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JS 173. Sonntag, den 30. Juli 1882.

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. Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda m der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda 1 Mark «nd 50 Pfg., nnt Bringerlohn 1 M. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfg.. ins Haus gebracht 1 M. 90 Pfq. Mrt den ,Jllustrirten Sonntagsblättern^ kostet dieFuld.Ztg, vierteljährlich in Fulda M. 1.90; auswärts am Postschalter M. 1.75; in s Haus gebracht M. 2.15. Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

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Der Weg $itm Verderben.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

„Mein liebes Kind", sagte dieser nach kurzer Pause zu Conrad, der mechanisch in einen Sessel gesunken war, — „ehe ich mit Dir über meine weiteren Pläne spreche, will ich Dir für das Frühere danken. Ein großer Theil der jungen Leute kennt in den Jahren, worin Du Dich befindest, nichts als Zer­streuungen, Vergnügungen, Tollheiten. Du hast so viel Besonnenheit und Einsicht an den Tag gelegt, daß, wenn ein Vater un­dankbar sein könnte, ich es wäre, wenn ich Dir meinen Dank nicht ausspräche für die Freude, die Du mir bis jetzt bereitet hast. Heute kannst Du zuversichtlich alles von mir erbitten, was Du begehrst. Du bist jetzt unter die Zahl der Advokaten ausgenommen, aber ich glaube wohl nicht, daß Du Dein Leben am Büreau zubringen willst. Mein Einfluß ist groß. Wähle Dir den Stand, den Du willst, Du bist reich, denn ich ver­füge über Millionen, und ich will nicht, daß Du noch weiter von mir abhängig seiest. Sprich zu mir ohne Rückhalt und ohne Furcht."

„Mein Vater", sagte Conrad sich erhebend und festen Blickes ihn; in's Auge schauend, „ich wünsche in's Seminar einzutreten."

Wäre der Blitz an der Seite Belleforge's eingeschlagen, er hätte ihn weniger getroffen und erschreckt als dieses einzige Wort. Einen Augenblick lang blieb er stumm vor Staunen stehen. Dann Conrad bei der Hand neh­mend, sagte er heftig:

„Du, ein Gläubiger, ein Christ!"

„Ich, ja, allerdings ein Anhänger des Glaubens, den meine Mntter auf ihrem Sterbebette mich gelehrt hat."

„Auf ihrem Sterbebett?" wiederholte der Banquier gedankenvoll.

„Du hast nicht erkannt, mein Vater, an welchem Nebel sie dahingesiecht ist — das Nebel heißt die Gottverlaffenheit; ich habe ihr gelobt, Priester zu werden, um für sie zu beten, und ich bitte Dich um Erlaubniß, dieses Gelöbniß halten zu dürfen."

„Du und Celia ihr wollt meine Henker werden!"

„Mein Vater, mein Vater!" seufzte Con­rad traurig, „was Du sagst, sprichst Du ohne Ueberlegung. Höre mich zuerst an. Unsere Herzen -- Celia und ich — sind nicht wie das Deinige, voller Unglauben. Wir dürsten nach himmlischen Wahrheiten. Zum Zeugen nehme ich Deine Worte, die Du so eben gesprochen; Du sagst, ich sei für alle jungen Leute meines Alters ein Muster der Besonnenheit und Tugend ge-

SW Für die Monate August und September nehmen Bestellun­gen auf die ,Fuld. Zeitung^ alle Postanstalten, Landbriefboten und für Fulda die Expedition, Butter­markt 112, zu 213 des vierteljährigen Abonnementspreises entgegen.

O Von einem neuen Maffacre, das von Südsee-Jnsulanern unter Ange­hörigen des deutschen Reiches angerichtet worden ist, müffen wir unfern Lesern Bericht erstatten. Ein Mitarbeiter des ,Allgem. Anz. für Rh. u. Wests.' erhält darüber die nach­folgenden authentischen Mittheilungen direct aus der Südsee:

Am 2. Mai, Morgens 4 Uhr, erreichte die auf einer Fahrt von Pangir (zwischen Celebes und den Philippinen) nach Matupi (Neubritannien) begriffene „Freya" die mit Korallenriffen umgebene Inselgruppe der Hermits und gerieth auf ein Korallenriff. Sofortiges Rückwärtsschlagen der Schraube und Ausbringen eines Ankers, um das Schiff abzuhiewen, erwies sich, da das Wasser schnell fiel, als fruchtlos, und es blieb nichts übrig, als auf das nächste Hochwasser zu warten. An Land schien nicht Alles in Ord­nung zu sein; kein Vertreter der deutschen Station noch ein Eingeborner ließ sich blicken; einige Kerle huschten zwischen den Hütten hin und her. Dennoch gingen der Capitän und ein deutscher Kaufmann ans Land, wo sie sofort auf die Trümmer der deut­schen Station stießen. Alle Häuser waren anscheinend vor längerer Zeit nieder­gebrannt, im Dorf war keine Seele zu sehen,

doch zeigten alle Häuser Spuren, daß sie erst vor wenigen Minuten verlassen waren. Der Capitän und sein Begleiter kehrten zum Schiffe zurück, bewaffneten sich mit Hinter- lader-Carabinern und Revolvern und nahmen einen japanesischen Matrosen mit, um mit den Leuten zu sprechen. Kaum hundert Schritt vom Boote entfernt, wurde der Ca­pitän durch einen Schuß aus dem Gebüsch getroffen und war sofort tobt. Run eröff­neten die Wilden ein lebhaftes Feuer, so daß der deutsche Kaufmann und der genannte Matrose nur wie durch ein Wunder unver­letzt das Schiff mittelst des Bootes erreichten, das an fünf Stellen von Kugeln durchbohrt war. Aber auf dem Schiff, wo große Ver­wirrung herrschte, war die Lage nicht minder gefährlich. Die Kugeln pfiffen fortwährend um die Beniannung herum, die sich nur mit Mühe mittelst einiger auf Deck stehenden Kisten schützte. Ein Schiffsjunge wurde durch eine Kugel, die ihm durch den Oberschenkel in den Bauch drang, augenblicklich getödtet und dadurch namentlich unter den Chinesen, welche in der Bemannung waren, die Furcht vergrößert. Trotzdem mußte man während des Bombardements mit größter Energie daran arbeiten, die ganze Ladung über Bord zu werfen, um den Dampfer bis zum Abend genügend erleichtert zu haben, da Allen klar war, das man eine Nacht nicht aushalten würde. Um 4 Uhr des Nachmittags war alle Fracht im Hinterraum — hauptsächlich aus Cogra (Cocosnußkern bestehend), — ge- ivorfen, und es wurden die ersten Versuche gemacht, flott zu werden. Die Maschine ging auch mit voller Kraft rückwärts, und

man begann am Anker hinterzuhiewen. Doch mußte das bald aufgegeben werden, weil die Wilden das Schießen mit erneuter Heftigkeit aufnahmen und das Schiff mit einem Kugel­regen förmlich übersäeten. Jetzt hieß es mit Aufbietung aller Kräfte auch die schweren Güter des Vorderraums noch zu werfen. Um 51/2 Uhr war ein ziemliches Gewicht nach fast übermenschlicher Kraftanstrengung beseitigt, die Blaschine schlug wieder an und nach viertelstündiger nochmaliger Arbeit wich die „Freya" langsam und ward wieder flott. Das Freudengeschrei der Matrosen war fast so betäubend, wie das Geheul der am Lande stehenden Nigger, welche noch fortwährend feuerten. An Rettung des geworfenen Gutes konnte natürlich nicht gedacht werden, „Freya" nahm daher Curs nach der Westpassage und langte am 13. Mai glücklich in Maturi an. Wie mein Gewährsmann vermuthet, haben Salomons-Jnsulaner, welche auf der Her- mitsgruppe beschäftigt waren, den Trader ermordet, die deutsche Station verbrannt und sich zugleich in den Besitz der dort la­gernden Waffen (Hinterlader) und Muni­tion gesetzt, mit denen sie das mörderische Feuer auf die „Freya" eröffneten. Hoffent­lich erscheint bald ein deutsches Kriegsschiff, um die Schufte auf den Hermits entsprechend zu züchtigen.____________________________

Deutsches Reich.

* Berlin, 28. Juli. Es ist neuerdings eine Verfügung vom Minister der öffent­lichen Arbeiten int Hinblick auf die zu er­wartende gute Ernte an die Eisenbahn- Directionen behufs rechtzeitiger Vorbeugung

wesen, aber Alles das hatte eine ganz andere Wurzel, als Du vielleicht glaubtest. Die Besonnenheit gründete in dem Glauben, die Tugend war eine christliche Tugend. Ohne ihre Hilfe hätte ich wie die anderen jungen Leute thörichte und schuldvolle Zerstreuungen aufgesucht, anstatt die Summen unter die Armen zu vertheilen, über die ich verfügen konnte. Meine Kraft hatte eine heilige Triebfeder — sie hat aus mir einen Mann gemacht, während ich ein unterwürfiger Sohn blieb. Kannst Du mich verstoßen, weil ich mein Leben in Studium, in Arbeit und Selbstverleugnung führen will? Laß mich mein Leben zu dem edlen Zwecke verwenden, den ich ersehnt habe — liebe mich trotz unserer abweichenden Anschauungen, ich rufe kein Gesetz zu Hilfe, ich bitte nur meinen Vater, und mein Vater wird diese Bitte nicht abschlagen."

Belleforge erwiderte kalt:

„Morgen wirst Du dieses Haus verlassen." Der junge Mann senkte traurig das Haupt, eine glänzende Thräue rollte ihm über die Wange und schwankenden Schrittes verließ er das Gemach.

Der Banquier nahm seine Stirne in beide Hände, dann schrie er plötzlich, wie wahn­sinnig :

„Meine Tochter!" Meine Tochter!"