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Dienstag, den 15. August 1882,

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gh. Soeialismus und Staats- soeialismus.

Letzterer will den ersteren bekämpfen und die heutige Gesellschaftsordnung mit ihrem Privateigenthum und ihren Ständen im We­sentlichen erhalten. Der Soeialismus da­gegen will den extremsten republicanischen Volksstaat und haßt das Christenthum mit dem siebenten Gebote als seinen Todfeind.

Ob nun den Staatssocialisten die Be­kämpfung des Soeialismus gelingen werde, das ist allerdings eine andere Frage. Wir fürchten, es möchte ihnen ergehen, wie einst jenen katholischen Theologen, welche um den Philosophen Hegel mit seinen eigenen Waffen zu bekämpfen, theilweise dessen Principien adoptirten und ein gutes Stück Weg mit ihm zusammengingen. In der That: der Staatssocialismus hat zu seiner stillschwei­genden Voraussetzung das Princip: der Staat hat das Recht, Alles zu thun, was ihm zum Wohl der Gesammtheit nützlich er­scheint. Daraus ergibt sich dann auch für den Staat die Pflicht, von seinem Rechte ausgiebigen Gebrauch zu machen und seine Fürsorge für alle Lebenskreise, so weit es bei der heutigen Gesellschaftsordnung mög­lich ist, auszudehnen, und zwar nicht blos auf dem Wege der Gesetzgebung, sondern auch auf bem der Verwaltung, ja selbst durch directe Betheiligung an der Produc­tion. Damit stehen wir auf einem Boden, von dein inan folgerichtig zum Soeialismus gelangen muß. Wir sagen nicht, daß die Anhänger des Systems, von dem wir reden, theoretisch das Princip aufstellen, der Staat sei allmächtig, oder er dürfe wenigstens Alles thun,

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Der Weg zum Verderben.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers.

(Fortsetzung.)

Man war dort in lebhafter Unterhaltung begriffen. Die Zeitungen brachten alle Tage ernste Nachrichten. Die französische Armee war in der Bildung begriffen; binnen einem Monat sollte sie, so hieß es, zum Abmarsch bereit sein. Der Ruf zu den Waffen hallte auf der ganzen Linie wie Trompetenge­schmetter wieder. Das ganze Land erhob sich — die eine Hand gleichsam ain Degen, die andere an der Fahne, und von einem Ende Frankreichs bis zum anderen antwortete die begeisterte Jugend unter Kriegsgeschrei und siegesbewußter Erhebung.

Die Anzahl der Zeitungen im Casino mar nur eine beschränkte; die Neugier Aller war auf das Höchste gespannt; Rolland nahm eines der Blätter und las laut daraus vor. Man konnte nicht leugnen, daß der, welcher den ersten Artikel geschrieben hatte, von na­tionalem Selbstbewußtsein mächtig durch­drungen war. Indes hielt er den ganzen Krieg nur für einen raschen Siegeslauf; schon zum Voraus verfolgte er die einzelnen Eieges-Etappen, und sah schon im Geiste, wie die Soldaten in die großen, feindlichen

was ihm zum Gesammtwohle ersprießlich dünke. Manche derselben würden vielleicht beide Sätze mit Entrüstung zurückweisen. Aber ihr praktisches Vorgehen hat wenigstens den zweiten Grundsatz, welcher die Staatsallmacht in milderer Form ausspricht, zur stillschweigen­den Voraussetzung. Wann fiele es je unseren Staatssocialisten ein, sich zu fragen: Hat der Staat das Recht, dieses oder jenes zu thun? Treten sie nicht alle bei jeder Gelegen­heit principiell für die Erweiterung und Stärkung der Staatsgewalt und die Aus­dehnung und Kräftigung der Bureaukratie ein? Stimmen sie nicht geschlossen für die Verstaatlichung nicht nur der Verkehrsmittel, sondern auch ganzer Industriezweige, sobald die etwaigen volkswirthschaftlichen Bedenken beseitigt sind? Befürworten sie nicht alle die Erhaltung und Stärkung des Militarismus mit seinen gewaltigen Geld- und Blutsteuern, seiner allgemeinen Wehrpflicht, seinen un­zähligen Kasernen, Festungen, Arsenalen und den vielen von ihm gefährdeten Lebensbe­rufen? Ist es nicht eine Thatsache, daß Manche es für unvereinbar mit der Maje­stät des Staates erklärten, gewUe völker­rechtliche und durch feierliche Königsworte garantirte Rechte zu achten und sich über­haupt durch Verträge zu binden? Haben nicht im Culturkampf die Propheten des Staatssocialismus ebensowohl als die übrigen Culturkämpfer von den unveräußerlichen Oberhoheits- und Majestätsrechten des Staates über die Kirche geredet, und so lange Aussicht auf Erfolg war, den Katho­liken entgegen gehalten, die Abschaffung auch nur eines Jota von dem absoluten Kirchen- Festungen ihren siegreichen Einzug hielten, um so die glorreichen Thaten früherer Tage zu erneuern. Sein Wort wirkte mächtig auf die Volksmasse ein. Eine Art elektri­sche Begeisterung, deren sich Niemand er­wehren konnte, sprühte aus jeder Zeile, wie der Funke aus dem Metall!

Die im Saale Anwesenden hielten den Athen; zurück, um kein Wort von dem Vor­gelesenen zu verlieren — dann brach wie mit einem Male ein donnerndes Beifallrufen aus, das im ganzen Saale wiederhallte.

Rolland allein, als er die jungen Enthu­siasten rufen hörte, schüttelte traurig den Kopf. —

Am folgenden Morgen in der Däm­merung wandelte Celia auf die kleine Kirche von Evian zu. Nur einige arme Frauen knieten einsam in derselben, ein Heller Sonnenstrahl fiel durch die Fenster auf den Steinboden, auf dem einige blonde Kinder hockten, deren Antlitz durch die Sonne wunderbar erleuchtet schien.

Fräulein Belleforge kniete auf dem Boden nieder. Eine Minute darauf ertönte die Glocke, dann erklang die Schelle eines Chor­knaben und der greise Pfarrer stieg zum Altar empor. Tief gesammelt verharrte Ce­lia ruhig in ihrer Haltung. Bisweilen er­glänzte eine Thräne in ihrem Auge — viel­

regiment der Maigesetze sei unter der Würde des Staates? Ja, wurde nicht sogar den Katholiken auf ihre Klagen von verfaffungs- mäßig und völkerrechtlich garantirten Rechten erwidert, es gebe keine Rechte im Staate, außer denen welche der Staat anerkenne? War damit nicht das Princip ausgesprochen, der Staat sei die einzige Rechtsquelle, außer dem Staat gebe es kein Recht? Und stehen wir damit nicht principiell auf dem Boden der Staatsallmacht?

Wir könnten hier noch auf das von*den Staatssocialisten befürwortete staatliche Schul­monopol Hinweisen und mit Recht folgern, daß, wer dem Staate die Befugniß zuer­kennt, den Eltern das Recht der freien Er­ziehung ihrer Kinder zu nehmen, und nicht nur das Maß, sondern auch die Gattung der gesammten nationalen Erziehung von der Elementarschule bis zur Universität hinauf nach Belieben zu regeln, folgerichtig auch dem Staat das Recht der Bevormun­dung auf allen anderen, tieferstehenden Ge­bieten zuerkennen muß. Doch der angeführte BeichtspieM genügt, um unsere Staatssocia- listen bei ' aufrichtiger Selbstprüfung zu überzeugen, daß sie dem Staate praktisch das Recht einräumen, alles zu thun, was ihm zum Wohle der Gesammtheit nützlich erscheint.

Darin hat der Staatssocialismus aller­dings Recht, daß er dem Staate nicht bloß die Rolle eines Polizisten und Nachtwäch­ters zumeist, der nach den Spitzbuben zu fahnden und den Staatsbürgern den ruhigen Schlaf zu ermöglichen hat. Auch nach dem hl. Thomas und den katholischen Theologen leicht beweinte sie ihre Tobten, vielleicht em­pfahl sie dem Herrn die in Gefahr schwe­benden Reisenden, die Soldaten, welche die Waffen für die Sache Frankreichs ergriffen.

Der Gottesdienst war schon eine geraume Zeit zu Ende und Celia schien noch nicht an's Weggehen zu denken, als der Pfarrer von Evian auf sie zutrat und ihr einen kleinen Gegenstand übergab, den sie unter lebhaften Dankesbezeugungen in Empfang nahm.

Dann erhob sie sich und schritt auf die Kirchthüre zu. In demselben Augenblicke, wo sie Weihwasser nehmen wollte, gewahrte sie Rolland. Erschrocken sah sie den jungen Mann an und trat einen Schritt zurück.

„Fräulein", sprach er, „möge Gott es mir verzeihen, wenn ich in seinem Hause mit Ihnen spreche — ich habe es nöthig, ihn als Zeugen meines Wortes zu nehmen."

„Thun Sie es nicht!" sagte Celia. „Der Wunsch eines gehorsamen Sohnes ist dem Willen seiner Mutter unterworfen."

„Sie haben mir ein heiliges Andenken versprochen", „hier möchte ich es in Em­pfang nehmen, es soll mein Schutz und meine Waffe sein "

Celia übergab das Scapulier dem Grafen d'Jvree. Dann zog er einen Ring von seinem Finger und reichte ihn Celia. Sie