M 171. Freitag, den 28. Juli 1882.
Fuldaer ® Zeitung.
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Bewaffnung erhalten und den Zweck verfolgen, die körperliche Kraft der Jugend durch Exercitien aller Art zu stählen, sowie dieselbe in Geist, Theorie und Praxis militärisch auszubilden. Das provisorische Comito, von welchem einzelne Mitglieder dem Offi- cierstande angehören, hat bereits auf Grund der sorgfältig ausgearbeiteten Statuten unter dem 19. April er. das königliche Polizeipräsidium zu Frankfurt a. M. um dessen Genehmigung ersucht. Der ablehnende Bescheid der Regierung zu Wiesbaden sprach sich in dem Sinne aus, daß zwar die patriotische Absicht des Comitös in vollstem Maße anerkannt werde, die Genehmigung zu der geplanten Jugendwehr jedoch, namentlich zu Versammlungen mit Waffen im Freien, nicht ertheilt werden könnte. Die Wiesbadener Regierung trägt hiernach hauptsächlich wegen der Bewaffnungsfrage Bedenken. Dessen ungeachtet richtete das Counts ein zweites Gesuch an dieselbe, worin janläßlich der Bewaffnungsfrage imitirte Gewehre in Form der Mausergewehre, jedoch nicht schußfähig, vorgeschlagen wurden; allein auch hierin erblickte die Regierung zu Wiesbaden Gefahr, indem dieselbe dem Comitö mittheikte, daß imitirte Gewehre immerhin Waffen seien und somit die Genehmigung zu der geplanten Jugendwehr auch in diesem Sinne nicht ertheilt werden könne. Das trotzdem nicht entmuthigte Gomite wandte sich hierauf an den General-Feldmarschall Grafen Moltke, diesen bittend, demselben noch seine maßgebende Ansicht darüber kundzugeben, ob etwa auch militärifcherseits Bedenken gegen die geplante Jugendwehr obwalteten. Das-
ac Für die Monate August und September nehmen Bestellungen aus die ,Futd. Zeitung^ alle Postanstatten, Landbriefboten und für Fulda die Expedition, Buttermarkt 112, zu 2/3 des vierteljährigen Abonnementspreises entgegen.
Deutsches Reich.
* Berlin, 26. Juli. Der Termin für die Landtagswahlen wird in aller Kürze bekannt gegeben werden. In mehreren Städten werden bereits die Urwählerlisten angefertigt. — Die wölfischen Abgeordneten des Reichstages (Hospitanten des Centrums) scheinen eine Schwenkung zu machen und sich mehr den hannoverschen Nationalliberalen nähern zu wollen. — An das Bureau des Reichstages gelangen jetzt wieder Petitionen um Erlaß eines Gesetzes gegen die Weinfälschung. — Nachdem Freiherr v. Hertling, der wegen Annahme der ihm angebotenen Professur in München sein Reichstagsniandat für Coblenz hatte niederlegen müssen, von seinen Wählern wiedergewählt worden, wird der Vorstand der Centrumsfraction diesen hervorragenden Soeialpolitiker wieder in die Commission zur Vorberathung der social- politischen Gesetzentwürfe, betreff. Unfallversicherung und Arbeiter-Krankencassen, entsenden.
— Das.Berliner Tageblatt' schreibt: „Wir erfahren aus sicherer Quelle, daß es bereits in der Absicht liegt, in Frankfurt a. M. eine Jugendwehr in das Leben zu rufen. Dieselbe soll eine kleidsame Uniform und
Der Weg zum Verderben.
Nach dem Französischen von I. Rüttgers.
(Fortsetzung.)
Ihr erzählte sie die peinliche Scene, die zwischen ihr und ihrem Vater stattgefunden hatte; und, als Leonie über ihre Weigerung, Arthur de Ranville zu heirathen, staunte, gestand sie ihre geheimen Hoffnungen offen ein und sagte:
„Ich glaube sagen zu können, daß Rolland d'Jvree sich zu mir hingezogen fühlt; ich gewahre auch, daß ich ihm lieb und theuer bin, aber andererseits vermuthe ich auch, daß er gegen diese Zuneigung ankämpft."
„Allerdings", meinte Leonie, „würde Madame d'Jvree nur ungern diese Heirath sehen; alte Adelsfamilien sind in diesem Punkte sehr wählerisch -- und mag der junge Mann auch vielleicht ohne erhebliches Vermögen sein, jedenfalls wird seine Mutter fordern, daß er eine an Rang ihm gleiche Frau wähle."
„Möglich, aber hier liegt nicht das einzige Hinderniß, das sich mir entgegenstellt, ein Hinderniß, das sich nicht so sehr von Madame d'Jvree Herkommen wird, als von ihrem Sohne selbst, Rolland wird nie sein
Herz einer Frau schenken, die seine religiösen Ueberzeugungen nicht theilt. Das hat er oft durchblicken lassen! Und doch: ist es ohne meine Schuld, daß man nüch nichts von all' dem gelehrt hat, was man glauben und anbeten muß? Ich glaube: hätte man es gethan, ich würde gelehrig und willig genug dazu gewesen sein. Unter dem Vorwande, meinen Geist zu stärken, mein Vater hat mir das Licht des Glaubens entzogen. Ich gleiche anderen Frauen nicht — ja ich stehe noch unter Deinen Kindern, die Du schon ihre kleinen Hände falten lehrst. Ich fühle kein Mitleid mit einem Vater, der mein Herz nicht heiligen Dingen zugänglich gemacht hat. Er hat aus mir ein gegen Gott anfrührisches Geschöpf machen wollen, er wird es gegen sich selbst aufrührerisch machen! Wäre ich fromm gewesen, hätte ich den Glauben Rolland's gehabt, so würde mein Leben schon eine feste Richtung gewonnen haben, vielleicht werde ich mich mit dem Gedanken vertraut machen können, ihn zu verlieren, und werde niemals darauf eingehen, für einen Anderen zu leben. Binnen acht Tagen wird mein Vater mich um meinen Entschluß fragen, in acht Tagen hat er mich vielleicht verflucht."
„Ich bitte Dich", warf Madame deGar- cins ein, „begehe keine Thorheiten, mäßige
selbe erhielt von Sr. Excellenz die sehr liebenswürdige, eigenhändig geschriebene Antwort, daß es vom militärischen Standpunkte aus für fehr wünschenswerth erachtet würde, wenn das geplante Unternehmen und zwar gerade in der Weise, wie es das Comits beabsichtigte, zu Staude käme. Wenn indessen von Seiten der Wiesbadener Regierung dem Statut trotz der von derselben in so hohem Maße anerkannten patriotischen Absicht die Genehmigung vorenthalten würde, so müsse solches aus Gründen geschehen, welche sich seiner Kenntniß entzögen und auf welche einzuwirken ihm kein Recht zustehe. Durch diesen so sehr treffenden und scharfsinnigen Bescheid des Herrn Grafen Moltke ermuthiqt, hat sich das Comito an das Kgl. Ministerium des Innern unter dem 22. Juni c. gewandt, um von der ministeriellen Instanz die versagte Genehmigung zu erhalten, worauf eine Resolution bis jetzt noch nicht erfolgt ist."
Oesterreich-Ungarn.
* Wien, 24. Juli. Die alljährlich stattfindende Conferenz der österreichischen Bischöfe soll Heuer wieder anfangs September in Salzburg stattfinden. Voraussichtlich wird die bessere Organisation der Sammlungen des sog. Peterspfennigs und sodann die Congruafrage Gegenstand der Erörterung sein. Möglich ist es auch, daß die Schul- srage zur Besprechung gelangt.
t Nach neuerlichen Meldungen des k. und k. österreichisch-ungarischen Generalconsulates von Alexandrien wird mitgetheilt, daß nach den eingehendsten Recherchen kein österreichischer Unterthan bei den Vorgängen in
Deine Aufregung und suche den aufrührerischen Geist zu besänftigen. Du klagst, daß Du die Vorschriften einer Religion nicht kennst, die das Geschöpf glücklich macht, weil sie es dem Schöpfer verbindet — wer hindert Dich denn, sie zu studiren! Warum sollte ein junges Mädchen nicht das noch thun können, was es als Kind nicht gethan hat?"
„Es ist zu spät!" antwortete Celia.
„Es kann dies niemals zu spät sein. Wenn Du mit Recht Deinem Vater vorwirfst, daß er eine heilige Pflicht verletzt hat, indem er aus Dir keine Christin gemacht, — welche Entschuldigung hast Du denn jetzt für Dich selbst, wenn Du seinen Fehler nicht gut zu machen suchst? Du sprichst von Deiner Selbstständigkeit und Deiner Freiheit; ich sehe wohl, daß Du sie als Waffen brauchen willst — gut, aber ich möchte lieber, daß Du die Freiheit Deiner Seele wiedergewännst als die Deiner Handlungen!"
„Ganz Unrecht kann ich Dir nicht geben," meinte Celia, es ist eben eine Krisis, die ich jetzt durchzumachen habe. Das Herbe derselben sehe ich nur allzu gut voraus. — Suche mir ohne Auffallen eine Stellung, in der ich bescheiden leben kann, leben von meiner Arbeit. Meine Mutter war arm, als sie heirathete, eine Erbschaft habe ich