»W 14L Donnerstag, den 22. Juni 1882.
Fuldaer S@l Leitung.
Die ,Fuldaer Zeitung erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda in der Expedition, Buttermartt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda 1 Mark und 50 Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfg.. ins Haus gebracht 1 M. 90 Pfg. Die Mustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 25 Pfg., in's Haus gebracht 40 Pfg. Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.
Einladung;um Abonnement
auf das 3. Quartal 1882.
Wir bitten unsere verehrt. Abonnenten, das Abonnement bei den Postanstaltcn oder Land- post-Boten rechtzeitig erneuern zu wollen, damit die Zusendung keine unliebsame Unterbrechung erleidet. Bei Bestellungen, welche erst nach dem 27. d. M. aufgegeben werden, erhebt die Post ein Strafporto von 10 Pfg.
Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen, und kann vom 1. Juli ab durch alle Postanstalten wie folgt bezogen werden:
a) ,Fuldaer Zeitung' mit der jeder Samstags-Nummer beigefügten ,Wochenbci- lagc' (kirchlichen und religiösen Inhaltes). Preis: 1 Mark 50 Pfg. vierteljährlich (ohne Bestellgeld).
(Nr. 1741 der Zeirungspreisliste.)
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(Nr. 1741a X der Zeitungspreisliste.)
In der Stadt Fulda kostet die ,Fuld. Ztg.' frei ins Haus gebracht 1 Mk. 70 Pfg., mit ,Jllustr. Sonntagsbl/ 1 ®tf. "96 Pfg.
g. Leo XIII. über die katholischen Arbeitervereine.
Am 21. v. M. empfing der heilige Vater eine Deputation der katholischen Arbeiter aus den italienischen Bezirken Ligurien, Piemont und Toscana. Er hielt an dieselben eine Ansprache, welche den katholischen Arbeitern der ganzen Welt zur Freude und Erbauung gereichen wird; denn sie zeigt, daß das Oberhaupt der Kirche ein warmes Herz für diejenigen hat, welche im Schweiße des Angesichts ihr Brod essen.
Eingangs seiner Ansprache erklärte es der hl. Vater für überaus löblich, wenn Handwerker und Arbeiter brüderlich zu Vereinen zufammentreten und zwar im Schatten und unter dein wohlthuenden Einflüsse der katholischen Religion und fuhr dann fort:
Diese Vereine sind von der Kirche stets gefördert und gesegnet worden, denn sie hegt für die arbeitenden Classen eine besondere Vorliebe und trägt für sie eine wahrhaft mütterliche Sorge. Denn wenn sie auch vor Allem für das ewige Heil derselben Sorge trägt, so hat sie doch niemals verfehlt, sich auch für ihr zeitliches Wohlergehen zu interessiren. Ebenso wie die katholische Kirche überall mit der religiösen Gesinnung auch die wahre Civilisation verbreitete und förderte und so beständig den Fortschritt in der Literatur sowie in den Wissenschaften begünstigte, ebenso Uig ihr auch die Entwickelung der Künste und Handw?rke am Herzen, die sie auf alle Weife zu unterstützen bestrebt war. Sie heiligt und adelt die Arbeit, und sie lindert ihre Last, indem sie jede übermäßige Härte nach dem Gebote der christlichen Nächstenliebe zu mildern heißt. Sie hat so viele Institutionen ins Leben gerufen und in ihren Schutz genommen,
die den Zweck verfolgen, dem Armen und dem Arbeiter in den verschiedenen Bedrängnissen des Lebens zu Hilfe kommen.
Die Städte Italiens, die vor allen anderen den heilsamen Einfluß der Kirche erfuhren, erfreuten sich auch der größten Pflege wohl- thätiger Institute. Sie erhielten Hospitäler zur Pflege der Kranken, Herbergen zur Aufnahme der Armen, Schulen für den Unterricht der Jugend, kurz Anstalten aller Art zur Unterstützung jener Unglücklichen, welche entweder arbeitsunfähig geworden oder verarmt waren. Wenn im Laufe der Zeit oder in Folge des Verfalls der religiösen Gesinnung auch eine große Anzahl dieser Unterstützungsanstalten verschwanden, so suchte man durch andere Mittel den geistlichen und zeitlichen Bedürfnisien der Künstler und Arbeiter zu Hilfe zu koinmen. Den sprechenden Beweis liefern eure eigenen Vereine, denn sie bezwecken ja, um ihre Mitglieder das Band der zärtlichsten Nächstenliebe zu schlingen, ihre jLage zu verbessern, unter ihnen ein christliches Leben zu fördern, sie zu unterrichten und in-allen Bedürfnissen zu unterstützen.
Anders verfahren die Feind ed er Kirche. Durch Schmeicheleien und die weitgehendsten Verheißungen suchen sie die Arbeiter zu verführen und an sich zu ziehen. Aber unter dem verführerischen Aeußeren verbergen sie die verbrecherische Absicht, sich der Arbeiter als Werkzeuge zur Jnswerksetzung ihrer verderblichen Pläne zu bedienen. Dem wahren Volkswohle feindlich gesinnt und nur darauf bedacht, die von der Vorsehung gesetzte Ordnung der menschlichen Gesellschaft umzustoßen, bedürfen sie zur Verwirklichung dieser Pläne der Hilfe kühner Männer, denen sie Unbotmäßigkeit gegen jede Obrigkeit, Verachtung gegen die Religion, Haß gegen die Reichen und eine ungezügelte Gier nach Genüßen einzuflößen wissen. Einmal auf diesen Pfad gebracht, dürften sie zu der Geißel werden, deren sich vielleicht der Herr bedient, um die irrgegangene Gesellschaft zu züchtigen, doch sie selbst werden die Opfer ihrer Misiethaten werden und unter den Schlägen der menschlichen und göttlichen Gerechtigkeit zusammenbrechen.
Was euch, vielgeliebte Söhne, anbelangt, so zeigt ihr durch eure Haltung, daß ihr das sehr wohl begriffen habt, und gerade deshalb in den Schatten der Religion und Kirche flüchten wollet.
Bewahret, vielgeliebte Söhne, dieser Kirche eure Liebe, wendet euch an die Kirche, wie an eure beste Wohlthäterin, nehmet willig und gern ihre Lehren an, befolget treu ihre Gebote, seid unter einander vom Geiste der Eintracht und Einigkeit beseelt und sorget dafür, daß euere Vereine sich verdoppeln, täglich mehr ausbreiten und voll Lebenskraft rings herum einen christlichen Einfluß ausüben.
In diesem Sinne nehmen wir erfreut die Gaben an, die ihr Uns überreicht habt, und
noch freudiger die Huldigung, die ihr Uns in eurer Treue, eurem Gehorsam und eurer Ergebenheit dargebracht habt.
Wir bitten, so schloß der hl. Vater seine Ansprache, innig den Herrn, euch auf dem Pfade unauflöslicher Eintracht zu bewahren und auch in eurem heiligen Vorhaben zu kräftigen.
Als Unterpfand der himmlischen Gnade und zum Beweise Unseres besonderen Wohlwollens ertheilen wie euch Allen, die ihr hier zugegen seid, euren Familien und den Genossenschaften, die ihr vertretet, den apostolischen Segen.
Deutsches Reich.
* Berlin, 20. Juni. Der heute Abend ausgegebene, ,Staats-Anz.' schreibt: „Se. Majestät der König interessiren Sich lebhaft für die Vorarbeiten, welche nöthig fein werden, um im Wege der Gesetzgebung den Druck der Steuern zu mindern. Zu diesem Behufs muß natürlich vor allen Dingen das Maß des Drucks und die Bedürfnißfrage klargestellt werden. Um für diese Klarstellung und die eventuelle Abhilfe durch Gesetzvorlagen neues und authentisches Material zu beschaffen, hat der König durch einen an das Staats-Ministerium gerichteten Erlaß angeordnet, daß Ihm von jetzt ab in jedem Monat eine Uebersicht der Zahl und Ver- theilung der Zwangsvollstreckungen vorgelegt werden soll, welche auf dem Gebiete der Staatssteuern, der communaleu Zuschläge zu denselben und der Beitreibung des Schulgeldes stattgefunden haben."
-nk- Der Jubel, welcher sich im „liberalen" Lager wegen der Freisprechung des secessionistischen Abgeordneten Professor Dr. Mommsen erhoben, scheint noch nicht austoben zu können. Zu den Studenten, welche den Professor im Colleg mit „Beifallsgetrampel" empfingen, gesellen sich jetzt die Poeten, von denen einer im heutigen.Deutschen Montagsblatte' sich wie folgt vernehmen läßt: „Am Oel der Versöhnung gebricht es uns ganz, die Gegensätze sie schwellen. Wohl haben wir ä u ß e r e n friedlichen Glanz, doch int Innern wogen die Wellen. Sie wogen friedlich, sie wogen erregt: schier fehlt uns jede Vertheidigung. Wenn einen Mann wie Mommsen man schlägt an's Kreuz wegen Bismarckbeleidigung. Noch leben die Richter von Berlin! Es ertöne ihr Lob durch die Lande: Sie sprachen Theodor Mommsen frei und wahrten vor Spott uns und Schande!" So der Berliner Montagspoet. — Obgleich wir grundsätzliche Gegner aller Ministerbeleidig- ungSproceffe sind und obschon wir wünschten, daß unsere Staatsmänner sich an belgischen und englischen Ministern ein Beispiel nehmen und nicht in übertriebener Empfindlichkeit sofort zu einem lithographischen Strafantragsformulare griffen, wenn einmal ein Redacteur, ein Volksredner, oder eine — Nähterin sie „beleidigt" hat, so scheint uns doch