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Sonnabend, den 19, August 1882.

Fuldaer

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Deutsches Reich.

* Berlin, 17. Aug. Der,Reichs-Anz.' schreibt: Ihre Majestät die Kaiserin und Königin hat im Laufe dieser Woche mehrere Audienzen ertheilt, setzt aber die nöthige Schonung noch fort, um die ge­wünschte Genesung zu beschleunigen.

— Die.Budapester Correspondenz' meldet: „Auf persönliche Einladung des Kaisers Wilhxlm ist definitiv festgesetzt, daß Kron­prinz Rudolph und Kronprinzessin Ste­phanie sich auf drei Tage nach Breslau zu den großen Herbstmanövern begeben. Sie werden dort von Prag aus am 10. September eintreffen."

-nk-. So haben wir also die zweite Fahne, welche bei den Wahlen als Sam­melzeichen, als Einigungsbanner proclamirt wird. Es ist die gouvernementale ,Nordd.', welche sie aufhißt, und in diesem Zeichen will Fürst Bismarck siegen. Natürlich ist diese Fahne eine andere, als die Hänels. Unter der Hänel'schen Flagge soll sich der Gesammtliberalismus schaaren. unter dem Banner der ,Nordd.' die.Mittelpartei, aber nicht jenes nebelhafte, unerreichbare Phan­tom einer politischen Mischmaschpartei, son­dern alle Elemente, welche die Nothwendig- keit der Wirthschafts- und Socialreform an­erkennen und zu ihrer Verwirklichung par­lamentarisch beitragen wollen. Offen habe ich schon jüngst es dem Reichskanzler zu hohem Verdienst angerechnet, daß er die Wirth- schaftSreform und die Socialreform in den Vordergrund der staatlichen Thätigkeit ge­stellt hat, und darum kann Jeder, der es mit dem Wohle des Volkes ernst nimmt,

—

Der Weg $um Verderben.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers.

(Fortsetzung.)

Diese herzlosen Menschen berauben Die­jenigen, welche das mörderische Geschoß des Feindes getroffen hat; der kaum erkalteten Brust entreißen sie die Uhr, die Auszeich- zeichnungen, welche ehemals auf dem stolzen Herzen Zeugniß von ihrer Tapferkeit ableg­ten,' den Ehe- und Verlobungsring ziehen sie erbarmungslos vom Finger und wühlen in den Taschen ihrer Opfer herum, um nach Gold oder Silber suchen — ja sie zerschneiden die Uniformen, um die Verzier­ungen und Epauletten verwerthen zu können. Wenn noch ein letzter Seufzer sich etwa der Brust Derer entwindet, die sie so scham­los plündern, so geben sie ihm vollends mit schrecklicher Kaltblütigkeit den Todesstoß.

Sie ziehen in Banden geordnet aus, un­ter einander die Beute vertheilend, wofern sie ihnen zu schwer werden sollte; Hehler warten auf sie; und dieselben Tage, welche für die Familie ein Schrecken, für das Vaterland Tage des Unglücks sind, bilden für sie Tage der Ausgelaffenheit und Aus­schweifungen. Wie die Schlacht auch aus­schlagen mag, mit Ungeduld erwarten sie

den Satz unterschreiben, daß die politischen Fragen vor jenen zurücktreten müssen. Ebenso ist es wahr, daß die politischen Fragen eher die Parteien trennen, während auf wirth- schaftlichem Gebiete eher eine Annäherung möglich, ja erforderlich ist, soll es endlich an ein possitives Schaffen gehen. Deni Centrum kommt das Verdienst zu, zu den „social-politischen Bedürfnissen" längst Stel­lung genommen zu haben, und sein Ver­dienst ist um so größer, als Fürst Bismarck das Centrumsprogramm in manchen Dingen für werth genug gehalten hat, um es zu adoptiren. Anerkennung verdient es auch, daß die Regierung ihre ursprüngliche Vor­lage über die Arbeiter- und Krankenver­sicherung theilweise dem Programme des Centrums adoptirte und darin das corpo- rative Princip wenigstens theilweise zum Ausdruck brachte. Ein Fortschreiten auf diesem Wege, ein Zusammengehen auf dem socialen Gebiete würde in der That die Parteien näher bringen, die gleichen Be­strebungen und die Verdienste würde einigend wirken, ohne daß gerade der jetzige Partei­rahmen zersprengt zu'werden brauchte. Ob­wohl getrennt marschirend, könnten die Freunde der Wirthschafts- und Socialreform dieGegner schon im Wahlkampfe vereint schlagen und dann im Parlamente mit imposanter Majo­rität der Reform zum Siege verhelfen.

— Nach der Rückkehr des Cultusministers v. Goßler wird auch die Angelegenheit wegen des Erlaffes eines Pensionsge­setzes für Volksschullehrer zur Berathung gelangen. Der Cnltusminister vertritt den Standpunkt, daß bei der großen Schwierig.

das Ende des Kampfes, um über ihre Beute herzufallen und ihre Ernte einzuheimsen.

Nicht weit von dem Fuße des Baumes, wo der Pariser seinen verwundeten Kame­raden zurückgelassen hatte, schlichen zwei Männer langsam dahin. Es waren — der „Striker" und La Tronche!

Der Striker langte gerade am Fuße des Baumes an, und dem Rathe seines Spieß­gesellen zufolge öffnete er den Mantel des daliegenden Soldaten, sobald er sah, daß seine Hände weiß waren.

Die Bewegung des Diebes rüttelte den Verwundeten aus seiner Betäubung wieder auf, krampfhaft umfaßte er mit beiden Hän­den den Hals des Schurken, und mit der Verzweiflung eines Ertrinkenden bat er ihn, da er ihn für einen Freund hielt:

„Rette mich! Rette mich!"

Der Striker, wie betäubt und erstarrt durch die Umschlingung des Verwundeten, suchte vergebens, sich loszumachen. Das Licht der Krankenträger kam immer näher.

La Tronche, der die Folgen des störenden Zwischenfalles voraussehen mochte, floh schleu­nigst weg, wie eine Schlange über den Boden dahingleitend, und ließ in der Eile seinen Sack, der mit Epauletten, Ordenszeichen und goldenen Borden vollgefüllt war, zurück.

Der Striker hielt es für am gerathensten,

feit eines allgemeinen Unterrichtsgesetzes und der völligen Aussichtslosigkeit des Zustande­kommens eines derartigen Gesetzes die materielle Lage des Lehrerstandes einer besonderen und schleunigen gesetzlichen Regelung bedürfe.

d- Paderborn, 16. Aug. (Jahres­versammlung der Görres gesell- schaft.) Die Stadt ist theilweise beflaggt. Die Theilnahme seitens Paderborns wird wohl noch stärker werden. Unter den hie­sigen Theilnehmern findet sich auch der Bür­germeister Franken berg und der Gym- nasialdirector Dr. S ch midt, natürlich neben den verschiedenen geistl. Herren, Domherren 2C. An Fremden, die bereits da sind, find zu nennen: Der Präsident der Gesellschaft Dr. Frhr. v. Hertling, Dr. Frhr. v. H eer e- mann, Dr. Haffner (Mainz), Kauf­mann, Oberbürgermeister a. D. (Bonn), Dr. Hülskamp und Dr. Hüffer (Mün­ster), Dr. Scheeben, Dr. Cardauns (Köln), Dr. P o r s ch (Breslau), Dr. K o m p (Fulda) rc.

Die Begrüßung fand im Bürgervereine durch den Landgerichtsrath Dr. Hüffer statt, der die Gäste willkommen hieß und die An­sicht vertrat, daß Paderborn mit den Fest- theilnehmern der Görresgesellschaft schon nach einem Glas Wein die Freundschaft schließen werde, welche der Westfale erst schließe, wenn er mit Jemand einen Scheffel Salz genossen. Er ließ die Gäste hochleben. Dr. Haffner antwortete humoristisch. Jedenfalls werde die Wissenschaft in diesen Tagen die Geselligkeit nicht verderben. Sollten auch so gelehrte Dinge wie in Münster und die Rolle zu spielen, die der Verwundete i" seiner Hilflosigkeit ihm wieder seinen Wille" aufgedrängt hatte; er dachte, sachte zu ent' wischen, sobald die Krankenträger den Ver° mundeten unter ihrer Obhut genommen hatten, und dem Verwundeten mit katzenartiger Sanftmuth antwortend, sagte er:

„Ich suchte Hilfe, sie kommt sogleich, nur Muth!"

„Meine Mutter!' stammelte der junge Mann, „meine Mutter."

Dann erhob er sich langsam, um etwas unter seinem Mantel zu suchen und stammelte dabei mit schwacher Stimme:

„Celia!"

Im selben Augenblicke neigten sich Flo­rent und der Priester zu dem Sterbenden hin.

„Ich bin hier", sagte der Abbo sanft — „ich bringe Dir zugleich die Tröstungen Gottes und die Hilfe der Menschen."

„Diese Stimme ich erkenne diese Stimme," murmelte der Verwundete schwach.

Florent nahm einem Krankenträger eiligst seine Laterne aus der Hand und ließ das Licht auf das Gesicht des Verwundeten fallen. „Rolland!" sagte der Priester tonlos.

„Conrad! mein Bruder Conrad!" erwie- derte dieser.