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xl Politische Streifzüge.

(Nachdruck verboten.)

Welche Leute es sind, die gegen unsere Kirchenfürsten hetzen und sie mit Schmutz und V erleumdungen bewerfen, hat der berüchtigte Ledo chowski-Artikel des »Berliner Tageblattes' wieder einmal klar bewiesen. Ein entsprungener österreichischer Mönch, der feine Gelübde brach, eine Jüdin „hei- rathete" und der schon in der ,Franks. Ztg.' die schmutzigsten Artikel gegen den hochseligen Cardinal Rauscher losließ, Julius Peder- zanie mit Namen, vulgo Weber, ist b§, der in Berlin „römische Briefe" schreibt und den ganzen Haß seines Herzens gegen die Fürsten der kath. Kirche verspritzt. Und von einem solchen Subjecte muß sich ein Cardinal Ledochowski besudeln lassen! Könnte der Ursprung aller Gemeinheiten in gleicher Weise ermittelt werden, wie im vorliegenden Falle, sie würden weniger aufregen und verwirren. Aber ein solcher Weber ist nur ein einzelner Arbeiter am großen Webstuhle gegen die Kirche. Ueberall wird gegen sie intriguirt, gekämpft und gehetzt; Unglaube und Haß spinnen die Fäden^und^infernalische Bosheit besorgt das Gewebe. In Rom wollen die „Antiklericalen" den 13. Juli „festlich" begehen, zur Erinnerung an die Schmach, die man vor einem Jahre der Leiche Pius IX. zufügte, und die Polizei duldet es; in Paris will man die Kirche vom hl. Herzen wieder abbrechen, die zur Sühne für die von der Commune verübten Frevel in Montmartre errichtet wurde, und wenn ein Bürgermeister ein Crucifix nieder­

reißen läßt, daß es in Stücke geht, dann findet die liberale Mehrheit der Kammer dies ganz in der Ordnung. Die Kirchen reißt man nieder, die Crucifixe werden zer­schlagen, -- und über die Trümmer der­selben wird der dröhnende Schritt der so­cialen Revolution hinweggehen. In Paris glaubt man schon das „erste Rollen des Donners" aus der Unzufriedenheit der Arbeiter-Bataillone herauszuhören; in R u ß - land hat die Revolution ihre Fühler bis in die höchsten Beamtenkreise ausgestreckt, und in Irland hat sie in der letzten Woche wieder drei neue Opfer gefordert. Erinnert die Verfolgung der Kirche bei den gegenwärtigen socialen Zuständen nicht an Tollhäusler, welche die Tragbalken ihres auf einem Vulcan errich­teten Gebäudes durchsägten? Beiden) kleinsten Funken, der geringsten Erschütterung bricht die ganze Bude zusammen, die Uebermüthigen in ihrem Sturze begrabend. Nur sie, die man vernichten wollte, die Kirche erhebt sich aus dem Chaos, groß und herrlich als Helferin und Retterin. Ein kleines Vor­spiel jener gewaltigen Katastrophe bietet der „Mstkatholicismus" in Deutschland. Erliegt in Schutt und Asche; gleich einer schillernden Seifenblase ist er geplatzt; die Hirten sind verduftet, oder haben als Selbst­mörder geendet, und der „Bifchof", die einzige Säule, „kann stürzen über Nacht." Alles, was von der Kirche sich trennt, geht jämmer­lich zu Grunde, und das hat in auffallender Weise das Häuflein von Herrn Reinkens er­fahren; der Magistrat in München hat beschlossen, die den Altkatholiken seit 1871 zur Benutzung eingeräumte Nicolaikirche zu

entziehen, und der Weltpriester Kürzinger in Linz a. D. ist zur katholischen Kirche zurück­gekehrt, — zwei harte Schläge in einer Woche für die Secte! Aber so werden sie alle ohne Ausnahme zerstieben und ver­derben, die mit trotzigem Schädel gegen Petri Fels anrennen.

Doch genug von all' diesen traurigen, unerquicklichen Sachen, mögen sie Partei­manöver, Kirchenverfolgung oder Revolution heißen. Wir sind in Preußen so weit ge­kommen, daß wir uns freuen, wenn wir den Namen Bitter hören, denn mit dem Exfinanzminister freuen wir uns, daß nun ein Anderer sich den Steuer - Reformprojecten des Kanzlers anzupassen versucht, und wir Alle gönnen ihm den Rothen Adlerorden 1. Classe mit Eichenlaub. Möchte sein Nachfolger Scholz auch dereinst laubbekränzt, aber nicht mit Tabaklaub geschmückt, auf seine Minister­jahre zurückschauen!

Aber Egypten, — wo bleibt dies? fragt der Leser. Einstweilen am Nil, wenn auch die Engländer an den Suezcanal gehen. Lieber Leser, es gibt Dinge, die recht lang­weilig sind, uub die gehören nicht in mein Repertoire; deshalb sagt ich kurz: England rüstet, Frankreich rastet und die Con- ferenz rostet. Hoffentlich verrostet die ganze Nilkomödie! Allen Sittentätern, Jntriguan- ten, Demmcianten und sonstigen schlimmen Fanten wünsche ich ein Ende wie dem Prä­sidentenmörder Guiteau, der am Freitag am Galgen baumelte.

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Der Weg zum Verderben.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

Ein Geräusch von Stimmen in dein an­stoßenden Salon entriß Madame Belleforge ihrer Träumerei. Sie nahm die Stickerei wieder auf, die auf ihren Knieen lag und mit gewaltiger Selbstbeherrschung nahm sie wieder die Miene einer sehr glücklichen Frau an.

Eine Secunde darauf traten raschen Schrittes zwei reizende junge Damen in das Gemach. Die erstere war Celia, die Tochter von Madame Belleforge, die andere Madame Leonie de Garcins, ihre beste Freundin von der Pension her, seit zwei Jahren verhei- rathet. Sie strahlte vor Freude, denn vor Kurzem hatte sie einem lieblichen Kindlein das Leben geschenkt. „

„Wie kommt es, bafh^tu Sie [)*er sieht, Leonie?" sagte die Frau«k Banquiers, in­dem - sie zärtlich die dÄe Frau^bei den Hemden nahm. „Sie Mm ein wenig, an­gegriffen aus, aber Sie strahlen vor Freude, wie befindet sich Ihr lieber GMatzl^pie geht's deiMkleinen Benjamin?"

„Meist lieber Mann liebt mich «Tage ' zärtlicher und mein Sohn blüht Wie fine Blume im Mai, wie Sie sehen, bin ich die glücklichste Frau von Paris".

„Sehr schön, sehr schön", erwiderte Ma­dame Belleforge, „Sie verdienen Ihr Glück in jeder Hinsicht. Ihre Kindheit, Ihre Ju­gend wurden so gut geleitet, daß Sie eine brave, von Allen geliebte Frau werden mußten."

„Danke sehr, Madame; Ihr Lob ver­ursacht mir große Freude und ermuthigt mich, an Sie eine Bitte zu richten."

„Eine Bitte an mich?"

„Und zwar eine sehr wichtige."

„Ich bin neugierig zu hören."

„Wie Sie wissen, bin ich Waise; mein Mann hat selbst seine Eltern verloren; an­dere Bekannte als unsere Freunde haben wir nicht und ich bin stolz darauf, Sie zu meinen besten zählen zu können. Man hat meinem Kinde, das einen Anfall von Husten hatte, die Nothtaufe gegeben, die feierliche Taufe soll erst jetzt stattfinden. Erlauben Sie, daß Celia die'Pathin meines Kleinen wird — sie ist ja meine Jugendfreundin."

Celie warf sich Leonie um den Hals.

„Welche Freude wäre das für mich," rief sie entzückt aus. „Wie gütig bist Du, daß Du an mich gedacht hast! So wird Dein Kind gewissermaßen uns Beiden gehören. Nicht wahr, liebe Mutter, Du bist ja ein­verstanden?"

Madame Belleforge erbleichte sichtlich;

ein nervöses Zittern ging durch ihre Glieder. Es kostete ihr offenbar große Ueberwindung das zu sagen, was sie sagen wollte; sie that es mit zögernder Stimme und ohne ihre Tochter noch die junge Mutter anzublicken, sagte sie in schmerzlichem Tone:

„In Deinem Alter übernimmt man ge­wöhnlich nicht so große Verantwortlichkeiten. So sehr mich auch die Bitte der Madame Garcins gerührt hat, ich kann ihr unmög­lich gewähren, um roa§ sie mich bittet."

„Wie Madame!" rief Leonie aus, „wie können Sie mir diese Gefälligkeit abschlagen? Vor einem Augenblicke befeuerten Sie noch, Sie liebten und schätzten mich und bei der ersten Bitte, die ich an Sie richte, setzen Sie mir eine formelle und eisige Weigerung entgegen. Celia als Pathin hätte gewiß unsere beiden Familien enger miteinander verknüpft. Warum wollen Sie gerade alte Leute zu diesem Zwecke wählen, die keine Zeit und vielleicht auch keine Lust haben, ihre Pflichten zu erfüllen? Diejenigen, welche die geistige Vaterschaft und Mutterschaft des Kindes übernehmen sollen, müssen meiner Ansicht nach jung, thatkräftig und energisch sein. Celia ist achtzehn, ich zwanzig Jahre alt, das genügt vollkommen. Ziehen Sie Ihre Weigerung zurück, ich bitte und be­schwöre Sie."