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M 124.

Doni-erstag, den 1. Juni 1882.

Fuldner

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Commune zählt jetzt ihre Schulden nach Millionen und contrahirt noch jährlich neue Anlehen, bis es ihr ergeht, wie der Stadt der Mediceer. Wenn das Königreich der Revolution sein Geld aus dem Adriatico schöpfen könnte, nmrde es kaum toller wirth- schasten als jetzt/wo es die letzte Lira aus den Taschen seiner verzweifelten Bürger preßt und die Verzinsung nur seiner Staats­schulden jährlich eine halbe Milliarde Francs verschlingt.

Speciell Rom als Hauptstadt kostete na­menlose Summen für die allernothwendig- sten Neubauten, Straßenverlegungen, Anpas­sungen der geraubten Ordenshäuser zu ihren neuen Zwecken, für endlose Umänderungen der alten Gebäude, welche für die päpstliche Regierung groß genug, für die neue zu klein waren. Seit dem Herbste 1881, als gerade wegen Rom der Schrecken in die Glieder gefahren war, rüstet Italien unausgefetzt zum Kriege. Jetzt erkennt es, wie schwach die neue Hauptstadt gegen einen auswärtigen Feind sei; es vermöbelt den Rest des ein­gezogenen Kirchengutes um jeden Preis, nur um Geld zu haben für die Festungswerke, mit welchen es das wehrlose Rom umgibt, und welche bei einem ernsten Angriffe zwar die Agonie verlängern, aber die Stadt nicht retten werden, besonders da es einer feind­lichen Landung längs der tyrrhenischen Küste kaum widerstehen kann.

Woher diese Angst, diese Vergeudung der letzten Finanzen? Die ministerielle .Opinione' vom Neujahr 1882 sagt es uns mit den Worten: „Wir haben allen Grund zur Be- trübniß über das Wiedererwachen einer

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rn. Die Verlegung der Hauptstadt nach Rom der stnaneielle Ruin

Italiens.

Bevor die Tiberstadt zur Hauptstadt er­koren wurde, mußten zwei wichtige Städte, Turin und Florenz, dem Untergang anheim­fallen. Turin, ehedem Haupt- und Residenz­stadt eines wohlgeordneten Königreiches, sank mit der Verlegung der Regierung nach Flo­renz herab zu einer Provincialstadt und gleicht einer trauernden Wittwe, wie die einstige polnische Hauptstadt an der Weichsel, das alte Krakau mit seinem herrlichen Dom und seinem königlichen Jagellonenschloß. Florenz hatte sodann, als es italienische Hauptstadt .wurde, unerschwingliche Opfer gebracht, uA den neuen Ansprüchen zu ge­nügen, in>cher Hoffnung, daß es als Mittel­punkt eines größeren Reiches mit der Zeit seine Schulden werden abtragen können. Aber der neue Stern leuchtete ihm nur wenige Jahre; unter Aufbietung vieler Millionen Lire wurden die Archive und Kanzleien mit dem Heere von Beamten nach Rom geschafft, und die schöne Stadt am Ärno mit ihrer feingebildeten, fleißigen und christlich­rechtschaffenen Bevölkerung mußte Bankerott machen. In Rom begann dasselbe Spiel von vorne: die früher fast schuldenfreie

' Frage, die wir für endgiltig gelöst angesehen faxten." Diese Frage ist die „römische Frage". Und wenige Tage vorher hatte der noch ministeriellere ,Diritto' Allarmrufe in der nämlichen SaA an die liberalen Parteien gerichtet: „Ein?s ist un­zweifelhaft: Italien kann (wegen Rom) vielleicht in etlichen Tagen, vielleicht in et­lichen Monaten in einen sehr schweren Streit verwickelt werden."

Die neue Hauptstadt ist für die italienische Finaiftwirthschaft zur blutenden Wunde ge­worden, aus welcher alle Kraft des Organis­mus abfließt. Daher stammt jene Steuer- überbürdung, die einer Zwangs-Enteignung gleichkommt und die Bevölkerung ärger mit­nimmt, als der fchonungsloseste Socialismus. Das deutsche Hospiz bei St. Peter, der Campo Santo, zahlt z. B. ein Viertel seines Einkommens als Steuer. Noch grausamer ist der Landbau überbürdet, so daß die Grundbesitzer nicht nur nichts gewinnen, sondern noch darauf zahlen müssen und viel­fach die Regierung bitten, sie möge die volle Nutznießung der Güter übernehmen und den Besitzern bloß das Eigenthumsrecht vorbe» halten. Hieraus aber ergibt sich ein schreien­der socialer Uebelstand: die ländlichen Ar­beiter sind so schlecht bezahlt, daß sie kein menschenwürdiges Dasein führen können und elender daran sind, als die Iren und Neger- sclaven. Auf Gottes weiter Erde lebt keine ländliche Arbeiter-Bevölkerung so elend, wie in Italien. Daher die massenhafte Aus­wanderung aus der so schönen und von Gott gesegneten Halbinsel. Nur die amt­lichen Register weisen 1879 eine Auswander-

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Zum Glück geboren.

Original-Erzählung von A. Linden.

(Fortsetzung.)

Aber auch geistig war ich durch die reichen Erfahrungen und Anschauungen der letzten zehn Jahre gereift. Ich hatte für ein ganzes Leben gesammelt; meine Lebens­anschauungen, meine Ueberzeugungen waren geläutert worden. Ich hatte gesehen, daß viele Dinge in der Entfernung glänzen, in der Nähe aber oft häßliche Gebrechen sind. Ferne und Nähe gleichen sich wie Wunsch und Erfüllung; man findet nicht die er­wartete Befriedigung. Ich dachte nicht mehr daran, zur Verwirklichung fchöner, idealer Staatsformen die Hand zu bieten, deren praktische Herstellung allerdings das goldene Zeitalter herbeigeführt haben würde, wenn die Menschen alle — Engel wären. > ’

Ich hatte mich aber überzeugt und über­zeugen müssen, daß der Mensch ein mangel­haftes Geschöpf ist und bleiben wird; daß das Wesen der Freiheit nicht in der Re­gierungsform, nicht in den staatlichen Ein­richtungen, überhaupt^cht außer, sondern i n uns zu suchen sei, urch daß um den Zweck socialer und politischer Reformen zu er­reichen, jeder Einzelne erst mit der Reform seines eignen Ich beginnen müsse. Ich

hatte begreifen lernen, daß der sittlich freie Mensch unter jeder Regierungsform glücklich und frei fein könne, der geborene Sclave aber ebenso unter allen Verhält­nissen Sclave bleibe."

„Du würdest eS also tadeln, wenn ein Volk freisinnige Institutionen erstrebt?" frug ich den früheren Erzdemagogen etwas piquirt.

„Keineswegs!" versetzte er, „das Streben nach immer größerer Vollkommenheit, nach immer höherem Glücke liegt tief in der Natur des Menschen begründet und nicht, daß er es geltend macht, sondern daß er es nur zu oft auf falschem Wege, in dem Haschen nach Formen geltend zu machen sucht, ist zu beklagen. Wenn übrigens ein Volk nach freisinnigen Institutionen strebt, so muß es auch das Verständniß von der Nothwendigkeit und Unabweisbarkeit der­selben in sich tragen. Ist dies wirklich der Fall und folgt die Masse nicht blos blind einigen intelligenten Führern, die es viel­leicht ganz gut meinen, so hat es nicht nur die Berechtigung, sondern sogar die Ver­pflichtung, zu diesem Streben, und es wird dann das Erstrebte auch erlangen. Do aber der Maffe dieses Verständniß mangelt, da werden auch die freisinnigsten Einrich­tungen nur verhältnißmäßig Wenigen zu

Gute kommen, weil eben der große Haufe keinen vernünftigen Gebrauch davon zu machen weiß. — Doch davon sprechen wir ein andersmal! Jetzt zurück zu meiner Geschichte!"

„Meine Rückfahrt nach Europa war eine eben so glückliche als meine Hinfahrt; denn daß wir einen Sturm erlebten, sah ich nicht für ein Unglück, sondern für eine Gunst des Schicksals an, weil ich außerdem wohl kaum den Anblick eines so großartigen Schauspiels wieder erlebt haben würde. Trotz den dringenden Aufforderungen meines neuen Freundes und Gönners hielt ich mich rn England nicht einen Tag länger auf, als unumgänglich nöthig war; meine drängende Ungeduld trieb mich nach Deutschland. Von meinen Angehörigen hatte ich nur spärliche Nachrichten erhalten, weil ich nur selten hatte Briefe zugehen lassen, und mein un- stätes Herumziehen in den Vereinigten Staaten die Abgabe der an mich gelangen sollenden sehr erschwerte. Florentine hatte ich in dem wilden Strudel des großen amerikanischen Lebens fast ganz aus dem Gedächtniß ver­loren und auch die wenigen Briefe meiner Schwester hatten ihrer nur vorübergehend, jedoch immer mit der ehrendsten Anerken­nung gedacht.

Je näher ich aber der traulichen Heimath