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Angesichts des Vorschlages bezüglich der Conferenz in Constantinopel Alles aufbieten werde, um das unleugbare diplomatische Einmischungsrecht Europas möglichst zu re- duciren. Die günstige Lösung der Vorfrage selbst fei noch keine absolute Bürgschaft für den raschen Erfolg der Conferenz. Vor Allem sei über die unmittelbaren Vorkehr­ungen, welche die Vorgänge in Kairo er­heischen könnten, eine rasche Verständigung zwischen den Mächten und der Pforte noth- wendig; das Schwergewicht der Frage ruhe jetzt in Constantinopel.

* Wien, 5. Juni. Der seitherige Sec- tionschef im Ministerium des Aeußeren v. Kallap ist zum Reichsfinanzminister er­nannt worden. — Dem Vernehmen nach wird Kronprinz Rudolf mit seiner Ge­mahlin den bevorstehenden Tauffeierlichkeiten in Berlin (Potsdam) anwohnen.

— Wegen der Ueberfluthung Galiziens durch russische jüdische Flüchtlinge ist eine strainmere Handhabung der Vorschriften über den Grenzverkehr angeordnet worden.

Italien.

* Wie man polnischen und französischen Blättern aus Rom telegraphirt, wird der hl. Vater in der Allocution des Junicon- sistoriums über die kirchlichen Verhältnisse in Rußland und Deutschland sich günstig aussprechen, dagegen seinem Bedauern über die Lage in Frankreich Ausdruck geben. Dem Vernehmen nach wird Leo XIII. in dem Konsistorium sechszehn Bischöfe für die Kirchensprengel unter russischem Scepter präconisiren.

* Parteigänger der Revolution aus den Reihen der Studenten an der Universität Sapienza zu Rom zerstörten am 4. d. M. die Druckerei der katholischen Zeitung (Voce della veritä‘ weil diese einen für Jung­italien unangenehmen Nekrolog Garibaldi's veröffentlicht hatte.

Provinetelles und Locales.

* Fulda, 6. Juni. Von verschiedenen Seiten wurden wir ersucht, angesichts der am nächsten Sonntage dahier stattfindenden Frohnleichnamsprocession darauf hinzuweisen, daß die Art der Betheiligung unserer Män­nerwelt an dieser Procession in den letzten Jahren eine Verschlechterung aufzuweisen hatte, nicht durch geringere Betheiligung überhaupt, sondern durch merkliche Ab­nahme der Fackelträger, deren Reihen um so viel kürzer erschienen, als die auf den Baldachin folgenden Männer zahlreicher geworden sind. Möchte doch das Tragen der Fackel, wodurch sich ein lebendiger Glaube ausspricht, wieder allgemeiner von denjenigen Kreisen beliebt werden, welche nicht durch althergebrachte Gewohnheit das Recht haben, dem Sanctissimum unmittelbar zu folgen! Ferner ist die Beobachtung ge­macht worden, daß viele Lehrlinge nicht mehr wie früher eine Gruppe der Proces­sion bilden, sondern sich hier und dort zwischen den Männern eindrängen. Es wird daher gut sein, wenn die Herren Mei­ster ihren Lehrlingen strengstens anbefehlen, sich von ihres Gleichen nicht zu trennen, sondern mit der Handwerksschule zu wall- sahrten. Inzwischen dürfen wir unfern aus­wärtigen Lesern versichern, daß in diesem Jahre, insbesondere von unseren Schulen, Alles aufgeboten wird, um die Frohnleich­namsprocession auf's Schönste zu verherr­lichen, sodaß es Niemanden gereuen wird, am nächsten Sonntage zu jener erhabenen kirchlichen Feier nach Fulda geeilt zu sein.

— Heute spendete der Hochw. Herr Bischof Georg das hl. Sacrament der Firmung zum ersten Male in seiner Cathe- drale.

— Morgen, Nachmittags 247 Uhr, passirt Ihre Majestät die Kaiserin Augusta aus der Reise nach Berlin die Station Fulda. Se. K. K. Hoheit der Kronprinz wird, wie wir vernehmen, im Laufe dieses Sommers unsere Stadt wieder mit einem kurzen Besuche beehren.

— Heute Morgen starb dahier ein hoch­angesehener Bürger unserer Stadt, der in weiteren Kreisen bekannte Eisenhändler Karl Anton A r n d. Derselbe genoß die Achtung und das Vertrauen seiner Mitbürger in hohem Grade, bekleidete er doch länger als dreißig Jahre das Amt eines Stadtrathes resp. Vicebürgermeistektz zum Segen der Stadt. Er war ein Mann von schlichter Einfachheit, ein gerader biederer Charakter. Seinem rastlosen Fleiße, verbunden mit strengster Redlichkeit, ist es gelungen bei sehr bescheidenem Anfang das Geschäft, welches seine Firma trägt, auf eine für hiesige Ver­hältnisse seltene Höhe zu bringen. In ihm verliert Fulda einen Mann, der eine merk­würdige Local- und Personalkenntniß besaß. Sein ausgezeichnetes Gedächtniß erregte oft Staunen. Seine politische Gesinnung war eine entschieden conservative. R. I. P.

— Ueber die Einrichtung von Schonzeiten. für Fische und die Mittel zur Hebung der Fischerei bemerkt die Fischereizeitung u. A.: Obwohl zuverschiedenen Zeiten und in den verschiedenen Staaten Gesetze und Verordnungen über Schonzeiten, Minimalmaße, Maschenweiten, Geräthverbote u. s. w. erlassen und immer wieder erneuert worden sind, ist wenigstens die Binnenfischerei im Großen und Ganzen zurückgegangen. Eine der Hauptursachen des Rückgangs ist in dem Mangel einer ge­regelten Bewirthschaftung zu suchen. In diesem Punkte muß die Gesetzgebung zuerst ansetzen, die Berechtigten veranlassen und, wenn nöthig, zwingen, eine möglichst richtige Wirtschaft zu führen. Ferner müssen für jedes Gewässer bezw. bestimmte Gewässer­strecken eigene Behandlungsvorschriften er­lassen werden. Dies ist aber nicht anders durchzuführen, ohne je eine Gewässerstrecke, welche sich in ihrer Gesammtheit zu einer möglichst einheitlichen und nutzbaren Be­wirthschaftung eignet, zu gemeinsamer Be­wirthschaftung zusammenzuzwingen.

- Ein Gemeinschuldner, welcher Ver­mögensstücke, in der Absicht, seine Gläubiger zu benachteiligen, bei Seite geschafft hat, ist nach einem Urtheil des Reichsgerichts, II. Strafsenats, vom 17. März d. I., nur wegen strafbarer Begünstigung aus §. 211 der Reichs-Concursordnung mit Gefängniß bis zu zwei Jahren zu bestrafen, wenn die Bei­seiteschaffung die vorzugsweise Begünstigung eines einzelnen Gläubigers bezweckt; dagegen ist er wegen betrügerischen Bankerotts mit Zuchthaus zu bestrafen, wenn die Beiseite­schaffung zu sonstigen Zwecken erfolgt ist.

— Gegen eine Druckschrift, die keinen strafbaren Inhalt hat. bei der aber gegen die Ordnung der Presse verstoßen ist (z. B. durch Nichtbezeichnung des Druckers), kann nach einem Urtheil des Reichsgerichts, III. Strafsenats, vom 8. März d. I., vom Richter nicht auf Unbrauchbarmachung der Druckschrift erkannt werden.

Amöneburg, 4. Juni. HeuteMor- gen zwischen 5 und 7 Uhr entluden sich hier schwere Gewitter, die viel Regen, aber - ■ Gott Dank! — ohne Schlossen, brachten. Um (U/z Uhr schlug der Blitz in den Ne­benbau des Gastwirths Euler, dessen Be­sitzung an der Straße nach Kirchhain un­weit der Lindaucapelle liegt, und tödtete eine Kuh, während der Hund und ein Schwein, die in demselben Stalle waren, unverletzt

blieben und auch sonst weiteres Unglück nicht entstanden ist.

§ Marburg, 3. Juni. Gestern Nach­mittag fand im großen Saale des Gaffe Ouentin dahier eine Versammlung von Conservativen statt, welche sowohl aus hiesi­ger Stadt, wie vom Lande gut besucht war. Der Vorsitzende des conservativen Comites, Herr Gymnasialdirector Dr. Münscher, er­öffnete die Versammlung mit einer kurzen Ansprache und ertheilte dann das Wort unserem seitherigen Landtagsabgeordneten Herrn Landrath Schreiber von hier. Dieser erstattete einen kurzen Bericht über die Thätigkeit der Conservativen während der nun zu Ende gehenden Legislaturperiode im preußischen Landtage. Nach seinen Aus­einandersetzungen hätten die Conservativen im Landtage sowohl wie im Reichstage ganz dieselben Ziele verfolgt, nämlich einmal den Frieden des Reichs nach Außen hin zu er­halten und zu wahren und dann auch den Frieden im Innern wieder zu erlangen. Das erste geschehe nur dadurch, daß man die deutsche Wehrkraft nicht schwäche, damit Deutschland stets seinen Feinden gewachsen sei. Den inneren Frieden hätten die Con­servativen zu erreichen gesucht durch Unter­stützung der Pläne des Fürsten Bismarck in Bezug auf die Steuerreform, dann auch da­durch, daß sie den f. g. Kulturkampf aus der Welt schaffen und die Volksschule wieder confessionell machen wollten. In diesem Sinne würden die konservativen weiter arbeiten, da nur auf diese Weise wieder Ruhe und Frieden bei uns einkehren würden. Die Rede des Herrn Landrath Schreiber wurde allgemein mit Beifall aufgenommen. Wenn die Konservativen alle so aufrichtig über die verfehlten Maigesetze urtheilen, wie dieses Herr Schreiber that, und wenn sie alle so aufrichtig die Revision der Maigesetze fordern, wie es hier als nothwendig hinge­stellt wurde, dann können wir sagen: Bald schlägt die Stunde der Befreiung! Nach Herrn Schreiber sprach noch der gerade hier anwesende Herr von Helldorf-Bedra. Derselbe betonte, daß es ihm besonders an­genehm sei, in dieser Versammlung so viele Männer vom Lande zu sehen. Er sähe hierin gegen früher einen guten Umschwung in der hessischen Landbevölkerung, welche immer mehr zu der Ueberzeugung gelange, daß die Vertretung und Verfechtung der conservativen Grundsätze gerade dem Land- manne zum größten Vortheile gereiche. Hier­auf wurde die Versammlung von dem Vor­sitzenden mit einem Hoch auf den Kaiser geschlossen.

* Benndorf (bei Korbach). Ein recht trauriger Fall ereignete sich in unserem stillen Dors vor einigen Tagen. Der Land- wirth Schüßler lebte mit seinem das gleiche Gut bewirthschaftenden Stiefsohn in tiefstem Unfrieden. Der Grund soll ein recht widerwärtiger gewesen sein. Der alte Sch., ein Wittwer, hatte sich auf das Mäd­chen, das sein Stiefsohn als Frau heimführte, auch Hoffnungen gemacht und verfolgte nach der Verheiratung das junge Paar mit un­nennbaren Anträgen. Oft schon war es zu Thätlichkeiten gekommen. Neuerdings nun griff der Vater den Sohn mit einer Axt an, dieser schlug nach ihm mit einer Greipe und verwundete ihn derartig, daß nach ein paar Tagen der Tod eintrat. Der Staats­anwalt hat die Sache in die Hand genommen.

* Cassel, 5. Juni. Prinz Karl hat die Nacht ziemlich befriedigend verbracht. Prof. Langenbeck ist gestern Abend ange­langt. Gegenwärtig berathen die Aerzte, ob die Ueberführung des Patienten vom Hotel nach dem Palais am Friedrichsplatz angängig ist.