M 128.
Fuldaer
Dienstag, den 6. Juni 1882.
Jcitung.
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-h- Garibaldi,
der Papsthasser, ist in der Nacht des 2. Juni auf Caprera gestorben. Ob er sich mit der Kirche ausgesöhnt habe, oder nicht, darüber sagt der Telegraph nichts. Wir möchten es hoffen, aber wir glauben nicht, daß dieser alte Gotteslästerer sich noch bekehrt habe. Garibaldi war am 4. Juli 1807 zu Nizza geboren. Als Jüngling von 18 Jahren trat er in die sardinische Marine ein. 1836 ging er nach Südamerika in den Dienst der Republik Rio Grande del Sud. 1848 kehrte er nach Italien zurück, von wo er, da er weder den Oesterreichern in die Hände fallen, noch in Sardinien im Gefäng- niß sitzen wollte, nach Tunis entkain. Von hier ging er 1851 wieder nach Amerika und kehrte 1854 zum zweiten Male nach Italien zurück. In, Jahre 1859 befehligte Garibaldi die Freiwilligencorps gegen Oesterreich; er drang bis nach Tyrol vor, wäre aber rettungslos verloren gewesen, ivenn nicht der für die Oesterreicher so unglückliche Ausgang der Schlacht bei Magenta ihm Luft verschafft hätte. Im Jahre 1860 wurde er Dictator des verkauften irnd verrathenen Königreichs beider Sicilien. Sein Plan, den Papst aus Rom zu verjagen, gelang ihm nicht, da Frankreich damals aus politischen Gründen die Hand über Rom hielt.
Im Jahre 1866 bekam er im Kriege Italiens gegen Oesterreich das Commando über 20 Bataillone Freiwilliger, wurde aber von einigen Bataillonen österreichischer Jäger derart in Schach gehalten, daß er zur Un- thätigkeit verurtheilt war. Im Jahre 1867 wollte nun Garibaldi seinen Lebensplan,
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Walter,
der kleine Porzellanhändler.
„Bete und arbeite."
Im Anfänge dieses Jahrhunderts saß zu Dingskirchen, einem kleinen, armen Neste, das ich wichtiger Gründe wegen nicht näher beschreiben, noch weniger nennen darf, in einer feuchten, engen Stube, die eher einem Loche, als einer menschlichen Wohnung ähnlich sah, eine zwar ordentlich, aber sehr ärmlich gekleidete Frau von mittleren Jahren beim Lampenlicht an der Arbeit. Man sieht es der armen Gertrud an, daß sie Wittwe ist, obschon sie keine Trauerkleider trägt, dafür hat sie kein Geld; aber in ihrem ganzen Wesen spricht sich die Trauer nur gar zu deutlich aus. Das Lämpchen hat sie sich auf dem Arbeitstische so nahe gerückt, daß es ihr fast die Haare versengt; aber wie sehr sie sich auch anstrengt, zu sehen, immer wieder schwimmen Nadel, Faden und Leinwand in und durcheinander; die dünnen Hände erzittern, die roth angelaufenen Augen füllen sich immer wieder mit neuen Thränen, die auf die Arbeit niedertröpfeln, während der ermatteten Brust sich Seufzer auf Seufzer entwinden. Endlich läßt sie die Arbeit fallen, stützt ihre Arine auf den morschen Tisch, legt ihr Gesicht
Rom zu erobern, zur Ausführung bringen; mit 12,000 Mann erschien er vor Monte Rotondo, das von 300 päpstlichen Soldaten und 2 Kanonen vertheidigt wurde. Die Einnahme Monte Rotondo's hielt aber dem „Helden beider Welten" schwer. Er brauchte dazu 10 Tage. Dann setzte er sich in diesem kleinen Bergstädtchen sowie in dein J/2 Stunde davon entfernt liegenden Ment ana fest; denn die Franzosen hatten ein Corps in den Kirchenstaat geworfen, von welchem Garibaldi einen Angriff erwartete. Der französische General de Fail- lis unternahm aber diesen Angriff nicht, da er auf die Bitte des päpstlichen Generals v. Kanzler den Päpstlichen diese Ehre überlassen wollte. Am 2. November in der Frühe rückte General Kanzler mit seinen 3000 Zuaven, 1000 Carabinieri esteri, 2 Escadronen Dragoner und 4 Batterien von Rom aus, um Garibaldi den Entscheidungskainpf anzubieten. Gegen 1 Uhr Mittags erreichte General Kanzler Monte Rotondo, respect. Mentana. Etwa 4 Stunden später erschienen auch die Franzosen unter de Faillis, etwa 400 Mann stark, zur Deckung der Päpstlichen. Allein die Schlacht war schon entschieden. Die 3000 Zuaven erstürmten mit solchem Ungestüm die festen Stellungen der viermal stärkeren Garibaldiner, daß diese in wilder Flucht ihr Heil suchten. Garibaldi selbst floh mit seiner Tochter in einer Chaise, nachdem er am Fuße durch einen Streifschuß verwundet worden war. Die Franzosen hatten nur die Genugthuung, mit ihren weittragenden Chassepots - Gewehren noch in beide Hände und ergießt ihren Schmerz in einem Strome von Thränen. Es ist zwar sehr schädlich, dies Weinen, denn eben durch das viele Weinen wollen die Augen vollends den Dienst versagen; aber Gertrud ist auch ein armes, recht unglückliches Weib, und wäre es doch eine unmenschliche Härte, wollte man der Unglücklichen das Weinen verwehren. Thränen sind zwar bitterer Trank, aber sie erquicken doch manches Herz. Und wenn die arme Gertrud nicht meinen könnte, wäre ihr das Labsal der Thränen versagt, was müßte sie nicht Alles noch schrecklicher leiden! Denke Dir, lieber Leser, der Gertrud ihren Mann hat erst bei unglücklichen Geschäften sein ganzes, schönes Vermögen eingebüßt, wie es in jenen unglücklichen Zeiten gar Manchem ergangen, und da hat's immer mehr Mangel abgesetzt im Hause; aber endlich ist ihm auch das Haus über dem Kopfe weg verkauft worden und sein Karren und das Pferd, das letzte, womit er als Fuhrmann noch den noth- wendigsten Lebensunterhalt schaffen mochte. Wie das alles gekommen, ist weitläufig zu erzählen; genug, was der Dietrich auch an- gefangen hat, ist fehlgeschlagen, und mit all' seiner Ehrlichkeit ist er ein ganz armer Mann geworden. Als die letzte Habe verkauft war, hat's der Dietrich nicht mehr
manches Rothhemd niederzustrecken. Das war die letzte Waffenthat Garibaldi's. An der „Eroberung" Roms durch General Cadorna am 20. September 1870 war er nicht beseitigt. —
Garibaldi ist tobt, die katholische Kirche aber, der er den Tod geschworen, lebt noch, und sie wird noch leben, wenn alle ihre heutige Todfeinde schon längst vermodert sind.
Der letzte Wille Garibaldi's bestimmt, daß seine Leiche auf Caprera verbrannt und die Asche in einer der Familie gehörenden Urne unter einem Akazienbaum, unter welchem schon zwei früher verstorbene Kinder ruhen, beigesetzt werde.
-h- Bischof Gilmortr von Cleveland über die irische Frage.
Die Politik, welche England neuestens wieder in Folge des zu Dublin verübten Doppelmords gegen Irland verfolgt, wird in ganz Europa getadelt und im freien Amerika ist man erst recht erbittert über den englischen Wollsackliberalismus, dessen Mund von Freiheitsphrasen trieft und dessen Hand brutal auf Irland lastet. Jüngst hat auch eines der. angesehensten Mitglieder des katholischen Episcopates von Nordamerika, Bischof Gilmour von Cleveland sich über die irische Frage geäußert und das Unrecht Englands ungescheut gebrandmarkt. „Warum ist denn Irland in diesem armseligen Zustande, warum in der Lage einer chronischen Rebellion?" fragte der Bischof Eingangs der von ihm gehaltenen, in Amerika wie in England großes Aufsehen erregenden Rede und gab gleich die Antwort, indem er ertragen können in der Heimath; in der Stille hat er die Familie an die Hand genommen, die jammernde Gertrud, sein braves Weib, und drei kleine Würmchen von Kindern, die zwar Brod genug essen mochten,' aber noch gar nichts davon wußten, wie sauer es oft wird, Brod genug zu erwerben, und ist weit fortgegangen, weit weg, wo ihn Niemand kannte. Dort hat er sich dann als Fuhrknecht verdingt, damit er doch mit Ehren seine Familie ernähre. Unter fremden Leuten thut ja auch die Armuth nicht halb so weh. Bettelarm war nun zwar der Dietrich, aber Betteln — nein, das wollte er nicht, und müßte er arbeiten, daß ihm das Blut aus den Fingern springe. So ist's immer mit Leuten, die ein rechtes Ehrgefühl im Leibe haben; die wollen lieber arbeiten, bis sie umsinken, als daß sie sich andern Leuten zur Last aufladen. Der Dienst trug indeß wenig ein, die Zeiten waren schlecht, denn der Franzos hauste im Land„ und ist auch Mancher dazumal von dein säubern Musjö reich geworden, wie, weiß Gott im Himmel, dann sind noch mehr Leute, seinetwegen an den Bettelstab gerathen.. Fremde Herren bringen selten Segen, unb nun gar diese Herren, die vom Segnen gar nichts wissen wollten. Da wuchs denn die Noth, wie das Unkraut im regenreichen