M 180. Dienstag, den 8. August 1882.
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% Zur Lage in Rom.
Das französische Journal ,Le Monde1 (,Die Welt') bringt in seiner Nummer vom 28. Juli eine Korrespondenz aus Rom, die von allgemeinem Interesse ist und also lautet:
Die zahllosen Kunstgriffe jeder Art, deren sich die italienische Revolution bedient, um Unruhe unter die Katholiken zu säen, die Gemüther zu erregen und sie in fortwährender Ungewißheit und Verwirrung zu erhalten, haben sich schon oft den Unwillen und Verachtung aller Edeldenkenden zugezogen. Allein trotzdem steht der auf der Halbinsel herrschende Liberalismus von dieser schuldbaren Praxis keineswegs ab; bildet sie doch, so zu sagen sein Wesen und seine Natur und mit Recht hat der Dichter gesagt und ist es nach ihm auf Grund langer Erfahrung oft wiederholt worden: Naturam expellas furca tarnen usque recurret. (Mag man die Natur auch mit der Heugabel austreiben, sie kehrt doch immer wieder.) So kommen auch die Männer des revolutionären Italiens immer wieder auf ihre Lieblingspläne, ihre feigen Kunstgriffe zurück. Sie haben damit begonnen, falsche Nachrichten über den Gesundheitszustand des hl. Vaters zu verbreiten, um dadurch die Gläubigen in Schrecken zu setzen. Allein sie sind bald durch die Macht offen daliegender That- sachen gezwungen worden, auf dieses verwerfliche Drittel zu verzichten. Denn Jedermann weiß es, welch' großen Anstrengungen sich der hl. Vater fortwährend in der Ausübung seines apostolischen Amtes unterzieht, wie zahlreich die Audienzen sind, die er Tag
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Der Weg zum Verderben.
Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)
Der Banquier nahm sich ruhig den Knebel aus dem Munde, aber er rief nicht um Hilfe, sondern hauchte tonlos:
„Du, Du!"
Und was für einen Tag hast Du Unglücklicher gewählt, um Dein Verbrechen auszuführen!"
„Sonderbare Frage! rief der Striker aus, Heute, wie so oft habe ich kein Brod gehabt."
„Nein, ich will Dir die Wahrheit sagen. Heute war ich bereit, Euch Allen einen Platz in meinem Herzen und — in meinem Hause zu gewähren —, so eben habe ich Dein Kind gerettet, das sich aus Verzweiflung in die Seine gestürzt hatte; heute habe ich mir die gänzliche Verlassenheit zum Vorwurfe machend, in welcher Ihr gelebt hattet, Dir sagen wollen: Honore, Dein Vater kommt wieder zu Dir, wirst Du ihn lieben können, wie ein Sohn?"
Der Striker zitterte von Kopf bis zu den Füßen, ein schmerzliches Zucken durchfuhr alle seine Glieder, denn wie in einem rasch vorübergehenden Traume sah er das Glück, das ihm am Tage vorher hätte zu Theil I
für Tag Italienern und Ausländern ertheilt, die aus allen Gegenden in Rom zusammenströmen, um die langersehnte Gunst zu erlangen, ihre Huldigung zu den Füßen des Stellvertreters Jesu Christi niederlegen zu dürfen. Jedermann weiß, wie viele Acte der äußeren und inneren Verwaltung täglich der Gegenstand der Aufmerksamkeit und Arbeit Papst Leo XIII. sind, uud daß er sich denselben mit einer Ausdauer und Sorgfältigkeit widmet, wie sie selbst die stärkste Constitution und die zäheste Gesundheit auszuhalten nicht leicht im Stande sein dürfte. „In dieser Beziehung", sagte mir neulich ein in der Geschichte des Papstthums wohlerfahrener Mann, dessen Namen ich mit Rücksicht auf seine Bescheidenheit nicht nenne, „in dieser Beziehung würde es schwer sein, in der langen Reihe der römischen Päpste einen Papst zu finden, welcher in Hinsicht auf diese wunderbare, auf so viele und so große Arbeiten sich erstreckenden Thätigkeit in der allgemeinen Leitung der Kirche den Papst übertreffen würde, welcher zur Zeit das Steuerruder des sturmumtosten Schiffleins Petri in den Händen hat." Und nichts destoweniger zeigt sich die Gesundheit Leo XIII. so kräftig und so blühend, wie man es sich nicht besser wünschen kann.
Wohl einsehend, daß ihre diesbezüglichen Lügen Niemanden mehr täuschen, und daß sie damit nur ihre Zeit verlieren, haben die Gegner diese ungeschickte Tactik fallen gelassen, sind jedoch stets bereit sie gelegentlich wieder aufzunehmen. Denn man kann nicht erwarten, daß die Revolution sich ver- läugnet.
werden können und dessen er sich so eben unwürdig gemacht hatte. Aber dieser Eindruck war nicht lange anhaltend.
„Freilich", sagte er bitter, „früher warst Du nicht so gütig wie jetzt — warum Dein Herz jetzt plötzlich so weich geworden ist, weiß ich jetzt allerdings noch nicht; ich erinnere mich sehr wohl, wie ich Dich in einer kalten stürmischen Winternacht gebeten habe, mich meinem Elende zu entreißen und mich in Erbarme» aufzunehmen! Gewiß war ich damals ein arbeitsscheuer Trunkenbold — aber ich war so tief noch nicht in den Koth gesunken, es war noch Zeit damals, mich aufzurichten, mich zu bessern und aus mir einen Menschen zu machen! Jetzt kann aus mir nur noch Zweierlei werden: entweder nach Cayenne oder in den Bagno!
Meine Complicen sind in Sicherheit und ich werde sie nicht verrathen; meine Haut achte ich kaum — mein Leben erschreckt mich und flößt mir Ekel ein. Sie können mich ausliefern."
„Dich ausliefern, Unglücklicher! Dich ausliefern — und ich soll das! Den Gerichten überliefern — bist Du wahnsinnig, Mensch? Meine Casse enthielt nur eine Summe, die für mich ganz unbedeutend zu nennen ist — hunderttausend Francs. Dieser kleine Verlust wird mich nicht hindern, allen meinen
Aber für den Augenblick haben die Gegner zu einer andern Erfindung ihre Zuflucht genommen; sie suchen auf alle mögliche Weise glauben zu machen, daß zwischen dem hl. Vater und dem Cardinal- Staatssecretär Ia co bini tiefgehende Mein- ' ungsverschiedenheiten bestehen und daß Letzterer soeben gezwungen worden sei, baldigst seine Entlassung zu nehmen. Ja, man geht sogar so weit, seinen Nachfolger zu bezeichnen, dessen Namen sie schon wissen; sie bezeichnen Tag und Stunde des Ereignisses, das sie auf die verschiedenste Weise und mit den sonderbarsten Erklärungsversuchen beschreiben. Unmöglich kann man alle Erfindungen berichten, die in dieser Beziehung iheer Einbildungskraft entsprungen sind. Sie sind Lügen gestraft worden. Dann haben sie von einem Briefe gesprochen, den der hl. Vater an seinen Staatssecretär geschrieben haben soll, um sein Verfahren zu billigen; sie haben behauptet, dieser Brief hätte ihm seine Entlassung angezeigt, weil nämlich ein ähnlicher Brief des Papstes an seinen andern Staatssecretär Cardinal Nina, von demselben Erfolge begleitet gewesen sei.
Durch diese falschen Berichte in Mißkredit gerathen und aufgefordert durch die katholischen Blätter Roms, das Datum des vorgeblichen Briefes an Cardinal Nina anzugeben, haben sie auf diese Aufforderung nicht geantwortet; aber einen Monat später haben sie abermals etwas Neues erfunden und das Journal ,La Rassegna1 (,die Uebersicht') hat als einen neuen Beweis der vorgeblichen Meinungsverschiedenheit zwischen dem hl. Vater und dem Staatssecretär an- Verpflichtungen nachzukommen. Die Elenden, welche es entwendet haben, werden ohne Zweifel schleunigst Paris verlassen; willst Du, daß ich Dein Verbrechen vergesse und Dir verzeihe?"
~ „Sie können es nicht", antwortete der Striker wider Willen durch diese unerwartete Güte gerührt.
„Ich kann es und will es! Begreifst Du . nicht, Honore, daß Deine Dankbarkeit um. so größer sein wird, je größer der Fehltritt ist, den Du gemacht hast? Fühlst Du nicht, daß die Liebe, die ich Dir entgegenbringe, die Vergangenheit sühnen und die Zukunft ganz anders gestalten wird? Ich würde in Deiner Hingebung an mich große, große Freude finden, Du wirst mehr als mein Fleisch und Blut sein - ich habe Dich der Schande entrissen! Und auch Du wirst glücklich sein — glücklich mit den Deinen, die Unglück und Elend mit Dir getheilt haben!
Der Striker schüttelte den Kops.
„Es geht nicht", sagte er dumpf.
„Bist Du so tief in's Laster gesunken, daß Du nicht einmal das Bedürfniß fühlst, Dich aus seinen Fesseln zu winden?"
„Es ist unmöglich," sage ich Ihnen, „der Striker wird der Striker bleiben, so lange er lebt."
„Ich bin gebunden", fügte er tonlos hin-