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Freitag, den 2. Juni 1882.
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+ Zolltarif und Wahlreform in Oesterreich.
Der österreichische Reichsrath hat nunmehr seine Ferien angetreten, nachdem es noch in den letzten Sitzungen recht heiß hergegangen ist. Es waren scharfe Sträuße, die da gefochten wurden; die Sieger blieben Regierung und Reichsmajorität, während die liberale Partei die letzten Sitzungstage in ihren parlamentarischen Kalender nicht roth anstreichen dürfte. Sie brachten ihr zwei Niederlagen und es wäre schwer zu sagen, durch welche von beiden sie empfindlicher getroffen worden ist, welche von ihnen ereig- nißreichere Consequenzen nach sich ziehen dürfte. Im Abgeordnetenhause wurde der Zolltarif in der vom Herrenhause beschlossenen Fasiung angenommen und damit die Regierungsvorlage in Betreff der Getreidezölle wiederhergestellt; das Herrenhaus hat die Wahlreform in der vom Abgeordnetenhause beschlossenen Weise acceptirt und damit eine wesentlich geänderte Grundlage für das parlamentarische Leben in Oesterreich und die Stellung der politischen Parteien geschaffen. Der Kampf der Parteien entbrannte im Herrenhause viel heftiger als im Hause der Abgeordneten, wurde doch in jenem eine ausschließlich materielle Interessen
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Zum Glück geboren.
Original-Erzählung von A. Linden.
(Fortsetzung.)
Ich war gespannt, ob meine Schwester, welche mir nur einen flüchtigen Blick zugeworfen und ruhig in ihrem Journal fortblätterte, mich wieder erkennen würde, und versuchte daher die beiden Damen in ein Gespräch zu verwickeln, was mir auch sehr leicht gelang, da ich die schwache Seite meiner Schwester kannte. Sie sprach überhaupt gern und am liebsten über die schöne Literatur; und es fand also den besten Anklang, als ich — bei dein Modejournal anknüpfend, diesen Gegenstand aufs Tapet brachte, und ich hatte, da meine Schwester, welche mich durchaus nicht erkannte, bei jeder Gelegenheit die junge Dame zur Abwehr der Verteidigung der von mir aufgestellten oder angegriffenen Behauptungen zu Hilfe rief, Gelegenheit, ebenso dem gebildeten Geist derselben Bewunderung zollen zu müffen, wie ich mich von ihrer Grazie und Anmuth förmlich bezaubert fühlte. Ich glaubte zu bemerken, daß ihr Blick von Zeit zu Zeit mit einem sinnenden Ausdruck auf meinem Gesicht verweilte und meine Eitelkeit flüsterte mir zu, daß ich einen günstigen Eindruck auf sie gemacht hätte.
der Bevölkerung berührende Angelegenheit künstlich zu einer politischen Frage gemacht. Die gründlichen Auseinandersetzungen der Regierung hatten zur Klärung und Berichtigung der Ansichten wesentlich beigetragen und die Erkenntniß, daß die Annahme der auf einer nicht ohne große Schwierigkeiten mit der ungarischen Regierung zu Stande gebrachten Vereinbarung fußenden, den land- wirthschaftlichen, gewerblichen und industriellen Interessen Oesterreichs jede mögliche Rücksicht tragenden Regierungsvorlagen zur unabweisbaren Rothwendigkeit geworden, hatte auch bei jenen Abgeordneten, die den Tarifsätzen bezüglich der Getreidezölle Mißtrauen entgegengebracht, mittlerweile Platz gegriffen.
Die Frage, die dagegen im Herrenhause verhandelt wurde, war rein politischer Natur und da platzten denn auch die sich diametral gegenüberstehenden Gegensätze heftig aufeinander. Herr von Schmerling und Fürst Carl Auersperg als Vertreter des Liberalismus in Oesterreich auf der einen, die eonservativen Autonomisten Fürst Schwarzenberg und Graf Beleredi auf der anderen Seite traten mit aller Kraft ihrer Ueber- zeugung und Beredsamkeit gegen und für die Wahlreform ein; den Sieg trug die conservative Partei des Herrenhauses davon, die sich in dieser Angelegenheit zu liberaleren Grundsätzen bekannte, als die sich liberal nennende Partei der Linken. Die Herrenhaus-Debatte über die Wahlreform warf zudem ein grelles Streiflicht auf die auch in der letzten Emanation der „Vereinigten Linken" so hochgepriesene Einigkeit der Verfassungspartei. Im Abgeordnetenbause wurde
Es war mir eine höchst ungelegene Störung, als der Oberkellner hereintrat, um mir zu melden, daß mein Zimmer in Bereitschaft sei; ich war es um so weniger, auf mein Zimmer zu gehen. Ich bedeutete ihm, daß es gut sei, und wendete mich wieder zu der Unterhaltung, während er sich entfernte.
Ich hatte wohl bemerkt, daß die junge Dame meiner Schwester etwas in's Ohr flüsterte, während ich mit dem Kellner sprach, und ich hörte diese, wie sie sich eben zu ihr wandte, wie mit dem Tone der höchsten Ueberraschung sagen: „Wie? Wäre es möglich!" Einen forschenden Blick auf mich werfend, kehrte sie sich nach mir um und mit den komisch zürnenden Worten: „Wahrhaftig! Du hast recht, Tinchen! Es ist Bruder Gustav! O! der abscheulichen Fopperei!" breitete sie die Arme nach mir aus.
Ich war verrathen; und zwar — was mir das unbegreiflichste schien, — offenbar durch die jüngere Dame. Allein jetzt war keine Zeit zu längerer Verstellung; ich stürzte — meiner brüderlichen Zärtlichkeit nicht länger Zwang authuend, in die geöffneten Arme meiner Schwester und küßte ihr die Scheltworte von den Lippen.
In diesem Augenblicke öffnete sich die
die Ausdehnung des Wahlrechtes auf die Fünfgulden-Mäuuer allzu engherzig befunden, dort erhoben sich gewichtige Stimmen für das allgemeine Stimmrecht, für ein birect zu wählendes Volkshaus; im Herrenhause machte mau dem Wahlreform-Antrage allzu weit gehende demokratifche Tendenzen zum Vorwurfe, hier wurde der Patriotismus, das Recht zur Vertretung der Interessen der Bevölkerung von der größeren Höhe des Steuerantheils ganz und gar abhängig gemacht.
Ohne Zweifel haben die ruhigen, leidenschaftslosen und sachlichen Erklärungen des Ministerpräsidenten Grasen Ta affe, der auf die Angriffe des Fürsten Auersperg re- plieirte, zu dem Erfolge sehr wesentlich beigetragen, den die Sache des Fortschritts, die Freunde der Heranziehung des stark belasteten Mittelstandes zur Vertretung seiner Interessen mit dem wichtigen Beschlüsse des Herrenhauses zu verzeichnen haben. Die Zurückweisung, die bei diesem Anlasse den Angriffen des Fürsten Auersperg vom Grafen Taaffe zu Theil wurde, indem ihm dieser naheführte, es stehe der Regierung mehr zu, mit den Parteien selbst Fühlung zu nehmen, als von einzelnen Parteiführern Inspirationen zu empfangen, und daß es wohl nicht angehe, den Inhalt der Thronreden vor ihrer Publication in Cireulation zn setzen, waren ebenso wohlverdient, als die Bemerkung des Ministerpräsidenten keiner Anfechtung unterliegt, es sei weit zuträglicher, wenn alle Parteien ihre Ansichten auf dem Boden des Parlamentes entwickeln und vertreten können, als wenn
Thüre und mein Schwager trat herein. Meine Schwester, welche den Rücken nach derselben gekehrt hatte, bemerkte ihn nicht, wohl aber ich; und in meinem Leben werde ich den kornischen Anblick nicht vergessen, welchen er gewährte, als er sah, wie ein, — ihm in diesem Augenblick wild fremd vor- komniender Mensch, — seine Frau küßte, was diese nicht nur geduldig litt, sondern mit gleicher Zärtlichkeit erwiderte. Er war vollständig perplex und starrte uns mit offenem Munde an.
Ich mußte laut auflachen; riß ihn jedoch schnell aus seiner Verlegenheit, indeni ich ihm mit einem „Grüß Dich Gott, Schwager!" die Hand bot, wodurch augenblicklich wieder Leben und Bewegung in ihn kam.
Mein Schwager war gekommen, um zu melden, daß Alles zur Nachhausefahrt bereit sei und bestand nunmehr mit meiner Schwester darauf, daß ich sofort mitfahren müsse. Ich machte Gegenvorstellungen, denn ich wäre gern noch bei der jungen Dame geblieben, die mir gewaltig im Kopfe herum ging. Allein bald begriff ich, daß die junge Dame mit uns nach Hause fahren würde, und nun machte ich keine Einwendungen mehr, sondern ertheilte nur meinem Bedienten die nöthigen Anweisungen, um mit dem Gepäck nachzukommen. Die brennendste Neugierde