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nd, den 15. Juli 1882.

x* Politische Streifzüge.

(Nachdruck verboten.)

Von einer tobten Saison kann in diesein Jahre ebenso wenig die Rede sein, als man bis jetzt von einem Somlner sprechen konnte. Ueberall ist's lebendig, so­wohl in der inner» Politik, als auch im Auslande, und in Egypten ist's schon so lebendig geworden, daß Manche davon tobt bleiben werden. Die Saison „morte" macht der Saison „Mord" Platz, und den Zeitungsschreibern wird es an Stoff so wenig mangeln, wie es dem naßkalten, grauen „Sommer" Himmel an Wasser mangelt. Trotz dem vielseitigen Interesse, welches die kirchenpolitische Lage in Deutsch­land bietet, möchte ich doch zunächst auf das großartige Schauspiel am Nil zu sprechen kommen, das plötzlich in ein sehr ernstes Stadium getreten und aus dein Vorspiel der diplomatischen Plänkeleien und Zänkereien in jene Action übergegangen ist, in welcher die Soldaten und Kanonen das Wort führen. Mit der egyptischen Frage ging es, wie es mit allen blutigen Völker­dramen zu gehen pflegt: zuerst flog eine Note, dann noch eine, dann kreuzten sich die Noten zwischen London, Paris, Constanti- nopel und Kairo, und nun fügten die offi- ciösen Zeitungsmenschen, welche die am grünen Tisch der Diplomaten geborenen Wünsche, Hoffnungen und Forderungen „in's Publicum" werfen müssen, die Noten zu einer Musik zusammen, deren Schlüssel Raubgier heißt, und in welcher der Donner der Geschütze, das Knattern der Gewehre und das Stöhnen und Röcheln

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Der Weg zum Verderben.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers.

(Fortsetzung.)

„Wenn Du weinst oder schreiest, so bald Du einmal in dem Hause angekommen bist, so schlage ich Dich kreuzlahm, schrie er ihm Ml"

Concrelat antwortete nichts und folgte schweigend dem Alten. Wohin mochte er ihn wohl führen? Welche neue Leiden soll­ten ihm wohl noch beoorstehen?

Das Alles fragte sich das arme Kind, indem es in dem strömenden Regen an der Seite seines neuen Herrn einherging, der es unbarmherzig mit sich fortriß. Mochte auch bisher das Leben für das Kind schreck­lich gewesen sein an der Seite eines Mannes, der es haßte, ohne daß es selbst die Ur­sache dieses Haffes begreifen konnte, so hatte es doch einige glückliche Augenblicke gehabt.

Dabei dachte das arme Kind an seine Mutter. Es schauderte zusaminen bei dem Gedanken an die brutale Gewalt, womit der Striker ihren armseligen Leib mit Füßen getreten hatte, und er sah im Geiste noch die Blutlache auf dem Boden, in welcher sie lag.

„Ob sie tobt ist?" frag sich Concrelat.

Das arme Kind zitterte in seinen von

verwundeter und sterbender Menschen sich zu einer schauerlichen Disharinonie ver­einigen. Wenn heutzutage gerüstet wird, dann wird auch geschlagen, und wenn Panzerschiffe auslaufen, umzu „demonstriren", dann nehmen sie auch gleich die Pulversäcke und Bomben mit. Die „Kriegsursache", die anfangs ganz schüchtern, unter falschem Mamen, mit allerhand Masken verdeckt und in spitzfindische Floskeln und Lappen gehüllt, auftritt, gleicht einem jener rothen Schrei­teufel aus Gummi, die man bequem in die Westentasche stecken kann; bläst man hinein, so blähen sie sich mehr und mehr zu einem dicken Balle auf, und am Ende platzt die Geschichte mit einem harten Knalle. Genau so ging's mit <der egyptischen Blase, und nun ist sie geplatzt. Die Diplomaten in London und Paris hatten so lange ge­blasen, und die schwarzen Rachen der eng­lischen und alexandrinischen Kanonen hatten sich so lang stumm gereizt, bis sie endlich ihren Mund öffneten und eiserne Ladungen ausspeien. Wenn aber die Kanonen sprechen, dann haben die Diplomaten, das Völkerrecht und die gesunde Vernunft so lange zu schweigen, bis zertrümmerte Städte und zerfetzte Menschenleiber den Muthwillen und die Raubgier abgekühlt haben. Es ist haarsträubend, wenn man bedenkt, mit welchem Frevelniuthe Kriege, das Furcht­barste, was ein Land treffen kann, in unserer von „Humanität" und „Cultur" triefenden Zeit angezettelt werden. Europäer befinden sich allerdings nicht mehr in Alexandrien; aber sind die Leute, auf welche die Engländer ihre Vollkugeln ab- Regen durchnäßten Lumpen; einer seiner Schuhe, wenn der so genannt werden konnte, blieb in einer Kothlache stecken, — er durfte sich nicht danach umsehen, er mußte weiter traben. Der Weg schien ohne Ende; ver­geblich zermarterte er sich das Gehirn mit Vermuthungen, wohin er eigentlich führe. In einer schmutzigen Gasse vor einem elen­den Hause blieb Si-Sol, so hieß der Alte, plötzlich stehen und stieß mit dem Fuße wieder eine baufällige morsche Thür, die sich seufzend von innen öffnete. Eine Person, die Concrelat im Dunkel nicht erkennen konnte, reichte schweigend einen Kerzenleuchter, mit dem der Alte in den Gang trat, deffen Wände von Nässe trieften. Dann stiegen sie eine morsche Treppe hinan und betraten eine Art Speicher, der, wie man auf den ersten Blick sah, zu einer Art Schlafsaal umgewandelt war.

An den vier Wänden dieses Bodens lag der Reihe nach eine Anzahl zerrissener Stroh­säcke herum', aus denen das wenige Stroh an allen Ecken hervorlugte. Auf jedem die­ser Strohsäcke schliefen zwei oder drei Kinder, alle gleichmäßig bleich, aber mit wunder­schönem rabenschwarzem Haar. Ueber jedem Strohsack hingen an Dlägetn alte Hosen, Guitarren und Violinen, darüber ein zer­riffener Hut mit einem Strauß verwelkter

schießen, keine Menschen? Unh wird der Krieg mit dem Bombardement auf jene Stadt seinen Abschluß finden? Schwer­lich, denn ist einmal das Schwert aus der Scheide und die Kugel aus dem Lauf, dann hält nicht mehr ruhige Erwägung, Recht und Gerechtigkeit die Wagschale, sondern Gewalt und Erbitterung, und dem ersten Treffen folgen andere, wie einer Kirsche viele Kirschen folgen, die man von einem Teller nimmt. Die Sache hatte sich in der letzten Zeit so zugespitzt, daß der Sultan gleich Herkules am Scheidewege stand; entweder mußte er, der Weisung der. Conferenz zu Folge, selbst in Egypten einrücken, ober bie Westmächte waren dazu entschlossen; Eng- land zögerte nicht lange, unb ba dem un- gebulbigen unb thatenburstigen Abmiral Seymour sämmtliche alexanbrinischen Forts nicht übergeben würben, so ließ er am Dienstag Morgen um 7 Uhr bie Kanonen- schlünbe lösen. Der blutige Tanz hat be­gonnen, unb wir stehen vor einer Reihe von Fragen unb Möglichkeiten, deren Beant­wortung und Tragweite zur Zeit sich jeder Berechnung entzieht. Frankreich stößt na­türlich auch mit in die Kriegstrompete; Italien, das bei der tunesischen Expedition den Kürzeren gezogen, wird auch nicht still schweigen, und dann stände schon die Hälfte des europäischen Concertes in voller Action. Welche Rolle spielt aber bie Türkei? Wird sie, die schon die Flottendemonstration als einen Eingriff in die Hoheitsrechte des Sul­tans bezeichnete, es stillschweigend dulden, daß fremde Staaten in Egypten eiubrechen, daß deren Kanonen dort das Wort nehmen, künstlicher Blumen; auf jedem Bett war ein großes Schafsfell ausgebreitet, das den Klei­nen über Tag als Gewand diente.

Concrelat betrachtete mit Verwunderung das Schauspiel, das sich ihm darbot: mit dem ihm eigenthümlichen frühzeitigen jugend­lichen Scharfblicke betrachtete er voller Mit­leid die jugendlichen Opfer — daß er das­selbe Schicksal theilen würde, war ihm so­fort klar.

„Geh schlafen", sagte der Vater Si-Sol barsch zu Concrelat.

Das Kind suchte furchtsamen Blickes un­ter den Insassen des Schlafsaales, welcher wohl am Besten zu ihm passen würde, und trat endlich auf einen Strohsack zu, auf welchem ein armes leidendes Wesen schlafend träumte.

Leise legte er sich auf das Lager und schlief bald fest ein.

Aber bald wurde er wieder aufgeweckt durch die Stimme Si-Sol's, der mit krei­schender Stimme alle aus den Betten her- auscommandirte.

Die Kinder rieben sich die Augen, und einige ließen noch eine Minute lang den Kopf auf das Kissen zurückfallen; aber die Furcht vor ihrem gestrengen Herrn trieb sie bald alle heraus. Dann nahm ein jedes Kind fein Instrument von dem Nagel über