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Donnerstag, den 3, August 1882
Zeitung
Fuldaer
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-n Der „Cilltur"-Feldzug nach Egypten.
Worum handelt es sich denn eigentlich bei dem Feldzuge, welchen man gegen Egypten unternimmt? Um die Cultur -- sagen die Engländer. Ja wohl, um eine hübsche Cultur! In erster Linie um die Wucherzinsen der Herren Rothschild und Genossen, welche von den armen hungernden Fellahs mit Gewalt die Millionen herauspressen wollen, welche sie von dem verschwenderischen Khedive Jsinail ergaunert haben. Es ist in der That kein Cultur- sondern ein Couponkrieg, wie ihn das Wiener .Vaterland' nennt.
Im Jahre 1881 mußten die Egypter an Stenern und Zöllen pro Kopf gegen 26 M. anfbringen; eine solche Besteuerung in einem armen, halbcivilisirten Lande ist doch ganz ungeheuer hoch, und damit müßte die mangelhafte Staatsverwaltung reichlich auskommen. Aber sie kommt nicht aus, weil sie zu viel Wucherzinsen bezahlen muß. Im Jahre 1857 hatte Egypten nur eine schwebende Schuld von 24 -28 Millionen Mark. Im Jahre 1860 begann das Pumpen. Unter der liederlichen Wirthschaft Ismails ging es ins Großartige. Für jeden Schuldschein von 100 Thalern erhielt der Khedive nur 90, 80 oder gar nur 75 Thaler ausbezahlt, mußte aber seinerseits nach 10 oder 20 Jahren 100 Thaler zurückbezahlen. Die Bankiers zogen ihm außerdem noch ein Agio ab. An Zinsen mußte er 7 bis 9 Thaler von der ganzen Summe zahlen, obgleich er bloß einen Theil erhielt; also in Wirklichkeit mehr als 10
Procent, manchmals bis zu 25 Procent. Die Herren Darleiher ließen sich also das Risico, die Gesahr, welche sie liefen, wahrlich nach Wucherart bezahlen. Trotz der vielen Rückzahlungen war im Jahre 1876 die Gesammtschuld auf mehr als 1800 Millionen Mark gestiegen. Im Jahre 1879, als die Schulden „consolidirt" wurden, kamen 1926 Millionen heraus, zu deren Verzinsung jeder Kopf in Egypten jährlich 14 Mark aufbringen soll.
Bis zum Frühjahr 1875 haben die Gläubiger ihr Geld erhalten; also größtentheils haben sie nicht allein ihre rechtmäßigen Zinsen, sondern auch das Capital selbst schon wieder eingestrichen. Es geschah ihnen also kein sonderliches Unrecht, als der Khedive im Jahre 1875 die Taschen umkehrte und die Zahlungen einstellte. Run nahmen aber England und Frankreich die Eintreibung der Wucherzinsen in die Hand. Sie zwangen dem Khedive zwei europäische Minister auf, welche die eigentlichen Regenten des Landes waren. Und als sie den Sohn Jsmail's an ihrem Gängelbande hatten, da jagten sie den alten Khedive von dannen und setzten seinen Sohn Tewfik zum „Herrscher" ein, der nichts anderes als ein Werkzeug der Westmächte war und geblieben ist.
Egypten stand thatsächlich unter Fremdherrschaft, und das erregte die Eingeborenen so, daß ihnen allmählich zum Bewußtsein kam, sie seien doch auch ein Volk, welches Rechte habe und Rechte fordern dürfe. Das Militär war der Rückhalt dieser Opposition gegen die fremden Blutsauger. Arabi kam an die Spitze der Armee. Als die I
Westmächte den Khedive zwangen, Soldaten, welche sich gegen Arabi empört hatten, zu begnadigen, da erhob sich Arabi gegen den Khedive und seine Beherrscher, der Freiheitskampf gegen die Europäer begann.
Jetzt ist die Sache dahin gekommen, daß die englischen Truppen ihr Leben hingeben sollen, um den Rothschilds und Genossen wieder zu ihren Zinsen zu verhelfen.
Ein liberales Blatt sagte dieser Tage, die armen Ackerbauer Egyptens, die Fellahs, seien nichts als „Humus für die europäische Cultur," d. h. sie sind der Dünger für den Boden, aus welchem die Europäer ihre goldenen „Cultur"-Ernten ziehen. Run sind ja allerdings diese Fellahs schon lange entsetzlich gedrückt. Daß aber Europa, statt bei seinem mächtigen Einflüsse auf Egypten nach Möglichkeit bessern zu helfen, durch die Excesfe des europäischen Capitalismus und ihre Folgen die Lage dieser Fellahs noch verschlimmert, ja geradezu unerträglich gemacht hat, das ist und bleibt eine Sünde und Schande, die das Schuldbuch unserer ohnehin schon schwer belasteten Hyperund Aftercultur mit einem neuen dunklen Fleck behaftet. Haben die Rothschilds und Genossen die wahnsinnig maßlose Verschwend- ungssncht des früheren Khedive Ismail möglich gemacht, unterstützt, ja ausgebeutet, und dadurch Egypten in eine für seine Kräfte viel zu große Schuldenlast gestürzt, v'on der sehr wenig zum wirklichen Besten des Landes verwerthet worden ist, so mögen die Rothschilds und Genosien auch die Folgen ihrer Handlungen tragen.
Diese Herren wiffen sich bei riscanten
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Der Weg $um Verderben.
Nach dem Französischen von I. Rüttgers.
(Fortsetzung.)
Laute Bravo's begrüßten den Geretteten und seinen Retter. Beide wurden sofort in die Sabine eines Kohlennachens geführt, wo die Hausfrau sich sofort des armen Pif- seraro annahm. Belleforge kam, nachdem er einige Gläser stärkenden Weines genossen, wieder rasch zu sich; er nahm einige trockene Kleidungsstücke des Kohlenhändlers und bald faß er da, über den Pifferaro gebeugt und wartete mit Ungeduld, bis er wieder zu sich käme.
Wirklich schlug das Kind auch bald die Augen auf, blickte ganz verwundert um sich herum, seufzte dann tief und murmelte: „Meine Violine!"
Bald saß es, mit Speise und Trank erquickt und mit trockenen Kleidern versehen, an dem warmen Ofen und schien in Gedanken versunken zu sein. Es schien sich zu fragen, warum man es nicht hatte sterben lassen?
Belleforge errieth, was im Geiste dieses Kindes vorging. Er wollte sein Werk nicht unvollendet lassen. Sonderbar, sagte er sich, daß dieses Kind sich bat ertränken wollen! Ein Kind lebt doch sorglos dahin, unbeküm
mert um den folgenden Tag — stets lächelt es freudig, und wenn ein kleiner Schmerz es betrübt, bald ist es wiederum vergeffen. Und doch wollte dieses Kind offenbar sterben! Da müssen doch große, große Leiden das arme Wesen schon getroffen haben.
Er bat die übrigen Anwesenden, ihn einen Augenblick mit dem Kleinen allein zu lassen.
„Du erkennst mich wieder, mein Kind?" sagte er, als sich Alle entfernt hatten. — „Ja Herr." — „Glaubst Du, daß ich es gut mit Dir meine?" — „Ohne Zweifel, denn Sie haben mir ja ein Goldstück gegeben." — „Willst Tu mir vertrauen?" — „Ich glaube, daß Sie ein rechtschaffener Mann sind, aber sie haben mir großes Leid zugefügt." — „Dir?" - „Ich wollte sterben, und Sie haben mich gerettet." — „Aber warum wolltest Du denn sterben?" — „Ach! lieber Herr, das Leben ist zu hart." — „Wo? Bei Deinen Eltern?" — „Man hat mich aus dem Haufe verstoßen." — „Und wer denn?" — „Der Mann meiner Mutter. Er haßte mich wie einen räudigen Hund, aber er ist dafür gestraft worden. Serinette, meine kleine Schwester ist gestorben." -- „Wie heißt. Du denn, Kleiner?" — „Concrelat", antwortete das Kind.
„Ich will Dich nach Hause bringen".
„Ich wohne nicht mehr zu Hause, ich wohne bei einem Herrn, wo noch zwanzig Kameraden von mir sind. Wir spielen alle Harfe, Guitarre oder Violine. Wenn wir nicht alle Abend einen Franc mit nach Hause bringen, schlägt er uns die Schultern wund. Ich kann niemals die Summe, die er fordert, zusammenbringen, ich spiele schlecht, denn ich kann nur unter Thränen spielen."
„Mein Kmd", sagte der Banquier mitleidig, „der Mann Deiner Mutter ist also arm?" — „Sehr arm". — „Und er arbeitet doch?" — Bisweilen, drei Tage in der Woche. Samstags ist Zahltag, dann kommt er betrunken nach Hause und schlägt meine Mutter; sie muß ihm einige Sous abstehlen, dann bekommen wir am folgenden Tage Kartoffeln". — „Welches Elend!" sagte der Banquier zu sich selbst.
„Von jetzt," fuhr er fort, den Knaben fest anblickend, „werde ich für Dich Sorge tragen. Du sollst nicht mehr ;u Deinem Herrn zurückkehren. Ich will Deine Mutter um die Erlaubniß bitten, Dich mit mir nehmen zu dürfen. Du willst ja, nicht wahr?"
Anstatt aller Antwort schlang der Kleine innig seine Arme um den Hals des Banquiers.
„Und jetzt," fuhr der Banquier fort, „sage mir den Namen und die Wohnung Deines Vaters." — „Der „Striker", Straße Saint-