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Dienstag, den 20. Juni 1882,
F. Fuld
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Deutsches Reich.
* Berlin, 18.Juni. Die,Nordd. Allg. Ztg.' schreibt: Wie wir hören, ist mit Ge- nehniigung der kaiserlichen Regierung auf den Antrag des kaiserlichen Generalconsuls für Egypten in Constantinopel ein Lloyd- dampfer gemiethet worden, um den Reichsangehörigen, welche unter den obwaltenden Verhältnissen Egypten zu verlasien beabsichtigen, hierzu die Möglichkeit zu gewähren, da das kaiserliche Kanonenboot „Habicht", welches sich augenblicklich auf dem Wege von Malta nach Alexandrien befindet, nur beschränkte Räumlichkeiten bietet. Der Lloyd- dampfer ist am 16. d. M. von Constantinopel in See gegangen und soll mit Anwendung größter Fahrgeschwindigkeit Montag Abend in Alexandrien eintreffen. Aus ebenso authentischer Quelle erfahren wir, daß der Reichsangehörige, welcher leider bei den Excessen in Alexandrien um's Leben kam, ein ans Straßburg gebürtiger Herr S ch e u t e r gewesen ist. Andere Verluste an Menschenleben oder Eigenthum sind deutscherseits nicht zu beklagen.
— Einer Mittheilung der ,Rordd. Allg. Ztg/ aus Triest zufolge schickte die Direction des österreichischen Lloyd gestern einen ihrer größten Dampfer „Eltore", mit voller Kraft nach Alexandrien, um nöthigenfalls den Europäern Schutz zu gewähren. Auf die heutige Nachricht, daß 1800 Flüchtlinge zur Abreise bereit seien und auf Schiffsgelegenheit warteten, schickte die genannte Gesellschaft noch zwei große Dampfer, „Achille" und „Minerva" ebendahin. Diese Maßregel wird auch den deutschen Staatsbürgern in Egypten Beruhigung bringen.
Peter, der Schmied.
Eine Bürgerwehrgeschichte.
Gern wäre er oft aus der Bürgerwehr ausgetreten, er sah wohl selbst ein, was er eigentlich davon hatte, hätte lieber sein eigenes Hauswesen besser bewacht, indeß ging das gewisser Leute wegen nicht wohl an; Leute, die zuweilen Abends auf die Wachtstube kamen, eine Zeche zum Besten gaben, dann aber still nach Hause schlichen, während die Andern, zu denen Peter gehörte, richtig ihre Runde machen und ihre Zeit aushalten mußten.
Das verdroß unfern Peter inbesondere, der nun gewiffen Ideen Gehör gab, die auf der Wachtstube dann verhandelt wurden, wenn jene Herren sich aus deni Staube gemacht; der dadurch aber immer rauher und ungefügter wurde, und da er seinen Groll draußen nicht recht auslaffen durste, nun zu Hause oft polterte und fluchte, was wan sonst nie an ihm gehört.
. Von der Zeit an ließ auch Peter sich stnen großen Bart wachsen. Das ist aber eine Bemerkung, die ich schon oft zu machen Gelegenheit gehabt, und wobei ich bitte, daß der Leser, wenn er es noch nicht gethan, doch auch einmal auf derlei Acht haben wöge: sobald die Leute anfangen, demokratisch
— Der Kaiser ist kurz nach 2 Uhr mittelst Extrazuges in Enis eingetroffen. Zum Empfange am Bahnhof waren anwesend: Prinz Nikolaus von Nassau, Prinzessin Eugenie von Oldenburg, Oberpräsident von Bardeleben, Regierungspräsident v. Wurmb, Landrath Rolshoven, Badecommiffar v.Lepel, Amtmann Schlosser, Bürgermeister Spangenberg, die Generalität von Koblenz, die Geistlichkeit , mehrere Kriegervereine und eine große Anzahl distinguirter Badegäste. Der Kaiser, welcher sehr wohl aussah, begab sich alsbald von den Badgästen und der zahlreichen Bevölkerung sehr lebhaft begrüßt, in offenem Wagen über die mit Blumen und Fahnen festlich geschmückte Brücke nach dem Curhaus, auf dem Wege dahin bildeten die Schulen Spalier.
— Unter dem Vorsitze des Staats-Ministers von Bötticher und demnächst in dessen Behinderung unter dem Vorsitze des Gesandten Grafen von Lerchenfeld-Köfering wurden am 15. und 16. d. M. Plenarsitzungen des Bundesraths abgehalten. ■ Die Versammlung trug Bedenken, dem Gesetzentwürfe, betreffend die Abänderung des Zolltarisgesetzes vom 15. Juli 1879, in der von dem Reichstage in der Sitzung vom 9. Juni beschlossenen Fassung die Zustimmung zu ertheilen, und beschloß den gedachten Gesetzentwurf in veränderter Fassung dem Reichstage zur anderweitigen Beschlußfassung wieder zugehen zu lassen. In dieser veränderten Faffung fand der Gesetzentwurf die Zustimmung des Reichstags. Die Anträge betreffend die Abrundung des Gewichts der Eisenbahngüter behufs Berechnung der Fracht- zu werden, wie man zu lagen pflegt und wie das gewöhnlich, aber verkehrt verstanden wird, räsonniren und schimpfen sie über Gott und Welt, und weil Vieles nicht taugt, verdammen sie Alles, was besteht. Dann ist Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit ihr Losungswort, prächtige Worte sind's, das muß wahr bleiben, und keinen Text der h. Schrift können sie besser auswendig, als das schöne Wort des Heilandes: Liebe deinen Nächsten!
Aber dieselben Leute, die das draußen in Gesellschaften und wo der Worte hitziger Streit geführt wird, am Besten auszulegen wissen, wurden von Stund an, wie sie das anfingen, zu Hause gegen Frau und Kinder kälter und härter, und die größten Freiheitshelden im Wirthshans oder auf der Wachtstube, waren daheim die ärgsten Tyrannen.
Ich sage nicht, das Peter das gleich Anfangs schon war, auch nicht, daß er es werden wollte, aber es war auch oer alte Peter nicht mehr, was keiner besser wissen mochte, wie seine Gertrud, die in ihrem einfältigen Weibsverstand wenig, aber das Wenige gradaus und gut verstand. Ueber- haupt haben die Weiber in allen Dingen, wo das Herz im Spiel ist und des Hauses inneres Glück, eine gar scharfe und feine Nase und steht in den Punkten die geringste
gebühren und betreffend die Dechargirung der Rechnung der Gaffe des Rechnungshofes sür 1880/81, sowie mehrere Privateingaben wurden den zuständigen Ausschüssen zur Vorberathung überwiesen. Die Versammlung schritt sodann zur Neuwahl der vom Bundesrath zu ernennenden Mitglieder des Curatoriums der Reichsbank und genehmigte ferner mit unerheblichen Abänderungen den Ausschußantrag, betreffend die Einrichtung von Strafregistern und die wechselseitige Mittheilung der Strafurtheile. Dem Ausschußantrage, es möge bei der vorbehaltenen Verwendung des Urmaterials der Berufsstatistik ein in Vorlage gebrachtes „Systematisches Verzeichniß der Gewerbe" eventuell der Bearbeitung der Gewerbestatistik zu Grunde gelegt werden, trat die Versammlung bei. Nachdem einer Privateingabe, betreffend Zollerlaß für verbrannten Reis, Folge gegeben und für die Berathungen im Reichstage ein Commissar gewählt worden war, wurde schließlich gemäß den Anträgen des Ausschusses die Wahl eines Mitgliedes des Rechnungshofes des Deutschen Reichs vollzogen
— Die Landtagswahlen finden der ,Nationall. Corresp.'-zufolge am 18. October statt. Die Wahlmännerwahlen würden demnach am 11. October vorzunehmen sein.
— Den Morgenzeitungen zufolge legte der Staatsanwalt Revision gegen die Freisprechung Mommsen's ein.
— Das deutsche Uebungs - Panzer - Geschwader soll in den nächsten Tagen in den östlichen Theil der Ostsee bis nach Memel segeln, um genaue Untersuchungen über Handwerksstau der gebildetsten Dame in gar nichts nach.
Was wollt's aber helfen, Peter fing an demokratisch zu werden und glaubte dazu ganz gute Gründe zu haben. Auf der Wachtstube, im Kreise seiner Bekannten, die schnell alle Freunde geworden, war es hinlänglich deutlich und klar dargethan worden, daß die seitherige Ordnung in der Welt, die Regierung und die Reichen ganz allein Schuld wären an all dem Unglück und Elend, was über die Menschen gekommen, daß diese allein Schuld daran wären, daß besonders der Handwerksmann auf keinen grünen Zweig kommen könne.
Dazu haben die Pfaffen, fiel ein herabgekommener Schuster ein, der mehr im Wirthshans und in den demokratischen Vereinen zu treffen war, als in der Werkstätte, mitgeholfen. Die Reichen haben uns ausgesogen, die Regierungen haben selbst unmäßig geschunden und die Reichen im Schinden geschützt und die Pfaffen haben uns immer zur Geduld, zur Rechtschaffenheit ermahnt und auf den Himmel vertröstet.
Das hatte er aber auch nicht aus sich, das hatte er in einer demokratischen Sitzung von einem sogenannten Doctor gehört, der gewaltig freundlich mit dem Volke that, in den gemeinsten Kneipen sich oft Herumtrieb