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174* Dienstag, den 1. August 1882.

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Deutsches Reich.

* Berlin, 30. Juli. Der Hochw. Herr Probst Aßmann hatte am 26. d. M. bei dem Herrn Cultusminister v. G o ß l e r eine längere Audienz. Er wurde der ,Gerin.' zufolge vom Herrn Minister aufs Huldvollste empfangen.

-nk- Die culturkämpferische Schwenkung der ,N. A. Z.' hat eine Wirkung gehabt, welche der Regierung nur dann erwünscht sein könnte, wenn diese auf die Unterstützung der Conservativen verzichten wollte. Der Liberalismus entfaltet seit der Schwenkung wieder die etwas verblichene Fahne seines Culturkampfspropheten Falk und tagtäglich sucht seine Presse die protestantischen Massen gegen die katholische Minorität zu fanatisiren. Die abgenutzten Phrasen von der „Herrsch­sucht Roms,,, „dem römischen Joch" und „den Uebergriffen der Klerisei" werden wie­der aus der Rumpelkammer hervorgeholt, ja ein liberales Organ schämte sich dieser Tage nicht, das Centrum der Speculation auf französische Revanche zu zeihen. Die liberalen Zeitungsjünger mögen gleich den Auguren über die Albernheiten lächeln, bei dem liberalen Philister thun sie ihren Dienst, er stimmt für die Retter Deutschlands aus den „Klauen Rom's." Weil indessen die alten Phrasen etwas von ihrer Zugkraft eingebüßt haben, ging man auf die Suche nach neuen Schreckmitteln; man erfand ein nagelneues Attentat des neuen Fürstbischofes von Breslau, der das Verbrechen begangen habe, gemischten Brautpaaren die Wieder­holung der vor dem kath. Pfarrer geschlos­senen Trauung in der protestantischen Kirche

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Der Weg zum Verderben.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

XIII.

Der Banquier saß noch immer in dum­pfem Schmerze brütend, sich namenlos un­glücklich fühlend, da. Sonderbar, dieser Mann, der. sonst von Allen beneidet wurde, war plötzlich sehr, sehr beklagenswerth — ja der unglücklichste Mensch von der Welt. In diesem Augenblick hätte er, der Millionär, gern seine Existenz mit dem ärmsten Arbei­ter vertauscht, der sich seiner Kinder erfreute. Er fand sich jetzt allein und verlassen — nachdem er fünf und zwanzig Jahre lang ein so glückliches Leben geführt.

„Der Unglückliche" murmelte er, „er hat mir einen tödtlichen Schlag versetzt. — Er beschuldigt mich, ich habe seine Mutter ge- tödtet und jetzt ist er selbst ein Vatermörder! Ich, ich soll Antonie gemordet haben! "Ich, der ich sie liebte, wie eine andere Frau viel­leicht nie geliebt wird! Habe ich ihr je etwas abgeschlagen? Hatte sie nicht Gelder in Hülle und Fülle wie sie es wünschte? Habe ich ihre Rechnungen je geprüft oder ihre Pläne zu Schanden gemacht? Ich habe ' meine Familie, meine Frau innig geliebt." i Belleforge hielt einen Augenblick inne und i

zu verbieten. Vergebens betont die katho- " lische Presse, diese Vorschrift bestehe schon i seit langen Jahren, vergebens betont sie das : Recht der katholischen Kirche, dem ihr ange- hörenden Ehetheile einen zweiten Trau-Äct zu verbieten, aus dem gefolgert werden kann, als ob die kath. Trauung nicht ganz voll- giltig sei; diese Ausführungen werden von der culturkämpferischen Presse todtgeschwiegen und tagtäglich fabeln die Blätter von „einer erneuerten Aggression des Ultramontanis- mus," einer „neuen Kriegsproclamation gegen die Fundamente des Staates" und einem so „dreisten Attentate, wie es selbst die abgesetzten Bischöfe nicht begangen." Es fehlt nur noch, daß man den kirchlichen Ge­richtshof zusammenberust und den neuen Fürstbischof durch v. Forckenbeck und Con­sorten für „unfähig" erklären läßt. Dem Besitzstände des Centrums schaden diese Cul- turkampfstiraden nicht; im Gegentheil seine Wähler werden in Folge dessen ihre Pflicht nur um so eifriger erfüllen. Wie würde es der Kirche ergehen, wenn Falk wieder an's Ruder käme? Leider sind die Wähler der Conservativen politisch weniger geschult und gegen die liberalen Phrasen weniger gefeit, als die Katholiken. Deshalb müssen die Culturkampfsartikel der ,R. A. Z.' den Conservativen schaden und die getreusten Anhänger der Bismarck'schen Social- und Wirthschaftsreform müßten es sich gefallen lassen, in allen liberalen Blättchen als Ver­bündete „reichsfeindliche Römlinge" verdäch­tigt zu werden. Wenn also die conservativen Sitze verlieren, so mögen sie sich bei dem gouoernementalen Blatte dafür bedanken.

fuhr sich _ mit der Hand über die Stirne, wie um seine Gedanken zu lösen.

„Geliebt habe ich freilich meine Frau! Aber vielleicht hat sie nicht das Glück bei mir gefunden, was sie erwartet hat. Rur ein einziges Mal habe ich sie weinen sehen. Vielleicht hat sie mir ihre Thränen verheim­licht." Der Banquier erschrack fast bei diesem Gedanken, der ihm plötzlich durch den Kopf fuhr; zitternd stützte er sich auf seinen Schreibtisch; eine ganze Reihe von Scenen aus seiner Vergangenheit traten in ihrer ganzen Lebendigkeit ihm vor die Seele.

„Ach," fuhr er mit sich selbst redend fort, „ich sehe sie noch, die schöne Antonie, deren ganzes Herz ich eingenommen hatte. Ich glaube sie noch zu sehen, wie sie mit Stau­nen vernahm, daß ich Atheist sei — wie sie dann meine Hände ergriff und sie mit ihren Thränen benetzte, wie sie mich bat, ihre religiösen Ueberzeugungen zu achten, und wie sie mich um ihr Leben bat, um das Leben ibrer Seele, das ich tobten wollte. Und ich lachte über ihre Angst, ich spottete ihrer Thränen, ich warf ihr vor, sie sei in dummen abergläubischen Ideen befangen. „Ich hatte kein Erbarmen. Sie, mußte ihr Gewissen meinem Stolze opfern' Die Lei­denschaft ließ ich so groß werden, daß ich das rechtschaffene Herz brach, und als ich

— Rach der ,Tribüne' wird in hiesigen Arbeiterkreisen ein Aufruf an die deutschen Arbeiter vorbereitet, welche sich gegen die Auswanderung nach Amerika richtet. — Ein höherer türkischer Beamter, S u k e i Hussein Essen di, ist in besonderen An­gelegenheiten über Wien aus Constantiuopel hier eingetroffen.

— Die Reichs-Post und Telegraphenver­waltung hat seit einigen Tagen wiederum den Besuch von zwei ausländischen Verkehrs­beamten, den Herren Samsioe und John Berg von der schwedischen General - Post- direction empfangen. Dieselben haben nament­lich von dem Dienstbetrieb des Hof-Postamts, Stadt-Postamts und Postpacketamts ein­gehend Kenntniß genommen und sich näher über die Einrichtungen des Postfuhr- und Rohrpostdienstes, sowie des Zeüungs- und Postanweisungsverkehrs unterrichtet.

— Das Reichsgesundheitsamt veröffent­licht soeben eine statistische Nachweisung über die Bevölkerungsvorgänge in den deutschen Städten mit 15,000 und mehr Einwohnern in der Zeit vom 1. Januar bis 31. Decem- ber 1881. Wir entnehmen derselben ein Zusammenstellung über die natürliche Zu­nahme der Bevölkerung (Ueberschuß der Ge­borenen über die Gestorbenen) in den Städten mit mehr als 40,000 Einwohnern. An der Spitze rangirt Dortmund mit einer natür­lichen Bevölkerungszunahme von 21 pro Mille (im Jahre 1879 waren es sogar 29 pro Mille), dann kommt Duisburg mit 20, Essen mit 19, Elberfeld und Ersfeld mit 18, Barmen und Düsseldorf mit 17 (alles ledig­lich Städte aus dem rheinisch-westfälischen noch nicht triumphirte, da wandte ich ein X noch gehässigeres Mittel an, die Gewalt, und sie, besiegt von meinem Despotismus, gab nach, die Augen voll Thränen, gebrochen, aber nicht überzeugt. Sie blieb das Opfer eines unerbittlichen Henkers. Und dann, ja. dann hat sie immer geschwiegen! Ein Wort des Vorwurfs kam nie über ihre Lippen. Nur in der letzten Stunde ein Aufschrei der Angst und des Schreckens vor dem, was sie die Ewigkeit nannte. Bis zu mir ist er nicht gedrungen, sie hielt mich nicht für würdig, ihn zu hören. Conrad, mein Sohn, hat ihn gehört. Vielleicht hat sie ihm das Gelöbniß abgenommen, sich dem Dienste Gottes zu weihen, zwischen einem Vater,, dem er Vorwürfe macht, und einer sterben-- den Mutter stehend, hält er sein Wort- Wirklich, wirklich er ist ein Mann! Er denkt, er fühlt, er handelt wie ein Mann. Uno Celia! Celia! Ich mag nicht an sie denken-" Er versank wieder in ein tiefes Brüten - Plötzlich fuhr ihm ein Gedanken durch beit Kopf. Ein Name schwebte auf seinen Lippen- „Mein Kind!" sagte er, „ich habe noch ein. Kinb!" Er dachte an den „Strickers

„Das ist ja auch mein Sohn, eim ent­erbter, verstoßener Sohn? Ihm habe ich ja kaum das Brod hingeworfen — niemals ein Kuß, eine Zärtlichkeit wurde ihm zu