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14:2* Freitag, den 23. Juni 1882.

Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda in der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Slbonnementspreis beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda 1 Mark und 60 Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfg.. inS Haus gebracht 1 M. SO Pfg. Die,wustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 25 Pfg., in s Haus gebracht 40 Pfg. Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

Einladung ;um Abonnement

auf das 3. Quartal 1882.

Wir bitten unsere verehrl. Abonnenten, das Abonnement bei den Postanstalten oder Land- post-Boten rechtzeitig erneuern zu wollen, da­mit die Zusendung keine unliebsame Unterbrechung erleidet. Bei Bestellungen, welche erst nach dem 27. d. M. aufgegeben werden, erhebt die Post ein Strafporto von 10 Pfg.

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen, und kann vom 1. Juli ab durch alle Postanstalten wie folgt be­zogen werden:

a) ,Fuldaer Zeitung' mit der jeder Sams­tags-Nu mm er beigefügten ,Wochcnbei- lage' (kirchlichen und religiösen Inhaltes). Preis: 1 Mark 5» Pfg. vierteljährlich (ohne Bestellgeld).

(Nr. 1741 der Zeitungspreisliste.)

b) .Fuldaer Zeitung'wie vorhin mit,Wo ch en­de i läge' und mit den .Jllustrirtcn Sonn­lagsblätter' (Redacteur W. Koch); letztere enthalten spannende, im ,kath. Geiste ge­schriebene Originalromane, Novellen, Er­zählungen und schöne Illustrationen. Preis: 1 Mark 75 Pfg. vierteljährlich.

(Nr. 1741a X der Zeitungspreisliste.)

In der Stadt Fulda kostet die ,Fuld. Ztg.' frei ins Haus gebracht 1 Mk. 70 Pfg., mit ,Jllustr. Sormtagsbü' -1 Mk. 90 Pfg.

Deutsches Reich.

* Berlin, 21. Juni. Dem Kaiser bekommt die Emser Brunnen- und Badecur vortrefflich.

— Eine große Anzahl von Geistlichen und Vorsitzenden der Kirchenvorstände und Gemeindevertretungen, die in Köln tagten,, hat sich in einer Jmmediat-Eingabe an Se. Majestät den König um Zurückberufung des

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Peter, der Schmied.

Eine Bürgerwehrgeschichte.

(Fortsetzung.)

Als Lisbeth am folgenden Tage einsprach und glaubte, Petern ein wenig den Text lesen zu muffen, wies dieser sie mit der faden Bemerkung barsch ab, daß sie sich weder um das, was er mit seiner Frau zu thun gehabt, noch was in seinem Hause vor­gehe, zu kümmern habe. Und doch war dieselbe Lisbeth einst in alle ihre Heimlich­keiten eingeweiht gewesen, hatte dieselbe Lis­beth nach schwerer Tagesarbeit oft ganze Nächte bei der Freundin zugebracht, als sie im Kindbette schwer krank darnieder lag. Nach wenigen Worten, die sie mit der er­zitternden Freundin wechselte, entfernte sich das gute Mädchen mit Thränen in den Augen. Hatte sie einst das Glück ihrer Freun­din gewiß beneidet, jetzt mochte sie Gott danken, daß sie selbst an keinem Manne hängen geblieben. Zankt und schimpft auch die Herrschaft bisweilen, das schlägt man in den Wind oder zahlt mit gleicher Münze; — der Dienstbote hat wenig Waffen, kein Wunder, daß er die wenigen so schnell bei der Hand hat; — aber von dem Bitteres erdulden, dem man sein Herz gegeben, ist tausendmal schlimmer.

Hochw. Herrn Erzbischofs Dr. Paulus Melchers gewandt.

— Die ,Prov.-Corresp.' bespricht in einem „Ausgang der Monopolberathung" betitel­ten Artikel vorzugsweise die Rede B ennig- s e n's und sagt, der Steuerreformplan Ben- nigsen's sei die völlige Verneinung der Re­form des Kanzlers. Daß Bennigsen und seine Freunde im nächsten Landtage ihre Anschauungen ändern würden, sei nicht zu hoffen, die Wähler würden daher, sofern sie Beseitigung der drückenden Claffensteuer und der noch drückenderen Communalzuschläge durch Eröffnung minder drückender und schädlicher Einnahmen wollten und die Ent­lastung der Gemeinden von Abgaben er- strebenswerth hielten, die der allgemeinen Staatsverwaltung obliegen sollten, darauf achten müffen, daß die Candidaten ein unumwundenes Bekenntniß zum Steuerreformplan des Reichskanz­lers ablegten. Die Wahlagitation ist damit also officiös eingeleitet.

* Aachen, 20. Juni. Wie in der vorigen Woche die Erstcommunicanten von St. Nico­laus und St. Michael, so sind gestern die Erstcommunicanten von St. Foilan und St. Paul in Begleitung ihrer Psarrgeistlichen per Bahn nach dem benachbarten Simpelfeld gereist, um dort auf holländischem Boden von dem hochw. Herrn Bischof Laurent die hl. Firmung zu empfangen. Wie das ,Echo' hört, sollen die Firmungsreisen noch einige Male wiederholt werden, bis wenigstens die Kinder unserer Stadt alle die Firmung, die aus bekannten Gründen seit Jahren hier nicht mehr gespendet werden konnte, empfangen haben.

Im Nachbarhause ging es allmälig wie­der etwas besser, die Augen der Kinder thauten das Eis der Elternherzen allmälig wieder auf, obschon eine sichtbare Aenderung in dem Verhalten der jungen Eheleute zu einander bemerkbar blieb. Auch ging der Schuster wie ein böser Geist bisweilen durchs Haus und trat dann, wo er konnte, der Gertrud in den Weg, die in seiner Nähe immer in eine eigenthümliche Bewegung gerieth.

Hin und wieder brach der Zorn in Peter los, verhaltener Zorn über Gott und Welt, über Alles, Zorn, den, er draußen einge- sogeu. Gertrud sprach dann wenig, duldete lieber. In der Kirche, sie ging seit lange nur in ber Morgenfrühe hinein, saß sie oft still in einer Ecke, sang nicht mehr mit der Gemeinde, schlug ihr Buch nicht mal auf, aber ihr Herz hatte desto mehr zu thun. Wer weiß, wie viele Seufzer und stille, heim­liche Thränen dort in der Ecke am Mutter- gottesaltare das arme Weib zurückgelassen. Peter dagegen, wenn er zur Kirche ging, was auch nicht mehr regelmäßig geschah, stand unten beim Eingang mit verkrämpten Armen und konnte wenig mehr an Gott denken. In feinem Kopfe und Herzen gühr- ten andere Gedanken.

Seit er sich in die Politik vertieft und

Oesterreich-Ungarn.

* Wien, 20. Juni. Vor dem hiesigen Schwur­gerichte begann gestern wieder ein sensationeller Proceß gegen einen Hochstapler, Carl Hoffmann, der unter dem Namen eines „Chevalier de Hoff­mann", Besitzer der Herrschaft Wolfsberg in Kärn­ten, Vertreter des Kronprinzen Rudolf, des Fürsten von Rumänien u. s. w., sowie als Concessionär der Eisenbahn Unterdrauburg-Wolfsberg eine Reihe von großartigen Schwindeleien verübte und u. a. die englische Gesellschaft Railway Steel in Manchester um ca. 50,000 fl. ö. W., ferners die Glasgower Schiffsbaugesellschaft um ca. 18,000 ft., sowie ver­schiedene Privatpersonen betrog. Hoffmann trat sehr nobel und dabei mit einer geradezu verblüffen­den Sicherheit auf, trug stets mehrere Orden und gerirte sich als Neffe des früheren Reichsfinanz­ministers, Freiherrn von Hoffmann und als Ver­treter des Kronprinzen Rudolf, in dessen angeb­lichem Auftrage er Bestellungen auf eine Stahl­schraubenyacht in England machte und in geradezu unglaublicher Weise die ersten englischen Firmen hinterging. Der Hochstapler ist Sohn von Glaser­eheleuten in Karlsbad, genoß aber eine gute Bild­ung, weilte dann längere Zeit in England und Amerika und heirathete später in Karlsbad eine reiche Russin, die ihn: 72,000 Rubel Vermögen zu- brachte, die Hoffmann bald verjubelte, worauf er seine Gattin sitzen ließ. Es gelang ihm dann im Jahre 1871 ein Patent als amerikanischer Consul in Warschau zu erhalten und benützte er dasselbe auf seinen Reisen üt Norddeutschland zu waghal­sigen, betrügerischen Speculationen, gerirte sich dort als ein Mann, der vom Fürsten Bismarck zu ver­traulichen Missionen verwendet sei. In Berlin 1874 wegen Majestätsbeleidigung verhaftet, wurde er auf Verwendung der englischen Regierung, die Hoffmann zu täuschen wußte, nach zwei Tagen frei­gelassen, und er begab sich dann nach England, wo er sehr nobel auftrat, und sich als reicher böhmi­scher Kohlenwerksbesitzer gerirte. Im Jahre 1877 ging er nach Oesterreich und trat mit dem Grafen Henkel-Donnersmark in Kaufunterhandlungen wegen des Gutes Wolfsberg, wo er sich als Schwieger­sohn des Millionärs Durant in Newyork und Be­sitzer von 5 Millionen ausgab. Ohne das Gut gar die demokratischen Ideen bei ihm Ein­gang gefunden, all das Schlechte in der Welt so recht sah, d. h. Alles in der Welt recht schlecht ansah, war es auch mit seinem Gebete aus. Er meinte, mit unferm Herr­gott im Himmel räsonniren zu müssen. Un­gläubig wie Meister Pfriem wollte er weder sein noch werden, aber mit seinem Glauben ward es von Tag zu Tag doch matter und kälter. Auch seiner Frau war er im Grunde nicht so böse, als es oft schien, nur wollte er seinen Aerger irgendwo auslassen, und da ihm dazu draußen nicht so leicht Gelegenheit ge­boten, goß er den Unrath ins eigene Haus. Das Loos der armen Gertrud wurde immer härter, je geduldiger sie sich ergab.

Daran hatte Meister Pfriem die Haupt­schuld, der es meisterlich verstand, über die Weiber loszuziehen und sich nicht schämte, aus der Wachtstube seinen Hauskrieg mit der eigenen Frau zum Ergötzen der An­wesenden zu erzählen. Dann fielen spöttische Seitenhiebe auf die Männer, welche ihren Frauen nach den Augen sähen, hier mit dem Gewehr einherstolzirten, zu Haus unter dem Pantoffel kröchen, wobei er bisweilen Peter ins Auge faßte, der sich unter feinen Ka­meraden nie über feine Fran lustig gemacht. Er hätte den Schuster oft hinter die Ohren schlagen mögen, wurde aber zu Hause um