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Sonnabend, den 27. Mai 1882.

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Politische Streifzüge.

(Nachdruck verboten.)

Die Woche hat gut angefangen, Alles mas recht ist. In der Schweiz fand die Eröffnung der Gott Hard bahn statt, und wurde dieser großartige Triumph der mo­dernen Technik über trotzige Naturgewalten mit großen Reden und großen Bechern nach Gebühr gefeiert. Der Mensch wühlte sich in die riesige Felsenbrust jener gewaltigen Gebirgskette hinein, und jetzt reißt ihn das Dampfroß in 20 Minuten durch den zwei Meilen langen Tunnel, der Deutschland mit Italien auf direetestem Wege verbindet und der, wie der Extheologe Mohr, das Post­hörnchen der .Köln. Ztg.', spöttisch bemerkt, „an eine Höllenseene in einem katholischen Gebetbuche und an das „Immer, Nimmer" der Uhr der Ewigkeit" erinnert. Selbst solche Berichte kann der liberale Spötter ohne religiöse Seitenhiebe nicht abfassen, er gleicht den unverschämten Fliegen, die Alles besudeln. Ich aber freue mich, in Zeiten, die fast nur Wirren, Elend, Kriege und revolutionäre Gährungen kennen, die meist nur groß sind im Zerstöfen, auch eines sol­chen Riesenbaues gedenken zu können, eines friedlichen Sieges des denkenden Geistes, einer Großthat auf technischem Gebiete, die würdig neben der Paeifiebahn und dem L-uezeanal steht. Möchten die Eisenschieneu in der Tiefe des Gotthard nur friedlichen Zwecken dienen, möchten sie ein Verbrüder­ungsband der Nationen sein.

Und am selben Tage, als der erste Fest­zug von Mailand in Luzern eintraf, zog der neue Fürstbischof von Bresla n,

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Zum Glück geboren.

Original-Erzählung von A. Linden. (Fortsetzung.)

Aber auch sie sollte er verlieren und zwar nach den weifen Gesetzen und Einrichtungen der Natur, denn nach weitern zehn Jahren heirathete seine Tochter und zwar wieder einen Schullehrer, welcher dieses Amt aus einem ziemlich entfernten Dorfe ver­waltete. Die Trennung war für beide Theile schmerzlich, aber das Loos der Getrennten war ein ungleiches. Denn während dem trostlosen Vater nichts zurückblieb als die Erinnerung an das genossene Glück, welche den Stachel der Entbehrung nur noch mehr schärfte, glaubte sie, den Worten der heiligen Schrift folgend: Du sollst Vater und Mut­ter verlassen und dem Manne anhangen! einem neuen, bis jetzt nur in Ahnungen und stillen Träumereien einpsundenen Glücke entgegen zu gehen.

Der alte Ehrlich hatte nach der Ent­fernung feiner Tochter sichtlich gealtert; was Wunder e — Waren ihm doch alle häus­lichen Freuden entzogen und keine seiner gerechten Hoffnungen auf eine Verbesserung seiner äußern Lage erfüllt. Er war in feinen^ 60. Jahre noch immer in derselben 120 Thaler-Stelle, welche er vor 39 Jahren

Herr Robert Herzog, in die schlesische Haupt­stadt ein. Jubel an allen Ecken, Toaste, Festessen, Fackelzug, Illumination, und da sich an dieser freudigen Kundgebung! nicht blos die Katholiken, sondern auch Liberale, Protestanten und Israeliten betheiligten, so darf man diese allgemeine Freude über den Einzug eines neuen Fürstbischofs wohl da­hin deuten, daß im Volke auch der Wunsch allgemein ijt, den kirchlichen Frieden wieder hergestellt zu sehen. Es wird freilich mit der Verwirklichung dieses Wunsches noch gute Weile haben, doch wir wollen nicht die Gründe des Mißtrauens zusammen­suchen, sondern vielmehr die Hoffnung auf baldige Beendigung des langen Kampfes nähren. Wir erinnern also daran, daß der Großherzog von Baden dem neuen Erzbischof von Freiburg das Großkreuz des Zähringer Löwenordens verliehen, und daß die Bischöfe von Breslau und Osnabrück die Ehre ge­habt haben, sich Sr. Majestät dem Kaiser und den Kronprinzlichen Herrschaften vorzustellen. Hoffentlich wird nun-auch bald die Publieation des von beiden Häusern des Landtages beschloffenen kirchenpolitischen Ge­setzes folgen.

Sehen wir uns unterdessen noch einmal in Europa um. Belgien, das Land der Seandale und der Loge, tritt am 13. Juni vor den Richterstuhl der Wahlen; 72 De- pntirte und 36 Senatoren sind neu zu wählen. Mit Spannung sehen Katholiken wie Liberale der heißen Schlacht entgegen. Letztere wollen das Land aufklären und die Köpfe des Volkes erhellen, nun, bann mögen fie recht viel Petroleum kommen lassen, — mit so dankbarem Eifer in der stillen Er­wartung, daß er ja nicht ewig hier bleiben werde, angenommen hatte, aber es fehlte ihm an Gönnern und Freunden und ebenso wenig waren ihm die Canäle bekannt, welche zur Beförderung eingeschlagen werden müssen. Fünf Jahre noch verwaltete er — zwar mit ungeschwächtem Eifer, aber desto mehr abnehmenden Kräften — sein schwieriges Amt. Dann traf auch ihn das Loos, in den Ruhestand versetzt zu werden. Er ließ es ruhig geschehen, denn sie waren ihm zu sauer geworden diese letzten fünf Jahre, und nunmehr konnte er doch den still im Herzen getragenen Wunsch zur Ausführung bringen, sich wieder mit der geliebten Tochter zu vereinigen, deren spärlich eingehende, aber von gleich unveränderter kindlicher Liebe zeugenden Briefe die Sehnsucht seines Vater­herzens nicht zu befriedigen vermochten. Als daher der neue Schullehrer installirt und alles Uebrige in Ordnung gebracht war, ergriff der Greis vergnügt wie ein Kind den Wanderstab' und scheute nicht den weiten Weg, welchen er zu Fuß zurücklegen mußte.

Aber auch hier harrten des alten Mannes nur neue Täuschungen und neue Schmerzen. Das Elend zog ein in die Hütte des Jammers. Er fand seinen Schwiegersohn von einem hitzigen Nervenfieber ergriffen auf dem

in Amerika hat man ja eine neue Quelle entdeckt, die täglich tausend Faß liefert, — und das Petroleum braucht man auch viel­fach, um faule Wunden auszuwaschen. Dient das Licht des Erdöls nicht dazu, um die Hirnkasten der „Dummen" zu erleuchten, dann kann man es wenigstens anzünden, um die große Sündenlast des Liberalismus zu verbrennen. Möchte der gute Ausfall der Wahl in Philippville vorbedeutend für den 13. Juni sein!

Oesterreich ist seinen Finanzminister los und seinen Wiener Ringtheaterproeeß; hätte es für den ersteren nur Ersatz; aber einen Mann, der es den selbstbewußten Slaven und den stolzen Herren in Pest zu­gleich recht machen kann, den muß man mit der Laterne suchen. In Rußland dürfen die Zeitungen Nichts mehr über die Judenbewegung veröffentlichen, angeb­lich, weil soviel dabei gelogen und übertrie­ben wurde, und in England dürfen die Zeitungen jeden Tag schreiben, daß die Po­lizei so und so viele „Verdächtige" verhaf­tet habe und den Mördern vom 6. Mai „auf der Spur" sei, leider faßt sie die Verbrecher aber nicht. Die neue verschärfte Zwangsbill, welche die englische Freiheit für die Iren aufhebt und die grüne Insel in die Zwangsjacke der Dietatur schnürt, wird nur Del in's Feuer gießen; daß das eng­lische Cabinet sich in einer verzweiselten Lage befindet, ist klar, aber muß es des­halb zu Seorpionen greifen? Irland ist ohnehin ein Wespennest; muß England den Stachel der Wespen noch mehr schärfen und mit rücksichtsloser Strenge vergiften?

Krankenlager, von welchem er nicht wieder aufstehen sollte. Und doch pries er sich glücklich, gerade zu dieser Stunde gekommen zu fein, wo er der hinterbleibenden Wittwe und ihren hilflosen zwei Waisen, seinen Enkeln, welche er mit wahrer Inbrunst an sein liebesuchendes und liebebedürstiges Herz drückte, mit Rath und Trost beistehen konnte.

Natürlich mußte die Wittwe mit ihren Kindern und dem alten Vater nach Ablauf der Gnadenzeit die Schullehrerwohnung räumen und sich ein anderes Quartier suchen. Jetzt erst begann eine Reihe von Entbehrungen und Kummer und Sorgen, wie sie der Alte — der ihrer doch bereits genug erprobt hatte und ihrer gewöhnt war, doch noch nicht kannte. Die vier Menschen hatten nichts als die 40 Thaler, welche der alte Ehrlich als Emeritus bezog; 30 Thaler, welche die Wittwe als Pension und 16 Thaler, welche sie als Erziehungsgelder für ihre Kinder erhielt. Mit 86 Thaler jähr­lich mußte also nun nicht blos für Nahrung und Kleidung, sondern auch für Miethe, Heizung und Beleuchtung gesorgt werden. Wie glücklich war dagegen ein amtirender L-chullehrer mit 120 Thaler, welcher nur für erstere beide Dinge zu sorgen brauchte, die letzteren aber frei hatte und den die Gutmüthigkeit der Landleute noch zeitweise