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Unsere Infanterie Kaserne.*)

In der verflossenen Woche wurden die letzten Ueberreste von Militär-Utensilien in der hiesigen Infanterie-Kaserne verkauft: alte Kochgeschirre, Bekleidungsstücke, alte Möbel 2C. Den Schreiber dieses nahm es Wunder, zu sehen, wie hiesige Bürger an dieser Auction lebhaften Antheil nahmen, ohne wohl zu bedenken, daß sie dadurch der künstlich genährten Idee, Fulda eigne sich nicht für eine Garnisonstadt, neue Nahrung zuführteu.

Doch, „was geschehen ist," sagt Horaz, „läßt sich nicht ungeschehen machen." Auch ist die Sache noch nicht so schlimm; denn die Hauptsache konnut noch: der Verkauf der Kaserne selbst. Bei dieser Gelegenheit können wir Fuldaer zeigen, welche Anschau­ung wir haben von dem alten Rechte un­serer Stadt, eine Garnison zu haben, sowie von der unwahren Behauptung, Fulda eigne sich nicht dazu, eine Garnison aufzunehmen.

Denn, wenn wir auch hinter Niemanden Zurückbleiben, wo es gilt, unseren Patrio« tismus durch Thaten zu beweisen, so sind wir doch nicht verpflichtet, durch unser Zu- thun, eine uns derart berührende Sache, selbst wenn sie anscheinend für den Staat günstig ist, zu unserem Schaden zu unterstützen.

Das würde aber unseres Erachtens ge­schehen, wenn die Kaserne durch unsere Schuld in Privatbesitz übergehen sollte. Am Besten wäre es, wenn der Militärfiscus

*) Den nachfolgenden Artikel stellen wir zur öffentlichen Discussion.

Der Weg $um Verderben.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

„Ich bedauere die Leute, welche auf ihre eigene Energie bauend, glauben, sie genüge, um glücklich zu sein. Verzeihen Sie, daß ich Ihnen von mir und den Meinigen spreche — aber ich habe augenscheinlich Be­weise für die Wahrheit dessen, was ich be­haupte, vor mir. Meine Mutter heirathete meinen Vater sehr jung; sie liebten sich auf­richtig und innig, und doch hätten sie darauf verzichtet, ihr Schicksal mit einander zu ver­einigen, wenn sie in ihren religiösen Anschau­ungen nicht übereingestimmt hätten. Sie wollten nicht allein zusammen leben, sondern auch zusammen beten. Es waren zwei edle Wesen — die zur Tugend erzogen worden waren von Eltern, welche die revolutionäre Umwälzung und dann die Verbannung durch- gemacht hatten. Sie wurden erzogen in glühenden Grundsätzen des Glaubens und der Vaterlandsliebe. Mein Großvater, heran­gebildet in der harten Schule der Erfahr­ung, forderte, daß seine Söhne soweit unter­richtet würden, daß sie nichts zu fürchten brauchten, wenn das Vaterland neue Krisen Zu bestehen haben würde. Mein Vater wurde ein wissenschaftlich gebildeter Mann,

die Kaserne behalten müßte; denn so lange derselbe dieses Gebäude hat, ist er auch verpflichtet, solches zu unterhalten. Wie leicht könnte da dem Herrn Kriegsminister eine Interpellation im Land- oder Reichs­tag vorgesührt werden, die eine zweckniäßige Benutzung der Räume herbeizuführen be­stimmt^ wäre! Wie leicht könnten auch Ver­hältnisse eintreten, die den Staat nöthigten, die ihm noch zur Verfügung stehende Fuldaer Kaserne zu belegen!

Ist aber dieses Gebäude in andere Hände übergegangen, so verschwindet dasselbe für immer aus der Staatsrechnung, die Zeit läßt Gras darüber wachsen, und — die Garnison ist sür immer verloren!

Deshalb, Mitbürger, beherzigt meine Bitte! _ Wenn der Termin zum Verkaufe der Kaserne kommt, so biete Keiner von uns darauf! Der Staat, welcher uns, Gott sei Dank, das Gebäude nicht wegtragen kann, wird sich genöthigt sehen, dasselbe zu be­halten und zu verwenden!

Man glaube ja nicht, daß ein Fremder kommt und das Gebäude kaust. Sollte aber dieses doch geschehen, nun, dann ist es immer besser, wenn das Schicksal der Ka­serne durch fremdes Geld besiegelt wird, als wenn es durch hiesige Bürger geschieht!

Deutsches Reich.

* Berlin, 11. Juli. Es unterliegt schon jetzt keinem Zweifel mehr, daß Herr Commissionsrath Pindter, Chefredacteur der ,Nordd. Allg. Ztg/, mit seinem neulich losgelassenen Kampfartikel gegen die ,Ger- mania^ und das Centrum dem Fürsten und wenn ihn später Unglück getroffen, so liegt dies daran, daß die Ehre unseres Nainens uns mehr werth war, als der Glanz des Vermögens. Ich habe das Bei­spiel meines Vaters befolgt; ich verabscheue den Müßiggang; ich meine, daß ein Edel­mann an Achtung gewinnt, anstatt sich zu erniedrigen, ivenn er sich mit den Angelegen­heiten des Landes befaßt. Ich habe mich in die Advocatenliste eintragen laffen, und ich übernehme mit Vorliebe die Vertheidig- ung der Armen, welche meine hohen Collegen verschmähen. Was mir an Honorar abgeht, wird mir hinlänglich durch Dankbarkeit heim­gezahlt. In meinen Mußestunden befasse ich mich auch mit Schriftstellerei; ich würde mich sehr glücklich schätzen, mir einen Namen zu erwerben, auf den meine Mutter stolz sein würde.

In diesem Augenblick trat Honorine de Ranzval zu ihrer Freundin.

„Komm mit mir!" sagte sie.

Celia warf auf den Grafen d'Jvree einen Blick, in dem sich Aerger mit Schmerz und Erstaunen vereinigten. Als Rolland das junge Mädchen davongehen sah, murmelte er: „Wie schade!" und verließ den Ball.

V.

Die Aussätzigen des Jahrhunderts, Die Straße St. Etienne-du-Mont läuft auf

Bismarck einen schlechten Dienst erwiesen hat. Denn es ist der sehnlichste Wunsch des Reichskanzlers, durch die bevorstehenden Landtagswahlen eine sichere Mehrheit in der Volksvertretung zu finden, welche die Grundzüge seiner socialen Reformen billigt. Diese kann aber nur durch ein enges und offenes Zusammengehen der Centrums­und der conservativen Partei erzielt werden. Eine conservativ - liberale Mehr­heit, welche die socialen Reformen Bis­marcks im Wesentlichen annehme, ist unmög­lich. Nun liegt es aber auf der Hand, daß die Conservativen durch jenes Vorgehen der .Norddeutschen' abgeschreckt werden müssen, mit der Centrumspartei bei der Wahl offen und fest zusammenzustehen. Dieselben müssen sich vielmehr selbst zwischen zwei Stühle setzen. Die Haltung des Cenlrums bei den Wahlen betreffend, macht unser Berliner Correspondent folgende, wie uns dünkt, richtige Bemerkungen.

-nk- Der Entschluß der Regierung, das kirchenpolitische Gesetz vom 31. Mai d. I. vorläufig unausgeführt zu lassen, hat die Frage, wie sich die Centrumspartei bei den nächsten Landtagswahlen verhalten solle, resp. welche Bündnisse sie eingehen solle, in den Vordergrund der politischen Discus- sion gerückt. Es handelt sich hier bekannt­lich um eine Frage, mit deren Lösung es jeder Wahlkreis halten kann, wie er will; es scheinen uns aber einige allgemeine Be­merkungen dennoch am Platze zu sein. — Die Thatsache liegt vor, daß die Regierung ein von einer „clerical-conservativen" SZa« jorität angenommenes Gesetz nicht ausführt einen kleinen Platz aus, der von Häusern mit vernachläsigtem und schmutzigem Aus­sehen eingerahmt ist, in welchem Schenkwirthe, Händler mit altem Gerümpel und ähnliche Leute ihr Wesen treiben.

Diese Straße, eine der schrecklichsten von ganz Paris, die nur sehr wenig bekannt ist, macht einen außerordentlich traurigen Ein­druck. Armuth, Laster und Verbrechen ist hier zu Hause; und die Diebe finden hier vortreffliche Schlupfwinkel.

Das zweite Haus der Straße St. Etienne- du-Mont war vor einigen Jahren von einer Wäscherin bewohnt, deren Wäscherei sich mitten in einem schmutzigen Hofe befand, und deren Leinen von der Decke eines Zim­mers an losen Kordeln herab hing. Wenn man ein kleine Höhle, die den Gang vor­stellen sollte, überschritten hatte, befand man sich vor einer Treppe, die kühn bis in die dritte Etage hinaufstieg — wer aber dorthin gelangen wollte, konnte zuerst sein Testament machen, denn vermöge der vielen Löcher, die sich in den Stufen befanden, und der engen Bauart lief man alle Augenblicke Gefahr, den Hals zu brechen.

Einen dieser Verschlüge bewohnte ein Schuhmacher, der zweite war von einem jungen Mädchen bewohnt, dessen Brusthusten die Nachbarn im Schlafe störte; der dritte