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M 125.

Freitag, den 2. Juni 1882.

Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda in der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda 1 Mark und 50 Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfg.. ins Haus gebracht 1 M. 90 Pfg. Die ,illustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 25 Pfg., in s Haus gebracht 40 Pfg. Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

W Für den Monat Juni nehmen Bestellungen ans die ,Fuld. Zeitung^ alle Postanstalten, Land­briefboten und für Fulda die Ex­pedition, Bnttermarkt 112, zum Preise von 50 Pfg. (ohne Bestell­geld) an.

+ Zolltarif und Wahlreform in Oesterreich.

Der österreichische Reichsrath hat nunmehr seine Ferien angetreten, nachdem es noch in den letzten Sitzungen recht heiß hergegangen ist. Es waren scharfe Sträuße, die da ge­fochten wurden; die Sieger blieben Regier­ung und Reichsmajorität, während die libe­rale Partei die letzten Sitzungstage in ihren parlamentarischen Kalender nicht roth an­streichen dürfte. Sie brachten ihr zwei Niederlagen und es wäre schwer zu sagen, durch welche von beiden sie empfindlicher getroffen worden ist, welche von ihnen ereig- nißreichere Consequenzen nach sich ziehen dürfte. Im Abgeordnetenhause wurde der Zolltarif in der vom Herrenhause beschlosse­nen Fasiung angenommen und damit die Regierungsvorlage in Betreff der Getreide­zölle wiederhergestellt; das Herrenhaus hat die Wahlreform in der vom Abgeordneten­hause beschlossenen Weise acceptirt und da­mit eine wesentlich geänderte Grundlage für das parlamentarische Leben in Oesterreich und die Stellung der politischen Parteien geschaffen. Der Kampf der Parteien ent­brannte im Herrenhause viel heftiger als im Hause der Abgeordneten, wurde doch in je­nem eine ausschließlich materielle Interessen

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Zum Glück geboren.

Original-Erzählung von A. Linden.

(Fortsetzung.)

Ich war gespannt, ob meine Schwester, welche mir nur einen flüchtigen Blick zu­geworfen und ruhig in ihrem Journal fort­blätterte, mich wieder erkennen würde, und versuchte daher die beiden Damen in ein Gespräch zu verwickeln, was mir auch sehr leicht gelang, da ich die schwache Seite meiner Schwester kannte. Sie sprach über­haupt gern und am liebsten über die schöne Literatur; und es fand also den besten An­klang, als ich — bei dein Modejournal an­knüpfend, diesen Gegenstand aufs Tapet brachte, und ich hatte, da meine Schwester, welche mich durchaus nicht erkannte, bei jeder Gelegenheit die junge Dame zur Ab­wehr der Verteidigung der von mir auf­gestellten oder angegriffenen Behauptungen zu Hilfe rief, Gelegenheit, ebenso dem ge­bildeten Geist derselben Bewunderung zollen zu müffen, wie ich mich von ihrer Grazie und Anmuth förmlich bezaubert fühlte. Ich glaubte zu bemerken, daß ihr Blick von Zeit zu Zeit mit einem sinnenden Ausdruck auf meinem Gesicht verweilte und meine Eitelkeit flüsterte mir zu, daß ich einen günstigen Eindruck auf sie gemacht hätte.

der Bevölkerung berührende Angelegenheit künstlich zu einer politischen Frage gemacht. Die gründlichen Auseinandersetzungen der Regierung hatten zur Klärung und Berich­tigung der Ansichten wesentlich beigetragen und die Erkenntniß, daß die Annahme der auf einer nicht ohne große Schwierigkeiten mit der ungarischen Regierung zu Stande gebrachten Vereinbarung fußenden, den land- wirthschaftlichen, gewerblichen und industriellen Interessen Oesterreichs jede mögliche Rück­sicht tragenden Regierungsvorlagen zur unab­weisbaren Rothwendigkeit geworden, hatte auch bei jenen Abgeordneten, die den Tarif­sätzen bezüglich der Getreidezölle Mißtrauen entgegengebracht, mittlerweile Platz gegriffen.

Die Frage, die dagegen im Herrenhause verhandelt wurde, war rein politischer Natur und da platzten denn auch die sich diame­tral gegenüberstehenden Gegensätze heftig aufeinander. Herr von Schmerling und Fürst Carl Auersperg als Vertreter des Liberalismus in Oesterreich auf der einen, die eonservativen Autonomisten Fürst Schwar­zenberg und Graf Beleredi auf der anderen Seite traten mit aller Kraft ihrer Ueber- zeugung und Beredsamkeit gegen und für die Wahlreform ein; den Sieg trug die conservative Partei des Herrenhauses davon, die sich in dieser Angelegenheit zu liberaleren Grundsätzen bekannte, als die sich liberal nennende Partei der Linken. Die Herren­haus-Debatte über die Wahlreform warf zu­dem ein grelles Streiflicht auf die auch in der letzten Emanation der „Vereinigten Linken" so hochgepriesene Einigkeit der Ver­fassungspartei. Im Abgeordnetenbause wurde

Es war mir eine höchst ungelegene Störung, als der Oberkellner hereintrat, um mir zu melden, daß mein Zimmer in Be­reitschaft sei; ich war es um so weniger, auf mein Zimmer zu gehen. Ich bedeutete ihm, daß es gut sei, und wendete mich wieder zu der Unterhaltung, während er sich entfernte.

Ich hatte wohl bemerkt, daß die junge Dame meiner Schwester etwas in's Ohr flüsterte, während ich mit dem Kellner sprach, und ich hörte diese, wie sie sich eben zu ihr wandte, wie mit dem Tone der höchsten Ueberraschung sagen: „Wie? Wäre es mög­lich!" Einen forschenden Blick auf mich werfend, kehrte sie sich nach mir um und mit den komisch zürnenden Worten: „Wahr­haftig! Du hast recht, Tinchen! Es ist Bruder Gustav! O! der abscheulichen Fopperei!" breitete sie die Arme nach mir aus.

Ich war verrathen; und zwar — was mir das unbegreiflichste schien, — offenbar durch die jüngere Dame. Allein jetzt war keine Zeit zu längerer Verstellung; ich stürzte — meiner brüderlichen Zärtlichkeit nicht länger Zwang authuend, in die geöffneten Arme meiner Schwester und küßte ihr die Scheltworte von den Lippen.

In diesem Augenblicke öffnete sich die

die Ausdehnung des Wahlrechtes auf die Fünfgulden-Mäuuer allzu engherzig befunden, dort erhoben sich gewichtige Stimmen für das allgemeine Stimmrecht, für ein birect zu wählendes Volkshaus; im Herrenhause machte mau dem Wahlreform-Antrage allzu weit gehende demokratifche Tendenzen zum Vorwurfe, hier wurde der Patriotismus, das Recht zur Vertretung der Interessen der Bevölkerung von der größeren Höhe des Steuerantheils ganz und gar abhängig gemacht.

Ohne Zweifel haben die ruhigen, leiden­schaftslosen und sachlichen Erklärungen des Ministerpräsidenten Grasen Ta affe, der auf die Angriffe des Fürsten Auersperg re- plieirte, zu dem Erfolge sehr wesentlich bei­getragen, den die Sache des Fortschritts, die Freunde der Heranziehung des stark be­lasteten Mittelstandes zur Vertretung seiner Interessen mit dem wichtigen Beschlüsse des Herrenhauses zu verzeichnen haben. Die Zurückweisung, die bei diesem Anlasse den Angriffen des Fürsten Auersperg vom Gra­fen Taaffe zu Theil wurde, indem ihm die­ser naheführte, es stehe der Regierung mehr zu, mit den Parteien selbst Fühlung zu nehmen, als von einzelnen Parteiführern Inspirationen zu empfangen, und daß es wohl nicht angehe, den Inhalt der Thron­reden vor ihrer Publication in Cireulation zn setzen, waren ebenso wohlverdient, als die Bemerkung des Ministerpräsidenten kei­ner Anfechtung unterliegt, es sei weit zu­träglicher, wenn alle Parteien ihre Ansich­ten auf dem Boden des Parlamentes ent­wickeln und vertreten können, als wenn

Thüre und mein Schwager trat herein. Meine Schwester, welche den Rücken nach derselben gekehrt hatte, bemerkte ihn nicht, wohl aber ich; und in meinem Leben werde ich den kornischen Anblick nicht vergessen, welchen er gewährte, als er sah, wie ein, — ihm in diesem Augenblick wild fremd vor- komniender Mensch, — seine Frau küßte, was diese nicht nur geduldig litt, sondern mit gleicher Zärtlichkeit erwiderte. Er war vollständig perplex und starrte uns mit offenem Munde an.

Ich mußte laut auflachen; riß ihn jedoch schnell aus seiner Verlegenheit, indeni ich ihm mit einem „Grüß Dich Gott, Schwager!" die Hand bot, wodurch augenblicklich wieder Leben und Bewegung in ihn kam.

Mein Schwager war gekommen, um zu melden, daß Alles zur Nachhausefahrt bereit sei und bestand nunmehr mit meiner Schwester darauf, daß ich sofort mitfahren müsse. Ich machte Gegenvorstellungen, denn ich wäre gern noch bei der jungen Dame geblieben, die mir gewaltig im Kopfe herum ging. Allein bald begriff ich, daß die junge Dame mit uns nach Hause fahren würde, und nun machte ich keine Einwendungen mehr, sondern ertheilte nur meinem Bedienten die nöthigen Anweisungen, um mit dem Gepäck nachzukommen. Die brennendste Neugierde