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Lto* Mittwoch, den 2. August 1882.

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Minister Lutz und das liberale Profestorenthunr in Bayern.

Elf volle Jahre mar Minister Lutz der Abgott aller Kathedermänner liberaler Ob­servanz, der Minister sorgte ja redlich für diese Leute, damit sie sich in Bayern recht wohnlich einrichten und die Wissenschaft in ihrem Sinne zustutzen könnten. Da im zwölften Jahre bricht das schöne Verhältniß zwischen Minister und Professorenwelt, -letztere wird ungeberdig und schlägt die Hand, von welcher sie so viele Gnaden em­pfangen hat. Der erste Anlaß zu dieser professorlichen Frontstellung gegen den Mi­nister bildete die Berufung des Professors Dr. v. Hertling an die Münchener Universi­tät. Ueber die wissenschaftliche Bedeutung dieses Mannes braucht man keine Worte zu verlieren, alle Welt weiß, daß Hertling auf national-ökonomischen und socialpolitischem Gebiete eine Celebretät ist und daß seine Gewinnung für die Münchener Hochschule deren Ruf nur verniehren kann; dennoch sträubte sich die ganze liberale Professoren­welt gegen diese Ernennung, weil Hertling das ungeheuere Verbrechen begangen hat, nicht bloß katholisch getauft zu sein, sondern seinen katholischen Glauben treu zu bekennen und sogar als Abgeordneter für die Sache des katholischen Volkes thätig gewesen zu fein. Das ist natürlich in den Augen liberaler Professoren eine Makel, der gegen­über alle Wissenschaft nichts gilt, und des­halb erhob man ein Zetergeschrei über die Ernennung dieses Gelehrten. Der Minister ließ sich durch das Gebelfer nicht irre machen, er vollzog in Ausführung der der

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Der Weg zum Verderben.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

In seiner Nähe befand sich Niemand, um aus ihn zu lauschen, und der einzige Zu­hörer. der auf ihn zuschritt, hatte ihn noch nicht bemerkt. Er spielte für sich, wie er auch allein sein Elend beweint und bejam­mert hatte. Dieses kleine Geschöpf, für welches die Musik fast ein todter Buchstabe war, spielte mit herzzereißendem Ausdruck, den vielleicht kein Meister besser hätte in das Spiel hineinlegen können. Niemals hatte man ihn gelehrt, welche Worte man mit diesen Melodien zu begleiten pflegt, und doch fühlte er heraus, daß es Seufzer, Worte des Lebewohls, Todesgedanken sein müßten. Uebrigens verstand dieses Kind nur diese einzige Melodie zu spielen!

Man konnte sein Antlitz kaum mehr un­terscheiden, das alabastergleich, fast durch­sichtig zu sein schien und ein krankhaftes Aussehen hatte. Seine großen blauen Augen erhoben sich wehniüthig zu dem düstern trau­rigen Himmel empor, seine langen schwarzen Haare wallten bis zum Halse nieder, den nichts vor der Kälte schützte. Auf seinen Lippen spielte nicht das entzückende Lächeln

Kammermehrheit gemachten Zusagen die Ernennung Hertlings und ließ die Herren liberalen Professoren sich ruhig ärgern.

Die weitere Ungnade des liberalen Magister- thums höherer Ordnung zog sich der Cultus- minister dadurch zu, daß er den altkatholischen Professor Dr. Friedrich aus seiner hörer­losen Wirksamkeit an der theologischen Fa- cultät Münchens in die philosophische ver­setzte. Ein Hochweiser akademischer Senat erhob hiergegen Beschwerde und in dem alt­katholischen .Deutschen Mercur', wie in et­lichen anderen liberalen Zeitungen räusper­ten sich ein paar ,, Stützen der deutschen Wissenschaft" über diese Concession des Mi­nisters an die bösen „Ultramontanen" ganz gehörig aus. Die Antwort oes Ministers auf die Beschwerde des akademischen Se­nates, in der Herr v. Lutz sich das Er­nennungsrecht der Professoren ganz entschie­den wahrt, soll freilich eine gelinde Abkühl­ung für die heißblütigen Professoren-Ge- müther gewesen sein, allein es scheint, daß die Herren ihren Sturm im Wasserglase sortzusetzen gedenken, denn in den letzten Tagen werden die Angriffe gegen die Mini­ster in der liberalen Presse nicht bloß vehe- nient, sondern geradezu massiv. Die liberale Professorenwelt scheint ganz aus dem Häus­chen zu sein, weil derselbe Herr v. Lutz neuerdings sich anschickt, einen katholischen Professor an der Würzburger Universität zu ernennen.

Bekanntlich hat der Cultusminister der bayerischen Kammermehrheit s.Z. versprochen, auf der stiftungsgemäß katholischen Univer- sität Würzburg den erledigten Lehrstuhl der der Kinder Italiens, noch auch blitzte aus seinem Auge^jener eigenthümliche Glanz der Völker des Südens. Offenbar mar der kleine Musicant eines jener armen Kleinen, die das Elend der Eltern oder die Habsucht irgend eines Herrn jeden Morgen auf die Straße treibt, um von der Gutmüthigkeit der Reichen einige Sous zu erbetteln.

Belleforge, der immer näher kam, ging langsamer, um besser zuhören zu können. Dieses Kind interessirte ihn — er wußte selbst nicht warum. Er wollte das Kind nicht in seinen: Spiele stören und wartete, bis die letzte Note verklungen war. Dann trat er rasch auf es zu, legte seine Hand auf seine Schulter und sagte zu ihm:

„Du hast da eine merkwürdige Melodie gespielt, mein kleiner Freund — wie schade, daß Du so wenig Zuhörer hast. Aber ich will_ Dich dafür entschädigen."

Er zog ein Goldstück heraus und reichte es dem Kinde hin. Der Pifferaro wies es sanft zurück. „Danke schön", sagte er, „ich bettle nicht."

„Gut, aber ich kann Dir doch meinen Dank bezeugen für das Vergnügen, das Du mir bereitet hast."

„Sie schulden mir nichts, mein Herr, ich habe nicht für Sie gespielt."

„Und für wen denn?"

Philosophie mit einem gläubigen Katholiken zu besetzen. Daß diese Concession, ganz ab­gesehen von allem andern, kein unbilliges Verlangen ist, beweist die Thatsache, daß den Hörern der Theologie an der Würz­burger Universität, welche Philosophie hören müssen, doch nicht zugemuthet werden kann, bei einem Atheisten oder Materialisten die Vorlesungen zu besuchen. Nichtsdestoweniger ist man in liberalen Professorenkreisen auch über diese kleine ministerielle Concession, welche den Katholiken in Erfüllung einer ebenso gerechten als billigen Forderung auf Verwendung des Herrn Cultusreferenten Dr. Rittler der Kammer zu Theil wurde, ganz alterirt und haben gewisse Herren durch die Canäle der ,Augsburger Abendztg/ und des ,Fränk. Kurier' die ganze Schale ihres Grimmes ausgegossen, besonders seitdem die Blätter die Nachricht verbreiteten, daß der als katholischer Gelehrter einen guten Ruf besitzende Lycealprofessor Dr. Schneid in Eichstätt dazu ausersehen sei, den erledigten Lehrstuhl in der Philosophie Würzburg einzu­nehmen. Doch nannte man neuestens auch Pro­fessor Dr. Schütz in Trier und Privatdocent Dr. K i r s ch k a m p in Würzburg, die gleichfalls beide als gut kirchliche Persönlichkeiten gelten, einen bedeutenden literarischen Ruf besitzen und der Facultät zur Zierde gereichen würden. Es verging seitdem kein Tag, an welchem nicht in einem der obengenannten liberalen Blätter eine boshafte und gehässige Notiz mit offenen und versteckten Angriffen und Trohungen gegen den Minister erschien. So unbedeutend die bisher von Lutz den Katho- liken gewährten Concessionen sind, die Libe-

„Für mich selbst", sagte er, Belleforge traurig anblickend.

„Aber vielleicht müssen noch Andere von Deinem täglichen Verdienst leben, die Deine Rückkehr abwarten."

„Ich werde heute nicht nach Hause gehen." „Du kannst aber nicht allein auf dieser einsamen Brücke bleiben, man würde Dich als Vagabund aufgreifen und verhaften.

„O! Darüber bin ich sehr beruhigt. Nie­mand wird mich verhaften."

„Aber Dein Vater wird Unruhe haben?" „Mein Vater ist tobt."

„Und Deine Mutter?"

Bei diesen Worten schauderte das Kind sichtlich zusammen, dann sich wieder fassend, sagte es scheinbar gleichgiltig: „Meine Mut­ter hat andere Kinder".

Belleforge wollte den Pifferaro noch wei­ter ausforschen, aber das Kind hüllte sich in ein undurchdringliches Schweigen, und als der Banquier sah, daß er ihm keine weiteren Geständnisse mehr entlocken würde, begnügte er sich damit, dem Kind das Gold­stück in die Hand zu drücken, und entfernte sich dann eiligst.

Der Pifferaro legte die Violine, die er noch immer in der Hand hielt, zur Erde, legte den Bogen und das Goldstück daneben, be­trachtete dann traurig den düstern regnerischen