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M 140.

Mittwoch, den 21. Juni 1882.

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* Janssen: die deutsche Geschichte und eonsessioneller Geschichts­unterricht.

Die Verschiebung der richtigen Verhält­nisse in unseren öffentlichen Zuständen schreibt die »Bavaria', fällt zum nicht geringen Theile der heutigen Geschichtsschreibung und dem Geschichtsunterrichte auf den Lehrstühlen zur Last. Es war darum mindestens eine gerecht­fertigte Anregung, wenn Seitens der Mehr­heit der zweiten Kammer des jüngst been­digten bayerischen Landtages dem Geschichts­unterrichte eine besondere Bedachtnahme zu­gewendet wurde, indem man die Förderung consessionellen Geschichtsunterrichtes erhob. Wir irren wohl nicht, wenn wir die bereits bestehende Bekanntschaft in Manchem unserer Leser mit „Janssen's deutscher Geschichte" vor­aussetzen, ist es doch derselbe Autor, der uns den Entwickelungsgang und das Wirken des Grafen Friedrich Leopold zu Stolberg so geistvoll, so schön gezeichnet hat. Der Geschichts­schreiber Jansen hat in dem Professor Baum­garten von Straßburg einen Recensenten gefunden, welcher dem Streben Jansen's nach objectiver Wahrheit die vollste Aner­kennung zu Theil werden läßt und sich wörtlich dahin ausspricht: „Wenn man bisher im Allgemeinen auch Ranke (Verfasser der deutschen Geschichte ini Zeitalter der Refor­mation) eine gewisse objective Ruhe und die Gabe nachgerühnit hat, er construire nicht ein Bild der von ihm geschilderten Zeiten, sondern lasse dieses Bild aus den Begeben­heiten hervorgehen, so muß man bei der Seetüre Jansen's, der ja selbst so gut wie arg Nichts sagt, in dieser Meinung sehr irre

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Peter, der Schmied.

Eine Bürgerwehrgeschichte.

(Fortsetzung.)

Das gefiel der Gertrud wohl, und mir auch für die arme Frau, noch mehr aber für Peter, wie der Leser leicht denken kann.

Nachmittags indeß sehe ich den Schuster, ein paar alte Stiefel in der Hand, zu Peter in die Schmiedetreten. Nicht lange, so be­fanden sich die beiden im eifrigsten Gespräch. Daß Peter aus der Bürgerwehr scheiden wollte, konnte dem Meister Pfriem nicht gefallen. Grade solche Leute, wie Peter, müßten dabei bleiben und das war ja ge­wiß, der Doetor hatte das immer gesagt, es soll und inuß besser werden mit den Arbeitern, mit den Handwerkern, wenn sie nur tüchtig zusammenhalten und die Zeit abpassen wollen.

Dabei kramte er wie eine Heimlichkeit vor Petern den eigentlichen Zweck der Bür­gerwehr als einer Volksbewaffnung aus, und wie das endlich dazu dienen müsse, der Demokratie den Sieg und dem Volke die rechte Beglückung zu verschaffen.

Peter sprach wenig, er hatte es im Grunde nur gegen die Reichen, die ihn: wenig oder gar keine Arbeit gaben, schlecht bezahlten, den Lohn herunterdrückten, wo sie konnten,

werden und sich vielmehr dazu bekehren, daß uns Ranke doch von der Reformations­zeit eine ganz willkürliche Vorstellung ge­geben hat." Der Protestantische Recensent Baumgarten vermag demnach dem Janssen'- schen Werke die rein objective Methode der Darstellung nicht abzusprechen. Diese Dar­stellungsmethode hat übrigens schon v. Döl­linger vor 40 Jahren in seinem sleider un­vollendet gebliebenen Werke über die „Refor­mation" angenommen, freilich finden wir bei Döllinger nur den schwachen Versuch dieser Methode, während uns die Janffen'- sche Leistung als Vollendung erscheint, denn einerseits war damals das Quellenmaterial bei Weitem noch nicht in der riesigen Fülle wie jetzt vorhanden und anderseits war die politische Seite der Reformationszeit von dem Döllinger'schen Plane ausgeschlossen, wogegen Janssen die Geschichte im Ganzen beschreibt. Döllinger mußte wegen seines Werkes eine herbe Kritik erfahren. Auch der erbitterte Kritiker Baumgarten ist der schärfste Recensent Janffen's und läßt sich von der Leidenschaft hinreißen, Herrn Janssen gerade­zu mit dem kriegerischen Uebergewichte der Protestanten in Deutschland zu drohen. Der uns in diesen Blättern zugemessene Raum gestattet uns nicht, des Näheren auf Jaussen's Geschichtsschreibung einzugehen, wir heben nur noch hervor, wie sich die protestantische Kritik der objectiven Wahr­heit wie sie Jansen darstellt, trotz aller An­erkennung der letzteren doch feindselig ent­gegenstellt und schließen uns den Auslass­ungen der ,Histor.-polit. Blätter' an, in welchem es heißt: „So lange es Katholiken

und deren Wachedienst er noch dazu mit» machen sollte. Der Schuster da war ihm jetzt, wo er nüchtern war, noch dazu in dem heiligen Frieden seines Hauses zwar verächtlich, und Kameradschaft hätte er nie und nimmer mit ihm getrunken; aber der lose Schwätzer sagte Manches, was ihm gefiel und wußte immer allerlei Neuigkeiten, die ihn inte« reffirten.

Nachdem sie bei zwei Stunden mitein­ander geplaudert, ihre Sage während dem aber sicher nichts gebessert hatten, zog Meister Pfriem ab mit dem Versprechen, am Abend Petern zuin Exerciren abzuholen. Peter zuckte die Schulter und wußte noch gar nicht, ob er folgen würde.

Gertrud, die dabei stand und gern schon längst den Schuster mit seinen alten Stiefeln vor die Thür gesetzt hätte, meinte, Peter würde schon zu Hause bleiben, das tägliche Brod ging noch vor dem täglichen Exerciren.

Mit der Erneuerung seiner Zusicherung und einem höhnischen Seitenblick auf Ger­trud, dem man es ansah, daß er oft und viel geübt war — seine eigene Frau weiß da­von sehr viel zu erzählen — schied indeß Meister Pfriem.

Petern war es nun gar nicht recht, daß Gertrud sich in diese Sache gemischt, et kannte die spöttische, Niemanden schonende

auf deutschem Boden gibt, werden sie ins­besondere Herrn Janssen zu Dank verpflich­tet sein. Denn trotz aller ehrenwerthen Bemühungen aus ihren gelehrten Reihen konnte sich bis dahin die Parteigeschichts­schreibung nach Art des gekauften Sleida- nus und der Magdeburger Centuriatoreu doch immer noch in dem usurpirten Allein­besitz behaupten. Das hat nun ein Ende. Janssen läßt sich nicht mehr todtschweigen, und eine Ranke'sche Geschichte des Reformations­zeitalters kann nicht mehr geschrieben werden. Wenn zugegeben wird, daß die Wahrheit über Alles geht, dann ziehen die deutschen Protestanten daraus nicht den kleinsten Ge­winn." Wir haben mit diesen Zeilen nicht eine Recension des Janssen'schen Werkes be­absichtigt, unsere Absicht war eine andere, wir wollten an einem Beispiele zeigen, wie unendlich viel an einer objectiven Geschicht­schreibung, an einem unparteiischen Geschichts­unterrichte liegt und wie die in der bayeri­schen Abgeordnetenkammer geschehene Anreg­ung betreffs der consessionellen Geschichts­lehre eine berechtigte gewesen ist. Es mag Vielen als ungehörig erscheinen, von katho­lischen und protestantischen Geschichtsunter­richte zu reden; — nun eine Geschichtsfälschung gibt es doch und der protestantische Kritiker Baumgarten sagt es: „daß uns Ranke doch von der Reformationszeit eine ganz willkür­liche Vorstellung gegeben habe." Wir be­scheiden uns bei diesem Urtheile, das uns als ein sehr bemerkenswerther Zusatz zu den bezüglichen Anträgen der Mehrheit der bayerischen Abgeordnetenkammer über den Geschichtsunterricht erscheint. Wir verlangen

Zunge des Schusters und fürchtete sie be­sonders auf der Wachtstube.

Als nun am Abende der Schuster mit noch ein paar anderen Wehrmännern bei Petern einsprach, nahm Peter doch fein Gewehr, schlug die Warnungen Gertruds vor dem gefährlichen Meister Pfriem in den Wind und ging mit.

Gertrud nämlich hatte, sobald am Nach­mittage das Zwiegespräch der Beiden ge­endet hatte, vor ihrem Manne den Schuster so haarscharf gezeichnet, daß Peter selbst über die frappante Aehnlichkeit lachen mußte, nur meinte er, es sei einesteils mit dem Schuster so sehr schlimm nicht, anderntheils sei er auch der Mann nicht, der sich von einem solchen Subjecte am Seitfeil führen lasse. Einen rechten Hausfeind wittert und erkennt aber die Frau immer am Besten, und in solchen Dingen soll man ihre Stimme gar nicht verachten.

Von nun an war Peter wieder an die Bürgerwehr wie angepicht und fehlte selten weder beim Exerciren noch bei der Wache. In seiner Haushaltung ging es aber auch immer knapper her. Nicht immer war die Zeche frei, abgesehen davon, daß die Arbeit ver­nachlässigt wurde.

Gertrud schwieg erst lange, bann aber fing sie an, erst leise, und als ihr Mann