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Sonnabend, den 24. Juni 1882.
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V.V;
Die ,Fuldaer Bettung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Borausbezahlung zu Fulda in der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich Brmgerlohn tn Fulda 1 Mark und 60 Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pfz., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfg.. inS Haus gebracht 1 M. SO Pfg. Die ,illustrirten Sonntagsblärter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 25 Pfg., tn s Haus gebracht 40 Pfg. Inserate: Die Petit,eile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.
Einladung jum Abonnement auf das 3. Quartal 1882.
Wir Bitten unsere verehrt. Abonnenten, das Abonnement bei den Postanstalten "der Land- post-Bote» rechtzeitig erneuern zu wollen, damit die Zusendung keine unliebsame Unterbrechung erleidet. Bei Bestellungen, welche erst nach i>cm 27. d. M. aufgegeben werden, erhebt die Post ein Strafporto von 10 Pfg.
Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen, und kann vom 1. Juli, ab durch alle Postanstalten wie folgt bezogen werden:
a) ,Fuldaer Zeitung' mit der jeder Samstags-Nummer beigefügten ,Wochcnbei- lagc' (kirchlichen und religiösen Inhaltes). Preis: 1 Mark 50 Pfg. vierteljährlich (ohne Bestellgeld).
(Nr. 1741 der Zeitungspreisliste.)
b) ,Fuldaer Zeitung'wie vorhin mit,Wo ch en- bei läge' und mit den ,Jllustrirten Sonntagsblätter' (Redacteur W. Koch); letztere enthalten spannende, im ,kath. Geiste geschriebene Originalromane, Novellen, Erzählungen und schöne Illustrationen. Preis: 1 Mark 75 Pfg. vierteljährlich.
(Nr. 1741a X der Zeitungspreisliste.)
In der Stadt Fulda kostet die ,Fuld. Ztg. frei ins Haus gebracht 1 Mk. 70 Pfg., mit ,Jllustr. Sonntagsbl/ 1 Mk. 90 Pfg.
& Politische Streifzüge.
(Nachdruck verboten.)
Springen wir ohne Uebergang in die Monopoldebatte hinein, die, soviel auch darüber schon gesagt und geschrieben worden, zu den interessantesten gehört, die das Jahr 1882 bis jetzt in Deutschland aufzuweisen hatte. Ich kann freilich alle Einzelheiten nicht berühren, erachte es auch nicht für nöthig, aber verschiedene lehrreiche Momente
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Peter, Ver Schmied.
Eine Bürgerwehrgeschichte.
(Schluß.)
Gertrud weigert, wehrt sich, eine Art Selbstgefühl ist in ihr rege geworden, das in gutinüthigen Naturen zwar tief verborgen liegt, aber einmal angeregt, tief und nachhaltig sich geltend macht. Je inehr das arme Weib sich wehrt, um so lauter schreit Peter, der endlich in aufgeregtem Zorn mit Stößen und Schlägen droht, und da die Frau noch immer sich widersetzt, ohne Umstände seine Drohungen ausführt.
Gertrud, die den Lärm fürchtet, um Alles in der Welt nicht vor andern Leuten von ihrem Manne ivill geschlagen sein, nimmt endlich das Gewehr, während ihre Augen Überfließen, ihr ganzer Leib zittert wie ein Espenblatt, und schickt sich, da Peter mit Zusetzen und Schlägen nicht nachläßt, zu der wahnsinnigen Arbeit an.
Die Kinder meinen und schreien in das Commando des Vaters und das Schluchzen der Mutter hinein. Bei jedem Fehler, den das arme Weib macht, schimpft der Tyrann, als ob er einen Recruten vor sich habe, dazu tractirt er die Kleinen, die weder schweigen wollen noch können, mit Schlägen, nennt sie alle eine nichtsnutzige Canaille und
will ich doch nicht vom schnell fluchenden Zeitenstrome fortspülen lassen. Und schnelllebig sind wir; kaum darf man, da der Reichstag am 16. d. bis zum 30. November vertagt wurde, es noch wagen, von demselben zu reden, ohne sich dem Vorwurf auszusetzen, Altes, längst Abgethanes aufzurühren; immer Neues verlangt der ungeduldige Leser. Aber ich wage es doch, ist es ja schon manchmal dem Leser meiner Zeilen interessant gewesen, wenn der Eine so, der Andere so über eine Sache geurtheilt hatte, auch meine Meinung zu hören. Am besten gefiel mir in der Monopolschlacht das dreiblätterige, sich vom hellsten Roth bis zum Lilablau abschattirende Kleeblatt: Richter-Bamberger-Bennigsen. Zuerst kam Richter und sagte: Ha, ich bin ein Kerl! Was der Kanzler thut, ist Nichts, taugt Nichts, an seiner inneren Politik ist kein gutes Haar! -Aber ich, der Fortschrittsmann, ich habe das Heil Deutschlands in der Tasche! Dann kam die „gemischte Person" Bamberger, der Secessionist mit verschämt-fortschrittlichem Anfluge, und sagte: „Was, ich bin ein Kerl!'" Ich kenne die Stimmung der deutschen Nation besser, als der Kanzler. Ich war schon 1866 Anhänger der auswärtigen Politik Bismarck's und hatte noch vor ihm den deutschen Einheitsgedanken! Ich bin ein Patriot von reinstem Wasser! Dann kam Janus-Bennigsen, der nationalliberale Leisetreter, mit seiner „vermittelnden" , „staatsmännischen" Rede und sagte: Nein, ich bin der rechte Kerl; mein Reeept allein kann dem Lande helfen. Kanzler, wärest Du ohne uns geworden, was geräth endlich mit seinem Commando und „seiner Canaille" in eine solche Verwirrung, daß er, ermüdet wie er war, der übermäßigen Aufregung in um so größerer Erschlaffung nachgibt, und von dem Stuhl, auf dem er sich endlich niedergelassen, auf den nebenstehenden Tisch sich lehnt, noch eine Weile doch matter räsonnirt und dann schweigt. Unter der Last eines Verbrechens, dessen Größe und bittere Folgen er jetzt nicht fassen kann, ist er eingeschlafen.
Gertrud hatte, sobald sie merkte, daß Peter nicht mehr Acht hatte, das Gewehr bei Seite geworfen, ihre Kinder genommen und war damit in die Schlafkammer geflohen, deren Thür sie hinter sich zuschloß. Sie wäre gern aus dem Hause, aus der Welt hinausgelausen an dem Abende, wenn die Kinder nicht gewesen, um derentwillen ein Mutterherz nicht allein Mißhandlung, selbst den Tod nicht scheut.
Von dem unglückseligen Abend an war das Herz der armen Gertrud wie gebrochen, von ihrem Manne abgewendet, so öd und verlaffen, als gäb es auf der Welt für sie keinen Trost mehr. Ihrem sonst so geliebten Manne ins Angesicht zu sehen, war ihr nicht mehr möglich. Peter stand am andern Morgen, mitgenommen von den gestrigen Strapatzen und dem höchst unbequemen
Du bist? Willst Du uns wieder haben? Wir sind die echten Patrioten! Mein Programm ist freilich ein anderes wie das Deinige, aber es ließe sich ja über die Sache reden. . . . Und als sie alle geredet und das Wohl des Landes in großen und kleinen Zügen behandelt hatten, als die Wände des Reichstagsgebäudes von Patriotismus trieften, daß die rothen, blaßrothen, blauen und grauen Farben durcheinander liefen, da dachte ich an die Verse Fr. W. Grimme's:
„Patriotismus, lichte Tugend, Mild erwärmend Herz und Sinne — Den zu stiller, treuer Arbeit, Den zum Kampfe auf der Zinne!
Patriotismus, blasse Phrase, Brauchbar sehr bei Sect und Biere — Patriotismus, steigend, fallend Mit dem Course der Papiere!
Schale Speisen kann ich dulden. Auch Gerüchte schlechte, faule — Aber zum Erbrechen reizt mich Patriotismus mit dem — Maule!"
Es ließe sich über die Monopoldebatte, die Stellung der verschiedenen Parteien zu denselben, über die unfruchtbare, lediglich auf A b w e h r beschränkte Thätigkeit der Nachsession ic. noch Vieles sagen; allein ich will Bekanntes nicht wiederholen unb es würde mich auch zu weit führen; aber einen Punkt, der dem Centrum und den Conservativen eine furchtbare Zukunft in Sicht stellt, darf ich nicht übersehen: es ist die „gewaltige" Rede Bennigsens! Sie enthält nach Ansicht nationalliberaler Blätter das „denkbar klarste Programm", sie ist der Sarkophag für alle Parteien, die sich nicht sofort um die nationalliberale Fahne schaaren, sie hat Nachtlager mit erschlafftem Geist und Körper in der Schmiede. Was in seinem Kopfe vorging, ich weiß es nicht, noch weniger, was fein Herz ihm sagte. Er sang nicht, er pfiff nicht, sprach kein Wort mit dem Schuster, der an dem Morgen auch einsprach, arbeitete aber auch fast gar nichts. Auf seinem Gesicht lag ein dumpfes, düsteres Brüten, doch keine Reue.
Gertrud wohnte an dem Tage in der Kammer, ich weiß nicht, ob aus Scham oder wegen körperlichen Leiden. Auch die Kinder kamen kaum zum Vorschein. Das Familienglück war dahin, der Engel ehelicher Liebe geschieden. Wo der aber weicht, zieht das Unglück tausendgestaltig ins Haus.
In jener Nacht habe ich nun auf den Peter mit seinem großem Barte einen solchen Zorn gepackt, daß ich die häßliche Geschichte hier abdrucken lasse.
Daß das Hauswesen Peters nun vollends seinem Ruin entgegen ging, daß der Bruch zwischen Mann und Frau auch in den nächsten Folgen sich bei den Kindern zeigte, daß Gertrud die Lust an der Arbeit und an der Wirthschast verlor, ihr vernachlässigter Anzug kündigte das deutlich genug an, das brauch ich nur kurz zu erwähnen. Peters größter Fehler war nämlich, begangene Fehler nicht gern anzuerkennen und darum that er gradezu