M 133.
Dienstag, den 13. Juni 1882.
Fuldaer ZM Ieitung.
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-o- Rom, die Hauptstadt Italiens, vom strategischen Standpunkte.
Im Deceniber v. Js. erschien in der Augsburger Illg. Ztg.' aus nicht-katholischer Feder eine Reihe von Abhandlungen, die allenthalben berechtigtes Aufsehen erregten, weil sie die grellen Mißstände des unverzeihlichen Fehlers, Rom zur Hauptstadt Italiens zu erheben, schlagend nachgewiesen haben. Gewiß haben sich, heißt es in einem dieser Artikel, selten ein Hof und eine Regierung fo unbequem und unbehaglich instal- lirt gefunden, wie der Hof und die Regierung Italiens in Rom. Es fehlt an den geeigneten Baulichkeiten; das jetzige Rom hat sich mit der Kirche und durch die Päpste gebildet, wird immer als eine Verkörperung der Kirchen- und Papst-Geschichte dastehen und weigert sich, diesen Stempel, den ihm Jahrhunderte aufgedrückt haben, durch einen anderen verwischen zu lassen. An keinem geringeren Orte, als im italienischen Parlamente, ist es ausgesprochen worden: „Wir sind in Rom, wie in einer Herberge, nicht wie in unserem Hause". Die anfängliche Meinung, daß man in den zahlreichen eingezogenen päpstlichen Palästen, geistlichen Gebäuden, Klöstern re. passende und wohlfeile Räume zur Aufnahme der Regierungs-Behörden finden werde, hat sich als eine gründliche Täuschung erwiesen. In den eingezogenen Gebäuden haben mit großen Kosten Umbauten vorgenommen werden müssen, um sie den neuen Zwecken nothdürftig anzupassen. Daß es nur nothdürftig und ungenügend gelungen ist, geht daraus hervor, daß das Parlament und die Commune sich zur Bewilligung
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Walter,
der kleine Porzellanhändler. (Fortsetzung.)
Nichts Eiligeres hatte er also zu thun, als seine Kiepe in dem nahen Pfuhl zu reinigen, das Geschirr zu säubern und, was nur des Mitnehmens werth war, wieder einzupacken; das ganz Schlechte unten, das Gute oben und nach Außen, damit das Beschädigte nicht gleich in die Augen falle. Allerdings, seine Habe war bedeutend ineinander gebrochen, doch war sein Muth nicht zerbrochen, was nicht gerade allen Menschen beim Unglücke eigen ist. Dann hat er an die eigene Säuberung gedacht, sein schmutziges Kittelchen ebenfalls ausgewaschen und oben auf der Kiepe befestigt, dainit Luft und Sonne es trockene. Bald war er mit seiner Sache wieder leidlich in Ordnung. Dann aber hat er sich nochmal vor das Kreuz niedergesetzt und sich und seine Fahrt Gott empfohlen.
Wenn ich weiter von dem Walter nichts wüßte, jetzt prophezeite ich ihnr ein glückliche Zukunft. Will sagen, warum? Vor allen Dingen, weil der Junge, statt bei Unglück ohne Ende zu fluchen und zu raisonmren, die Schuld auf Dies oder Jenes zu schieben,
großer Summen behufs umfassender Neubauten haben entschließen müssen. Weder die Ministerien, die Gerichte, das Parlament, die Universität, noch die Kasernen, die Schulen, Hospitäler rc. haben bisher Räumlichkeiten finden können, welche mehr als nothdürftig ihrem Zweck entsprechen. Doch hievon wollen wir hier nicht weiter handeln, sondern vielmehr Rom, als italienische Hauptstadt, vom strategischen Standpunkte in's Auge fassen.
Ein flüchtiger Blick auf die Karte Italiens beweist uns, daß der Schwerpunkt der Halbinsel in Ober-Italien liegt. Dort, inmitten der blühendsten Landwirthschaft und Industrie, wo der Alpenwall, die vielen Flüsse und Festungen, die größte Landesausdehnung Schutz bieten — dort und nirgends anders muß die Hauptstadt liegen, wenn je Italien eine Einheit geworden. Schon das administrative Genie des ersten Bonaparte hatte dies erkannt: als er das Königreich Italien errichtet hatte, wies er dem Vicekönige Mailand als Haupt- und Residenzstadt an.Rom dagegen mit seiner öden Campagna paßt wohl als friedliche Hauptstadt des Papstes und seines Kirchenstaates, nimmerniehr als Hauptstadt Italiens. Es liegt dem Meere zu fern, als daß es durch Seebefestigungen geschützt werden könnte, und doch wieder zu nahe, um vor feindlichen Flotten und Landungstruppen sicher zu sein. Von den umliegenden Höhen kann es beschossen werden, seine Campagna reicht im Falle eines Krieges zur Verproviantirung nicht hin, noch kann es, wie Paris, durch einen mehrfachen Gürtel von vorgeschobenen nur auf sich selber nicht, wie wohl Andere würden gethan haben, sich an Gott wendet, den Helfer in der Roth, daß der ihm rathe, also weil der Walter im Unglücke fromm bleibt; dann zweitens, weil er beim Mißgeschick nicht alsogleich den Muth verliert, sondern trotz dem Unglück seinen guten Vorsatz festhält und zu retten sucht, was sich retten läßt. Statt das noch ganz gebliebene Geschirr nun auch zu den übrigen Scherben in die Straße zu werfen, trotzig und verzagt wieder nach Hause zu schleichen und mit halb oder ganz erlogenen Entschuldigungen sich mehr zu verderben als herauszureißen, steht unser junger Handelsmann eine Stunde nach dem Unglücke wieder viel reicher handelsfertig da, als vor demselben, zwar nicht reicher an Geld und Waare, aber an Gottvertrauen, Vorsicht und Muth, unschätzbare Dinge für jeden Menschen, der in der Welt zu irgend etwas kommen will. Und wenn solche Dinge in einem zwölfjährigen Knaben liegen, dann sollt ihr Wunderdinge einst von diesem Manne vernehmen. Und sie haben drin gelegen, und daß sie drin gelegen, daran war seine leidvolle, herbe, aber fromme Jugend schuld. Jin Leiden nämlich stählt sich die Seele und wächst viel schneller, als in jeglicher Freude.
Forts gehalten werden. Eben jetzt arbeitet man mit fieberhafter Hast an der Befestigung der Tiberstadt, aber je umfassender die Werke werden, desto mehr Truppen muß man in dieselben verzetteln, während der Hauptangriff am Südabhange der Alpen zu pariren ist. Erst hinter dem Po beginnt die zweite strategische Hauptlinie. Was soll also Rom als Festung ersten Ranges anderes, als eine in Oberitalien nothwendige Armee für seine Rettung beherbergen und so die Gesammtvertheidigung schwächen? Vollends wäre die Lage schlimm, wenn in der nämlichen Zeit, da ein starkes Heer von den Alpen herabsteigt, ein zweites an der langgestreckten tyrrhenischen Küste landen und Rom bezwingen würde. Wer baut die Hauptstadt eines Reiches von 30 Millionen Einwohnern an eine so bloßgestellte Gegend? Ja, so lange das alte Rom erobernd sich weiter ausdehnte, so lange die Wölfin mit eisernem Gebisse die Völker zermalmte, so lange das ganze Mittelmeer ausschließlich römische Provinzen bespülte und bei den alten Handwaffen: da konnte die urbs wenige Stunden vom Meere an der schiffbaren Tiber liegen. Aber sobald das abendländische Reich zerfiel, zogen sich seine schwachen Kaiser nach Ravenna, Mailand, ja nach Trier zurück; die neuen Eroberer aus dem Norden wohnten lieber in Pavia, wie die Longobardenkönige, oder in Verona, wie der Ostgothe Theodorich, als in der gefährlichen Wolssfalle an der gelben Tiber. Erst Neu- Italien, verblendet vom Haffe gegen Christus und seine Stellvertreter, hat den Unsinn „Roma Capitale“ sich zu eigen gemacht
Wie mag es denn heute noch dem Walter ergehen?
Schau, dort unten liegt unter den Bäumen versteckt, von wogenden Getreidefeldern umgeben, ein Bauernhof. Drinnen ist große Wirtschaft, denn sechs paar kräftige Ackerpferde pflügen im Brachfelde, weshalb auch die mächtigen Scheunendächer weithin unter den Bäumen herlaufen und so tief zur Erde herabhängen, daß man mit den Händen daran reichen kann. Eine ganze Heerde Rindvieh ist eben durch den weitgeöffneten Thorweg geschritten, um zur Weide zu ziehen. Flinke Burschen begleiten die Heerden und klatschen mit den langen Peitschen in den hellen, schönen Tag hinein. Die Bäuerin ist dem Vieh von weitem bis vor das Hof» thor gefolgt und hat ihm dann mit jenem eigentümlichen Behagen nachgesehen, was nur solche Leute empfinden, die sich mit der Viehzucht abgeben. Da tritt eben unser Walter hinter den Bäumen her, wo er sein. Kittelchen wieder angezogen, und nähert sich, schüchtern der Bäuerin. Wie der Türk an. der Kette reißt und bellt! Verwundert erblickt die Bäuerin den kleinen Händler. Man sieht's ihm doch an, daß er noch nicht durch's Land gestrichen; er würde kecker vortreten und noch kecker seine Leute besehen. Er nähert sich, zieht das Mützchen ab, will