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Mittwoch, den 12. Juli 1882.

Fuldaer

Zeitung

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3 f rate. Die Petitzerle oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatts

-o- Der jüdische Christenmord zu Trient im Jahre 1472 *).

Wir haben bereits erwähnt, daß der Knabe Simon, der im Jahre 1472 in . Trient von armen Eltern geboren wurde, im Jahre 1475 unter den Händen der Juden seinen Tod gefunden habe. Joseph von Görres erzählt hierüber auf Grund der Acten folgendes:

Auf den Antrieb des alten Mopses, der im Stufe stand, ein Seher zu sein und Tag und Stunde oer Ankunft des Messias zu kennen, hatten ihre Aeltesten, Tobias, Ange­lus und Samuel, in dessen Hause die Syna­goge war, beschlosien, zum Osterfeste einen Christenknaben zu opfern. Da ihre Knechte aber den angesonnenen Raub eines solchen verweigern, übernimmt ihn endlich Tobias, dessen ärztlicher Beruf die beste Gelegenheit gibt, den Auftrag auszuführen. Der Knabe wird eingebracht, eine Zeit lang in der Synagoge verborgen und am bestimmten Tage aufs Grausamste ermordet. Die Leiche wird von den Mördern einige Zeit versteckt, da die Eltern' des Kindes aller- wärts mit bewaffneter Mannschaft suchen; und endlich, da die Gefahr bei dem er­wachten Verdachte allzunahe drängt, in das nahe vorbeifließönde Wasser geworfen und der Fund dann bei der Behörde declarirt. Der Bischof ordnet die genaueste Unter­suchung ^an; der Schultheiß Johannes und der Präfect Jacob de Sporo werden als Richter bestimmt, diese berufen Archangelus Balduin von Trient, Math. Tibernius von Brescia, Ehr. de Fatis von Turlach, alle

*) Erst lesen und dann urtheilen! D. R.

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Der Weg zum Verderben.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

Als der Hochzeitszug die Schwelle des Tempels betrat, stimmte die Orgel ihre mächtigen Accorde an. Honorine stützte sich auf den Arm ihres Vaters; der Graf d'Jv- ree und Celia traten langsam in das mit Blumen geschmückte Schiff; der Altar er­glänzte in seinem Lichterglanze, und die Chorknaben ließen ihre lieblichen hellen Stimmen erschallen. Zum zweiten Male kniete Celia in einer Kirche, zum zweiten Male betete sie, ohne Gebetsformeln zu kennen. Die heilige Handlung begann. Die sichtbare Verwirrung Honorineu's, die ernste Sammlung des Mannes, welcher gelobte, sie während des ganzen Lebens zu lieben,' die bedeutungsvolle Ceremonie des Ringe- wechselns, flößten Celia sonderbare Gefühle ein — sie wußte selbst nicht recht, ob es Begeisterung oder Furcht oder Beides zu­sammen war. Bis dahin hatte sie die Ehe mehr als ein Zusannnenschmelzen des beider­seitigen Vermögens angesehen. Jetzt erschien ihr die Vereinigung dieser beiden jungen Leute, bereit zum Kampf des Lebens, in einem ganz anderen Lichte: Zum ersten Male

Aerzte und Chirurgen, um über den Befund der Leiche und ihre Wunden zu berichten, und der Bericht schärft die Verdachtgründe. Die Juden werden eingezogen, sie erwählen sich die berufensten Rechtskundigen aus der Universität Padua zu ihren Vertheidigern; ihre Aussagen widersprechen sich, die Folter erzwingt endlich das volle Geständniß, das, mit den Umständen vollkommen überein­stimmend gefunden, — indem mau z. B. auch die verborgene Flasche mit dem ausge­fangenen Blute entdeckte, — nun die ge­richtliche Verurtheilung der überwiesenen Thäter, die Vertreibung der Juden aus Trient, und die Verwandlung der Syna­goge in eine Kapelle des wunderthätigen Hingemordeten zur Folge hat. Dieses alles berichtet d.r Arzt M. Tiberius in einer authentischen Zuschrift an Senat und Bürger von Brescia. Die That war in der Nacht des 23. März geschehen, das Urtheil wurde am 21. Juli vollzogen; in der dreimonatlichen Zwischenzeit lief der Ruf durch ganz Italien. Am 22. April ließ der Doge von Venedig, P. Mocenicof das Mandat ausgehen: es sei glaublich, wie das Gerücht von einem durch die Juden ermordeten Knaben nur zu gewissen Zwecken erfunden sei, er aber wolle, daß die Juden ungenirt und sicher in seinem Lande leben sollten, er verbiete also, irgend etwas in ihren Verhältnissen zu ändern, und unter­sage den Predigern und anderen Leuten, das Volk gegen sie aufzuregen. Das war ohne Zweifel würdig, billig und verständig; als aber unterdessen der Proceß seinen ^orb gang genommen und zu dem angeführten sah sie unwillkürlich in der Ehe etwas Großes, etwas Erhabenes, etwas Heiliges.

Beim Diner führte der Zufall Rolland wieder an die Seite Celias. Der junge Mann studirte aufmerksam die junge Dame, deren Charakter er noch immer nicht begrei- fen konnte. Bald schien sie ihm zutraulich, beinahe naiv, bald ruhig und berechnend zu sein. Er fühlte sich zu ihr hingezogen — trotz ihrer abweichenden Erziehung und An­sichten. Es kam ihm vor, als ob die Vor­sehung ihm die Aufgabe zugewiesen habe, Licht in die Finsterniß hinein zu bringen, in die diese Seele eingehüllt war. Er glaubte aufrichtig, daß sie leide, was seine Sympathie für die junge Dame noch ver­größerte.

„Sie schienen heute Morgen von dem Glücke Ihrer Freundin sehr bewegt zu sein," nahm er das Wort.

„Allerdings", antwortete sie sichtlich be­wegt, „dieses Glück hat mir eine große Freude gemacht. Honorine hat eine glück­liche Ehe geschlossen".

„Jndeß war, glaube ich, ihre Mitgift ziemlich bescheiden."

„Und doch kann ich Herrn Ranzval nur glücklich preisen. Er hat mehr sein Herz als die Ziffern befragt. Ich sage nicht, daß Honorine eine gute Parthie ge-

Resultat geführt, da hatte ein zweiter Be­schluß vom 12. August desselben Jahres jenes Urtheil zurückgenommen, das Umtragen der Bilder des Märtyrers gestattet, den Predigern erlaubt, die That auf der Kanzel M verhandeln, aber auch jetzt noch ihnen untersagt, das Volk gegen die Juden auf­zuregen, weil diejenigen, welche keine Schuld hätten, auch von der Strafe nicht getroffen werden könnten.

Unter dem 24. September 1475 hatte der Magistrat von Trient einen, im Archiv noch vorfindlichen Brief über den Vorgang nach Venedig geschrieben, worin er die Sache ganz übereinstimmend mit Tiberius erzählt unb u. A. sagt: „wie die Richter, obgleich sie der Mord tief ergriffen und sie den Lug und Trug der Juden, ihre List, ihren Haß gegen die Kirche und die verführerische Macht ihres Goldes gar wohl erkannt, doch so gemäßigt, in solchem Ernst und solcher Milde mit ihnen verfahren, daß, wer die Acten durchlaufe, sie wohl eher allzugroßer Nachsicht und Mildherzigkeit, als dex Härte anklagen werde. Die Folter habe ihnen freilich zuletzt die Wahrheit abgedrungen; aber nachdem Tobias zuerst bekannt, hätten alle, wie aus einem Munde, die Sache je nach Ort, Zeit, Umständen und bei der That gegenwärtigen Personen bestätigt."

Der Magistrat von Trient fügt nun noch bei, es fei dies ja nicht der erste Fall eines Christenmordes durch Inden. Er nennt noch andere Fälle, die sich „feit Menschen­gedenken" zugetragen, und dann erzählt Görres weiter, wie die Verehrung des er< mordeten Knaben im Volke schnell zuge macht hat; von den beiden Ehegatten scheint mir Herr Ranzval der Glücklichste zu fein, er macht Diejenige reich, welcher er den Vorzug gegeben hat. Wozu sollte auch das Vermögen dienen, wenn nicht, um in ge­wissen Fällen das Gleichgewicht herzustellen? Ich schätze das Geld nur in soweit, als es dazu dient, Unrecht gut zu machen. Ver­suchen wollen, die Interessen und die Gesin­nungen in Harmonie mit einander zu setzen, scheint mir, wo es sich um eine Ehe handelt, ein schlechtes Mittel zu sein, das Glück der beiden Ehegatten zu befestigen."

„Sie sprechen wirklich ganz anders wie der größte Theil der jungen Damen."

„Das weiß ich recht gut — aber ich glaube nicht, daß mich Jemand deswegen tadelt. Ich schätze mich glücklich in dem Gedanken, daß kalte Berechnung für mich niemals die Grundlage meiner Pläne für bie Zukunft fein wirb, unb mein Vater billigt hierin meine Ansichten vollständig. Geben benn wirklich beträchtliche Einkünfte dem Menschen ein zarteres Herz, einen bester gebilbeten Geist unb größere Hingebung? Gewiß mit Nichten! Uebrigenä: was hat ein solch' enormes Vermögen zu bebeuten ? Doch nur unnütze Ausgaben, gesuchte Bebürfnisse, bie fast niemals bad Glück wirklich vergrö­ßern. Ich kenne eine große Anzahl junger