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Politische Streifzüge.
(Nachdruck verboten.)
Wenn die Hundstagssonne heiß auf die Köpfe herabbrennt, dann ist es kein Wunder, ivenn ihre Hitze das Gehirn mancher Leute afftcirt und in deren Oberstübchen Confusion anrichtet. Die Julisonne mag es daher auch wohl verschulden, daß liberale Blätter sich mit breitem Behagen in gelehrten Abhandlungen den Kopf wegen des Centrums zerbrechen und bald deffen „Zerbröckelung" ausposaunen, bald das „in hellen Flammen ausbrechende ultramontan-welfische Zerwürf- niß" nachzuweifen suchen. Besprechungen, die aber bis jetzt zu keinem Resultate führten, haben zwischen dem Centrum und seinen Hospitanten über verschiedene Punkte stattgefunden, und es bleibt den Letzteren, die das Centrumsprogramm nie voll und ganz anerkannt haben, überlasten, ob sie gehen, oder bleiben; das Centrum wird niemals, wie einzelne wölfische Blättern fordern, der Regierung in wirthschaftlichen Fragen grundsätzlich und nur des Widerspruchs wegen Opposition machen. Trennen sich aber die „Welfen" von der Centrumsfraction, der sie bisher nur als „Hospitanten" angehörten, so bildet dies, wie die Liberalen faseln, noch lange kein „Wendepunkt in der Geschichte des
Centrums" und ändert so wenig an den „Grundlagen des ungeschriebenen Programms," wie die Abbröckelung einer immerhin gefälligen Dekoration die Fundamente eines Hauses erschüttert. Lächerlicher noch wie die Aufbauschung dieses „Zerwürfnisses," das, wie gesagt, tatsächlich noch gar nicht existirt, ist aber die Behauptung, das Centrum falle jetzt auseinander, weil es den Schwierigkeiten der Lage nicht gewachsen sei, denn die Nichtbegnadigung des Herrn Erzbischofs von Köln und die Abreise v. Schlözer's von Rom fei den „Ultramontanen" so in die Glieder gefahren, daß sie ganz rathlos daständen; ein Bild imponiren- der Einmüthigkeit gewähre das Centrum nicht mehr, und es werde nicht leicht jein, für das Wahlprogramm eine neue Fassung zu finden.
Als ich solche und ähnliche liberale Phantasien las, bedauerte ich, auf die erhitzten und überspannten Köpfe der Verfasser derselben nicht einige Eisbeutel legen zu können, um die kühle Temperatur nüchterner Erwägung herbeizuführen. Also, weil der Wind sich gedreht, und weil die von der Regierung selbst genährten Hoffnungen auf baldige Beilegung des kirchenpolitischen Streites nicht in Erfüllung gegangen sind, — deshalb sollen die Katholiken muth- und rathlos geworden sein und das Centrum auseinanderfallen! Uns, die wir härtere Kämpfe bestanden, machen Artikel der ,Nordd. Allg.' wahrlich nicht bange! Wir standen est, als man die wichtigen Steine aus der Verfassung brach; wir wankten nicht, als man die Klöster anfhob, die Ordensleute
aus dem Lande schickte, die Priester und Bischöfe vor Gericht, in die Gefängnisse und über die deutsche Grenze führte; als man die Seminarien und Convicte schloß, Vereine aufhob und Versammlungen sprengte; wir standen im heißesten Kreuzfeuer gegen Falk, Sybel, Jung, Wehrenpfennig, ohne einen Fuß breit zu weichen, — und jetzt sollten wir feige den Muth verlieren und „auseinanderfallen?" Fürst Bismarck kann ohne das mächtige Centrum nicht regieren, denn mit den Liberalen und dem Fortschritt, die ihm seine wirthschaftlichen Projeete niemals bewilligen werden, kann er nicht Hand in Hand gehen. Jetzt ist schon das Chaos so groß, daß nach der einen oder andern Seite eine Klärung erfolgen muß; die Luft ist so voll elektrischer Spannung, daß die Entladung nicht auf sich warten lassen kann.
Seit Herr v. Goßler das Wort schrieb, „ich bin nicht in der Lage", fühlen die Liberalen sich wieder berufen und in der Lage, mit Dreschflegeln gegen die Kirche loszugehen, „Stimwungsberichte" zu schreiben und den verbissensten Culturkampfs-Fanatismus zu verzapfen; der Eine schimpft den Erzbischof Dr. Melchers einen „meineidigen Rebellen", der Andere nennt den Bischof Dr. Kor um einen Mann, „der nur äußerlich den Friedensapostel spiele", und die.Kölnische Ztg/ schiebt dem „klugen" Papste Leo indireet Heuchelei in die Schuhe, indem sie seine Friedensliebe anzweifelt. Die Feder ist aus solche Flegeleien nicht mehr die geeignete Waffe. Ja, die Liberalen fürchten in ihrer Angst, der Wind könne sich wieder drehen, Windthorst beim Kartenspiel den Gewinn
25 Der Weg zum Verderben.
Nach dem Französischen von I. Rüttgers.
(Fortsetzung.)
„Ganz besonders bemitleiden, sprach Celia traurig, „dann wirst Du mir ebenso wenig Hoffnung geben können, wie ich mir selbst. Ich habe zu hoch hinaus gewollt!"
Plötzlich fuhr dem jungen Manne ein Gedanke durch den Kopf. Er nahm die Hände Celia's in die feinigen und sie scharf anblickend, sagte er: „Rolland?" Celia antwortete durch ihre Thränen.
„Du hast Recht!" seufzte der junge Mann — „allerdings hast Du zu hoch hinaus gewollt — wenn Dir die Kraft fehlt, Dich zu Gott emporzuschwingen."
„Zu Gott!" wiederholte Celia, höchlichst erstaunt, diesen Namen aus dem Munde ihres Bruders zu vernehmen.
„Wir haben Beide ein Geheimniß, meine Schwester, morgen wird der Vater sie beide kennen. Was dann über uns kommen wird, ich weiß es nicht, aber ich schwöre Dir, daß Du Dich auf mich verlassen kannst!"
Bald trat Celia, von ihrem Vater gerufen, in den Salon, wo bereits die Herren de Rauville sie erwarteten. Als sie dieselben erblickte, erbleichte sie ein wenig, aber rasch beherrschte sie ihre Aufregung. Aber
alle Bemühungen der Eingeladenen, ihre sonstige Fröhlichkeit ivach zu rufen, waren vergeblich.
Celia und ihr Vater beobachteten sich verstohlen wie zwei Kämpfer, die im Begriffe stehen, ihre Kräfte zu messen.
Belleforge glaubte, seine Tochter habe ihren Entschluß schon gefaßt — natürlich in seinem Sinne, während Celia mit Zittern dem Augenblick entgegen sah, wo sie ihren Entschluß offenbaren sollte. Vergebens suchte der Baron die Unterhaltung auf ein leichtes Gebiet hinüberzuspielen, je mehr der Abend dahinfloß, um so mehr verdüsterte sich die Stirn Celia's; sie suchte nach einer Gelegenheit Arthur de Ranville ihre Entscheidung mitzutheilen, ehe sie ihrem Vater etwas davon mitgetheilt hätte. Gedankenlos und mechanisch zerblätterte sie einige Rosen in einem prachtvollen Blumenbouquet, das der junge Baron ihr kurz vorher übersandt hatte. ~ „Es ist gewiß nicht das Bouquet, das Sie haben zerstören wollen?" sagte er traurig.
„Gewiß nicht," antwortete Celia fest, „sondern Ihre Hoffnungen!"
„Sie sprechen meine Verurteilung aus, Fräulein! Aber ein Wort noch. Glauben Sie es, wenn ich noch weiter spreche, so thue ich es weniger für meine eigene Sache,
als um Ihnen eine unangenehme Scene mit Ihrem Herrn Vater zu ersparen. Sie wollen meine Frau nicht werden, doch wohl nur, weil Sie keine Zuneigung zu mir haben. Jndeß die meinige ist so groß, daß ich mich nicht eher für besiegt halten werde, bis ein Anderer die Stelle einnimmt, um die ich mich bewerbe."
„Sie haben richtig geahnt", sagte Celia, „und Sie begreifen, daß ich, — wenn auch keine Zuneigung — so doch wenigstens eine große Hochachtung für Sie hege."
Während die jungen Leute im Gespräch mit einander begriffen waren, waren Belleforge und fein alter Freund bereits in dein Glauben, daß sie endlich zu einem Einverständnis; gelangt seien. Schon freuten sie sich nicht wenig und gratulirten einander bereits, als Arthur zu ihnen hintrat und seinen Onkel sanft bei Seite zog.
„Alles ist in Ordnung", sagte dieser, „nicht wahr?" —
„Alles ist zu Ende. Fräulein Belleforge liebt mich nicht!"
„Was sagst Du? Ihr schienet doch zu einem Einverständniß gekommen zu sein." —
„In gewissen Sinne allerdings. Sie bat mich auf ihre Hand zu verzichten, und ich versprach ihr, zu gehorchen."
„Eine doppelte Thorheit!" rief Ranville