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Donnerstag, den 17» August 1882.

M 187.

Fuldaer Fettung.

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gh. Der Staatssocialisinus — eine Gefahr für politische und religiöse

Freiheit.

In der Ueberweisung der verschiedenen Lebensaufgaben an die Staatsgewalt mit ihren Beamtenlegionen besteht einer der hauptsächlichsten Charakterzüge des Staats- socialismus. Nach den Anhängern dieser Richtung soll der Staat nicht bloß Ver- sicherungs- und Unterstützungscassen aller Art gesetzlich anordnen, sondern dieselben durch Staatsbeiträge zum Theil unterstützen und die Verwaltung in seine eigenen Hände nehmen. Er soll weiterhin selbst als Pro- ducent auftreten, ganze Industriezweige in Beschlag nehmen, die Privatproducenten theilweise aus dem Felde schlagen, um dann auf die Regelung der Löhne und der Arbeitszeit einen maßgebenden Einstuß zu gewinnen. Auch in Bezug auf die Verkehrs­mittel soll er sein Eigenthumsrecht und seine Thätigkeitssphäre immer weiter ausdehnen.

Es bedarf wohl keines ausführlichen Be­weises, daß die von den Staatssocialisten befürwortete Centralisation, namentlich in Bezug auf die Verstaatlichungen und die Einmischung der Staatsverwaltung auf allen Gebieten des geistigen und materiellen Lebens eine Gefahr für die p o l i t i s ch e und religiöse Freiheit enthält. Die Verstaat­lichung der Verkehrsmittel und ganzer In­dustriezweige, sowie die Errichtung von Staatscassen zur Unterstützung und Ver­sorgung der Kranken, Armen, Wittwen und Waisen möchte in rein monarchischen Staa­ten politisch weniger bedenklich sein. In con- stitutionellen Staaten dagegen, wo die Bezeich- 3S~

Der Weg zum Verderben.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers.

(Fortsetzung.)

Während des ganzen Morgens blieb Rol­land bei seiner Mutter.

Ihre Unterhaltung war traurig, so wie bei theuren Wesen, die getrennt werden sollen, feierlich gleichsam wie das Lebewohl Der­jenigen, welche nicht sicher sind, sich noch­mals wiederzusehen.

Die Gräfin versuchte nicht, ihre Thränen zurückzuhalten.

Rolland bemühte sich ihre Traurigkeit zu mildern.

„Ich werde wiederzurückkehren", sagte er fest. „Ich bin sicher, daß ich zurückkehre, Du bedarfst meiner, darum muß ich am Leben bleiben! Nimm mir meine Hoffnungen nicht! Ich ivürde des Namens meines Vaters unwürdig sein, wenn ich dem muthigen Bei­spiel meiner Freunde nicht folgte."

„Ach!" antwortete die Gräfin, „ich ver­lange von Dir nichts Unmögliches! Aber Deine Abwesenheit wird mich fortwährend in tödtlicher Angst zurücklassen, und Du kannst nicht hindern, daß ich zittere. Schreibe oft, Rolland — aus jeder Stadt, aus jedem Dorf — sei es fröhliche, sei estrau-

nung der höchsten gesetzgebenden Gewalt den allgemeinen Wahlen anheimfällt, stellt sie die politische Freiheit vollständig m Frage ; denn in sülchen Staaten ist die politische Freiheit wesentlich durch die Freiheit und Unab­hängigkeit der Wahlen bedingt. Wer diese angreift, untergräbt die Grundlage der po­litischen Freiheit. Man denke nur au das sogen, französische System, wie es unter dem dritten Napoleon gehandhabt wurde.

Bedarf es nun eines langen Beweifes, daß der Staatssocialismus mit seiner cen- tralisirenden Tendenz und seinen Verstaat­lichungen Men großen Theil der Wähler in directe Abhängigheit von der Staatsre­gierung bringt? Man denke nur an die zahlreichen Legionen, welche die Verstaat­lichung der Eisenbahnen dem ohnehin schon so zahlreichen Beamtenstand bereits zuge­führt hat und noch zuführen wird. Und wie unendlich erst wird der Beamtenstand sich vermehren, wenn ganze Industriezweige in den directen Staatsbetrieb übergehen werden, wenn die Arbeiter in der Tabaks­industrie und in den Bergwerken sich als Staatsbeamte fühlen werden? Wer dieses unabsehbar Heer von Beamten überschaut und bedenkt, daß die Staatssocialisten gar keine Grenzen anzugeben wissen, wo die Ver­staatlichungen aufhören sollen, der wird in dem staatssocialistischen Gebühren eine ernste Gefahr für die politische und damit auch für die religiöse Freiheit erblicken. Denn die religiöse und die politische Freiheit hängen heute auf das Innigste zusammen. Um sich davon zu überzeugen, braucht man nur nach Belgien und Frankreich hinüberzublicken, rige Nachricht. Niederlage oder Sieg — Alles muß ich wissen, Alles, ich will nicht, daß Du mir gegenüber ein Geheimniß hast, nicht einmal einen geheimen Gedanken. Es gibt Stunden, wo uns Gewissensbisse quälen, daß wir nicht Alles offenbart haben. Wer weiß", sagte die Gräfin nach einer nachdenk­lichen Pause plötzlich, „wer weiß, ob ich nicht in der Stunde, wo mein Sohn aus­zieht, das Wesen an Kindesstatt annehme, welches er liebt."

Einen Strahl der Freude erglänzte im Auge des Grafen.

„Du würdest dies thun, Mutter?"

„Eine Mutter ist zu Allem bereit."

„Dann habe ich gewiß Ursache, Dich doppelt zu lieben!" rief der junge Mann mit freudig bewegter Stimme aus. Dann begann er ihr die kleinen Einzelheiten seiner Begegnung mit Fräulein Belleforge zu er­zählen. In lebhaften Farben schilderte er seine Neigung zu ihr, die er lange bekämpft habe, dann den Eindruck, welchen die Ver­änderung in dem Charakter und den Ge­wohnheiten des jungen Mädchens auf ihn gemacht, und beschloß seine Erzählung mit der Scene, die am selben Morgen sich in der kleinen Kirche zugetragen hatte.

„Nun denn," sagte Madame d'Jvree, „es ist ein gutherziges Mädchen, deren gute Eigen-

Auch unsere katholischen Beamten aus der Blüthezeit des Culturkampfes könnten uns hierüber manches Interessantes erzählen.

Aber wie? Haben wir denn nicht die feierlichsten Verheißungen von den berufenen Vertretern der Regierung, daß man die Wahlfreiheit wie die zarteste Treibhaus­pflanze schützen und pflegen werde? Wir wollen hier gewiß keine Zweifel an der Auf­richtigkeit dieser Versprechen erwecken. Aber sind denn nicht auch die Männer der Re­gierung aus Lehm erbaut? Können nicht auch an sie Versuchungen herantreten, denen sie nicht gewachsen sind. Es können Um­stände kommen, wo der Sirenengesang gar zu verführerisch in die Tiefe lockt. Es gilt dies namentlich von kritischen Momenten, wo der Wahlerfolg entscheiden soll, ob das Staatsruder und die fettesten Staatspfründen in den bisherigen Händen verbleiben oder an Andere übergehen sollen. Was aber noch entscheidender ist, die jetzt am Steuer­ruder befindlichen Männer werden über kurz oder lang den Weg alles Fleisches gehen; dann treten Staatsmänner an ihre Stelle, welche entweder die Verheißungen vergessen haben oder aber ihren Vorgängern kein Recht zuerkennen, die Nachfolger durch Versprech­ungen zu binden.

Uebrigens, selbst den besten Willen der Regierung für alle Zukunft vorausgesetzt, wer will genau entscheiden, wie weit die berechtigte Wahlsreiheit sich erstrecke und wo die Agitation beginne? Die Beamten sollen den Entstellungen der Regierungsvor­lage und den gegen die Regierung ausgestreu ten Verleumdungen entgegen treten. Aber wo schäften ihre leichten Fehler überwiegen. Ich übernehme die Aufgabe, sie mit ihrem Vater wieder in nähere Berührung zu bringen ;. vielleicht kann ich ihn selbst wieder zur Ein- ^sicht bringen, die Lection, welche seine Kinder ihm gegeben, ist schrecklich. Er wird die augenfällige Strafe Gottes begreifen!

Noch am selbigen Abend sollte Rolland nach Genf abreisen. Es wurde beschloffen, daß seine Mutter ihn bis zum Landeplatze begleite. Als er das Schiff besteigen sollte, sagte sie zur Baronin:

„Vertrauen Sie mir Ihre junge Freundiw an, meine Liebe; so werde ich wenigstens nicht allein zurückkehren."

Ein dankbarer Blick Celia's war die ein­zige Antwort, welche sie der Gräfin gab. Die Ueberfahrt geschah fast ganz unter Still­schweigen. Rolland saß an der Seite seiner Mutter, Celia gab sich ihren Gedanken hin. Eine süße Hoffnung, die in ihr Herz drang, versüßte die Traurigkeit einer grausamen Trennung. Wenn Madame d'Jvree Celia in dieser traurigen Stunde zu sich nahm, so konnte dies nur geschehen, weil sie die­selbe nicht als Fremde behandelte.

Madame d'Jvree nahm den Arm Rollaud's, während sie aus dem Bote stiegen und zur Eisenbahn ihren Weg nahmen. Die Sorge um ein Fahrbillet und die Beschäftigung mit