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Jjg f63, Mittwoch, den 19. Juli 1882.

Fuldaer Zeitung.

% Warnungstafel für Aus­wanderer.

Seitdem die Auswanderung nach Nord­amerika ganz unerhörte Dimensionen ange­nommen hat, findet nicht bloß diese förm­liche Völkerwanderung ein großes Interesse im Publicum beider Welttheile im Allge­meinen, sondern es tritt an alle beteiligten Menschenfreunde auch die Pflicht heran, Auswanderungslustige, tvelche sich durch glatte Vorspiegelungen zum Verlassen der Heimath entschließen, vor manchen Gefahren zu warnen und denselben einen wohlmeinen­den Rath zu geben.

Der katholische Einwanderungs-Verein der Diöcese Alton im Staate Illinois, welcher ausschließlich aus Priestern besteht, beschloß in seiner jüngsten Versammlung, gehalten am 10. Mai d. I. zu Piopolis, den unterzeichneten Secretär zu beauftragen, in katholischen Blättern Deutschlands angehen­den Auswanderern einige Punkte zur ernsten Beherzigung vorzulegen, da deren Außer­achtlassen nach den bisherigen Erfahrungen des Vereins den Einwanderern nur zum größten'Schäden gereicht. — Ich erlaube inir zu bemerken, daß unser Verein in dieser Sache um so unabhängiger ist, als er ja nicht die Anlockung von Einwanderern nach Art der Eiseubahngesellschaften und Landagenten zum Zwecke hat, sondern, da einmal die Auswanderung eine stehende Thatsache ist, die neuen Ankömmlinge durch ehrlichen Rath vor Enttäuschung und Scha- ' den bewahren will.

Ob also Jemand hierher answandern soll oder nicht, das ist ganz und gar dessen

Der Weg zum Verderben.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

VIII.

Die Zeitungen machten großes Geräusch mit einem Wohlthätigkeitsbazar, der in den weiten Räumen eines Ministerhotels statt- finden sollte. Die Namen der Verkäuferin­nen, welche man im Voraus verbreitet hatte, sicherten die Summe, auf welche man ge­rechnet hatte. In der besten Absicht hatte man die hübschesten Frauen und Mädchen gewonnen, den Verkauf zu leiten. Man be­trachtete das Ganze als eine Art von Fest ; die Herren gingen hin aus Neugier; die Damen, um über den Geschmack und die Toilette ihrer Freundinnen zu Gericht zu sitzen, noch Andere aus andern Gründen.

In der That, wenn man in diese Sa­lons eintrat, die man in einen Bazar ver­wandelt hatte, blieb man wie betäubt stehen.

Die herrlichsten Blumenbouquette, wie sie die Gärtnerkunst nicht schöner hervorbringen kann, zierliche Gestelle mit den auserlesen­sten Früchten beladen, die glänzendsten Schmuck­sachen, elegante Buchbinderarbeiten, und tausenderlei kleine Sächelchen zum Luxus für die vornehme Welt fesielten dort den Blick. Hinter all' diesen Prachtgegenständen

eigene Sache; ist er aber einmal ent­schlossen, über's Meer zu kommen, dann bietet ihm unser Verein nach Art des deutschen St. Raphaels-Vereins seine Hilfe in Gestalt ehrlicher Auskunft und wohl­meinenden Rathes an. In diesem Sinne wollen meine folgenden Bemerkungen ver­standen sein.

Gänzlich abzurathen ist erstlich allen jenen deutschen Katholiken, die schon in ihrem Vaterlande den Pflichten ihrer Religion nicht entsprochen haben. Mögen sie immer­hin, wenn Gott ihnen gnädig ist, draußen vielleicht noch eine glückliche Sterbestunde erleben, hier ist das nur wunderselten zu erwarten. Derlei kuiefchwache Taufschein- Katholiken fallen hier bald dem vielgestaltigen Molochänheim:denFreimanrern,dergemischten Ehe, dem ungläubigen amerikanischen Turner­bunde, den foeialistifchen Arbeitervereinen u.s. w. Unsere Freiheit macht sie ausgelassen und gräbt ihnen in der Regel ein frühes Grab. Außerhalb der Kirche Gottes haben wir keine Sittenpolizei. Wer also die Kirche nicht hören will sich rede von geborenen Katholiken),'kann nur seinen Untergang er­warten.

Abzurathen ist ferner auch jenen Katho­liken, die zwar ihren Glauben bewahren, welche aber in Folge ihrer Lauigkeit ge­wöhnlich sehr erstaunt sind, wenn sie hier für Kirchen- und Schulzwecke beizusteuern angehalten werden und deswegen auch häufig vom Glauben abfallen. Unsere freie Kirche int freien Staate kamt nun einmal nicht von der Luft leben und des­halb muß sich ein katholischer Einwanderer luden reich geschmückte hübsche Frauen und Mädchen zum Kauf ein - „für die Armen!" Fabelhafte Preise wurden gefordert und be­zahlt, denn mancher junge müßige Stutzer mit goldgespickten Taschen warf mit Napo­leons um sich, um nur einen zärtlichen Blick von der schönen Verkäuferin zu erhalten. Die Krone aber und die Königin des Tages war — Celia Belleforge. Gleich ihren Cvl- leginnen verschwand sie hinter einem Berge Parnteser Veilchen. Ihre gewählte Toilette trug die Farbe der Blumen, die sie ver­kaufte. Man umschwärmte und feierte sie von allen Seiten — int Sturm riß man sich um ihre theuren Bouguette. Sie hatte kaum Zeit, sie den Herrn zu reichen, die sich um sie herumdrängten. Die Stellung des Banguiers, die Schönheit des jungen Mäd­chens und die Höhe ihrer zukünftigen Mit­gift machten die Begeisterung der jungen Herren für die Parmefer Veilchen erklärlich. Celia brauchte nur den Preis ihrer Blumen anzugeben; die Hausse entstand wie an der Börse von selbst. Ein Freund ihres Vaters bezahlte ein Bouguett mit einem Lvuisd'vr; sein Nachbar that desgleichen — ein Dritter warf, um sich hervorzuthun, zwei Goldstücke in das zierliche Kästchen, das ihr als Caf- fette diente — und bald war es mit Gold­stücken angefüllt.

darauf gefaßt machen, daß er nach Kräften für den Unterhalt des Pfarrers, der Schule, für Bauten und andere fromme Zwecke beizusteuern verpflichtet ist durch das sechste Kirchengebot, das hier zu Lande vollends zu Recht besteht. Unsere ein­heimischen Katholiken verstehen das.

Abzurathen ist weiter aUen jenen Katho­liken, welche in Deutschland sich als „Ge­bildete" betrachten, weil sie etwa das Abi- turienten-Examen bestanden oder gar die preußische Quarta durchgemacht oder als Vorleser, Theater- oder Piano - Spieler, Handlungs-Commis u. f. w. zwar etliche Brocken gelernt haben, aber Nichts vom der praktischen Arbeit auf dem Felde ober in der Werkstätte verstehen. Solche Leute bilden sich ein, Amerika, dies uncultivirte Land, warte auf sie. Man täusche sich nicht! Wir haben schließlich gerade so viel „Halbbildung" als draußen. Sogenannte lateinische Bauern taugen nirgends viel. Wer seine Bücher verlassen will, um nach Anweisung von Büchern das Land zu be­bauen, der ist im voraus bankerott. Unser praktisches Landvolk verlacht ihn. Man hüte sich also, Amerika durch „Deutsche Civilisation" bekehren zu wollen. Am aller- schlimmsten spielt indeß Amerika jenen deutschen Phantasten mit, die in einer ro­mantischen oder gar idyllischen Anwandlung sich zu dem Entschlüsse emporraffen, in Amerika im Angesichte der Tomahawks ein Zauberleben als Landwirthe zu versuchen. Diese Clasie kommt gar nicht dazu, wie die englische Phantasten-Colonie von Rugby, Tenessee, längst bewiesen hat. Der Grad

Es waren ihr nur einige Bouguetts übrig geblieben, als Celia den Grafen d'Jvree auf sich zutreten sah. Er hatte sie nicht erkannt und schritt auf ihren Tisch zu, ohne aufzusehen; als er sie plötzlich erkannte, glitt eine flüchtige Rothe über fein Gesicht, die jedoch schnell verschwand. Rolland verbeugte sich vor Celia und gratulirte ihr zu dem günstigen Erfolge, den sie erzielt hatte. Aber es klang durch feine Worte eine Art Trau­rigkeit hindurch, die Celia nicht entging. Rolland bedauerte es aufrichtig. Jetzt, wo sie sich dem Wohle der Leidenden widmete, — da legte er eine geroiffe Ironie in seine Worte hinein, anstatt sie offen zu belobigen! Es schien ihr, als ob er habe anbeuten wollen, daß diese Art und Weise des Wohl­thuns zwar nach feinem Geschmacke fei, daß aber vielleicht weibliche Eitelkeit mehr noch als der Trieb zur Barmherzigkeit dabei im Spiele fei.

Celia begriff dies. Und doch weil ent­fernt, sich dagegen aufzulehnen, was ihr von Seiten des Grafen als Ungerechtigkeit dünkte, schien sie mehr verwirrt und betrübt als gereizt über feine Worte zu fein und indem sie ihre Augen zu dem jungen Manne em- porrichtete, sagte sie sanft:

„Was wir hier thun, ist gewiß ein schöner Zweck, nicht wahr?"