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Jt£ 164* Donnerstag, den 20. Juli 1882.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint t»glich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda in der Sxpedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts Bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda 1 Mark und 50 Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pfg„ auswärts bei bett Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfg.. ins Haus gebracht 1 M. 90 Pf». Mit den ,Jllustrirten Sonntagsblättern' kostet dieFuld.Ztg. vierteljährlich in Fulda M. 1.90; auswärts am Postschalter M. 1.75; in s Haus gebracht M. 2.15. Inserate: Die Petitzeile oder bereit Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wieberholungen entsprechenben Rabatt.

i. Ein Beispiel teuflischer Nieder­tracht.

Ein Scandalstück wahrhaft teuflischer Natur ist vor Kurzein zu Amiens von einer gottlosen Clique gegen einen unbescholtenen Priester in Scene gesetzt worden, welches im Falle des Gelingens von allen liberalen und kirchenfeiildlichen Blättern zu einer Fluth von Schmähartikeln gegen die kath. Geistlichkeit verwerthet worden wäre. Jetzt, da dasselbe ein glänzendes Fiasko gemacht, beobachten sie alle ein allerdings begreif­liches Stillschweigen. Um so weniger darf die katholische Presie den Fall mit Still­schweigen übergehen, denn er gewährt einen traurigen Einblick in die Mittel, zu welchen die Gegner der Kirche greisen, so oft sie es für angezeigt halten, diese oder ihre Diener zu verunglimpfen. Das verunglückte Scan­dalstück war Gegenstand gerichtlicher Ver­handlung und besteht der Hauptsache nach in Folgendem:

Der 62-jährige Pfarrer Mulot von St. Leu, einer der würdigsten und geachtesten Priester der Diöcese hatte 8 Mädchen wegen ungenügender Kenntniffe von der ersten hl. Communion zurücksetzen müssen. Behufs gründlicherer Vorbereitung hielt er es für nothwendig, dieselben getrennt von den anderen Kindern zu unterrichten und benützte dazu die Sakristei. Hierauf bauten die Femde ihren teuflischen Plan, um den würdigen Priester in's Verderben zu bringen. Auf eine Denunciation dieser Kinder, die scandalösesten Dinge betreffend, ward der Pfarrer plötzlich verhaftet und ins Gefäng- niß abgeführt. Die ganze Stadt gerieth

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Der Weg zum Verderben.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

Ihre Stimme war so sanft, der Blick, den sie auf den Grafen warf, verrieth eine fo dankbare Bewegung, daß Rolland ganz verwirrt sich entfernte und zum zweiten Male wiederholte: „Wie schade!"

Als er nach Hause kam, setzte er sich bis zum Diner an die Arbeit. Der Abbe de Hautinonstier sollte kommen, und Rolland wollte ihm seine Beinerkungen, die vollstän­dige Geschichte von Rotre-Dame betreffend, übergeben. Beiin Diner schien der junge "Mann in Gedanken versunken zu sein.

Acht Tage später erhielt Graf Rolland folgendes Billet:

„Mein liebes Kind, geh' in die Straße Git-le-Coer, Rr. 8; in der letzten Etage des Haufes wirst Du großes Elend antreffen, fowie eine Frau, deren Mann Deines Zu­spruches bedarf."

Am folgenden Tage machte sich Rolland auf den Weg nach dem bezeichneten Hause, das in einer engen schmutzigen Straße am Seinequai lag. Er trat in einen finstern Gang und schwang sich mit Todesverachtung eine gewundene morsche Treppe hinauf, an deren Ende eine Thüre nur angelehnt war —

in Aufregung. Die Kinder, sowie drei Lehrerinnen wurden verhört und sprachen die schwersten Beschuldigungen gegen den Pfarrer aus. Allein dem Unterfuchungs- richter fiel es auf, daß die Kinder, eines nach dem anderen, ihre Angaben genau mit denselben Sätzen, denselben Worten machten, ja man erhielt den Eindruck, als ob sie eine auswendig gelernte Lection her­gesagt hätten, die sie jedoch noch nicht ganz sicher dein Gedächtnisse eingeprägt hatten, da sie gegen den Schluß hin stockten und sich in Widersprüche verwickelten. Bei der Schlußverhandlung verwickelten sich auch die Lehrerinnen in so colossale Widersprüche und gewannen deren Aussagen den Stempel der Lüge, daß eine völlige Freisprechung unausbleiblich schien. Die Vertheidigung legte denn auch klar, daß ein verbrecherischer Plan gegen den Pfarrer namentlich zwischen einer Lehrerin, die ein ganz unsittliches Leben führt, und den Eltern jener unglück­lichen Kinder vereinbart morden war, daß man es also mit einer Verläumdung niedrigster Art zu thun hatte. Die lections- weise aufgesagten Anschuldigungen der Kin­der enthielten Dinge, die nicht wiedergegeben werden dürfen, und eine der drei betheiligten Lehrerinnen hatte die traurige Aufgabe übernommen, unmündige Kinder in diesen Dingen ;u unterrichten, um einen unbe­scholtenen bisher allgemein geachteten Priester unglücklich zu machen. Welche sittliche Ver­kommenheit, welche teufliche Bosheit gehört zu einem solchen Treiben!

Rach der Verkündigung des freisprechen­den Urtheils erhob sich im Zuschauerraum er blieb wie angewurzelt vor dem schreck­lichen Schauspiele stehen, das sich seinen Augen darbot.

Auf einem alten schinutzigen Bett lag ein Greis, der vor Schmerzen laut aufschrie. In einem Winkel sitzend, strich eine blinde Frau zwei Kindern über die Stirn, deren Blick nicht weniger ihre Leiden als ihre Stumpfheit verrieth. Ein dürftiges Stroh­lager im Hintergründe des Zimmers hatte ohne Zweifel denselben so eben als Lager­stätte gedient. In einem Theile dieses grell durch das Fenster beleuchteten Zimmers ge­wahrte Rolland mit Erstaunen die seidenen Falten eines reichen Stoffes. In dieselbe war eine junge Frau, mit blondem Haar­wuchs, gekleidet, deren Arbeit Rolland mit immer größerer Neugierde zusah. Sie nahm aus einem an der Erde liegenden Packete Bett­tücher und Kiffen, während ein Bedienter und eine alte Frau soeben ein Bett fertig aufgestellt hatten. Als das Unterbett voll­ständig zurecht war, breitete die junge Frau die Betttücher darüber, die sie sorgfältig glättete, ordnete dann die Decken, legte die Kiffen zurecht, und besah zuletzt das weiße Bett mit einem gewissen Stolze.

„Das wird für einen Versuch wohl gut sein, Annette?" frug sie.

Der Ton dieser Stimme srappirte Rol-

ein Sturm von enthusiastischen Zurufen: „Es lebe der Pfarrer Mulot! Die Unschuld hat gesiegt!" u. s. w. Sogleich bildete sich ein Comito zur Sammlung von Beiträgen, um dem schwer geprüften Pfarrer durch Widmung eines Kelches eine kleine Genug- thuung zu geben.

Wir wiederholen: Mit welcher Schaden­freude würde die gegnerische Preffe aus diesem Falle Capital geschlagen haben, wenn der Pfarrer schuldig oder unschuldig v e r- urtheilt worden wäre. Die saubere Lehrerin würde als Muster der Tugend und Hüterin der Unschuld bis in den Himmel erhoben worden sein, während man nicht Koth genug gefunden hätte, um die Geistlichkeit damit zu überschütten. Glück­licher Weise hat sich jedoch auch hier wie­der das Sprichwort bewahrheitet: „Wer Andern eine Grube gräbt, fällt selbst hin­ein!" Die Lehrerin ist sofort in Unter­suchung gezogen worden und erhielt für ihre Niedertracht bei der vor einigen Tagen stattgehabten Schlußverhandlung vor den Assisen, wohlverdienter Maßen, 3 Jahre Gefängniß.

Deutsches Reich.

* Berlin, 18. Juli. Die ,Nordd. Allg. Ztg.' schreibt: Der deutsche Consul Treskow ist laut Telegramm vom 16. d. Mts. mit 300 Deutschen und Oester- reichem wohlbehalten in Port Said ange­langt. — Der italienische Exminister C r is p i ist hier angekommen.

— Der Kaiser ist heute wohlbehalten in Wildbad Gastein angekommen.

land. Einen Augenblick wollte er sich ent­fernen, als er sah, daß man ihm zuvorge­kommen war. Aber die lebhafte Freude, die er empfand, als er eine Stimme er­kannte, die ihm lieb und theuer war, be­stimmte ihn zu bleiben.

' Schnell trat er vorwärts, er befand sich Frl. Belleforge gegenüber. Eine lebhafte Röthe stieg ihr in das hübsche Antlitz. Sie blieb von Verwunderung und einer Art Scham wie gebannt, sprachlos dastehen.

Rolland begriff ihre Situation und rich­tete deshalb keine banale Phrase an Celia, sondern, auf den Greis hindeutend, fügte er zu dem jungen Mädchen:

„Der brave Diener und ich, wir wollen den Kranken in das neue Bett hinüber­schaffen."

„Gut", erwiderte Celia, „dann kann ich mich mit den Kindern beschäftigen."

Das junge Mädchen trat auf die beiden Kinder zu, die verwundert all' dem zusahen, was um ihnen herum vorging, während An­nette ihre blinde Mutter besorgte.

Der Diener und Rolland wollten schon die Decke wegnehmen, die sie beim Weg­schaffen des Bettes hinderte, als der Kranke einen Schrei des Entsetzens ausstieß.

„Was haben Sic?" fragte Rolland theil- nahmsvoll.