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M 17V.

Donnerstag, den 27. Juli 1882.

Fuldaer

I Ieilung.

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rn. Nordameriikarrische Annexions­politik.

II.

Den Anfang der neuen Politik machte Herr Christiane:), der vorletzte nordamerikanische Gesandte in Lima. Er sendete dem Staats- secretär Blaine einen Plan zur Annexion von Peru ein, der die Billigung dieses Ministers gefunden zu haben scheint. Nach­dem er die völlige Hilflosigkeit von Peru gegenüber den Chilenen beschrieben, sowie die Unfähigkeit der Peruaner, eine stabile Regierung zu bilden und zu erhalten, und ebenso die tiefgehende Korruption aller Volks- classen, von den niedersten bis zu den höch­sten, dargestellt, schlägt der Gesandte vor, die Vereinigten Staaten sollten vorerst ein Protectorat über Peru übernehmen, das später in eine Annexion übergehen könnte. Wenn Peru später einmal in die Union ausgenommen würde, so dürfe dieses auf keinen Fall früher als vor zehn Jahren ge­schehen. Die Motivirung dieses Planes enthält so viel Interessantes und zeigt, ab­gesehen von einigen Uebertreibungen, eine so richtige Beurtheilung der peruanischen Zustände, denen die der meisten anderen spanischen Republiken wie ein Haar dem anderen gleichen, daß wir es uns nicht ver­sagen können, hier Einiges aus dem Schrift­stücke, das vom 4. Mai 1881 datirt ist, mitzutheilen.

Vor Allem erklärt Herr Christiane:), er könne nirgends die erforderlichen Elemente entdecken, aus welchen eine unabhängige oder irgend eine Art von regelmäßiger und dauern­der Regierung gebildet werden könnte; auf

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Der Weg zum Verderben.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

„Sei nicht ungerecht gegen Conrad!" flehte sie.

„Gewiß nicht; aber die Liebe einer Toch­ter ist hingebungsvoller, weniger ernst, und dann gleichst Du sehr Deiner Mutter. Celia, Du glaubst es gewiß, ist es nicht die theuerste Sorge meines Lebens — die Sorge um Dein Glück?"

„Ja, mein Vater ich weiß es."

„Und Du wirst es gewiß auch vorbe­reiten und ausführen lassen?" — „Ohne Zweifel."

„Dein Glück ruht freilich nicht gerade in der Gegenwart allein, auch in der Zukunft. Denkst Du bisweilen an die Zukunft, Celia?" — „O wohl, aber ich bin ja glücklich bei Dir."

„Die Liebe eines Vaters genügt nicht. Eine Stunde schlägt einmal, wo ein junges Mädchen seinen Lebensführer wählt. Es muß einen Beschützer haben, wenn der Vater nicht mehr da ist. Du bist mehr als zwan­zig Jahre alt, Celia, weißt Du dies auch?" — „In einem Monat werde ich einundzwan­zig Jahre alt sein." — „Du antwortest nicht ganz auf meine Frage, und doch mußt

keinen Fall seien aber die Peruaner selber dazu im Stande. Die ersten Einwanderer aus Spanien seien keine Leute gewesen, die wie die ersten Ansiedler von Nordamerika ihre Lage durch ehrliche, ausdauernde Arbeit verbessern wollten; sondern sie waren Aben­teurer, die nur rasch Geld zu machen such­ten durch die Aussaugung der Eingebornen und durch Zusammenscharren von Gold und Silber aus den früher enorm reichen Berg­werken. Beinahe alle diese spanischen Aben­teurer nahmen indianische Frauen oder hiel­ten Harems mit vielen indianischen Mäd­chen. Im Allgemeinen aber betrachteten sie ihre Kinder nicht als Sclaven, wie dieß die südlichen Pflanzer Nordamerika's mit ihren farbigen Kindern thaten, sondern erkannten sie als ihre eigenen Kinder an. Hieraus erkläre es sich, daß mit Ausnahme der reinen Indianer fast alle Peruaner Misch­linge, nicht nur von Weißen mit Indianern sondern auch mit Negern und daß in ganz Peru wohl keine 200,000 Weiße von rein spanischer Abkunft anzutreffen seien. Von einer Mischbevölkerung scheint aber Herr Christiancp — und hierin muß man seiner Ansicht sein — nichts zu erwarten.

Da die Sclaverei erst im Jahre 1856 völlig abgeschafft ward, so seien noch immer die in Sclavenstaaten herrschenden Ideen und Sitten in Peru vorhanden; Arbeit werde noch immer für eine Schande gehalten. Kein nur etwas gut situirter Peruaner würde z. B. in Lima ein kleines Päckchen, das er in einem Laden gekauft, selber nach Hause tragen, dies müßte ein Diener thun. Daher habe man, statt freie Arbeiter auf den Plan-

Du freimüthig mit mir sprechen. Würdest Du Dich gern verehelichen?" — „Aber, Vater, wer wirbt denn um meine Hand?" ■ - „Ein gebildeter junger Mann von gutem Charakter." Träger eines altadeligen Na­mens und (das Herz Celia's schlug heftig) reich wie ein Prinz."

„Reich!" antwortete Celia erstaunt.

„Ein und eine halbe Million in Baar, später drei Millionen in Gütern, ein glän­zendes Vermögen! Ahnst Du den Namen dieses Mannes, Celia?" — „Nicht im Ge­ringsten!" -- „Arthur de Ranville!"

„Du wirst Dir gewiß diese Angelegenheit überlegen und mir nicht den Kummer ver­ursachen, meinem besten Freunde eine ab­schlägige Antwort geben zu müssen?" - „Vater, Du hast doch keine Verpflichtungen mir gegenüber eingegangen?"

„Gewiß nicht, ich habe Alles von Deiner Einwilligung abhängig gemacht."

„Nun, dann theile jenem Herrn mit, daß ich meine Einwilligung nicht gebe, ich gedenke Dich gar nicht zu verlassen." — „Celia, Celia! Du wirst doch nicht unvernünftig sein!"

„Allerdings besitze ich noch nicht die Er­fahrung eines gereiften Mannes, aber eine dunkle Ahnung sagt mir, daß Herr de Ran­ville nicht Derjenige ist, welcher mich glück­lich machen wird."

tagen zu gebrauchen, auf iudirectem Wege die Sclaverei, die der chinesischen Knlis, wieder eingeführt.

Aus dieser Verachtung der Arbeit komme es, daß Jeder nur daran denke, ein Aemt- chen zu erhaschen, und wenn er es erlangt habe, sich auf unredliche Weise zu bereichern; dies sei schon so sehr zur Gewohnheit ge­worden, daß man von einem Beamten gar nichts Anderes mehr erwarte. Es scheine in Peru gar kein Gefühl für Redlichkeit zu existiren, ebensowenig eine Idee von jenem opferwilligen Patriotismus, der ‘für jede an­ständige und ehrenhafte Staatsverwaltung so wesentlich sei.

Der Nachfolger Christiancy's General Hurlbut, mit der Politik seines Vorgesetzten, des Staatssecretärs Blaine, wohl vertraut, verstand es, seine Depeschen ganz nach dessen Wunsch einzurichten, und stellte darin als die einzige Hoffnung, welche die Peruaner noch hätten, das nordamerikanische Protec­torat oder die Annexion durch die Vereinig­ten Staaten hin; zugleich suchte er den Ab­schluß eines Friedens zwischen Peru und Chile zu hintertreiben, indem er die Peru­aner dadurch, daß er ihnen die Unterstütz­ung der Vereinigten Staaten verhieß, immer wieder bewog, übertriebene Bedingungen zu stellen, auf welche die Chilenen nicht ein­gehen konnten. Man kann ihm nicht nach­sagen, daß er auf eigene Verantwortlich­keit fo gehandelt habe; im Gegentheile scheint es, daß er sich stets nach den Instructionen, die er von Washington erhielt, richtete. Umsonst jedoch ward den Peruanern die nordamerikanische Hilfe nicht angeboten. In

„Wenn ich aber", fuhr der Banquier fort, „jetzt, nachdem ich Dir die Vortheile dieser Verbindung auseinandergesetzt habe, nun meine reichere Erfahrungen geltend machte und mich auf meine Rechte stützte!"

„Rechte?" frug Celia im höchsten Grade erstaunt. — „Allerdings!" sagte Bellesorge etwas gereizt. — „Und welche denn?" ver­setzte das Mädchen nicht ohne einen leichten Anflug von Spott. — „Die natürlichen Rechte!"

„Natur!" antwortete Celia achselzuckend. „Ein merkwürdiges Wort, das einen so weiten Begriff bildet, daß ich seinen Um­fang gar nicht ermessen kann. Aber gerade die Natur räth mir, zum Gemahl für mich einen Mann zu wählen, den ich lieben werde, und Niemanden anders. Sie verbietet mir ganz entschieden bei einer Heirath jenes be­rechnende Interesse, das die Ehe zu einer Art Geschäft machen möchte. Die Natur gerade sagt mir: wähle Deinen zukünftigen Lebensgefährten und Herrn selbst — D u. allein hast später die Ketten zu tragen, die Du mit Deinen Händen Dir schmiedest."

„Das ist Empörung!" antwortete Belle- forge in höchster Wuth.

„Nein, nein, Vater es ist weniger Em­pörung als eine Bitte. Ich liebe Herrn de