M 152. Donnerstag, den 6. Juli 1882.
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e. Das piemontesische Rom eine Drohung gegen alle Monarchien.
In früheren Artikeln wurde gezeigt, welche Gefahren aus der widerrechtlichen Besetzung und Beherrfchung Roms Italien selbst drohen; aber wir müssen unseren Gesichtskreis erweitern, denn an der „Hauptstadt Rom" ist Europa, ja die ganze Welt be- theiligt, soweit es katholische Christen gibt. Wir eröffnen daher eine neue Serie von Artikeln und zeigen für heute, wie das piemontesische Rom eine Drohung gegen alle Monarchien sei.
Wir sind weit entfernt von deut Wahne, daß das Königthum die einzige Regierungsform wohlgeordneter Staaten, oder daß es der Kirche zur Blüthe des christlichen Lebens nothwendig sei; wohl aber sagen wir, daß es in solchen Staaten, die eine monarchische Verfassung haben, die einzig rechtmäßige Staatsform sei.
Noch ist unser Erdtheil größtentheils monarchisch; aber angesichts der starken republicanischen Strömung, die sich aus Nordamerika nach der alten Welt ergießt, angesichts unserer radikalen Parteien und der Weltverschwörung, die von den „Vereinigten Staaten Europas" träumt, sind alle rechtmäßigen Monarchien solidarisch verpflichtet, für ihr Recht einzustehen, keinen Herrscher entthronen zu laffen und dem republicanischen Geiste kräftig zu widerstehen.
Was ist aber seit 1859 in Italien geschehen? Dort ist die ehrwürdigste, älteste und rechtniäßigste Monarchie einzig durch das vorgebliche Recht der Revolution gestürzt worden, und die Erklärung Roms
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Der Weg zum Verderben.
Nach dem Französischen von I. Rüttgers.
(Fortsetzung.)
Belleforge mußte ohne Zweifel schon lange wiffen, daß der Mann, dem er sich gegenüber befand, sich so leicht nicht abweisen lassen würde, und daß es ihn, nicht gelingen würde, seine Festigkeit zu erschüttern. Er riß daher heftig an der Klingel, und sobald die Thür sich in den Angeln drehte, gab er dem Blousenmann ein Zeichen, ihni zu folgen.
Beide überschritten die Thürschwelle; der Banquier fand im Vorziminer einen Lakaien, der auf seine Rückkunft gewartet hatte. Ohne ihm wettere Befehle zu ertheilen, lenkte er seine Schritte auf ein Zimmer zu, das neben seinem Arbeitscabinet lag. Ein großes Feuer brannte auf beut Heerde und zwei große Lampen beleuchteten ein elegant ausgestattetes Gentach. Der Arbeiter warf einen giftigen Blick auf die herrlichen Velours- Möbel und die kostbaren Nippsachen, von denen eine einzige wahrscheinlich den Werth seines ganzen Mobilars überstieg, und während Belleforge in einem Stuhle am Kamine Platz nahm, blieb sein sonderbarer Besucher dastehen, indem er sich nachlässig an die Marmorplatte des Kamins anlehnte — wie
zur italienischen Hauptstadt hat das unheilvolle Werk gekrönt. Wenn nun ein solcher Thron ohne Weiteres gestürzt werden dürfte, - welcher Thron stünde dann überhaupt noch fest?
Ja die Geheimbündler haben es feierlich erklärt, daß sie aus Haß gegen das Königthum überhaupt die Gewaltthat an Rom verübt haben. Der Pariser ,(Siecte' hat es wenige Monate nach dem Sturze der ewigen Stadt ausgeschwatzt in folgenden Sätzen: „Weil in einer nahen oder fernen Zukunft alle Throne stürzen müssen, so muß in der providentiellen Ordnung, wie unsere Gegner sagen würden, zuerst die Stütze für die übrigen Throne verschwinden. Darum bringt die italienische Regierung den Hl. Stuhl zum Fall, auf welchem die übrigen Throne ausgerichtet sind; darum laffen ihn alle europäischen Monarchien niederstürzen. Die Bischöfe und Gläubigen haben gut petitioniren und entweder einen Krieg mit Italien oder ein herzliches Einverständniß unter den sog. katholischen Mächten verlangen. Sie sind eine Stimme des Rufenden in der Wüste, weil das Gesetz und die Propheten in Erfüllung gehen müssen. Am Tage, als Jsaias vorhersagte, daß die Lanzenspitzen sich in Pflugscharen ändern werden, hat er das Ende der Monarchien geweissagt. Und wie sollten denn die Monarchien untergehen, wenn sie klug wären und die Zukunft berechneten? Wenn sie, um das Unmögliche anzubahnen, sich verbündeten, um Petri zeitliche Herrschaft aufrecht zu halten? Dieser Thron muß also unwiderruflich fallen, damit um die ein Richter stand er davor Belleforge, der lange Zeit im Stillschweigen verharrte.
Endlich nahm er das Wort.
„Was forderst Du also noch weiter von mir?" fragte Belleforge barsch.
„Geld", antwortete kurz der nächtliche Befucher.
„Vor sechs Monaten habe ich Dir welches gegeben."
„Wahr, aber in einer Zeit von sechs Monaten vergehen viele Tage."
„Du wolltest", erwiderte der Banquier in demselben harten und scharfen Tone, „vor sechs Monaten eine Schreinerwerkstätte eta- bliren; ich habe die Kosten für diese Einrichtung hergegeben. Du mußt Dich jetzt zufrieden stellen.
„Mit diesem Etablissement hat's nicht gegangen, wir haben sehr oft unfreiwillig feiern müssen. Die Geschäfte und der Handel gingen schlecht, die Concurrenz vernichtet uns, da wir ja nur kleine Handwerker sind. Endlich habe ich die ganze Geschichte an einen Anderen übertragen, eine kleine Summe blieb mir noch übrig."
„Und was hast Du mit diesem Gelde angefangen?"
„Wir titußten leben", antwortete der Blousenmann, „und bis zum letzten Centitne haben wir es aufgebraucht."
Reihe alle anderen fallen können, damit das System der Vereinigten Freistaaten Europas unter republicanifcher Fahne dem alten und abgelebten monarchischen Systeme folgen könne."
Die Verschwörung hat den Papstkönig entthront, damit sie desto leichter die übrigen Throne stürzen könne, und weil der'päpstliche Thron die Stütze aller übrigen ist. Schon Herder schrieb in seinen „Ideen zur Geschichte der Menschheit" : Wenn alle christlichen Kaiser-, Königs-, Fürsten- und Ritterstämme ihre Verdienste vorzeigen wollten, durch welche sie ehemals zur Herrschaft der Völker gelangten, so darf der Dreigekrönte in Rom, auf den Schultern unkriegerischer Priester getragen, sie alle mit dem heiligen Kreuze segnen und sagen: „Ohne mich wäret ihr nicht geworden, was ihr seid." Ja, im Interesse der europäischen Monarchien wäre es zu wünschen, daß alle Fürsten sich zur Wiederherstellung des päpstlichen Staates verbündeten, und daß sie die weltliche Souveränetät des obersten Priesters unter europäische Garantie stellten, um die welschen Raub- und Revolutionsgelüste end- giltig zu züchtigen. Nur in diesem Sinne können wir die zu Berlin ausgesprochene „europäische Verantwortlichkeit" hinnehmen: daß der Erdtheil dem Papste für die Erhaltung des Kirchenstaates verantwortlich sei, nicht aber, daß er Rechenschaft vom Papste fordern dürfte, denn der Heilige Vater beschädigt Nieinanden, sondern schützt alle.
Zur Beraubung tritt die Verhöhnung des Papstes durch den Radicalismus der Halb-
„Du bist ein Faullenzer und ein Verschwender!" schrie Belleforge zornig; „Du verdienst weder Hilfe noch Mitleid, Deine Freunde haben Dich richtig beurtheilt, als sie Dich den „Striker" nannten."
Der Blousenmann hob stolz den Kopf in die Höhe, und den Banquier festen Blickes ansehend, sagte er:
„Ein Faullenzer soll ich sein — möglich! Ein Verschwender — will ich auch nicht leugnen! Aber ich habe hierfür die Entschuldigung, daß ich während meines Lebens nur schlechte Beispiele vor Augen gehabt habe."
„Ich habe Dir mitgetheilt, daß Du auf mich nicht mehr rechnen könntest, daß alle unsere Beziehungen", sagte Belleforge mit unterdrückter Stimme, „abgebrochen seien."
„Gewiß komme ich auch nicht als Freund", erwiderte bitter der Arbeiter.
„Etwa also als Feind?"
„Noch nicht, sondern einfach als Gläubiger."
Belleforge schäumte auf seinem Sessel vor Wuth und starrte den Mann an, der so zu ihm zu reden wagte. Dieser aber senkte die Augen nicht im Geringsten, das Erstaunen und die Wuth des Banquiers vermochten nicht, ihn aus der Fassung zu bringen, sondern ließen ihn kalt und ruhig. Man hätte Beide zwei Kämpser nennen können,