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Mittwoch, den 5. Juli 1882.
Fuldaer SB Ieitung.
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* Der Islamismus.
Die Ereignisse in Egypten sind nur die ^Erscheinungen der großen und tiefgehenden Bewegung, welche die „rechtgläubige" muha- medanische Welt von den Ufern des Ganges und Indus bis zu den Gestaden der Hesperiden und den Triften des AtlaS ergriffen hat. Der Islamismus erhebt sein Haupt zürnend und drohend. Schon schien seine Herrschaft auf den drei Kontinenten der alten Welt gänzlich zu verfallen. Die Russen hatten ihre Vorposten bis Stambul vorgeschoben, in Asien rückte die Armee des Czaren mit jeden: Jahre weiter nach Indien vor und in diesem Lande selbst nennt sich die Königin von England die Beherrscherin von vierzig Millionen Muhamedanern. In Afrika war Algier unter die Botmäßigkeit Frankreichs gekommen, Tunis theilte im vorigen Jahre das Loos Algiers, und Tripolis wurde als Abfindungsobject für Italien in Aussicht genommen, während in Marokko spanische und französische Gelüste sich bemerkbar machten. In Egypten hatten sich seit Decennien die Engländer eingenistet, mit denen die eifersüchtigen Franzosen in der Auswucherung des Landes wetteiferten. Gambetta faßte endlich den Plan, Egypten an Frankreich zu bringen, und mit dessen Besitznahme die Kette der Eroberungen zu schließen, durch welche ganz Nordafrika zu einem muhamedanischen Reich unter französischer Dictatur vereinigt werden sollti. Gambetta hat den Gedanken der Weltherrschaft, der sich an den Besitz Egyptens knüpft wieder aufgenommen. Egypten ist der Canal zwischen Europa und
Indien, die Brücke zwischen Afrika und Asien, das Bollwerk, von welchem aus schon mehrmals das Mittelmeer, die Welt und der Welthandel beherrscht wurde. Alexander der Große begründete sein Weltreich mit der Besetzung Egyptens. Julius Cäsar legte auf die Angliederung Egyptens an das Römerreich den größten Werth. Kaiser Augustus eilte nach der Entscheidungsschlacht bei Actium nach dem Nil, um mit der Occupation des Landes seinen Thron zu sichern. Mit dein Einzug Amrus int Jahre 738 begann die eigentliche welthistorische Mission des Islam.
Der Consul Napoleon Bonaparte nahm den Plan Alexanders wieder auf. Wie dieser von Egypten aus den größten See- und Handelsstaat Karthago vernichten wollte, so suchte Bonaparte durch die Eroberung Egyptens der englischen Handelssuprematie und Seeherrschaft den Todesstoß zu geben. Der Versuch nsißlang, doch Napoleon Hl. bestrebte sich abermals, in Egypten festen Fuß zu faffen, und auf friedlichem Wege sein. Ziel zu fördern. Zu diesem Zwecke förderte er den Durchstich des Suezcanals, von dem später die Engländer den größten Nutzen zogen. Französisches Capital ging massenhaft nach Egypten, das Land gerietst in europäische Schuldknechtschaft. Das Volk murrte, die Unzufriedenheit wuchs und der Khedive Ismael theilte das Loos seines Protectors, des Kaisers Napoleon. Der neue Khedive Tewfik inachte sich die Lehre zu Nutzen, aber nur so. daß er der französischen Obervormundschaft sich entzog und der englischen anheim fiel. Auch
ihm wird das gleiche oder ein noch schlimmeres Schicksal wie seinem Vorgänger nicht erspart bleiben. Das Volk steht auf, der ©turnt bricht los. Die vor Anker liegenden Kriegsschiffe werden der Bewegung keinen Einhalt thun. Die Westmächte drohen zwar mit Soldaten und Kanonen, die Nationalpartei und bereit Führer, Arabi Pascha, lassen sich aber nicht ins Bockshorn jagen. Der ganze Islamismus steht hinter ihnen.
Deutsches Reich.
* Berlin, 3. Juli. Der heutige ,Staats- Anz.' veröffentlicht: Der König hat dem seitherigen Finanzininister Bitter, unter Belassung des Titels und Ranges eines Staats-Ministers, die nachgesuchte Dienstentlassung ertheilt und den Staatssecretär des Reichsschatz-Amts, Wirklichen Geheimen Rath Scholz zum Staats- und Finanzininister ernannt.
— Dem Staats-Minister Bitter ist der Rothe Adler-Orden 1. Cl. mit Eichenlaub verliehen worden.
— Zur Ausführung der Bestiminungen im Artikel 3 Absatz 1 des kirch en- politischen Gesetzes vom 31. Mai 1882 hat der Minister der geistlichen Angelegenheiten an die betheiligten Provincial- behörden die nachstehenden Verfügungen erlassen :
Berlin, den 29. Juni 1882.
Das Gesetz vom 31. Mai 1882, betr. Abänderungen der kirchenpolitischen Gesetze (G.-S. S. 307), bestimmt im Artikel 3 Absatz 1, daß von Ablegung der im §. 4
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Der Weg zum Verderben.
Nach dem Französischen von I. Rüttgers.
(Fortsetzung.)
Ein verlegenes Stillschweigen trat ein. Blondel, welcher ans das heikle Thema dieser Unterhaltung aufmerksam geworden, versuchte sie auf ein weniger gefährliches Terrain hinüberzuspielen, aber es gelang ihm nicht — sie blieb während des ganzen Abends gezwungen und schleppend. Madame d'Jvree schien beschäftigt zu sein — Her- mingardis duldete still, das konnte man ihr ansehen, und der Abbs Hautmonstier wechselte nur hie und da ein Wort mit seinem Neffen. Belleforge machte einen Versuch, dieses Eis zu brechen; lang und breit sprach er ganz allein über Politik, über Moral, über Börse und Theater. Um den ungünstigen Eindruck möglichst zu verwischen, den er so eben durch die Entwickelung feiner religiösen Ansichten hervorgebracht hatte, heuchelte er eine künstliche Heiterkeit, die nur Blondel für ungekünstelt hielt. Endlich schickte sich die Gesellschaft an, den Kaffee einzunehmen. Während die Gräfin d'Jvree den Canonicus bediente, sagte der Banquier zum Notar:
„Ich will die Dummheit wieder gut zu machen suchen, die ich eben gemacht habe,
seien Sie nur unbesorgt, Sie werden mit mir zufrieden sein."
Dann näherte sich Belleforge der Gräfin, welche ihren Platz an der Kaminecke wieder eingenommen hatte, und indem er ein mit Papieren gespicktes Portefeuille aus seiner Tasche zog, sagte er zu ihr:
„Wenn es Ihnen, Madame, vielleicht gefallen sollte, das kleine Geschäft abzuschließen, das mir heute Abend die Ehre verschafft hat, Ihnen vorgestellt zu werden ... Ich stelle 100,000 Francs zu Ihrer Verfügung — Sie haben weiter nichts zu thun, als diese Empfangsbescheinigung zu unterzeichnen."
Die Gräfin wurde ein wenig bleich, aber festen Tones antwortete sie:
„Ich wüßte nicht, mein Herr, daß wir irgend ein Geschäft mit einander abzumachen hätten; Ihre Ansichten und die meinigen gehen zu weit auseinander, als daß wir je einig werden könnten."
„Aber, Madame, diese Weigerung ruinirt Sie, sie betrübt, sie verletzt mich."
„Was den Ruin unseres Hauses anlangt," meinte die Gräfin kalt, „so bin ich darüber nur meinem Sohne Rechenschaft schuldig; aber was Verbindungen betrifft, in die ich ihn hineinbringen soll, und die leicht feine Ansichten und feine Führung beeinflussen
könnten, so bin ich meinem Gewissen Rechenschaft schuldig. Die Zukunft wird zeigen, wer von uns Beiden'Recht hat hinsichtlich der Grundsätze, die wir unserer Familie einprägen."
Rolland trat auf sie zu und fügte bei:
„Nichtsdestoweniger find wir Ihnen fehr verbunden für Ihr großmüthiges Anerbieten."
Belleforge stand wie betäubt und niedergeschmettert da. Einen Augenblick schien er zu überlegen, ob er noch einen weiteren Versuch machen solle oder nicht. Jndeß grüßte er nach einigen Secunden höflich und den Notar nach sich ziehend, verließ er eiligst den Salon.
„Brav gehandelt, meine liebe Catharine," sagte der Canonicus, „und auch brav von Dir", beglückwünschte er feinen Neffen; „besser ist es, daß das Haus zusammenstürzt, als daß es ein schlechtes Fundament erhält."
Mochte auch das Gewissen der Madame d'Jvree das Zeugniß geben, daß sie gut gehandelt hatte, so blieb doch das Herz der Mutter nicht weniger schmerzlich von diesen Vorfällen bewegt.
„Ich habe meinen Sohn ruinirt!" wiederholte die Gräfin ein über das andere Mal. »Jetzt weiß Gott allein, was noch aus ihm werden wird."