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Sonnabend, den 12. August 1882.

Fuldaer ZW Jeilung.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda in der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich Brmgerlohn m Fulda 1 Mark und 50 Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfg.. ms Haus gebracht 1 M. 90 Pfg. Mit den.Jllustrirten Sonntagsblättern' kostet dieFuld.Ztg. vierteljährlich in Fulda M. 1.90; auswärts am Postschalter M. 1.75; m s Haus gebracht M. 2.15. Inserate: Die PetUzeil« oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg-; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

Politische Streifzüge.

(Nachdruck verboten.)

Jagen soll nach der Erklärung echter Waidmänner ein angenehines Vergnügen sein, besonders die Jagd auf Hochwild und auf hohen Gebirgen. Einen Adler aus der Luft zu schießen, einen Steinbock oder eine Gemse zu erlegen oder einer Wildsau den Hirschfänger in's Herz zu stoßen, das muß ein prickelndes Amüsement sein, — von Löwen- und Tigerjagden gar nicht zu reden. Auch die Streifzüge durch die politischen Jagdgefilde und Urwälder sind oft recht interessant, zumal wenn man dein Wilde wohlgezielte Schüsse auf den Pelz brennen kann; aber weniger angenehm ist es für den Jäger, durch Sümpfe und Moore waten und immer die alten, schon vielfach ange« schosienen und noch immer lebendigen Böcke auf's Korn nehmen zu müssen. Das ist langweilig und verliert jeden Reiz. Das deutsche Jagdgebiet ist schon seit langen Wochen ein öder Sumpf, nur belebt durch das melancholische Geschnatter kirchenpoliti­scher Wafferenten und den lahmen Flügel- schlag der Parteischnepfen, die im Zickzack­fluge die Luft durchsegeln. Auch für den Leser, der auf Beute wartet, muß es schließ­lich langweilig fein, Nichts aufgetischt zu bekommen, als Wahlmanöver und dergl. Viel Abwechslung bietet auch das auswär­tige Jagdgebiet nicht: es find immer die­selben egyptischeu Beafstecks, die nach eng­lischer Manier halbroh, d. h. blutend, hin­abgewürgt werden müssen.

Großwild gibt's in dieser Woche nicht; ich muß deshalb mit der Beute der niedern 35™

Der Weg zum Verderben.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers.

(Fortsetzung.)

„Aber Sie haben uns von den Helden­gestalten der Allinger noch nichts erzählt/' sagte die Baronin sanft.

antwortete Celia bescheiden, „es steht Ihnen eher als mir zu, einen hl. Franz von Sales zu loben."

„Betreten mir zuerst die Capelle, sie wird lauter ihre Stimme erheben, als wir es vermögen."

Als sie in die ärmliche Capelle eingetreten, deren einzige Merkwürdigkeit ein Hut bildet, welcher dem hl. Franz von Sales einst an­gehört haben soll, erzählte Celia zu der Gräfin d'Jvree:

„Der Apostel des Challais, damals Probst der Genfer Kathedrale, feierte hier das hl. Opfer, am Tage nach seiner Ankunft bei dem Baron d'Hermance. Er wurde 'in diesen Landstrich entsandt, um die Häresie zu be­kämpfen. Länger als ein ganzes Jahr durch­eilte er denselben allein und zu Fuß, und kehrte jeden Abend zu der Festung zurück. Hier ist Alles reich an Erinnerungen, in dieser Grotte hier fand er eine Zufluchts­stätte. Etwas weiter von hier erwarteten

Jagd kommen und will dasselbe wenigstens zu einem genießbaren Ragout vermengen. Ein politisches Kind, getragen von dem naiven Wahne, daß in der eisigkalten Politik auch das warme Gefühl eine Rolle fpielen könne, muß der Ex-Zuluköuig Cetewapo fein, der vom Cap nach London reifte, sich in eine Generalsuniform stecken ließ und seine königliche „Schwester" Victoria bitten will, ihm sein geliebtes Zululand wieder zu geben. Diese lebendige Immediateingabe ist ein rührendes Schauspiel und beweist, welch' ideale, gutmüthige Begriffe die „Wilden" von Europas übertünchter Politik und Höf­lichkeit haben; aus der Rückreise nach dem Cap der „zerstörten Hoffnung" wird die schwarze, afrikanische Majestät mit Seume's Canadier brummen: „Wir Wilde sind doch beff're Menschen."

Gutes Wildpret hat das Ausland nur in geringer Zahl geliefert; der beste Wochen­braten ist die Volksabstimmung in der Schweiz über das Epidemiengesetz, das mit erdrückender Majorität verworfen wurde, und damit fiel auch das zweifelhafte liberale Danaergeschenk des Impfzwanges. Das Volk der Schweiz ist zu vernünftig, um sich Eiter in's Blut treiben zu lassen, der gegen die Pocken nicht schützt, wohl aber die häß­lichsten Krankheiten im Gefolge haben kann. Wann wird Deutschland diese liberale Aus­satzkruste abschütteln? .... Auch aus Rußland kommt endlich eine bessere Nach­richt. Ta man von den Nihilisten lange Nichts gehört, — wenn's nur nicht die Stille vor dem Sturme ist! — scheint man in Petersburg wieder aufzuathmen, und so ihn seine Mörder, überall hin trug er uner­müdlich Licht und Trost für Alle. Streng gegen sich selbst, nachsichtig gegen Andere. Sein Heldenmuth war ruhig, man könnte sagen fröhlich. Seine Werke waren, wie sein Leben rein und voller Liebe. Ein Jahr­hundert nach seinem Tode wurde die Capelle, in welcher er Gottesdienst gehalten, auf Be­fehl Victor Amadeus II. zerstört; nach den Schicksalsschlägen und den Greuelthaten der Revolution baute das Volk selbst sie wieder auf." —

Der Tag ging zur Neige, man mußte an den Heimweg denken. Während die Pilger nach Allingen unter dem Schatten der Kasta- nieubäume langsam hinabstiegen, befand sich Rolland zufällig nahe bei Fräulein Belle- forge, die beiden alten Freundinnen plau­derten halblaut mit einander. Celia, die stille schwieg, sah gedankenvoll vor sich hin, während der Graf vergeblich das plötzlich abgebrochene Gespräche wieder auzuknüpsen suchte. Wie gewöhnlich in ähnlichen Fällen, suchte und fand er denn auch eine der land­läufigen Phrasen, die nur dazu dienen, die Verlegenheit zu verbergen.

„Ich war sehr erstaunt", sagte er ängst­lich. „Sie heute Morgen in Evian anzu- treffen."

hat der Czar sich eutschloffen, nach Copen- hagen und Wien (?) zu reifen und sich bann krönen zu lassen. Möchte aber das ruch­lose Bombenattentat, mit welchen das meist aus Juden bestehende „nnerlöste Italien" in Triest gegen die 500jährige Jubelfeier demonstrirte, fein neuer Alarmschuß der Revolution sein, dessen Knall und Echo auch die schlummernden Nihilisten in Ruß­land weckt! Oesterreich geht besseren Zeiten entgegen. Die Staatsfinanzen heben sich. — Frankreich hat endlich, nach langem Suchen und Tasten, Hangen und Bangen, ein neues Cabinet mit Duclerc an der Spitze und sonstigen unbekannten Grö­ßen im Kometenschweife. Das 19. Mini­sterium feit 11 Jahren! Man muß es der Republik lassen, daß sie in keiner Weise conservativ ist und ihr Kleid so schnell und oft wechselt, wie eine Dame ihre Badetoi­lette. Aber ihren Stoß, und zwar einen sehr heftigen, hat sie weggekriegt durch die letzte Krisis.

Das sonst vom Ausland gelieferte Wild hat einen starken Hautgout. In Italien fordern demokratische Blätter offen und un­gestraft, König Humbert solle sein Bündel schnüren und gehen, und die belgischen Radicalen wollen das allgemeine Wahlrecht durchsetzen, d. h. unter der Einschränkung, daß nur „intelligente" Menschen wählen dürfen und die Zöglinge der Staatsfchuleu bevorzugt werden, und der Justizminister Bara hat „im Interesse der Civilisation, des Rechtes und der Humanität" in der Erz- diöcese Mecheln 140 Capläne auf den Hunger­etat gestellt, d. h. ihr Gehalt einfach ge-

„Und ganz besonders in der Stellung, wie ich sie jetzt einnehme."

„Ah!" so weit ich Ihre Vergangenheit kenne, ist sie mir eine gute Garantie für die Zukunft."

„Was diese Vergangenheit betrifft", sagte Celia gedehnt, „sind Sie ganz sicher, daß man nicht allerlei Bemerkungen, vielleicht tadelnde, darüber macht?" — „Und wenn ja — was läge daran!" — „Was daran läge! Man hat etwas gesagt — viel­leicht etwas Jnhaltschweres, etwas Schreck­liches — Sie schweigen."

„Fräulein!" sagte Rolland, „Sie haben plötzlich das Haus Ihres Vaters verlassen."

„Ich weiß es. Ein solcher Schritt ist folgenschwer, aber ohne Schuld, ich wage nicht, Sie nach dem Grunde zu fragen." — „Ich bin es mir selbst schuldig, Ihnen den­selben mitzntheilen. Mein Vater wollte mich verheirathen." — „An Herrn Arthur de Ranville?" — „Ja". — „Und Sie haben diese in allen Beziehungen sehr pas­sende Partie ausgeschlagen?"

„Allerdings, und zwar, weil ich nicht glauben konnte, einen Menschen lieben zu können, den man mir mit Gewalt zum Ge­mahl aufdrängen wollte."

„Und warum?" fragte Rolland fast bittend.