hört man, daß die Consuln der verschiedenen Staaten an ihre Regierungen Reclamationen der Beschädigten einsenden. Auch in Wien sind, wie uns mitgetheilt wird, zahlreiche Reclamationen eingelangt. Es wird nun voraussichtlich zunächst zur Ordnung des bezüglichen Materials geschritten werden, und dann werden die Cabinete unter einander bezüglich der Behandlung dieser Angelegenheit in Fühlung zu treten haben. Die Sache wird, wenn im gemeinsamen Einvernehmen behandelt, kaum große Schwierigkeiten bieten, zunial es nicht an analogen Vorkommnissen sehlt, wie ja z. B. auch erst vor nicht langer Zeit die Beschießung von Sfax, anläßlich welcher die Entschädigung von Frankreich zu leisten war, einen Prace- denzfall geliefert hat. Derselbe bietet, so weit um die Consequenzen einer Beschießung und nicht um solche durch die Eingeborenen wie in Alexandrien verübte Gewaltacte zu thun ist, manche Analogien mit der Alexandriner Affaire, wiewohl in der englischen Presse, soweit es sich um die zwischen England und Egypten schwebende Anspruchsfrage handelt, die Ansicht vertreten wird, daß Egypten für die Schadloshaltung aufzukommen habe.
Der Weg zum Verderben.
Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)
Sie brauchten mehr als eine Stunde, uni einen Ambulanzwagen zu erreichen, in welchem freilich kein Platz mehr für den Verwundeten war. Auf die flehentlichen Bitten Conrad's jedoch brachte man ihn so gut als es möglich mar, unter. Florent setzte sich zu dem Kutscher, und ein Schluck Branntwein gab ihm wieder die Kraft, über sein eigenes Mißgeschick zu scherzen.
XX.
An Frau Gräfin d'Jvree zu Evian.
Von der Ambulanz.
Erschrick nicht und weine nicht, liebe SJiut» ter, Du brauchst nicht für das Leben Deines Sohnes in Angst zu sein; Gott hat ihn Dir erhalten, die Gefahr ist vorüber! Die Kugel, welche mir die Schulter zerschmettert hat, ist heraus und ich befinde mich so wohl, als der Zustand meiner Wunde es mir erlaubt, ich gedenke in Ermangelung eines Gewehres wenigstens noch einen Degen handhaben zu können. Was sind nicht seit meinem letzten Brief für Ereignisse vorgefallen! Am selben Tage habe ich meine Feuer- und Blutläuse erhalten. Am Morgen fühlte ich den Muth eines Helden in
-d. Paderborn, 18.Aug. (Jahres- versamlung der Görresgesellschaft.)*) Rach Besichtigung des Domes und einigen anderen Sehenswürdigkeiten Paderborns begann gegen 1/25 Uhr die Berathung der philosophischen Section. Ihre Thätigkeit beschränkte sich auf einen Vortrag des Vorsitzenden Dr. Haffner (Mainz) und eine kleine Discussion über denselben. Dr. Haffner brachte an der Hand der Ausführungen des berühmten Physiologen und derzeitigen Universitätsrectors in Berlin, Dr. Dubois- Reymond in seinen „Grenzen der mechanischen Naturerklärung" und seinen „Sieben Welträthsel" die Grenzen der mechanischen Naturerklärung zur Darstellung. Als solche gelten die Erkenntniß über die Entstehung der Materie und der ersten Bewegung, das Bewußtsein, die Intelligenz u. s. w. Wenn die Naturwissenschaft, nach dem Geständnisse dieses Gelehrten, jene Erscheinungen zu erklären niemals im Stande sein wird, so schloß Dr. Haffner, folgt daraus nur, daß es noch eine über die Naturwissenschaft erhabene Erkenntniß gibt, die philosophische, welche uns jene Probleme befriedigend lößt. Denn unser Geisr verlangt für die Erscheinungen eine genügende Ursache. So führen uns die Zugeständnisse unserer modernen Gelehrten indirect auf Gott, den Urheber
*) Zunächst dürfte der Berichterstatter berechtigt sein, energisch gegen die Veröffentlichung der nach Form und Inhalt offenbar nur für den Redacteur persönlich bestimmten Bemerkung zu protestiren, welche am Schluffe des vorigen Referates veröffentlicht war. (Bei der sehr undeutlichen Schrift des Herrn Berichterstatters dürften Redacteur und Corrector zu entschuldigen sein. D. R.j
mir — am Abend, unter Todten und Sterbenden liegend, würde ich auf dem Schlachtfelde von Champigny ohne ein Wunder des Himmels verblutet sein. Danke Gott, daß ich an diesem Tage so leicht davon gekommen bin, wo so großer Eifer und solche Sorgfalt sich meiner Wunde angenommen hat, die keinerlei Gefahr darbietet. Ich hätte in diesem schrecklichen Kampfe fallen können — als ich einem Soldaten, der durch Granatsplitter getroffen wurde, die Fahne aus seinen Händen riß, da sank auch ich zu Boden.
Ich fiel zwischen einen alten Soldaten und einen Freiwilligen, der seine Schreiner- werkstütte verlasien hatte, um die Flinte in die Hand zu nehmen.
Mehr noch als der Schmerz machte mich der Blutverlust ohnmächtig.
Wie lange Zeit zwischen meinem Zusarn- rnenfiicken und dem Moment verfloß, wo ich wieder zur Besinnung zurückkehrte, vermöchte ich nicht zu sagen. Aber nur eine Minute brauchte ich um den Geistlichen zu erkennen, welcher mich in seinen Armen hielt — rathe einmal, wer? Du würdest ihn kaum erratheu ! Das Leben Deines Sohnes verdankst Du dem Abba Conrad, dem Bruder Celia's.
Von ihm gestützt, konnte ich einen Ambulanzwagen erreichen, und seit drei Tagen
des Weltalls. Diesem Vortrage gab auch ein Laie in der Philosophie, wie er sich ausdrückte, Landgerichtsrath H ü f s e r in Paderborn, das Zeugniß, daß er überzeugend eingewirkt habe. Präcis Uhr räumte die Philosophie der Geschichte das Feld.
Die historische Section tagte unter Vorsitz ihres Präsidenten Dr. Cardauns (Köln) von J/26 bis nach 8 Uhr und bot des Interessanten recht viel. Privatdocent Dr. Hü ff er (Münster) referirte über das historische Jahrbuch. Die Abonnentenzahl ist, wenngleich unter den Mitgliedern der Gesellschaft etwas zurückgegangen, im Wesentlichen doch die gleiche geblieben. Das Jahrbuch selbst gedeiht. Der Redacteur ist nicht mehr durch Mangel an Stoff, fast durch eine Ueberfülle des vorhandenen brauchbaren Materials in Verlegenheit gesetzt, so daß bei der allerdings zu hoffenden Fortdauer dieser günstigen Erscheinung an eine Erweiterung des Jahrbuches gedacht werden müsse. Sehr anregend für die zahlreichen Theilnehmer der Sectionssitzung waren die sich anschließenden Berichterstattungen einiger durch die Gesellschaft unterstützten jungen Historiker. Dr. Gal land stellte in den römischen Archiven eingehende Untersuch- nngen über das Verhältnis Preußens zum römischen Stuhle seit der Reformation an, verglich zahlreiche Documente undglaubt daß Dr. Lehmann's einschlagende Publication, wenn auch recht verdienstvoll, doch gar oft dem objectiven Sachverhalt nicht gemacht werde. — Inzwischen war Excellenz Windt- h o r st angekommen und in den Saal getreten — Dr. Si ep er forschte ebenda nach Quellen be- besinde ich mich im Foyer des italienischen Theaters, das in ein Lazareth umgewandelt ist.
Die Betten stehen rings herum, andere Reihen stehen im Centrum; eilten Theil der hohen Fenster, welche sonst den Augen der Kranken zu starkes Licht bringen würden, hat man verhüllt. Unsere Aerzte sind tüchtige Leute, und zu unserer Bedienung haben wir nur jene eleganten Frauen, jene Pariserinnen, die man so rasch eines leichtserti- gcu Lebens anklagt, die man aber dennoch zu jeder Stunde zu den größten Opfern bereit findet. Diese Frauen, welche in dem anstoßenden Saale geräuschlos umherwan- dern, mit der weißen Binde und dem rothen Kreuze am Arme und einer weißen Mägde- schürze vorgebunden sind dieselben Frauen, welche noch im vergangenen Jahre im herrlichsten Schmucke erstrahlend, sich hier im Theater bewundern ließen! Dem umviffen- den Soldaten dienen sie als Schreiber; sie setzen sich zu uns, um uns die Zeitungen vorzuleseit.
Diese Zeitungen täuschen uns, sie lügen und versprechen uns stets den Sieg — und wir sind nicht im Stande zu siegen, sie berichten zwar die Thatsachen, entstellen sie aber dann. Wo unsere Armee besiegt ist, wo Derjenige, der unser oberster Feldherr