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M 130.

Donnerstag, den 8. Juni 1882.

Fuldaer W8 Ieitung.

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e- Die Hauptstadt Rom eine diplo­matische Schwächung Italiens.

Je unrechtmäßiger ein Staat seinen Länder­besitz erworben hat, desto diplomatisch schwächer wird er, wenn er nicht etwa zu so überwältigender Macht gekommen ist, daß alle übrigen Reiche ehrerbietiges Schweigen ihm gegenüber beobachten müssen. Von Italien, der kleinsten und schwächsten unter den sechs Großmächten, kann Niemand be­haupten, daß es durch materielle Macht im europäischen Areopage besonders hcrvorrage. Zu dieser physischen Schwäche kommt nun eine zweite, die moralische, die in der gewaltthätigen Wegnahme des päpstlichen Roms liegt, und welche den diplomatischen Verkehr Italiens mit dem Auslande äußerst heikel macht.

Nachdem die italienische Revolution im Widerspruch mit dem Natur- und Völker- • rechte, ja mit dem positiven Rechte und der gesunden Vernunft in den Jahren 1859 und 1860 dem Papste 5/6 seines Staates brutal durch Waffengewalt genommen hatte, hat sie es gewagt, im September 1870 ohne allen und jeden Vorwand die ewige Stadt selbst zu bombardiren, zu erobern und den Papst innerhalb des Vaticans wie einen Gesungenen emzuschließen. Zu welch' er­bärmlicher Schwäche im Verkehr mit dem Auslande ist das Königreich der Revolution dadurch herabgesunken! Es kann zur Recht- sertigung seiner Unthat nur das nagelneue Recht der „vollbrachten Thatsache" ansühren, ein Recht, das jeden Dieb und Räuber straf­los macht für den Fall, daß ihm die That gelungen ist. Noch einen Monat vor dem

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Walter,

der kleine Porzellanhändler. (Fortsetzung.)

Was er eigentlich im Sinne habe, sagte Walter an dem Abend nicht, aber er be­harrte darauf, daß er die Mutter ernähren wolle, daß Gott ihm sicher helfe, und das mit einer solchen Zuversicht, daß endlich die arme Gertrud durch allen ihren Kummer hindurch noch lächeln mußte und beim Schlafen­gehen gar noch froh war, am Leben zu sein. Das ernste Wesen des Knaben hatte den dichten Wolkenschleier zerriffen, der ihren Sinn gefangen hielt, und unter Herzen und Küssen ihres Kindes schlief sie endlich ein. Im Traum konnte sie sich den Walter nicht mehr als Kind denken; ihr war er ein starker Mann, auf den sie sich stützen konnte.

Wer aber in der Nacht nicht schlief, das war der Walter. Still, aber wach wie am Hellen Tage, lag er da und speculirte über seinen Plan, der seine ganze Seele aufge­rührt hatte. Als der Hahn im nächsten Dorfe zum ersten Male krähte, wäre er schön gern aufgestanden; aber die Mutter schlief noch so sanft, lächelte bisweilen im Traume, sprach träumend mit ihrem Walter und zwar so ernst, als ob er schon zwanzig Jahre zählte, und betete dann wieder in

Bombardement Roms hatte die Regierung zu Florenz Frankreich gegenüber die förm­liche Verpflichtung eingegangen, die Con­vention von 1864 einzuhalten, d. i. Rom und den kleinen Rest des Kirchenstaates nie mit bewaffneter Hand anzugreifen; aus dem Munde der Minister erscholl zu gleicher Zeit vor dem Parlamente die feierliche Erklärung, daß ein Angriff auf Rom und eine Erober­ung der Stadt vermittelst Kanonen eine weltkundige Ungerechtigkeit und selbst eines Sultans der Barberei unwürdig wäre. Von alledem geschah nach wenigen Wochen das gerade Gegentheil, obgleich weder in den Umständen eine Veränderung, noch von Seite des Papstes die geringste Herausforderung erfolgt war.

Wie schwach und unwürdig steht die Diplo­matie „Italiens" vor dem Erdtheile da, so lange das vergewaltigte Rom gegen dieselbe zum Himmel schreit! Wer kann mit ihr noch ehrlich verkehren, wer von ihr Treue in Haltung eingegangener Verpflichtungen erwar­ten, so lange ihr das Brandmal „Rom" an der Stirne klebt?

Daher kommt es, daß die welsche Regier­ung vor jedem rauschenden Blatte bange wird. Man hat es ja vom Juli 1881 an gesehen, als die römische.„Frage" in der europäischen Presse, wenn auch bloß akade­misch discutirt wurde und als gegen Ende des Jahres die deutsche Reichsregierung einige Lust bekundete, die Angelegenheit diplomatisch zu regeln. Die ,Post' (30. December 1881) legte die diplomatische Schwäche „Italiens" dar in der Ausführung, daß infolge des definitiven Sieges der Re- sich hinein: „Ach, lieber Gott, segne doch mein liebes Kind! Habe so viel gelitten, lieber Gott, segne doch mein liebes Kind!" und weinte dazwischen wieder still, daß Walter selbst mitweinen mußte. Noch nie hatte er die arme Mutter so lieb gehabt, wie in der Nacht, und sie hatte ja auch so viel ausge­standen. Endlich ertönte das Frühglöckchen von der Dorfkirche. Nun war Walter bald auf den Beinen, zog sich rasch an, grüßte die Mutter und eilte dann seiner Gewohn­heit gemäß zur Frühmesse. Die Mutter sah zwar den Walter nun wieder in seiner natür­lichen Größe, aber sein Thun war doch auch am lichten Morgen wieder grade so, wie sie es sich in der Nacht geträumt. Walter hatte an dem Morgen in der Kirche viel zu beten, auch sprach er mit unfern lieben Herrgott in ganz ungewöhnlicher Weise, mit einem Glauben und Vertrauen, wie sonst nie und in einem so ruhigen, ernsten Tone, daß es ihm selbst seltsam vorkam. Aber recht war es doch, das sagte ihm sein Herz.

Als Walter aus der Kirche nach Hause zurückkehrte, suchte die Mutter eben das Frühstück zusammen. Es waren die dürf­tigen Ueberreste des gestern Abend herge- gerichteten Mahles, einige wenige aufge- wärmte Kartoffeln, eine kleine Brodkrumme und in einem irdenen Näpfchen noch etwas

publik in Frankreich und infolge des An­schlusses dieses republicanischen Landes an die gesinnungsverwandten Elemente in Italien das savoyische Königthum in die Klemme zwischen Papstthum und Republicanismus gerathen sei, und daß in dieser Lage die Erhaltung des italienischen Königthums und der italienischen Unabhängigkeit die Regel­ung der Papstfrage fordere. Noch bedeu­tungsvoller ist die Schlußausführung der ,Post', daß nämlich Italien, wenn es bei dieser Regulirung europäische Verpflich­tungen übernehme, auch dafür einer ge fähr- lichen Verantwortung ledig werde. Mit anderen Worten: Die Wegnahme Roms war nicht bloß eine Sünde, sondern auch ein schwerer politischer Fehler, die neue Hauptstadt ist eine politische und diploma­tische Absurdität, welche den Italienern eine „gefährliche Verantwortung" vor dem Aus­land auferlegt, alle Beziehungen zum Aus­lande vergiftet und die Unabhängigkeit der Halbinsel in Frage stellt.

Die „Hauptstadt Rom" ist für jede Macht, die aus anderen Gründen mit Italien an­binden will, ein stets bereitliegender Kriegs­vorwand. Jeder Staat, der auch nur wenige Millionen katholischer Unterthanen hätte, könnte die Herausgabe Roms verlangen und im Weigerungsfälle Gewalt anwenden. Auch der unpopulärste Krieg würde millionen­fache Sympathien im In- und Auslande wecken, wenn der kriegslustige Theil die Rückgabe Roms in sein Manifest aufnehmen wollte. Die Hauptstadt Roms ist die Achilles­ferse Italiens.

Das Königreich Italien ist dadurch bd

Milch für den Walter, der Gertrud einen Theil Wasser zuschüttete. Wenn das ge­nossen war, war ihr ganzer Speisevorrath erschöpft. Walter saß still da, wollte die Milch nicht trinken, sondern holte sich Wasser, in das er das kleinste Stückchen Brod tunkte, kaum rührte er die Kartoffeln an. Auf die Fragen der Mutter gab er kaum Antwort, obschon eine gewisse Zufriedenheit in seinen Zügen lag. Nur wenn er der Mutter in das verweinte Angesicht sah, in ihre tief­liegenden, entzündeten Augen, lief sein An­gesicht mit zitterndem Roth an und ■ sein Blick ward ernster. Schnell war er mit seinem Frühstücke fertig, dann bat er die Mutter, ihm einen Ausgang zu gestatten, wohin? sagte er nicht. Als er die Erlaub- niß erhalten, sprang er, sich bekreuzend, zur Thüre hinaus.

II.

„Der kleine Walter steht vor der Thüre und fragt nach dem Baas (dein Hausherrn); der sieht grade aus, als wollte er betteln", berichtete an demselben Morgen die Magd des Bauers Franz an ihre Hausfrau, die eben im Begriffe stand, das Frühstück für die Knechte auf dem Felde in Körbe zu packen. Da stand der dicke Topf mit Mehl­brei, ein tüchtiges Stück schwarzes Brod lag