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M 169.

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Mittwoch, den 26. Juli 1882.

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rn. Nordamerikanische Annexions­politik.

J.

Bis jetzt hat die nordanierikanische Union strenge eine Politik der Nicht-Intervention befolgt; aber es sind viele Gründe vorhan­den zur Annahme, daß die Stellung eines uninteressirten Zuschauers nicht lange mehr wird beibehalten werden. Die Union hat jetzt ihr ganzes Gebiet bis zu den Küsten des stillen Meeres mit Ansiedlungen ange- süllt und beginnt Geschmack daran zu fin­den, ebenso gut wie andere Nationen, eine active Rolle in den Welthändeln zu spielen. Natürlich will sie in der neuen Welt den Anfang machen, indem sie ihre Suprematie über die spanischen Republiken auszuüben beginnt. Schon der bloße Entschluß, dieß zu thun, muß viele Aenderungen in den Anschauungen herbeiführen, welche bis jetzt über Regierung und Administration in Nord­amerika vorherrschten. Wie groß auch die Uebermacht der Nordamerikaner sein mag, immerhin müßten sie eine große Flotte und Armee besitzen, um dieselbe nutzbar zu machen; denn es ist nicht wahrscheinlich, daß der Anspruch der Vereinigten Staaten, ganz Amerika zu beherrschen, so ohne weiteres und ohne Kampf von den übrigen Staaten würde anerkannt werden.

Bis jetzt ward die bewaffnete Macht Nordamerikas aus Furcht vor dem Ehr­geize mächtiger Generale absichtlich klein ge­halten, auch war ihr bisheriges Militär­system mit seinen freiwilligen Anwerbungen ungemein kostspielig. Namentlich die Flotte hatte im letzten Kriege sehr gelitten und

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Der Weg zum Verderben.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

In der That schien in dem äußeren Leben Conrad's keine Veränderung vorge­gangen zu sein; mehr wie sonst lag er seinen Studien ob, was Belleforge zu nicht geringer Freude gereichte. Die Trauerzeit gab Conrad günstige Gelegenheit, ein Jahr lang ganz zurückgezogen zu leben. Er ver­ließ das Haus kaum, und verbrachte die Abende mit seiner Schwester und seinem Vater zu. Wenn er bisweilen ausging, waren seine Schritte zum Abbe gerichtet. Der ausgezeichnete Geistliche freute sich über den Eifer und die Ausdauer Conrad's, und jeden Tag entdeckte er in diesem energischen Charakter neue vortreffliche Eigenschaften. Mit der Begeisterung des Herzens verband sich allmählig eine tiefe Einsicht. Der Advo­kat mußte, wenn nicht alle Anzeichen trügen sollten, einst ein ausgezeichneter Kanzelredner und eine Zierde des französischen Klerus werden. Eines Abends, als er wiederum s bei seinem treuen Freunde und Lehrmeister saß, trat unvermuthet Rolland d'Jvree ein, der sein Erstaunen hierüber nicht verbergen konnte. Der Abbs legte Beider Hände in

aus Sparsamkeitsrücksichten hatte man sie seither nicht wieder verinehrt, so daß die nordamerikanische Marine jetzt kaum der chilenischen, die sich als .sehr tüchtig gezeigt hat, gewachsen wäre; und dieß ist auch ver- muthlich der wahre Grund gewesen, warum man die Intervention des Staatssecretärs Blaine im Kriege zwischen Peru und Chile desavouirt hat. Man wollte zuvor eine starke Flotte besitzen, zu deren Herstellung immerhin einige Jahre Zeit gehören, ehe man den südamerikanischen Staaten zeigen könnte, wem sie zu gehorchen haben. Die Anschaffung von Kriegsschiffen und die Ver­mehrung der Armee kostet auch viel Geld, was gerade für die amerikanischen Schutz­zöllner, deren Partei sehr mächtig ist, Was­ser auf die Mühle wäre. Denn bisher trugen die hohen Zölle der Regierung so viel Geld ein, daß man die Schulden rasch abtragen konnte, und ist die Staatsschuld einmal ganz verschwunden, so würde das Geschrei nach Freihandel noch viel stärker werden, als bisher, da man nicht wissen würde, was mit dem vielen Gelde ansangen. _ Daher liegt es im Interesse der Schutzzöllner, die Nation in kriegerische Abenteuer zu ver­wickeln, uni die Unterhaltung einer großen kost­spieligen Flotte und Armee nöthig zu machen und dadurch die Staatsausgaben zuvermehren. Ob nun die südamerikanischen Staaten Vor­aussicht und Patriotismus genug besitzen werden, um durch Allianzen unter einander ihre Unabhängigkeit kräftig zu vertheidigen, bleibt abzuwarten. Wahrscheinlich bleibt es jedoch immer, daß früher oder später der Eine ober Andere von ihnen sich gegen die einander und sagte mit bewegter Stimme zu dem Grafen:

„Betrachte ihn als einen Bruder!"

Die Sympathie, welche Rolland und Conrad schon lange genährt hatten, wandelte sich bald in warme und innige Freundschaft um. Die Worte seines Onkels des Abbo's, konnten Rolland hierin nur bestärken.

Was Rolland nicht wenig freute, war der Umstand, daß die Freundschaft mit Conrad ihm den Weg zu seiner Schwester ebnete.

Conrad setzte inzwischen seine zweifache Beschäftigung fort. Bald widmete er sich seinen juristischen Studien, bald aber schloß er sich zu Hause ein, um seine Kenntnisse in der Theologie zu erweitern.

Dem Banquier entging vollständig dieses getheilte Leben seines Sohnes. Auf ihn setzte er alle seine Hoffnung; und in der That konnte er stolz auf ihn fein, denn von Tag zu Tag nahm er mit Freuden wahr, wie Conrad immer mehr sich der allgemeinen Achtung erfreute, nicht bloß wegen seines Fortschrittes in den Wissenschaften, sondern auch wegen seines edelmüthigen Charakters. Deshalb brauchte der junge Mann seinen Vater niemals um Geld zu bitten; jede Summe, die er forderte, wurde ohne Wei­teres bewilligt. Daß aber ein großer Theil

nordamerikanische Oberherrschaft auflehnen würde. In diesem Falle würde den Ver­einigten Staaten nichts anders übrig bleiben als der Krieg, und mit dem Kriege käme die Ausstellung großer Streitkäfte und Occu- pationsarmeen, schließlich möglicherweise die Eroberung von entfernten Territorien. Die Wahrscheinlichkeit, daß dieß die Folge einer activen auswärtigen Politik sein werde, sollte patriotische Amerikaner, welche es mit ihrem Vaterlande und dessen republikanischen Institutionen wohl meinen, etwas nachdenk­lich darüber machen, ob es nicht rathsam wäre, von vornherein jeder Jnterventions- politik Widerstand zu leisten. Die ameri­kanische Constitution hat auch für die Re­gierung von abhängigen Ländern oder Colo­nien nichts vorgesehen. Sollten die Be­völkerungen solcher eroberten Länder das Recht erhalten, gleichfalls ihre Vertreter in den Congreß zu schicken, so würde diese Versammlung noch weiter herunterkommen, als sie in den letzten zwanzig Jahren schon herabgekommen ist. Sollten sie aber als Colonien regiert werden und solche Vor­schläge sind schon gemacht worden gelegent­lich einer beabsichtigten Annexion von San Domingo — so würde dieß die Nacht der Centralregierung, worauf selbst die nörd­lichen Staaten stets eifersüchtig waren, in bedenklicher- Weise vermehren. Außerdem würde es für die Vereinigten Staaten dann bald unmöglich werden, ihre Thätigkeit für längere Zeit auf die neue Welt zu beschränken. Wahrscheinlich würde ihnen der Sieg über ihre südamerikanischen Nachbaren fo' leicht gemacht werden, daß dadurch nur der Appe- dieses Geldes in die verlassenen Hütten der Armen wanderte, ahnte der Banquier frei­lich nicht.

Aber — so glücklich anscheinend Conrad auch war — er verlebte doch manche trübe Stunde. Der Tag, wo er seinem Vater seinen Entschluß zu offenbaren gedachte, rückte immer näher heran; daß es gewaltige Stürme absetzen würde, verhehlte er sich nicht — daß vielleicht eine tiefe Kluft zwischen ihm und seinem Vater die Folge seiner Er­klärungen sein würde, schien bei dem Cha­rakter seines Vaters nur allzu natürlich.

Diese trüben Gedanken beschäftigten Con­rad Tag und Nacht — und doch das Bittere mußte einmal geschehen.

XI [.

Obgleich der Banquier während des Trauerjahres sich möglichst von allen Fest­lichkeiten fern hielt, fo versammelte er doch bisweilen einige vertraute Freunde um sich, unter denen der Baron de Ranville den ersten Platz einnahm; de Ranville besaß zwar ein großes Erbvermögen, aber durch den Banquier war es ihm gelungen, das­selbe nahezu zu verdoppeln. Daß zwischen diesen beiden Männern eine; gewisse Sym­pathie entstand, war daher ganz natürlich.

Änes Tages trat der Baron de Ranville strahlend in das Cabinet des Banquiers. —