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Dienstag, den 11. Juli 1882.

Fuldaer @ Ieitung.

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e- Das piemontesische Rom, eine Gefahr für alle Staaten Europas.

Wir haben int vorigen Artikel gesehen, wie das piemontesische Nom eine Gefahr für alle Monarchien sei. Sehen wir von der monarchischen Verfassung ganz ab, so müssen wir immerhin sagen, daß alle Staaten, seien sie nun Königreiche oder Republiken, von Zeit zu Zeit genöthigt sind, mit dem Hl. Stuhle in sehr innige Beziehungen zu treten, und zwar über die delicatesten Angelegenheiten, die mit zartester Discretion behandelt werden müssen. Man hat sogar behaupten wollen, daß alle Fäden der Diplomatie in Rom zusammenlaufen, und wenigstens iin Concils-Jahre war es der Fall. Was sind Grenzstreitigkeiten, Handelsverträge, ja selbst Friedensschlüsse im Vergleiche zu den erhabenen und ewigen Anliegen der Menschheit, welche mit dem Hl. Stuhle verhandelt werden müssen! Eben jetzt stehen Rußland, Deutschland und Großbritannien in Unterhandlung mit dem Papste.

Rußland erkennt, daß die Katholikenver­folgungen im Namen des vom Nihilismus zerfressenen Schismas nicht zum Heile des ungeheueren Reiches dient, daß es also die absolutistischen Gelüste nach den unverrück­baren Normen des katholischen Kirchenrechtes regeln und beschränken muß, daß es in diesem Falle Millionen katholischer Herzen gewinnen und auch in der Achtung des Auslandes steigen werde; es kann nicht . anders, als mit dem Papste unterhandeln.

Deutschland hat seit Jahren begriffen, daß das Bleigewicht des Culturkampfs nicht

—

Der Weg zum Verderben.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers.

(Fortsetzung.)

IV.

Die Eindrücke, welche die Unterredung mit ihrer Mutter sowie der Taufact auf Celia ausgeübt hatten, waren bald ver­wischt — die Wintervergnügungen, Bälle und Concerte und andere Zerstreuungen hatten den guten Samen bald wieder ver­scheucht. Ihr Bruder Conrad, der sie bei diesen Gelegenheiten meist begleitete, hatte eine angenehme und einnehmende Physiogno­mie, dabei einen etwas ernsten Charakter, der mit feinem Alter — er hatte das zwanzigste Lebensjahr überschritten — selt­sam eontrastirte, zeigte sich allen liebens­würdig, hatte mit großem Eifer und vielem Fleiße die Laufbahn der Rechtswiffenschaft durcheilt und ivar so in allen Kreisen ein sehr gern gesehener Gast.

Unter den jungen Leuten, mit denen er anfangs mehr zufällig, dann unter dem Eindrücke gegenseitiger Freundschaft ver­kehrte, war auch Rolland d'Jvree, der trotz der Zurückweisung, welche der Banquier bei seiner Mutter erfahren hatte, für diesen eine ungeheuchelte Dankbarkeit hegte und

kann weiter geschleppt werden, wenn nicht das Reich in unheilbare Zwietracht und antisoeiale Verrohung der Gemüther ver­sinken soll. Es hat sich an den Papst wenden müssen, um den religiösen Frieden wieder anzubahnen.

Selbst das mächtige Großbritannien, deffen Scepter über 236 Millionten Menschen gebietet, kann des Hl. Stuhles nicht entrathen, weil es trotz der neuen Landbill über Irland nicht Meister wird. Es hat sich durch den Mr. Errington in stille Beziehungen zu dem Vatican gesetzt, damit der Hl. Vater an die Herzen und Gewissen der Iren rede und Mittel und Wege zur Aussöhnung Englands mit dem Schwester-Königreiche finde. Es ist ein großer Triumph des Hl. Stuhles, daß ein hochliberaler Gladstone und sein rother Unterstaatssecretär Dilke ihre Zuflucht zu ihm nehmen mußten, um im eigenen Lande eine tiefgehende Bewegung in die richtigen Bahnen zu lenken.

In eine solche Lage kann aber jeder Staat ohne Ausnahme kommen. Ist nun Rom als piemontesische Hauptstadt einem derartigen Verkehre der weiten Welt mit dem Papste förderlich ? In Ewigkeit nicht! Ein so vertraulicher Verkehr erträgt keinen Schlag­baum, am wenigsten die eines Revolutions- Königreiches wie „Italien". Ganz anders dagegen wird derselbe, wenn der Papst souveräner Landesherr, als von unberufenen Spürnasen nicht überwacht ist.

Die Stellung des Hl. Stuhles in der christlichen Völkerfamilie erfordert sodann einen unabhängigen Papst, der ohne alle diese Schuld in etwa Conrad zurückzahlen wollte.

Rolland wußte sehr gut, daß der Sohn des Banquiers seine Ueberzeugungen nicht theilte; aber er schrieb seinen stolzen Un­glauben den Verhältnissen zu, in welchen dieser ausgewachsen und erzogen worden war. Vielleicht, so schmeichelte er sich bis­weilen, konnte er ihn auch, wenn er sich an ihn anschloß, auf den richtigen Weg bringen.

Uebrigens kamen die Familien Belleforge und d'Jvree oft, ohne es gerade zu wollen, in Berührung miteinander. Indem die Gräfin mit Sorge für die Zukunft ihres Sohnes erfüllt war, und zugleich wohl ein- sah, daß er sich nicht fortwährend in dem engen Kreise ihrer Beziehungen bewegen konnte, überließ sie es Rolland, einige Sa­lons zu besuchen, in welchem wie auf einem neutralen Gebiet die dreifache Aristokratie des Namens, des Vermögens und des Ta­lentes sich einfand.

Es war auf einem Gesandtschaftsball, wo Rolland sich zum ersten Mal Fräulein Belle­forge gegenüber sah. Die Schönheit dieser jungen Dame, eine gewisse unbestimmte Traurigkeit, die rasch auf jugendliche Aus­gelassenheit zu folgen pflegt, interessirten Rolland ehe er noch ihren Namen kannte. Unbewußt sich zu der Stelle hingezogen

Parteinahme streng nach Recht und Billig­keit jede Streitfrage entscheide, der keinem einzelnen Staate zulieb aus Recht Unrecht und umgekehrt mache. Also muß er frei auch vom piemontesischen Joche fein; denn sonst würde Italien ein unberechtigtes lieber» gewicht zum Nachtheile aller anderen Staaten gewinnen. Thatsächlich aber strebt das revolutionäre Welschland nach einer solchen Abhängigkeit der päpstlichen Autorität von seinen Launen. Kann daher irgend ein Staat der Erde, und hätte er auch nur etliche tausend katholische Untertanen, einen solchen Zustand dulden? Kann er ertragen, daß das päpstliche Rom unter italienische Herrschaft gebeugt sei?

Darum hat die deutsche Reichsregierung mit vollem Rechte die päpstliche Würde für eine deutsche und einheimische Institution erklärt. Das Nämliche kann jede euro­päische Regierung bis zu jener des Sultans in Stamdul sagen. Wie kommt also die Umsturzpartei im Süden der Alpen zu der Anmaßung, das Papstthum nach ihren Wünschen ansbenten zu wollen?

Der Papst muß daher souveräner Landes­herr sein; eine so augenscheinliche politische Wahrheit/ daß bereits der erste Bonaparte gestand, der Hl. Bater müsse, um alle Be­unruhigung der Mächte fern zu halten, un­abhängiger Herr seines Staates und in Rom bleiben; denn der Papst in Wien, Paris oder Madrid würde zwischen der Macht, die ihn beherbergt, und den sämmt- lichen anderen gegenseitige Eifersucht Her­vorrufen. Diese Eifersucht ist zwar bisher gegen Piemont nicht entstanden, weil der fühlend, wo Celia nebst ihrer Mutter sich befand, erwartete er, daß einer seiner Freunde ihm die Gefälligkeit erweisen würde, ihn vorzustellen, als Conrad ihn mit sich fortzunehmen suchte. Rolland machte eine abwehrende Bewegung.

„Kennen Sie denn," frug er dabei, „diese junge weißgekleidete Dame, die rothe Aza­leen in ihren Haaren hat?"

„Sehr gut", antwortete Conrad; „finden Sie dieselbe hübsch?"

„Noch mehr als das, sie interessirt mich und ich wollte gern wissen, was in ihr vor­geht. So eben tanzte sie und schien sich sehr gut zu amüsiren. Dann wurde sie plötzlich bleich unv es schien mir, als ob sie leibe!"

„Arme Celia!" seufzte Conrad ganz leise.

„Sie nennen sie Celia."

„Es ist ja meine Schwester." „Kommen Sie, Celia wird sich freuen, Sie kennen zu lernen, ich habe ihr oft von Ihnen gesprochen!"

Der Graf d'Jvree trat auf Fräulein Belle­forge zu und nahm einen leeren Fauteuil, der in ihrer Nähe stand. Die Frau des Banquiers plauderte ohne selbstgefällige Ueberhebung, aber nicht ohne Geist. Die Richtigkeit der Ansichten, die sie über Men­schen und Dinge aussprach, frappirte Rol­land. Zwischen den Ansichten dieser Frau