M 131. Sonnabend, den 10. Juni 1882.
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8. Der Centralausschutz der Concordia,
Verein zur Förderung des Wohles der Arbeiter, war vor Kurzem in Frankfurt a. M. versammelt und wurde zunächst zur Mittheilung gebracht, daß das Preisgericht über die beiden von dem Verein ausgeschriebenen Preisarbeiten über rationelle und billige Ernährung wie über Errichtung von Ärbeiter- wohnhäuser im Begriff sei, die Prüfungsarbeiten zu vollenden. Eine Beschickung der durch das bekannte Brandunglück nicht zur Abhaltung gekommenen Ausstellung für Hygieine in Berlin habe noch nicht stattgefunden und sei daher auch kein Verlust zu beklagen; gleiches gelte von den von dem Verein von Quartal zu Quartal zur Ausgabe gelangenden Tabellen über Löhne, Lebensmittel, Wohnungs-, Heizungs- und Beleuchtungskosten, welche ebenfalls hätten ausgestellt werden sollen. Es wird beschlossen, sowohl die preisgekrönten und resp. die besseren Schriften, sowie die Tabellen auch auf der verschobenen Ausstellung zur Vorführung zu bringen und die gezeichnet gewesene Garantiesumme von neuem zu zeichnen. —
Obgleich durch das Vorgehen der Reichsregierung in socialpolitischer Beziehung die wichtigste Aufgabe, welche dem Vereine obliege, nämlich die Gründung von Arbeiter-, Invaliden-, Wittwen- und Waisencassen, deren Lösung der Verein bereits mit einem gewissen Muthe näher getreten gewesen sei, einstweilen in der Schwebe habe belassen werden müssen, sei doch beschlossen worden, die mathematisch-technischen Grundlagen zur
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Walter,
der kleine Porzellanhändler. (Fortsetzung.)
Walter faßte sich ein Herz. Mit glühendem Gesicht hob er an: „Baas, wir sind ganz arm geworden, und nun wo der Vater tobt ist, wird auch die Mutter krank und kann nicht mehr arbeiten. Sie hat sich fast blind gearbeitet und geweint!" — Die Stimme des Knaben stockte, seine Augen schwammen in Thränen. Schnell faßte er sich wieder. „Die Mutter soll auch nicht mehr arbeiten, — und seine Stimme wurde fester — sonst wird sie ganz blind. Sie hat zu viel gearbeitet und geweint. Ich will nun die Mutter ernähren!"
„Du die Mutter ernähren?" fragte verwundert der Bauer und setzte sich fester in dem Sessel zurecht, indem er zweifelnd den Knaben von Kopf bis zu Fuß betrachtete. „Du bist ja noch zu klein, Dich selbst zu ernähren, wie willst Du denn die Mutter noch dazu ernähren, und wie soll ich Dir dazu verhelfen?"
„Baas, Ihr könnt mir wohl helfen," fuhr Walter bittend fort, „leiht mir einen Kronen- thaler, und ich gedenke, mit Gottes Hilfe uns Beide ehrlich zu ernähren!"
„Mit einem Kornenthaler?" rief erstaunt
Bildung allgemeiner Arbeiter-Jnvalidencassen zur Vollendung zu bringen und habe Professor Dr. Hepen-Leipzig die bestimmte Zusage gegeben, daß bis zur Abhaltung der Generalversammlung die Beendigung der Arbeit vollzogen sei. — In Bezug auf die dem Reichstag dermalen vorliegenden Gesetzentwürfe betr. die Kranken- und Unfallversicherung der Arbeiter wurde die nachfolgende Resolution beschlossen und der Vorstand beauftragt, dem Reichstag eine entsprechende Denkschrift zu unterbreiten.
Der Centralausschuß des Vereins Concordia kann sich mit dem Inhalte des dem Reichstage vorgelegten Gesetzes betreff, die Krankenversicherung der Arbeiter im Allge- nieinen nur einverstanden erklären und wünscht lebhaft das alsbaldige Zustandekommen dieses Gesetzes, damit in allen Fällen dem gewerblichen Arbeiter sür Krankheit und kleinere Unfälle eine entsprechende Unterstützung gesichert werde. Auch die Herbeiführung einer Sicherstellung für die Folgen größerer Unfälle hält der Centralausschuß für dringend nöthig, vermag aber die in dem Gesetzentwürfe, betr. die Unfallversicherung der Arbeiter, vorgesehenen Betriebsgenoffenschaften, noch weniger aber die Gefahrenclassen als geeignete Gebilde zur Bewirkung der als nöthig erscheinenden obligatorischen Versicherung anzusehen. Die in der Regel für den Bezirk der höheren Verwaltungsbehörde aus Betrieben gleicher Art zu constituirenden Betriebsgenossenschaften erschienen in keiner Weise lebensfähig, vielmehr in den meisten Fällen, weil dieser Bezirk zu klein und daher die Summe der beteiligten Betriebe
der Bauer aus. „Du willst mit einem Kronenthaler euch Beide ernähren? Höre Männeken, Geld ist rar und die Zeiten sind schlecht, aber einen Kronenthaler möcht' ich Dir schenken, wenn Du damit Euch Beide ernähren kannst."
„Ich kann nicht betteln," versetzte Walter, „und will auch den Kronenthaler nicht geschenkt haben; aber leiht mir ihn, ich gebe ihn, so Gott will, ehrlich wieder."
Das gefiel dem Bauer über die Maßen wohl, obschon ihm die Geschichte ganz unglaublich vorkam, daß nämlich der Junge da mit einein Kronenthaler so große Dinge unternehmen wollte. Eben trat seine gewichtige Ehehälfte in das Stübchen, die doch auch gern gewußt hätte, was die Beiden so lebhaft verhandelten. „Der Walter da," lachte der Bauer seiner Frau entgegen, „will einen Kronenthaler geborgt haben, um seine Mutter zu ernähren. Was sagst Du dazu, soll ich ihm den Thaler borgen? Geschenkt will er ihn nicht einmal." Die Bäuerin besah sich den Walter mit ächt weiblicher Neugierde, schüttelte ungläubig den Kopf, dann fragte sie: „Aber sag', Männeken, was willst Du denn mit dem Kronenthaler anfangen?"
„Handeln," antwortete Walter mit fester Stimme, „ich will auf den Handel ausgehen."
wie die Gesammtanzahl der beschäftigten Arbeiter zu gering ist, lebens- und leistungsunfähig. Die corporative Gestaltung der Unfallversicherung könnte nur durch Bildung von Genossenschaften, welche aus gleichen oder ganz ähnlichen Betrieben bestehen und einen, so großen Bezirk umfassen, daß die Genossenschaft lebensfähig wird, zum Vollzug gebracht werden, u. selbst hier erscheint es nöthig, daß die Genossenschaften zwecks gegenseitiger Garantieleistung in entsprechende Verbindung gebracht werden. Die in der Regierungsvorlage vorgesehenen Genossenschaften erschienen nicht geeignet, zur Heranbildung eines fruchtbaren corporativen Gemeingeistes in der vaterländischen Gesellschaft wirksam beizutragen. Von dem Standpunkte der Förderung des Wohles der Arbeiter ausgehend erscheint es zweckmäßiger, den Versicherungszwang zu constituiren und dessen Bethätig- ung unter Errichtung einer subsidiären Reichsanstalt bei denjenigen Versicherungsgesellschaften freizustellcn, welche geeigneten Normativbestimmungen entsprechen. - Der Ausschuß erachtet die Industrie für stark genug, um die Lasten der Unfallversicherung selbst tragen zu können und empfiehlt deshalb, von der Heranziehung öffentlicher Mittel abzusehen. — Der in der Regierungsvorlage vorgesehene Ausschluß des Rechtsweges und damit der Wegfall des processua- lischen Gegenüberstehens ist übrigens mit Freuden zu begrüßen, eine Mehrbelastung des Unternehmers, analog wie der persönliche Ausschluß des Arbeiters von dem gesetzlichen Bezugsrecht, nur bei Absichtlichkeit oder strafbarer Fahrlässigkeit zulässig. Die
„Du handeln," lachte der Bauer, daß das Wamms schüttelte, „aber womit willst Du denn handeln? Wo hast Du denn das Handeln gelernt?"
„Ich will meine Mutter ehrlich ernähren," wiederholte Walter und wurde verlegen. Er meinte, der Bauer habe ihn zum Besten; Thränen schossen ihm in die Augen und mit zitterndem Gesichte blickte er seitwärts. Baas Franz blickte ihn ernst an, dann einen Augenblick auf seine Frau, griff in den Sack, nahm einen Kronenthaler und gab ihn den Knaben. „Da hast Du den Thaler," sagte er mit väterlicher Güte, „handle in Gottes Namen, aber bleibe ehrlich und fromm. Nun gehe, und wenn Dn gewinnst, sehen wir uns wieder."
Vor Freude zitternd nahm Walter den Kronenthaler, küßte Baas Franz dankend die Hände, ein paar heiße Thränentropfen blieben darauf liegen als Unterpfand, versprach dann scheidend, für ihn zu beten und eilte zur Thüre hinaus. So glücklich war er in seinem Leben noch nicht gewesen. Die Bäuerin, obschon gerührt, meinte, das feien doch nur Kindereien, wer denn dem Kinde abkaufen würde; aber BaaS Fran; beschwichtigte sie mit der Bemerkung: „Diesen Morgen habe ich den Jungen in der Frühmesse gesehen. Der ist nicht mehr wie andere