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Sonntag, den 16. Juli 1882.

Fuidner Jdlung.

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Aus dem ersten Hirtenbriefe des Erzbischofs von Freiburg.

Soeben sind zwei Hirtenbriefe vom Erz­bischof Dr. Orbin ausgegeben und an die Pfarrämter vertheilt worden, von denen der eine an den Klerus, der andere an die Ge­meinden gerichtet ist. In dem letzteren legt der Oberhirte seinen Diöcesanen zu­nächst in-kurzen Zügen die Geschichte der Besetzung des Erzstuhles vor'Augen und be- theuert sein aufrichtiges, aber erfolgloses Widerstreben, denselben zu besteigen. Doch lasten wir den hochwürdigsten Herrn selbst sprechen.

Geliebte Diöcesanen! Indem ich den Hirtenstab über die mir anvertraute theure Heerde übernehme und zum ersten Male als Oberhirte zu Euch rede, bringe ich Euch Allen in der weiten Erzdiöcese als Unter­pfand meiner Liebe herzlichen Gruß, mit dem Apostel Paulus sprechend: „Gnade Euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus" (Röm. 1, 7.)

Die Gefühle, mit welchen ich das Hirten­amt übernommen habe, — ich will es Euch nicht verbergen — sind gemischter Art. Es ist zunächst ein Gefühl der Freude, daß endlich nach einem langen Zeitraum von 14 Jahren der erzbischöfliche Stuhl wieder besetzt werden konnte gemäß den Vorschriften unserer heiligen katholischen Kirche. Ihr selbst, geliebte Diöcesanen, freuet Euch mit mir, daß zwischen der geistlichen und welt­lichen Regierung in unserm engern schönen Vaterlande der so nothwendige Friede und und das gute Einvernehmen wieder herge­stellt ist. Dieses glückliche Ereigniß, daß

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Der Weg zum Verderben.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

Concrelat nahm seine feuchten Luinpen, setzte sich auf seinen Strohsack, erwartungs­voll der Dinge harrend, die da kommen sollten.

Si-Sol inspicirte darauf Alle der Reihe nach, wobei freilich auf Reinlichkeit nicht allzu­sehr gesehen wurde. Als er an Concrelat kam, riß er ihn von seinem Lager weg, stellte ihn an's Fenster und ihn aufmerksam be­trachtend, sagte er:

„Noch nicht bleich genug! hm!"

Dann setzte er einen Topf auf den Tifch, tauchte eine Bürste hinein, und indem er mit der Linken Concrelat beim Haar nahm, machte er in einem Nu die blonden Haare desselben so schwarz, wie die seiner Leidens­gefährten schon waren.

Dann warf er dem Knaben die Kleider eines kurz vorher verstorbenen Jungen vor und schrie: Hier zieh Dich an! So muffen meine Pifferari gekleidet sein!

Concrelat begriff die Situation und zog sich mit Hilfe seines Schlafkameraden an. Si-Sol stieß einen Schrei der Ueberraschung aus.

„In sechs Wochen", grinste er, „wirst

die Heerde wieder einen Hirten erhielt, ver­danken wir vor Allem der Giiade Gottes, der die Herzen der Menschen lenkt, und auf den wir in so vielen bitteren Tagen un­ablässig gehofft haben. Ihm, dem All­gütigen wollen wir darum unseren kindlichen Dank heute darbringen.

Wir verdanken es aber auch der fried­vollen Gesinnung unseres gnädigsten Landes­fürsten, Se. Königl. Hoheit des Großherzogs. Schon am 20. September v. I., als das Land Baden mit Dank- und Bittgebeten die silberne Hochzeitsfeier des hohen Fürsten­paares beging, zu welch froher Feier ich im Namen des erzbischöflichen Domcapitels die Segenswünsche zu überbringen das Glück hatte, gab mir der gnädigste Landesfürst die huldvollste Versicherung, daß jedes Hinder­niß zur Wiederbesetzung des erzbischöflichen Stuhles, soweit dies von der Regierung Se. Königl. Hoheit abhänge, solle beseitigt werden. Und unser heiliger Vater Papst Leo XIII., der so innigen Antheil an dem Schicksal seiner Kinder nimmt, kam der allerhöchsten Zusicherung des Landesvaters bereitwilligst entgegen und ertheilte dem erz- bischöflichen Domcapitel die Vollmacht zu der ihm zustehenden Wahl.

So ist denn am 2. Mai l. I. die Wahl erfolgt und am 12. Mai vom Heiligen Vater bestätigt worden.

Alles dies Euch, liebe Diöcesanen, mit­theilen zu können, erfüllt mich mit der größ­ten Freude.

Aber in dieses Gefühl der Freude mischt sich bei mir die Empfindung tiefer Besorg- niß, wenn ich auf die Größe der Aufgabe Du ein vollkommener „Pifferaro" sein! Prächtig! Heute freilich bist Du noch nicht mager genug! Nun, marsch, ihr Uebrigen, ihr geht wie sonst, zwanzig Sous hat ein Jeder nach Hause zu bringen. Musik vor­aus !"

Die Pensionäre Si-Sol's defilirten vor ihrem schrecklichen Gebieter vorbei und der Schlafkamerad Concrelat's winkte diesem Adieu.

„Du, hierhin!" schrie Si-Sol Concrelat zu. „Du gehörst zu der Bande des „Tro- vatore."

Dann gab er ihm eine Violine in die Linke und einen Fidelbogen in die rechte Hand und ließ ihn sein Spiel beginnen. Katzengeheul ist noch liebliche Musik gegen die Töne, die Concrelat jetzt seiner Violine entlockte. Eine saftige Ohrfeige, die sein Gehör musikalisch machen sollte, entlockte ihm Thränen, ohne daß er begriff, was er denn verbrochen hatte. Nach einigen Stun­den zahlloser Stöße, Ohrfeigen und Schlä­gen konnte er einige Töne richtig spielen.

„Genug für heute", sagte Si-Sol zu dem Kinde, das jammernd und heulend auf sein Lager zukroch.

„Ich habe Hunger!" wimmerte Concrelat.

„Hunger? Du bist zu einem vollkommenen Pifferari noch nicht mager genug."

schaue, die mir mit dem Hirtenstabe zuge­fallen ist. Zwar ist das bischöfliche Amt allezeit nicht nur ein Amt der Würde, son­dern fast noch größerer Bürde; es ist ein Amt, von welchem, wie der hl. Chrysostomus sagt, die Engel zurückbeben. Ganz beson­ders groß ist aber die Anforderung, welche in jetziger Zeitlage an den Oberhirten einer großen Diöcese gestellt wird, wo es doppel­ter Umsicht beim Hirten bedarf, daß keine der ihm anvertrauten Seelen auf einen der zahlreichen Irrwege gerathe. Dazu kommt, daß ich nach 52jährigem Wirken auf der Höhe des Lebens und in einem Alter stehe, wo man berechtigten Anspruch auf Ruhe hat und nicht eine noch größere Last über­nehmen sollte.

Wie könnte ich da, meiner Unzugänglich­keit mir wohlbewußt, ohne Zagen das hohe priesterliche Amt übernehmen, mit welchem mir Hunderttausende von Erlösten Jesu Christi und Miterben des Reiches Gottes übergeben find?

Zudem trachtete ich nie nach einem so hohen und so verantwortungsvollen Amte. Wille und Neigung und der Stand meiner Gesundheit zogen mich von je zur Seelsorge in einer kleineren Gemeinde, wo ich gerne in friedlichem Wirken meiner priesterlichen Pflicht obgelegen hätte. So war mein Wille entgegen, als mich vor 33 Jahren der Hoch- selige Erzbischof Herman aus einer mir liebgewordenen Gemeinde zum Domcapilu- lar und Münsterpfarr-Rector berief. Auch jetzt, als man mir in sehr vorgerücktem Alter ein Amt von unermeßlicher Verant­wortung übertragen wollte, habe ich es

„Du wirst zu essen bekommen, wenn Deine Kameraden heimkehren, — jetzt spiele Deine Verse, das ist das Beste was Du thun kannst."

Concrelat kümmerte sich nicht um die letz­ten Worte, sondern sank vor Hunger auf das nächste Lager ,in einen Halbschlummer, aus dem er erst durch das Geräusch der heimkehrenden Pifferari erwachte.

Am Eingänge erwartete sie der schreckliche Gebieter und strich die Einnahme eines Jeden ein, wobei er je nach Verdienst Essen und Schläge austheilte.

Zwei dieser unglücklichen Kleinen hatten nur neun und einen halben Sou. Der erstere schien in sein Schicksal ergeben, der zweite stieß im Voraus ein klägliches Geschrei aus. „Es liegt nicht an mir, daß ich keine zwan­zig Sou's habe!" sagte er. „Mein Bezirk ist zu schlecht! Ich muß einen andern wählen! Wenn Ihr mich heute Abend schlagt, werde ich mich zunächst rächen!"

„Gut", versetzte Si-Sol, „ich will Dich heute nicht schlagen — aber Du gehst ohne Abendessen schlafen."

„Dann will ich lieber die Schläge," ver­setzte das Kind, indem es mit stoischer Ruhe näher trat, „aber morgen werde ich mit oder ohne Erlaubniß meinen Bezirk wechseln."

Einige Kinder brachten neben ihrer Ein-