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162. Dienstag, den 18. Juli 1882.

Fuldaer SW Leitung.

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Unglaube und Revolution.

Diese zwei Erscheinungen verhalten sich zu einander wie Vater und Sohn, wovon inan sich täglich, aus den Früchten schließend, über­zeugen kann. Unglaube und Religionslosig­keit in den höheren Schichten, übertüncht mit „Bildung", „Fortschritt" und „Humanität", erzeugt folgerichtig in den unteren Volks­schichten gottlose und revolntionäre Gesinn­ungen, die unter dem Einflüsse des Unglaubens immer größere Verbreitung annehmen und schließlich im Communismus enden. Das sehen wir in Frankreich, wo die Gottlosig­keit unter der gedeihlichen Pflege des Un­glaubens seiner politischen Führer immer weiter um sich greift. Abgesehen von den häufigen und heftigsten Verfolgungen der Kirche in ihren christlichen Wahrheiten, Rechten, Anstalten und Dienem, wovon sich die Folgen für die Sittlichkeit und socialen Zustände immer greller und trauriger zeigen, beschloß kürzlich die Mehrheit der Kammer, die Crucifixe aus den Gerichtssälen zu ent­fernen, damit ja kein christliches Zeichen den Menschen erinnere und mahne an die Heilig­keit des Eides. Rur mit Schrecken kann man daran denken, wohin solche Dinge führen werden. Aber so geht es, wenn ein Volk unchristlich regiert wird; es muß all- mählig unchristlich, gottlos und revolutionär werden. Gesetze erziehen das Volk, jeÄach- dem die Gesetze sind. — Auch in Italien, wo eine liberale, kirchen- und glaubensfeind­liche Wirthschaft am Ruder ist, wird von Tag zu Tag die sociale Revolution drohen­der und allgemeiner, was selbst liberale

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Der Weg zum Verderben.

Nach bem Französischen von I. Rüttgers.

(Fortsetzung.)

„Und Du hast das Geld den Leuten an­vertraut, die an der Spitze dieses Unter­nehmens stehen?"

„Allerdings."

„Dummkopf!" schallt Faraude. „Drei­facher Esel! Dieses Geld wirst Du nie mehr wieder sehen; eines schönen Morgens sind die Chefs der Bank des „Strikefonds" verschwun­den und Du wirst nur das Nachsehen haben."

„Bah", sagte der Striker, „Du hastVor- urtheile!"

„Nein", entgegnete Faraude mit dumpfer Stimme. „Vor acht Jahren war ich so glücklich. Ich arbeitete unverdrosien und auch Du warst fleißig für mich und mein Kind. Wohl liebte ich den Putz, das ist wahr! Bisweilen besuchte ich auch einen Ball. Arbeit und Glück waren mit einander ver­einigt. Da kam La Tronche mit seinen ge­fährlichen Rathschlägen, und anstatt zu ar­beiten, gingst Du hin zu Belleforge und for­dertest Geld von ihm.

Und wenn dies Geld noch zum Wohle der Familie gedient hätte, aber es wurde in Speculationen aufgezehrt, wo Du immer nur der Betrogene warst.

Zeitungen zu ihrem Schrecken wahrnehmen und gestehen. Nieder mit der Monarchie! Es lebe die sociale Revolution! Das sind die chrillenden Rufe aus dem Munde der­selben, die der Kirche, dem Altar, dem Priesterthum feindlich gegenüber stehen und seinen Untergang schwören. An verschiedenen Orten hat das Militär mit blanker Waffe einschreiten müssen. Das sind die Folgen des Unglaubens, der von den Führern des armen Volkes gehegt und gepflegt wird, bis auch es angesteckt die Consequenzen zieht und endlich auch die revolutionäre Faust gegen seine eigenen Verführer erhebt, die dann nach Militär schreien. Der Frevel gegen die Kirche, gegen Reli­gion und Glaube wendet sich schließlich gegen die bürgerliche, sociale und staatliche Autorität. Ganz richtig, denn wenn es er­laubt ist, zu freveln gegen das Göttliche, dann kann es nicht als unerlaubt und strafbar angesehen werden, wenn gegen die bürgerliche Gesellschaft gefrevelt wird durch praktische Anwendung der revolutionären Gesinnung. - Auch in. Rußland, wo die Religion erstarrt ist unter der Eisdecke des dortigen Staatskirchenthums, werden immer neue Anschläge der Revolution entdeckt; man wird nicht mehr Ruhe und Sicher­heit schaffen können, da selbst bis in die höchsten Kreise — und da gerade steckt der Unglaube — der Einfluß der dortigen Socialisten (Nihilisten) reicht. Wenn Gene­räle, Minister, Soldaten, Popen, Gens- darmen und Polizisten von der socialen Verschwörung inficirt sind, so wird man vergeblich gegen diesen bösen Geist die

Der Arbeiter wurde unwillig, nahm seine Mütze, zuckte die Achseln, als er die kleine Serinette arg husten hörte, und stieg die Treppe hinab.

Faraude beeilte sich, als ihr Mann fort war, für die 15 Frc. das Allernöthigste an­zuschaffen ; für sich kaufte sie den einfachsten und billigsten Kleiderstoff, der zu haben war.

Die nächsten Tage verliefen in der That friedlicher. Den folgenden Sonntag widmete der Striker gaflz seiner Familie; Faraude hatte sich ihr neues Meid angelegt. Sie wäre beinahe glücklich'gewesen, wenn der Husten Serinett's sie nicht in Trauer versetzt hätte.

In der That siechte das Kind immer mehr dahin, seine Wangen wurden immer bleicher.

Der Striker aber fiel wieder in seine früheren Gewohnheiten zurück. Jeden Tag kam er immer später nach Hause, angeblich, weil er das Schreien des Kindes nicht hören könne. Eines Samstags trat er schwanken­den Schrittes und gerötheten Antlitzes in das Gemach; Faraude lief ihm entgegen, zerrte ihn an ein Bettchen und sagte zu ihm mit schneidender Stimme:

„Sieh, Elender, das Kind ist tobt".

Er blieb einen Augenblick wie versteinert stehen, dann ging er, ohne ein Wort zu

Knute schwingen. Die Kaiserkrönung — auf dem Pulverfaß! — ist unter diesen Umständen schon wieder aufgeschoben. Der unglückliche Monarch, flüchtig und unstät, ein Gefangener in seinem eigenen Lande, ist keine Minute sicher vor Mörderhänden. — Unb das revolutionäre Geusenthum in Belgien, geht es nicht Hand in Hand mit seinem Vater: dem Unglauben, dem gott- entfremdenden, kirchenfeindlichen Liberalis­mus? Nur in ihm haben auch dort, wie überall, die revolutionären Ideen, ihre Quelle, ihre Nahrung und ihr Wachsthum. Im deutschen Reich finden wir da, wo der Unglaube, die Jrreligiösität, der religiöse Jndifferentismus am meisten blüht, auch die meisten Socialdemokraten mit revolutio­nären Bestrebungen. Im Gegentheil gibt es dort keine Socialisten, die nach dem Muster der französischen Revolution eine ge­rechtere Vertheilung der irdischen Güter fordern und sich dadurch die Köpfe ver­wirren, wo Glaube und Religion auch in den höheren Volksschichten in Ehren ge­halten und eifrig geübt werden. Selbst in den volkreichsten Fabrikgegenden, wie z. B. im Elsaß, Rheinland, Westfalen, gibt es gar keine oder nur wenige Socialdemokraten. In den genannten Provinzen strömt unge­achtet des demoralisirenden Culturkampfs ein reges religiöses Leben, nicht allein bei dem gemeinen Manne auf dem Lande, sondern auch in den vornehmsten Kreisen der Städter. Ja, gerade das gute Bei­spiel der Gebildeten und Höhergestellten wirkt da so heilsam und conservirend auf die unteren Volksclaffen, und das allein ist sagen, zu Bette. Des anderen Tages kam die Rede auf das Begräbniß. Der Striker erk!ärte, daß er von kirchlicher Beerdigung nichts wissen wolle. „Man wird es" , sagte er, „wie das Kind eines Proletariers, eines „Bürgers" auf den Kirchhof tragen, Freunde und Brüder werden ihm das Ge­leite geben."

„Und so soll es uns verlaffen?" rief Fa­raude aus.

„Nun", erklärte der Striker, seine Stimme besänftigend, „ich hindere Dich nicht, ihm zu folgen. Auch ich will ihm folgen."

Der Zug setzte sich in Bewegung. Als sie an der Kirche St. Etienne-du-Mont vor­beikamen, kam auch ein Zug aus derselben heraus, gleichfalls mit einem tobten Kinde. Der Sarg war bedeckt mit weißem Lila; eine Gruppe junger Mädchen in Muffelin gekleidet und mit Rosen bekränzt umgab den Sarg. Prie­ster in weißen Gewändern standen auf der Schwelle.

Der Striker, ungeduldig über die einge­tretene Verzögerung, wollte mit Gewalt vor­angehen, aber man nöthigte ihn zu warten, bis der andere Zug sich in Bewegung gesetzt hatte; so schloffen sie sich diesem Zuge an. Das tröstete Faraude nicht wenig; so, sagte sie sich, hat mein Kind in etwa Theil an dem Pomp, der sür dieses reiche Kind ge-