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Sonntag, den 2. Juli 1882.

Fuldaer

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Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Tonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda in der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Nbonnementspreis beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda 1 Mark und 60 Pfg.» mit Bringerlohn 1 M. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfg.. ins Haus gebracht 1 M. 90 Pfg. Mit den »Jllustrirten Sonntagsblättern' kostet dieFuld. Ztg- vierteljährlich in Fulda M. 1.90; auswärts am Postschalter M. 1.75; in's Haus gebracht M. 2.15. Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

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Politische Streiszüge.

(Nachdruck verboten.)

Sie koinmen! Sie kommen! — Wer denn? Die Bischöfe aus der Verbannung? — Nein, die Seeschlangen der Presse, schillernd in allen Farben, ohne Eingangszoll entrichtet zu haben. Sie bauen bei Hildesheim eine „Villa Windthorst" im großartigsten 1 Maßstabe, und lassen die Perle von Mep­pen in der katholischen Kirche zu Forst in der Lausitz eine Festtagspredigt halten!! So lange die Schlangen solch' ungefährliche, scherzhafte Eier legen, kann man sie sich als Nachtisch auf dem politisch dürren Sommer­tische gefallen lassen; anders gestaltet sich aber die Sache, wenn sie Gift und Galle speien gegen einen hochachtbaren Kirchen­fürsten, wie dies jüngst bei der Ledo- chowsky-Hetze geschehen: da wird es Pflicht, den Schlangen auf den Schwanz zu treten und ihnen die Giftzähne auszubrechen. Es ist eine wahre Schmach, wie die liberalen und in erster Linie die jüdischen Blätter diesen Cardinal, der für seine Ueberzeugung, !. für ein hohes Princip gelitten Ilnd gestrit­ten, verunglimpfen und besudeln; Giftmör­der, Dieb, Eidbrecher, Abenteurer, kurz ein vollendeter Schuft soll dieser Mann fein, dem die sauberen Verläumder nicht die Schuhriemen auflösen dürfen. Und warum diese auf Lügen und Niederträchtigkeiten aufgebaute Hetze? Damit der Erzbischof von Gnesen-Posen nur ja nicht zurückbe­rufen werden möge. Dem jüdischen ber­liner Tageblatt', das bei der Hetze den Vogel abschoß, empfehle ich zu eingehender Behandlung den großen Proceß, der sich in

Frankfurt a. M. gegen den Juden Albert Sachs abspielte; da findet es ein Muster- Exemplar von Betrügerei und Gaunerei; da braucht es nicht zu lügen und zu erdich­ten, sondern kann haarsträubende Thatsachen berichten und hinzufügen, daß der Gerichts­hof dem Schwindel-Banquier 12 Jahre Zuchthaus und zehnjährigen Ehrverlust zu­erkannte. Auch die Abschlachtung des Christen­mädchens in Ungarn hat sich keineswegs als Märchen herausgestellt, — aber von solchen Sachen schweigt die jüdische Presse hübsch still. Warum sollte sie auch Bedenken tragen, einen deutschen Bischof zu verhöhnen und zu beleidigen, fällt doch die ungläubige Presse in Rom und anderweits auch über den Papst in einer Weise her, daß mit dem tiefsten Unwillen in der ganzen kath. Welt die Ueberzeugung sich paart: so kann und darf es nicht weiter gehen! Wenn am Nil die Lage der Europäer eine scheinbar bedenkliche wird, oder wenn man für die Papiere der Börsenkönige fürchtet, dann schickt man, die blutigsten Verwicklungen nicht scheuend, Kriegsschiffe dorthin ab; wenn aber das'Leben des hl. Vaters bedroht ist, wenn seine Lage sich tagtäglich verschlimmert, wenn die kirchenfeindliche Presse unausgesetzt den Haß des Pöbels gegen den Stellver­treter Christi schürt und zur Wuth ent­flammt, dann rührt sich kein Finger, dem Bedrohten Hilfe zu bringen. Auch die Papst­hetze wird hauptsächlich von Leuten betrie­ben, die sobald einem von „unsere Leut" ein Haar gekrümmt wird, Mord und Zeter schreien. Sie brauchen sich ja auch Nichts gefallen zu lassen, sind sie doch die Herren

der Welt! Sie beherrschen den Geldmarkt, die Börse, die Politik; kaum erklärte der mächtige „israelitische Weltbund" Ruß­land in Bann und Acht, da erließ der neue Minister Tolstoi sofort ein Circular zu Gunsten der Juden. Was will man mehr?

Und mit der radiealen, liberalen Presse, der Reformjuden, deren Zweck die Nieder- tretung des Christenthums und die Besude­lung der Diener der Kirche ist, geht die Maulwurfsarbeit mancher gesetzgebender Kör­per Hand in Hand. Blicken wir nach Paris; dort hat die französische Deputirtenkam- mer das Ehescheidungsgesetz angenommen, welches die heiligsten Familienbande lockern muß, und den religiösen Eid hat sie beseitigt. Der Franzose schwört nicht mehr „vor Gott," sondern nur noch „bei seiner Ehre und seinem Gewissen." Was ist das Gewissen bei Men­schen, die an keinen Gott glauben? Eine Phrase! Ja, sogar die religiösen Bilder, die Crucifixe, sollen aus den Gerichtssälen Frankreichs entfernt werden! Kein Wunder, daß diese gottleugnende Strömung auch die Köpfe der französischen Lehrer herumwirbelt. In ihrem vfficiellen Journal nennen sie sich selbst das „Licht" und die Pfarrer die „Lichtlöscher" der Dörfer; sie wollen die „Erleuchtung", die Priester die „Versinster- ung"; die Bibel ist in ihren Augen ein widersinniges und lasterhaftes Buch, der Glaube an die heil. Dreifaltigkeit ein ver­altetes Vorurtheil, die Androhung ewiger Höllenstrafen eitele Windbeutelei und das Versprechen himmlischer Freuden falsche Zu kunftsmusik! Und solche Leute ziehen die Jugend heran! Aber Frankreich ist nicht

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Der Weg zum Verderben.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers.

(Fortsetzung.)

Diese plötzliche Veränderung konnte man sich leicht durch die Physiognomie des Herrn Blondel erklären. Er mar ein kleiner runder Mann, kurz gebaut, mit lächelnder Miene und srischem rosigem Gesicht unter weißem Haar. Alles strahlte an ihm, seine runzel­lose Stirn, sein frei gezeichneter Mund mit den ein wenig dicken Lippen und nicht minder feine grauen Augen, aus denen unschuldige Schelmerei blitzte. Frisch rasirt, das Kinn in eine untadelige weiße Halsbinde gehüllt, behandschuht, geschniegelt und gestriegelt von Kopf bis zu Füßen, schien Alles an ihm fröhliche Laune zu athmen, so daß sich Jeder so zu sagen von selbst bei seinem Anblicke zu ihm hingezogen fühlte.

Herr Blondel, Inhaber einer der einträg­lichsten Notariatsstuben von Paris, be­sorgte seit vierzig Jahren die Geschäfte der Familie d'Jvree, und wenn sie in einem so ungünstigen Zustande sich befanden, so lag es sicher nicht an ihm. Offenbar befand sich der würdige Notar an jenem Abende in einer fröhlicheren Stimmung als gewöhn­lich, denn er zeigte eine größere Lehaftigkeit,

und in seiner ganzen Haltung gab sich etwas Trumphirendes kund.

Er nahm den Seffel, den der Bediente ihm hinschob, und sich gegen Madame d'Jv­ree verneigend, sagte er:

„Endlich habe ich meinen Mann gefunden!"

„Welchen Mann?" fragte die Gräfin sanft.

„Denjenigen, welcher Sie aus aller Ver­legenheit herausreißen, Ihre Lage auf ehren­volle Weise verbeffern und Ihnen die Mög­lichkeit geben kann, das kleine Schloß in der Auvergne vortheilhaft den Korkhändlern zu verkaufen, die darauf speeuliren!"

„Wirklich ein Wunder!" meinte der Abb«.

„Durchaus nicht", versetzte lächelnd der Notar. „Freilich hat es schwer gehalten, diese Gelegenheit zu erwischen."

„Ein wahres Glück!" rief Madame d'Jvree aus.

„Wie können Sie solches sagen, nachdem Sie mehr als eine Million für den Bruder Ihres Gatten geopfert haben!"

„Freilich", fagte Madame d'Jvree, „wir hatten das Recht, uns in Armuth, aber nicht in Schande zu stürzen. Aber lassen Sie einmal hören, mein lieber Herr Blondel, wo sie denn eigentlich diesen Phönix unter den Capitalisten gefunden haben, den wir so lange vergebens gesucht?"

„Auf einem Balle .... Aber Sie wissen ja, da wie auch sonst bleiben Geschäftsleute Geschäftsleute; die Ziffernkrankheit geht bei ihnen schließlich in's Blut über. Es würde zu weit führen und auch ganz unnütz sein, Ihnen über eine Unterredung zu berichten, deren Endresultat allein für Sie von Inte­resse fein kann. Die Hypotheken des Schloffes von Vanbec werden gelöscht werden, das Pachtgut entlastet, und dem Banquier, wel­cher diese Operation übernimmt, werden Sie nur vier Proeent zu zahlen haben."

„Und er heißt?" fragte die Gräfin neu­gierig.

„Belleforge. Er ist ein wackerer Mann, zwar mit etwas roher Schale, aber von fleckenlosem Rufe in Geldangelegenheiten — ein geachteter Familienvater und sein Name hat an der Börse einen guten Klang."

„Und ein Mann, der so durch und durch Banquier, Börsenspeculant und Millionär ist, versteht sich dazu, uns einige fünfzig Tausend Francs zu vier Procent zu leihen?"

„Ganz gewiß. Er stellt nur eine Be­dingung."

„Da haben wir's," sagte Bladame d'Jvree, „ich dachte wohl, daß noch zu guter Letzt, eine Bedingung nachhinken würde."

„Mein Gott, Madame, Sie können sie gar nicht errathen, wenn Sie eine solche