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Die bäuerliche Verschuldung in Oesterreich.
Die österreichische Korrespondenz schreibt über diesen auch uns nahe berührenden Gegenstand:
Die von der Regierung auf Grund der Ausweise der Steuer- und Hypothekenbehörden vorgenommenen Erhebungen über die Belastung des ländlichen Grundvermögens in Oesterreich weisen, soweit sich die amtlichen Ausweise überblicken lassen, ein wahrhaft betrübendes Resultat auf. Das Facit dieser Ausweise ist: Der Bauernstand in Oesterreich ist furchtbar verschuldet; die Verschuldung datirt hauptsächlich erst seit dem Beginne der liberalen Aera, die die Freitheil- barkeit des Bodens brachte und nimmt von Jahr zu Jahr zu. Die Mehrbelastung des Realbesitzes in Oesterreich war im Jahre 1876 um 114 Millionen Gulden (!!), im Jahre 1877 um 38,6 und im Jahre 1878 um 49,7 Millionen gegenüber der Entlastung größer. Das gibt also innerhalb vier Jahren eine Verschuldungszunahme von 2313/10 Millionen Gulden!! Rach den Verschul- dungsresultaten der bezeichneten vier Jahre beurtheilt, dürfte sich der gegenwärtige Ge- sammtlastenstand des Grundbesitzes in Cis- leithanien auf weit über 1000 Millionen Gulden belaufen! Welche sind nun die Ursachen, die den österreichischen Grundbesitz unter eine Belastung gebracht haben, die jene in Deutschland weit überschreitet? Von gewisser Seite wird die ganze Schuld, oder doch der größte Theil derselben, auf die hohen Staats-, Landes- und Gemeindesteuern geschoben, unter welchen
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Der Weg zum Verderben.
Nach dem Französischen von I. Rüttgers.
(Fortsetzung.)
„Und dann", fügte die Frau des Ban- quiers hinzu, würdest Du Gebete hersagen müssen, die Du nicht kannst."
„Ich habe ein gutes Gedächtniß, ich würde sie bald auswendig gelernt haben."
„Ohne Zweifel — gerade wie ein Fremder, der feinen Fuß auf den Boden eines unbekannten Landes setzt, auch einige Worte behält, die er gehört, während er die Sprache des Landes nicht kennt, was er durchreist; Du würdest auch Deine Lection heriagen können, ohne zu wissen, welche Bedeutung Du den erhabenen Worten geben sollst, die über Deine Lippen kommen. Du würdest den Priester, Du würdest den Allmächtigen belügen, denn Du würdest sagen: ich glaube, ohne in Deinem Innern den Glauben zu besitzen, und Du würdest Dich als Christin bekennen, ohne es zu sein."
„Was willst Du damit sagen?" fragte Celia erstaunt.
„Du bist keine Christin!" antwortete Madame Bellesorge mit wehmüthiger Stimme.
die Realitäten-, insbesondere aber die Kleingrundbesitzer, seufzen.
Run, kein Mensch wird leugnen, daß die auf uns Allen und auf dem Realbesitze in specie lastenden Steuern recht drückend, recht hoch, ja zn hoch sind. Aber dies allein würde den Realbesitz noch immer nicht dahin gebracht haben, wo er heute ist. Dazu mußten noch Mißjahre und vor allem systematischer Wucher kommen. Namentlich der letztere muß ohne weiteres als die Hauptursache der schlimmen Umstände unseres Grundbesitzes bezeichnet werden.
Der Beginn des Nebels reicht bis in die Sechzigerjahre. Den Höhepunkt hat die wucherische Ausbeutung zu Ende der Sechziger- und in den ersten Siebzigerjahren, «Ifo in der Blüthezeit des sog. „volkswirth- schaftlichen Aufschwunges" der liberalen Aera, erreicht. Man muß es nur wissen, in welcher Weise jene unter den verschiedenen „liberalen" Regimes ins Leben gerufenen Bodencredit- und Escompte-Jnstitute mit ihrer hilfeheischenden Clientel umgegangen sind, Alles natürlich an der Hand der sehr „liberalen" Statuten. Zunächst betrug Her Zinsfuß auch für die besten Hypsthekardar- lehen 7 Procent. Dazu kamen dann allerlei Praktiken, wie Uebernabme der Darlehenssumme in Pfandbriefen zum Rominal- werthe, während diese häufig auf 94—95 Procent standen, Gebühren und Sporteln, so daß die contrahirte Schuld aus 10, ja oft genug auf 12 Procent Verzinsung zu stehen kam.
Zu diesem Allem kamen dann noch die Eintragungskosten, was Wunder also, daß „Und warum bin ich es nicht? Leonie ist es doch, und man tauft ihr Kind!" „Meine Tochter", fuhr Madame Belle- forge unter großer Anstrengung fort, „Du bist aber nicht getauft, Dein Vater trägt die Schuld — es ist traurig zu sagen, aber ich kann nicht anders. Religionssachen hält er für Kindereien, womit sich ernsthafte Leute nicht beschäftigen sollten. Er ist der Ansicht, das Gewissen sei unser bester Führer — ohne zu bedenken, daß das Gewissen irren kann, und daß man fein Gewissen erst bilden muß; und er meint, daß seine Philosophie ihn ebenso gut vor Allem bewahre, als die frommen Uebungen. Du hast ihn gewiß unzählige Male vor Dir und Conrad so sprechen hören. Was ich Dir mittheile, ist also nichts Neues, höchstens eine Bekräftigung."
„Als ich meinen Vater über die Religion sprechen und scherzen hörte, da glaubte ich ihm auf's Wort, ohne auch nur zu ahnen, daß er sich irren könne. Als er die Religion in's Lächerliche zog, hast Du übrigens niemals das Wort ergriffen, um sie zu vectheidigen. Mein Bruder hat sich die Familienmeinungen zur Richtschnur seines Lebens genommen. Ich glaubte, den meisten Frauen durch meine geistige Energie
namentlich der Bauer diese enormen Zinsen und Zinseszinsen nicht zu erschwingen vermochte. Er wurde immer ärmer, während die theueren „liberalen" Creditinstitnte von Jahr zu Jahr fettere Dividenden vertheilten. Was die Banken ä 12 Procent so gut begonnen, das vollendeten dann die kleinen Stadt- und Land-Vampyre, an welche sich Städter und Bauer in ihren kleinen Nöthen zu wenden gezwungen waren: sie brachten die Aermsten mit „Wechselchen" ä 2--4 per Monat an den Bettelstab!
Der Bauernstand leidet noch unter der Wucht der sinnlosen Wucherwirthschast der „Aufschwungs-Periode". Was nützt es, wenn der Haus- oder Realitäten-Besitzer jetzt auch billiges Geld erhält, wenn die alten unter drückenden Bedingungen contrahirten Schulden, deren Verzinsung sich auf 10, 12, ja vielleicht auf 14 Procent stellt, noch für 10, 20 und noch mehr Jahre als absolut unerschwingliche Jahres-Raten auf dem Realbesitz haften? Das Haus, die Landwirthschaft wirft im besten Falle kaum 5 Procent ab. Auf der Realität lastet aber, sagen wir nur bis zur Hälfte des Werthes, eine mit allenfalls blos 9. ober 10 Procent verzinsliche, etwa aus den sechziger und ersten siebziger Jahren herrührende Schuld. Wie soll da der Besitzer je aus der Klemme sein Auslangen finden? Mit mathematischer Genauigkeit läßt es sich fast auf ein Jahr berechnen, wann unter Fortentwicklung solcher Zustände die zweite Serie von Realitäten-Besitzern zu Bettlern gemacht sein wird, um einer dritten Serie von Opfern Platz zu machen.
Was soll nun geschehen, um all' Diesem überlegen zu fein und nun sehe ich, daß mein Unglaube mir die Thüren der Kirche verschließt. Ich kann nicht in meine Arme ein kleines unschuldiges Kind nehmen und vor Gott den Schwur leisten, es zu beschützen und zu lieben. Zwischen mir und den heiligen Gebräuchen erhebt sich eine unüberfteigliche Schranke. O Mutter! Vielleicht habt ihr in mir eine der heiligsten Quellen des Lebens gänzlich vertrocknen lassen."
Madame Bellesorge antwortete nichts; sie schien ganz niedergeschmettert zu sein von den Vorwürfen Celia's, die sie nicht im Mindesten erwartet hatte.
Das junge Mädchen aber verließ bestürzt und voller Gedanken das Boudoir und ging auf ihr Zimmer.
Auf dem Corridor begegnete sie der Annette, einer alten Magd, die ihre Mutter erzogen halte und gewlssermaßen ein Familienerbstück bildete. Sie stammte aus der Bretagne, ein Land, dessen Einwohner bekanntlich zähe an ihrer Religion sesthalten. Celia nahm also Annette bei der Hand und sagte lächelnd zu ihr:
„Dieser Tage wollte ich wohl einmal in die Kirche gehen, wolltest Du mich wohl dahin führen?"
„Gewiß", antwortete Annette mit einem gereiften Ernste, „aber wenn Ihr Herr