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Itztz, Sonnabend, den 22. Juli 1882.

FuldaerSB Ieilung.

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Das erste Donnerrollen der socialen Revolution.

In Rixheim im Elsaß ist jüngst ein be- merkenswerthes Schriftchen des Reichtagsab­geordneten Winter er erschienen, betitelt: „Drei Jahre aus der Geschichte des gegen­wärtigen Socialismus." In dieser Schrift wird in kurzen markigen Zügen auf die gewaltige Macht hingewiesen, welche der So- cialismus in den letzten Jahren in Deutsch­land sowohl wie in den übrigen Ländern erlangt hat.

Es macht einen unheimlichen Eindruck, wenn man aus dieser Schrift sieht, wie die im August 1880 auf der Schloßruine in Wyden, CantonZürich, abgehaltene heim­liche Zusanimenkunft der Socialistenführer, welche Zusammenkunft von der schweizerischen Bevölkerung kaum beachtet wurde, als ein gewaltiger Vorstoß der socialen Revolution und Verschwörung in der Geschichte dasteht. Wohl waren es nur dürftig gekleidete, ärmliche, kaum beachtenswerthe Männer, die dort beim Dunkel der Nacht ihre Zusammen­kunft gehalten haben, und auf Strohlagern ruhten sie zwei Nächte hindurch in dem halb­zerfallenen Gemäuer, aber ihr Manifest, „daß die Befreiung der Arbeiterclasse das Werk der vereinigten Proletarier aller Län­der sein müsse, und daß es zur erfolgver­heißenden Führung des von dieser unter­nommenen Kampfes gegen die alten Mächte der Unterdrückung, dem starken internatio­nalen Bund der Reaction und des Capitalis- mus gegenüber unbedingt eines inter­nationalen Bundes des Proletariats, des Socialismus bedürfe," dieses Manifest

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Der Weg zum Verderben.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

Er sah mich lächelnd an und sagte un­gefähr: „Mein liebes Kind, ich liebe Dich sehr, aber trotz meiner Zuneigung wirft Du von mir nicht verlangen, daß ich von meinen Ansichten abgehe. Ich habe mich in der Kirche verehelichen lassen, weil es so üblich ist, aber an Gott glaube ich nicht! Lieb wäre es mir, wenn Du die religiöse Frage nie berührtest. Du bist ein reizendes Kind, aber erzogen in einer Familie, die Deinen Geist in Banden gehalten hat, so daß er sich nicht frei emporschwingen konnte. Ab­surde, abergläubische Gebräuche haben Dich ganz umgarnt. Ich werde nicht dulden, daß meine Frau sich unter das Joch von Verpflichtungen beuge, die ich verabscheue. Wo ich nie hingehe, da wird sie niemals den Fuß hinsetzen. Ihr Freund, ihr Führer werde ich bleiben, einen Beichtvater soll sie mir nicht haben. Du senkst das Haupt, Antonie, und ich sehe eine Thräne in Deinen Augen. Man hat Dir ja zuvor gesagt, daß ich ein frei denkender Mensch bin, vielleicht ein Philosoph, aber nie ein Christ."

„Wie", rief ich aus, „Du willst mich daran Hindern, meine Pflichten zu erfüllen?"

scheint nicht ohne Wirkung verhallt zu sein. Auf der ganzen Linie der socialen Revo­lution, von den russischen Nihilisten ange­fangen, bis zu den irischen Feniern und den französischen Communarden sehen wir von da an eine rührige Thätigkeit sich entfalten, und heute hat Deutschland nicht nur über Berlin, sondern auch über andere Städte, wie Leipzig den kleinen Belagerungszustand erklärt.

Kein Zweifel ist es, daß der erste Schlag der Revolution von Paris aus geführt wer­den wird. Jenes princip- und ideenlose Mastbürgerregiment, das sich gegenwärtig „Republique fran?aise" nennt, ist einer so­cialen Revolution weit näher, als man vielleicht ahnen möchte. So schrieb z. B. der conservative .Reichsbote' dieser Tage über die Zustände in Paris:

„Die Bewohner der Vorstädte wollen seit einiger Zeit verdächtige Symptome in der Physiognomie der dortigen Arbeiterwelt ent­deckt haben. Sie meinen, es müsse etwas in der politischen Luft schweben, wie ein Gewitter; der aufmerksame Beobachter höre schon in der Ferne das erste Rollen des Donners. Die aufrührerischen Brandartikel in den Communardenblättern scheinen in der Arbeiterbevölkerung doch immer mehr und mehr ihr Werk gethan zu haben. Die Volks­versammlungen, welche öffentlich unter den Augen der Polizei abgehalten werden, die Agitation, die Organisirung der Erneute, — alles das muß einmal ein unglückliches Ende nehmen. Dieses wüste Treiben drängt zu einem blutigen Ausbruch hin. Anstatt die­sen Erscheinungen Beachtung zu widmen,

Ich bat, ich flehte — Alles vergeblich; die Verzweiflung bemächtigte sich meiner, aber ich hörte nicht auf, meinen Mann zu lieben. Das Gift seines Wortes flößte sich langsam in meine Seele ein. Ich hörte immer mehr und mehr auf seine gefährliche Beredtsamkeit und mein Einspruch gegen seine atheistischen Raisonnements, seine philosophischen Einwürfe wurden immer schwächer. Schließlich beobachtete ich ein Stillschweigen, das nicht ohne Schuld war Belleforge hatte vollständig gesiegt.

Unsere Reise dauerte einen Monat, es war ein wahrer Wonnemonat.

Als wir nach Paris zurückkehrten, um­armte miet) meine Mutter mit glühender Zärtlichkeit, und ihre Thränen benetzten mein Antlitz. Sie begriff die Meinungsverschie­denheit, die uns von einander schred, aber sie gab die Hoffnung noch nicht auf, meinen Mann zu vernünftigeren Anschauungen zu­rückzubringen; sie rechnete in dieser Hinsicht auf meinen Einfluß, ich verschwieg meiner Mutter, daß ich schon längst aufgehört hatte in dieser Richtung auf etwas zu hoffen.

Als Du das Licht der Welt erblicktest, Conrad, wurden meine religiösen Gefühle, die nur unterdrückt, aber nicht erloschen waren, von Neuem rege. Wenn auch ich der Schätze der Religion beraubt sein sollte,

liegt die republicanische Presse sich gegen­seitig in den Haaren. So ist das herrschende Regime sein eigener Todtengräber. Es untergräbt die letzten Reste von Autorität, die bisher noch Regierung und Parlament geschützt hatten. Die Folgen werden sich auf den Barikaden zeigen, welche noch immer den Schlußstein des permanenten Fortschritts bildeten, sobald man erst über die Wälle von Thron, Altar und Sitte fortgeschritten war. Damit übrigens die Nothstände nicht aufhören - - denn der Hunger ist der beste Agitator — sorgen die Leiter der Beweg­ung für fortwährende Strikes. Augenblick­lich findet in Paris nicht weniger als 15 solcher Arbeitseinstellungen statt. Auch daß die Polizei für ihr energisches Einschreiten bei den Studenten-Unruhen Unrecht bekommen hat, kommt nur den Communards zu gute. Die Stadtsergeanten werden sich hüten, bei neuen Unruhen mit zu viel Energie vorzu­gehen. lieber die Stimmung der Soldaten werden ebenfalls sehr ausschweifende Mit- thellungeu verbreitet, die nur in so fern eine thatsächliche Unterlage zu haben scheinen, als sich in einzelnen Trupentheilen zwei Parteien gebildet haben, von denen sich die einen Versailler, die anderen Pariser nen­nen. In dieser „gehobenen" Stimmung schickt sich Paris an, das Nationalfest des Bastillesturmes zu feiern. Die Regierung und der herrschende Stand, die fortgeschrittene Bourgeoisie, werden wieder das Princip der Revolution in allen Tonarten verherrlichen."

Dazu schreibt die bekannte Communarden- führeriu Louise Michel: „Der Bastille- sturui war zwar eine nationale That; aber so wollte ich doch Dir sie reichlich zukommen lasten. Ich glaubte, Du würdest mcht leben können, ohne das, was den Christen macht und die Menschen zu moralischen Wesen. Aber ach! ich hatte nicht die Erlaubniß, die Schwelle einer Kirche zu betreten und ich konnte es nicht zu Wege bringen, daß man mit Taufwasser die Stirn meines Neugebo­renen benetzte.

Meine Mutterliebe wurde auf eine harte Probe gestellt.

„Unaufhörlich fürchtete ich, meine Kinder würden für meine Fehler gezüchtigt werden. Hatte der Vertrag, durch welchen ich meine Seele verkauft und preisgegeben, nicht auch ihr Leben dahingeopfert? Das glückliche Vertrauen der Mutter und die Sorglosigkeit der Gemahlin kannte ich nicht. Und in der That, war mir der Himmel, dessen Segen wir über unsere Verbindung herabgefleht hatten, denn Glück schuldig? Gott, den ich angcfleht hatte, meine Kinder unter seine Obhut zu nehiucn -- war er schuldig, mir die unsäglichen Freuden der Mutterliebe zu verleihen? Ueberall und in jedem Augen­blick verfolgte mich der Gedanke an meine Apostasie. Dieses Haus, aus dem der Priester verbannt war, kam mir wie ein verwünschter Ort vor.

Wir waren stolz auf Celia und Dich,