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167. Sonntag, den 23. Juli 1882.

Fuldaer N8 Ieitung.

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9RÜ den 'Jllustnrten^onntagoo^^.^ be*n 15 Platzannoneen 10 Pfg.; b°. Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

g. „Den Krieg nm den Coupon" nennt man den neuesten, so ohne allen und jeden Grund angefangenen Feldzug gegen Egypten und diese Bezeichnung ist sehr rich­tig. England arbeitet nur im Interesse des Hauses Rothschild, das Egypten schon seit Jahren als seine Domäne betrachtet. Wissen wir doch, daß Rothschild und die mitver- bündeten großen Bankjuden, welche die Haupt­gläubiger Egyptens sind, vor etlichen Jahren den früheren Khedive Ismael entthronten, weil er sich weigerte, die englisch- französi­schen Gläubiger Egyptens zu befriedigen. Dieses war der erste Fall, in welchem ein Regent entthront wurde, weil er zahlungs­unfähig war, wie aus gleichem Grunde von Rechtswegen heut zu Tage ein Bauer vom Hofe getrieben wird. Die großen Börsen­juden machten es hier mit einem Landes­herrn gerade so, wie die kleinen jüdischen Hofmetzger und Bauernschinder in unseren Dörfern mit ausgesogenen Bauern, man ver­trieb den Khedive von seinem Throne. Dar­nach zwang man dem neuen Khedive das Decret vom 10. Rov. 1879 ab, wodurch die von Frankreich und England ernannten Generalcontroleure Ministerrang, Sitz und Stimme im egyptischen Ministerrath erhal­ten und nur von ihren Regierungen abbe­rufen, respective ernannt werden können. Sie stellten Beamte an und entließen solche, sie bereiteten das egyptische Budget vor und controlirten alle Staatseinnahmen und Aus­gaben, sie verfügten die Entlassung einer großen Anzahl von Soldaten und Officieren. Das Haus Rothschild trat hier ganz als politische Macht auf, indeni es den Director

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Der Weg jum Verderben.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

X.

Der Abbe de Hauptmonstier bewohnte in der Nähe von Notre-Dame ein bescheidenes Ziminer, dessen einzige Annehmlichkeit darin bestand, daß alle Fenster desselben auf eine Seite der Basilika hinausgingen.

Der gelehrte Mann verlor auf diese Weise das größte und wunderbarste Bau­werk des christlichen Paris nie aus den Augen, sodaß er durch einen bloßen Ausblick neuen Muth schöpfte, wenn er sich in die alten Bücher und vergilbten Urkunden ver­grub, um seine „Geschichte von Notre-Dame", der Vollendung entgegen zu führen.

So saß er auch eines Abends noch spät über seinen Schreibtisch gebeugt, emsig an seinem Lieblingswerke arbeitend, als es plötzlich heftig klingelte. Er öffnete rasch und befand sich einem jungen Manne mit sehr verstörten Zügen gegenüber.

„Mein Herr," sagte dieser, „ich bitte Sie uin eine große Gefälligkeit."

Der Greis nickte ihm freundlich zu, ge­leitete ihn in sein Cabinet und schob ihm einen Stuhl hin.

„Herr Abb«", sagte er, „ich habe nicht

der egyptischen Staatsdomänen und die Beamten der Staatsschuldenverwaltung an­stellte. Wenn dieses Systein sich bewährt hätte, so müßte im Laufe eines Jahrzehntes das Haus Rothschild auch noch die Finanz­minister einiger anderen Staaten ernennen, denn der Moment ist nicht mehr ferne, in welchem dieser oder jener Staat nicht alle seine Coupons wird einlösen können.

Die bösen Egypter, welche es verdroß, Heloten der großen Börsenfürsten zu sein und sich im Schweiße ihres Angesichtes ab­zuplagen, um die Wucherzinsen einer Staats­schuld aufzubringen, die nur zu Zwecken der „Fremden" verwendet wurde, machten aber den Rothschild'schen Plänen einen dicken Strich durch die Rechnung; sie weigerten sich das von den europäischen Finanzgrößen ihnen auferlegte Sklavenjoch länger zu tragen und ließen die Coupons uneingelöst. Run muß England die störrischen Egypter zu Paaren treiben, sie sollen durch Kanonen, die Kugeln und Granaten von Centnergewicht schleudern, an ihre Zahlungspflicht erinnert werden. England hat als Executor für die Forder­ungen der Rothschilde seine Flotte nach Alexandrien geschafft und als erste Helden- that die Stadt Alexandrien in Schutt- ge­legt. Nun ist aber diese Barbarei erst die Einleitung zu einem weiteren gefährlichen Drama und es ist noch sehr fraglich, ob das die Geschäfte des Hauses Rothschild besorgende Britenreich mit seinen ferneren Actionen Glück hat. Alexandrien in Brand zu schießeu, war keine Kunst und gehörte weder viel Courage, noch Geschicklichkeit dazu, anders aber wird der Landkrieg sich die Ehre, Sie zu kennen, aber der Graf d'Joree, welcher so zu sagen mein Freunb ist, hat mir oft von Ihnen gesprochen."

„Sie heißen Conrad Belleforge?"

„Zu dienen, Herr Abb«!"

„Und wie kann ich Ihnen gefällig sein?" „Meine Mutter liegt im Sterben, und sie hat Ihre Hilfe begehrt."

„Ihre Mutter liegt im Sterben, und Sie hat mich begehrt?"

„Das gerade nicht, sie hat wenigstens keinen bestimmten Geistlichen bezeichnet, sie hat nur gerufen: „Bringe mir einen Prie­ster!" und so bin ich gekommen."

„Ich bin sofort bereit. Bitte, wir gehen."

Sie traten in die Nacht hinaus, als ge­rade ein Fiaker vorbeifuhr; sie stiegen ein und in einer halben Stunde hielten sie vor dem Hause des Banquiers. Es schlug ge­rade halb ein Uhr.

Madame Belleforge lag bleich und ängst­lich aus ihrem Lager.

„Du bist ein guter Sohn," lispelte sie, als Conrad eintrat, „Gott segne Dich!"

Der Abbe nahte leise dem Lager der Kranken, die er freundlich grüßte. Sein Erscheinen brachte der kranken Dame Erleich­terung. Sie athmete auf. Conrad mußte sich entfernen und begab sich in das ansto­ßende Zimmer, wo er gedankenvoll dasaß.

gestalten, den England führen muß, nach­dem es sich einmal im Nillande soweit en- gagirt hat. Viel Geld wird dieser Krieg, der doch nur um des Geldes willen unter­nommen wurde, noch kosten und dem Hause Rothschild wird es trotz seiner vielen Mil­lionen recht bange, denn wie auch der durch das Bombardement Alexandrien's begonnene Krieg enden möge, die kosmopolitische Groß­macht, der zu Liebe er unternommen wurde, wird seine Kosten zu tragen haben und diese werden nicht gering sein. Die Men­schenleben, die dabei zu Grunde gehen und die zahlreichen Existenzen, die zerstört werden, rechnet man freilich nicht. An diesen liegt den großen Börsenjuden nichts, wenn sie nur ihren Zweck durchsetzen. Das vergossene Blut spielt in den Hauptbüchern und den verknöcher­ten Herzen der Millionärs keine Rolle: Geld ist ihre Losung, und ihre Macht wollen sie zeigen.

Wahrlich unser viel gepriesenes Jahrhun­dert der Humanität ist nichts weiter als eine Zeit des krassesten Egoismus und unser Rechtlichkeitsgefühl ist in der capitalistischen liberalen Aera stark abgestumpft worden, sonst müßte ganz Europa in dem Proteste gegen das-Vsrgeherr Englands einig dastehen, es dürften die übrigen Mächte nicht dulden, daß man ein Volk wegen nicht bezahlter Staatsschuldenzinsen bekriegt, daß man eine friedliche Stadt bombardirt und Tausenden den Tod bringt, weil die Coupons der egyp­tischen Anleihe nicht rechtzeitig bei den Casfen des Hauses Rothschild eingelöst wurden. Ja, Israel hat es weit gebracht, es sitzt heute nicht blos in den Cabineten, es Es wollte ihm scheinen, als ob er bisheran vergebens gelebt habe. Das Glück, das er bisheran genossen, schien ihm doch leer und gehaltlos zu sein. Die Worte seiner Mutter hallten mächtig in seiner Seele wieder, und es war ihm, als ob ein himmlischer, gott- gespendeter Lichtstrahl seine Seele erleuchte und ihm den Weg zu Gott zeige.

Fast eine Stunde lang blieb Conrad so in dem Gemache, bald mit großen Schritten auf und abwandelnd, bald stehen bleibend, bald die brennende Stirn in seine Hände haltend. Welches Geheimniß mochte da mitten in der Nacht, wenige Schritte von ihm entfernt, vor sich gehen? Sollte der Greis, den er so eben herbeigerufen, das Mittel besitzen, seine Mutter zu trösten und zu beruhigen? Und wenn ja, was mochte es wohl fein?

Endlich öffnete sich die Thür, und der Abb« erschien; er legte seine Hand auf die Schulter Conrad's und sagte sanft:

„Treten Sie ein, mein Sohn!"

Conrad folgte ihm schwankenden Schrittes. Als er an das Bett seiner Mutter trat, verwunderte er sich nicht wenig. Aus ihren Augen leuchtete eine Art himmlische Freude, und ein glückseliges Lächeln umspielte ihre Lippen.

„Du bist ja so ruhig und scheinst ganz