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M 165.

Freitag, den 21. Juli 1882.

dfiilbarr

B Zeitung.

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c- Das piernoritesische Rom ist un­verträglich mit der kosmopolitischen

Stellung des Papstthnms.

Daß der Papst in den wichtigsten Ange­legenheiten der Menschheit der oberste Rich­ter der katholischen Welt ist, kann von Nieinanden bestritten werden und daher kann jede Regierung, nach dem Vorgänge der deutschen Reichsregierung, das Papst- thum eine „einheimische Institution" nennen. Was folgt daraus? Daß der hl. Vater keinem einzelnen Staate unterworfen sein kann, daß er souverän sein muß, d. h. in keiner Weise irgend eine menschliche Person oder Autorität über sich habe, kurz: daß er Papst und König seines Staates sein müsse. Selbst- Piemont hatte diesen Grundsatz anerkannt, in­dem es ihm durch das Garantiegesetz Die papierne Souveränetät als Ersatz für die wirkliche anzubieten wagte, ihn auch gnädiglich als Landesherrn des Vaticans nebst Gärten und des Schlosses Eastel Gandolfo anerkannte. Ja, bei der Berathung des Garantiegesetzes am 24. Januar 1871 erklärte der Minister Minghetti in der Kammer: „Dieses Gesetz geht nicht nur das Gebiet des Königreiches, sondern den ganzen Erdkreis an, und interefsirt alle, welche sich zuni katholischen Glauben bekennen." Aehnlich äußerte sich der Vertreter der Regierung bei der Debatte im italienischen Senat: „Es handelt sich hier nicht um eine innere Frage, sondern um eine Frage, welche a l l e Regier­ungen der katholischen Völker interefsirt."

Also von der piemontesischen Regierung selbst ist die kosmopolitische Stellung des Papstthums anerkannt, und dieselbe wird

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Der Weg zum Verderben.

Nach beut Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

IX.

Mit der Gesundheit Mme. Belleforge's ging's sichtlich schlechter. Die Aerzte, welche sie zu Rathe zog, riethen zu den Bädern; die Kranke begab sich dorthin, obwohl sie keine Erleichterung zu hoffen wagte, was sich denn auch als richtig herausstellte. Der trostlose Banquier rief die Fürsten der medicinischen Wissenschaft zu Hilfe: man discutirte, con- sultirte, und schrieb eine Menge nutzloser Recepte. Die langen griechischen Worte, deren die ärztliche Kunst nicht wenige hat, vermehrte nur ben Schrecken Celia's und Conrad's, ohne bei Belleforge selbst etwas Anderes als ein ungläubiges ironisches Lächeln hervorzurufen. Sollte diese Frau, die langsam dahinsiechte, das Geheimniß ihres Nebels mit in's Grab nehinen? Und wie nicht selten zu geschehen pflegt: gerade jetzt umstrahlte sie von allen Seiten das Glück: die glänzendsten Studien ihres Soh­nes, sein ernster, gesetzter Charakter und feine hohen Beziehungen öffneten ihm den Zutritt zu den höchsten Kreisen. Die Eigen­schaften Celia's übertrafen noch ihre Schön­heit. Sie konnte einen Millionär, einen

von der ganzen Welt der Vernünftigen und Rechtschaffenen zugestanden. Hieraus folgt aber, daß Rom nicht piemontesische Haupt­stadt sein darf und daß der Papst vollstän­dig frei in seinen Entscheidungen und seinem ganzen Leben, daß er unabhängig und sou­verän sein muß. Denn er muß allen Re­gierungen der Welt ebenbürtig und gegen alle Völker, gegen Deutsche, Franzosen oder Spanier, gegen Italiener oder Nordameri­kaner, in der gleichen unparteilichen Sellung, d. h. souverän sein. Und dieß ist nur möglich, wenn er Souverän seines Staates ist. Sitzt ihm dagegen in territorialer Be­ziehung das iog. Königreich „Italien" auf dem 'Nacken, so hat die ganze übrige Welt ein Recht, sich solches Uebergewicht einer Macht zu verbitten, ja es sogar mit gewalt­samen Mitteln fortan unmöglich zu machen.

Vor Allen müssen die Katholiken des Erd­kreises verlangen, daß das Oberhaupt ihrer Kirche frei und unabhängig sei, daß am allerwenigsten die Revolution ihre Zwing- Herrschaft über ihn ausübe, daß keine welt­liche Macht ihn an der freien Ausübung seiner obersten Lehr- und Oiegierungsgewalt hindere. Es gibt auch unter dem Monde keinen rechtmäßigeren Staat, als jenen des des heiligen Vaters. Wie kommen die Pie­montesen, die nicht einmal Italiener, sondern Nachkommen der alten keltischen Allobroger sind, dazu, das päpstliche Rom als ihr Eigenthumanzusprechen? Rom ist die Haupt­stadt der katholischen Welt, nimmermehr die eines einzelnen Landes.

Ganz besonders ist bei der römischen „Frage" die Ehre Deutschlands und der Fürsten, einen Diplomaten aus dem Kreise derer wählen, die ihr Huldigungen darbrachten. Mme. Belleforge bestand bisweilen darauf, daß sie ihre Wahl treffe; aber Celia warf sich dann ihrer Mutter mit einer Zärtlich­keit in die Arme, daß sie nichts mehr zu sagen wagte.

„Ich fühle mich glücklich in Deiner Nähe", pflegte Celia zu sagen — „und dann bietet mir Niemand von allen denen, die Du mir nennst, eine Sicherheit für mein Glück."

„Vielleicht hast Du Recht, aber ich möchte Deine Zukunft gesichert sehen, ehe ich von Dir scheide."

„Ach Mutter! diese traurigen Gedanken und Ahnungen!"

„Meine Liebe! Was ich sage, sind That- sachen. Du siehst ja, wie ich mit jedem Tage immer schwächer werde: in einem Monat kann ich das Bett vielleicht nicht mehr verlaffen, und wer weiß, wie viele Tage mir noch beschieden sind bis zu dem entschei­denden Lebewohl, dem Lebewohl aus ewig."

Celia schluchzte in den Armen ihrer Mutter.

Eines Abends war der Banquier genöthigt, an einem Diner theilzunehmen. Beim Aus­gehen erschreckte ihn der fieberhafte Glanz ihres Blickes.

„Mein Gott", rief er mit ausrichtigem

deutschen Katholiken im Spiele. Zwar hatte schon der große Constantin dem Papste die Herrschaft über Rom stillschweigend über­lassen, und thatsächlich war der Papst vier Jahrhunderte lang bereits der Landesherr Roms und der Umgegend, aber die räuber­ischen Langobarden thaten dem Kirchenstaate Gewalt an. Da zog der Frankenkönig Pipin der Kleine, 754 und 756, von den Alpen herab, schlug das räuberische Volk und schenkte, bezw. restituirte „dem hl. Petrus," der Kirche und dem römischen Gemeinwesen den Kirchenstaat, und der größte deutsche Kaiser, Carl d. Gr., erneuerte 774 diese Schenkung seines Vaters und erklärte sich 800, als er von Papst Leo III. zum abend­ländischen Kaiser gekrönt und gesalbt wurde, als den ergebenen Vertheidiger und demütbigen Helfer der Kirche (devotus sanctae eccle- siae defensor humilisque adjutor.“) So ist die weltliche Herrschaft des Papstes zu­gleich eine Ehrensache der ganzen deutschen Nation; wie kann Welschland oder vielmehr die welsche Verschwörer-Sippschaft das Testa­ment unseres größten Kaisers antasten?

Noch ist die Gewalthat an Nom förmlich von keiner einzigen Regierung anerkannt worden; alle Staaten sind vollkommen frei, ihren Einspruch zu erheben im Namen des Rechtes, des Staatsinteresses, des Königthums, des Gewissens der Katholiken, welche Rom als ihre gemeinsame Hauptstadt zurückfordern.

Zwar hört man in der Gegenwart, da in so vielen Ländern die Umsturzpartei herrscht, wenig auf die Wünsche der Katho­liken. Aber die Revolution bleibt nicht immer oben — die Kinder der Kirche nicht immer

Mitleid, „kann ich denn nichts thun, um Dich zu heilen?"

Zärtlich umarmte er sie und verließ das Haus. Einige Augenblicke später fiel Ma­dame Belleforge in Ohnmacht. Conrad und Celia weinten an ihrem Bette. Sie kam jedoch bald wieder zu sich:

„Es ist nichts", sagte sie, „geh', Dich ausruhen, Celia, Conrad soll die Wache halten."

Als sie mit ihrem Sohne allein war, nahm sie den jungen Manu bei der Hand und fragte ihn etwas ängstlich:

„Schwörst Du mir zu befolgen, was ich Dir jetzt sagen werde?"

„Ich schwöre es, Mutter, Du willst mir ja doch nur Gutes. Aber warum thust Du so wichtig, und warum spiegelt sich solche Furcht in Deinen Augen? Du allein glaubst, daß eine wirkliche Gefahr vorhanden fei. Wenn Du unglücklich wärest, könnte man denken, ein geheimer Kummer verzehre Dich."

„Freilich kannst Du dies nicht begreifen, ehe Du die Erzählung gehört hast, die ich Dir machen will, es ist der verzweifelte Aufschrei eines Gewiffens.

Wenn Du mich aber verstehst und mir verzeihst, dann kann ich auch noch auf über­irdische Barmherzigkeit hoffen."